Prävention im Pflegeberuf

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Prävention im Pflegeberuf – ist das überhaupt möglich? Nahezu jeder Arbeitstag einer Pflegekraft in Deutschland ist geprägt von Stress und körperlichen Belastungen. Eine Glocke die klingelt, weil ein Patient auf die Toilette mobilisiert werden muss. Dazu noch der junge Assistenzarzt der mit der Visite nicht fertig wird, obwohl das Mittagessen schon ausgeteilt ist. Doch wer soll es Essen eingeben? Pflegekräfte werden sich in solchen Beschreibungen relativ schnell wiederfinden. Sicherlich gibt es noch eine Vielzahl von anderen Berufen die ein ähnlich hohes Stresslevel mit sich bringen, jedoch eignet sich der Pflegeberuf als perfekter Nährboden für Burnout und Co.

Die Überlastung, der Stress und die niedrige Bezahlung sind nur 3 Beispiele für Risikofaktoren, welche einen Burnout begünstigen.

Aber es gibt auch einen anderen Nährboden. Mitglieder der Pflege sind auch Profis in Sachen Prävention. Der Nährboden für Veränderung ist gegeben. Er muss nur noch genutzt werden.

 

Prävention vs. Gesundheitsförderung

Unternehmen und Betriebe im Gesundheitswesen sollen nach dem Leitfaden arbeiten: „Prävention vor Heilung und Rehabilitation“. Diese Grundsatz wird jedoch bei Klienten/Kunden/Patienten/etc. nur bedingt angewendet und bei den eigenen Angestellten fast komplett missachtet. Studien der letzten Jahre haben immer wieder aufgezeigt, dass es im Pflegesektor in Deutschland eine gehörige Menge an Nachholbedarf gibt. Auch die Liste an Büchern zu diesem Themenbereich wird stetig länger. Bücher, Coaching, Ratgeber und Co. bieten zwar einen Einstieg in die Thematik, aber sind nicht die Lösung des Problems. Prävention, in ihren verschiedenen Definitionen, versucht durch vorbeugende Maßnahmen einen Krankheitseintritt zu verhindern zu verzögern bzw. Krankheitsfolgen abzumildern.

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Dabei helfen sicherlich Programme der Krankenkasse oder Vorsorgeuntersuchungen beim Hausarzt. Aber Krankheiten zuvorkommen oder verhüten? Klingt das nicht ein bisschen zu sehr nach Minimalprinzip? Der Mensch sollte gerade so viel in seine Gesundheit investieren, dass er nicht krank wird. Nein, das ist nicht der richtige Weg! Dieser Ansatz geht vielen nicht weit genug. Gerade in Verbindung mit der Arbeit möchte ich doch nicht Geld verdienen und danach die Sorge tragen müssen, dass ich vom Arbeitsaufwand, also mittelbar dem Geld, krank werde. Die Generation Y will nicht arbeiten gehen um Leben zu können und dann doch am Ende krank zu sein. Sie will arbeiten gehen und gleichzeitig die eigene Gesundheit fördern und „ausbauen“.

Neue Möglichkeiten der Arbeitsmodelle

Wie soll dies funktionieren in einem Beruf der von Schichtarbeit, Überstunden und fehlendem Biorhythmus geprägt ist? Ein paar Ansätze für die Prävention im Pflegeberuf lassen sich finden. Zum Beispiel alternative Schichtmodelle, die zwar das Arbeitspensum auf weniger Tage zusammenfassen, jedoch damit einen Mehrwert für die Freizeit und die Gesundheit schaffen. Rutger Bregman schreibt in seinem Buch Utopien für Realisten von der 15-Stunden-Woche. Wenn man dieses Gedankenspiel der Zukunft einfach mal weiter denkt, kommt man zu der Frage: Was mache ich mit den freien 25 Stunden in der Woche? Die Antwort ist leicht. Tue was für deine Gesundheit, dann tut sie später etwas für dich. Es ist nachgewiesen, dass Menschen, die in der Mitte ihres Lebens mehr Energie in ihre Gesundheit und Fitness stecken, am Ende ihres Lebens seltener pflegebedürftig werden, als Menschen die weniger Energie in Gesundheit und Fitness investiert haben.

Gesund zur Arbeit

Mit dem Slogan „Ihre Gesundheit ist das wichtigste Gut“ trifft die AXA Deutschland fast den Nagel auf den Kopf. Denn Güter lassen sich vergrößern oder vervielfachen. Und genau so verhält es sich mit der Gesundheit. Auch sie lässt sich vergrößern. Zum Beispiel ganz einfach auf dem Weg zur und von der Arbeit. Das Auto stehen lassen und mit dem neuen E-Bike gemütlich, aber doch aktiv zur Arbeit fahren. Und dabei nicht nur Sprit sparen. Durch die Barlohnumwandlung sinken die Sozialversicherungsabgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Diese Möglichkeit der Arbeitnehmer, mit recht niedrigen Leasingraten an ein E-Bike zu kommen, ist wohl gerade für Beschäftigte interessant, die ein gewisses Lebensalter erreicht haben, jedoch weiterhin gesund, aktiv, klimaneutral und günstig zur Arbeit kommen wollen.

Also sollte es nicht Prävention vs. Gesundheitsförderung, sondern eher Gesundheitsförderung&Prävention heißen.

Gesundheit bewahren trotz Pflegenotstand

Wie sollen Beschäftigte in der Pflege gesund bleiben, wenn fast ihr komplettes Arbeitsumfeld von physischen und psychischen Belastungen geprägt ist? Unternehmen, welche mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben, müssten die Möglichkeiten der Gesundheitsförderung und Prävention als Attraktivitätsmerkmal nutzen, um neue Mitarbeiter für ihre Organisation gewinnen zu können. Booz & Company haben in Ihrer Studie für die Felix Burda Stiftung im Jahr 2011 errechnet, dass pro Arbeitnehmer alleine durch die Fehlzeiten pro Jahr, Kosten in Höhe von 1.199 Euro entstehen. Also sind betriebsinterne Programme oder Vergünstigungen, welche die Gesundheit fördern sollen, für beide Seiten absolut attraktiv und wünschenswert. Um den Pflegenotstand und das herrschende Stresslevel deutschlandweit zu senken, sind sicherlich berufspolitische Veränderungen von Nöten. Aber mit betrieblichem Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung, sowie Programmen zur individuellen Prävention im Pflegeberuf, kann jeder einzelne Betrieb im eigenen Sandkasten für Entspannung und tragbaren Arbeitsbedingungen sorgen.

Nur so kann kurz- und mittelfristig die überdurchschnittlich hohe Anzahl an Krankheitstagen von Beschäftigten in Pflege- oder Altenheimen gesenkt werden. Im Vergleich zu anderen Berufstätigen sind Angestellte im Pflegesektor im Jahr durchschnittlich 8 Tage mehr krank.

Oliver Weymannhttps://carewelt.de/
B.A. Pflegepädagogik Abschluss 2021; Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger

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