Telemedizinische Sprechstunde – Fluch oder Segen?

Florian Croseck

Florian Croseck

Rückblick

Mitte Mai diesen Jahres hat der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt beschlossen, dass das Fernbehandlungsverbot fallen wird – die telemedizinische Sprechstunde kann also kommen. Allerdings soll das anfangs nur für „Einzelfälle“ gelten. Das Gremium fordert weiterhin den sogenannten „Goldstandard“, eine Behandlung im persönlichen Kontakt mit den Patienten. Die neuen Kommunikationsmedien sollen nur unterstützend zum Einsatz kommen.

Doch die Meinungen gehen auseinander. Einige Delegierte der Landesärztekammer brachten ihre generelle Ablehnung einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots zum Ausdruck. Sie fürchten eine „Call-Center-Medizin“ oder gar ein „ambulantes Raubrittertum“. Andere wiederum sprachen sich für den Schritt der Lockerung aus und wollten sogar die Beschränkung auf den Einzelfall herausnehmen. Dr. Thomas Lipp, Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Hartmannbunds Sachsen, rief seine Kollegen dazu auf, den digitalen Wandel proaktiv anzugehen. Auch international gibt es bereits Länder, die das Konzept der Online-Sprechstunde eingeführt haben. Das deutsche Gesundheitswesen muss sich hier noch weiterentwickeln.

Auch Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV, bleibt dabei nicht unbeteiligt. Er hat, laut Kanzlerin Merkel, freie Hand bei der gesetzlichen Regelung der elektronischen Gesundheitskarte. Auch das Thema Fernverschreibungsverbot muss zügig bearbeitet werden. Denn es obliegt nicht der Ärztekammer zu entscheiden, ob Mediziner nach einer telemedizinischen Sprechstunde auch Medikamente verschreiben dürfen, sondern der Gesetzgeber.

Telemedizinische Sprechstunde – Chancen & Risiken

Die Chancen der digitalen Medizin sind immens, doch scheitert die Weiterentwicklung derzeit an Politik und Standesorganisationen. Es besteht die Gefahr, dass die deutsche Gesundheitswirtschaft – Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und alle anderen Anbieter von Gesundheits-Dienstleistungen – den Anschluss verliert. Denn Anbieter wie Google, Amazon und Apple sind dabei verlockende Angebote für Gesundheitskonsumenten und Patienten zu entwickeln.

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Bis jetzt wurde das Thema Fernbehandlung allerdings nur mit Blick auf hausärztliche Leistungen diskutiert. Komisch, da es ja auch Chancen in der spezialisierten Medizin gibt. Ein Paradebeispiel ist zum Beispiel die MRT-Praxis MR-Neurographie Neuer Wall Hamburg, die vom Universitätsklinikum Heidelberg betrieben wird. Hier erfolgt die medizinische Betreuung und vor allem die Befundung per Telemedizin aus Heidelberg. Lediglich eine Fachangestellte ist vor Ort. Hoch Spezialisierte Mediziner an wenigen Orten zusammenzuführen, ist an sich sinnvoll, da hier die Chancen der digitalen Vernetzung liegen. Allerdings musste die Heidelberger Uniklinik aufgrund des Fernbehandlungsverbots viel Überzeugungsarbeit leisten, bis sie die Ärztekammer davon überzeugen konnten und grünes Licht bekamen.

Es wird deutlich, dass der Weg zu einem innovativen Gesundheitssystem in Deutschland kein einfacher sein wird. Denn zu viel Bürokratie und Besitzstandswahrung sind wie Gift für Innovation.

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