Digitalisierung im BGM

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Pflegekongress 2018
Quelle: Pixabay

Neue Technologien und die zunehmende Digitalisierung sind die Themen der heutigen Arbeitswelt. Über nichts Anderes diskutiert man mehr. So wie technische Innovationen die Arbeitswelt verändern und dadurch neue Arbeitsformen erschaffen, muss sich auch die Präventionsarbeit bzgl. der Beschäftigten weiterentwickeln. Es sind also zeitgemäße Lösungsansätze im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) erforderlich.

Üblicherweise sind mit der Einführung eines BGMs eine Vielzahl an Erwartungen verbunden. Dazu zählen beispielsweise der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, eine höhere Qualität und Produktivität der Arbeit sowie die Reduzierung von Krankheits- bzw. Fehltagen. Um nun zeitgemäße Lösungen zu finden, muss sich ein BGM, auf Grund der Digitalisierung, stets mit den sich wandelnden Arbeitsbedingungen auseinandersetzen. Also warum sollten sich nicht auch die Akteure des betrieblichen Gesundheitsmanagements die zukünftigen digitalen Tools zu Nutze machen? Ein modernes, innovatives und zeitgemäßes BGM kann einen entscheidenden Mehrwert für einen anhaltenden Unternehmenserfolg sein.

Um allerdings eine innovative Präventionsstrategie implementieren zu können, müssen zunächst alle relevanten Handlungsansätze identifiziert werden. In den vergangenen Jahren sind die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt immer mehr in den Fokus gerückt. Trotzdem darf man die Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) nicht außer Acht lassen. Blickt man nämlich auf das Präventionspotenzial spielen die MSE eine entscheidende Rolle im Krankheitsgeschehen der Arbeitnehmer. Zwei Ansatzpunkte in Bezug auf die Prävention von MSE kristallisieren sich dabei heraus:

  • Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen
  • Förderung des gesundheitsgerechten Verhaltens der Angestellten

Bei der Frage um die physiologische Körperhaltung nehmen diese beiden Aspekte eine zentrale Rolle ein. Denn einerseits sind Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich, welche Körperhaltung wir während der Ausübung einer Arbeitstätigkeit einnehmen bzw. eingenommen werden muss und andererseits können durch die individuellen Ressourcen bzgl. des Arbeitsverhaltens manche Belastungen reduziert oder verstärkt werden.

Ursachen für MSE

Das Spektrum ist breit gefächert. In der Regel kann man davon ausgehen, dass das Tragen, Heben, Um- oder Absetzen sowie das Schieben und Ziehen von schweren Gegenständen mittels menschlicher Körperkraft in Verbindung mit hoher Belastung und ungünstigen Körperhaltungen bzw. Bewegungsabläufen zu Beschwerden am Muskel-Skelett-Apparat führen können. Aber auch Zwangshaltungen am Arbeitsplatz sind nicht zu vernachlässigen. Von Zwangshaltungen spricht man, wenn die vom Menschen ausgeführte Arbeit ihn zwingt eine spezielle Körperhaltung mit geringer Bewegungsmöglichkeiten über einen gewissen Zeitraum einzunehmen. Beispiele hierfür wären das Arbeiten in starrer Rumpfbeuge, das Hocken, Knien, Kriechen und Liegen, dauerhaftes Stehen ohne wirksame Bewegungsalternativen oder die klassische Sitzhaltung am Schreibtisch. Folglich ergeben sich Beschwerden für den Muskel-Skelett-Apparat insbesondere durch extreme Gelenkstellung, statischer Haltearbeit oder ungünstiger Hebelbewegungen.

Digitale Lösungsansätze für die Haltungsanalyse am Arbeitsplatz

Wie zuvor erwähnt, muss auch die Gesundheitsbranche auf die wachsende Digitalisierung reagieren. Immer häufiger müssen sich die Personal- und Gesundheitsverantwortlichen eines Unternehmens damit auseinandersetzen, welche technologischen Innovationen für die Gesundheitsförderung der Angestellten geeignet sind und wie man diese zielführend in ein BGM implementieren kann.Digitalisierung Gesundheits-Apps, Wearables und Gesundheitsportale sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht, neue Zielgruppen für präventive Maßnahmen zu erschließen und die Beschäftigten für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren. Doch auch digitale Lösungen zur Analyse der Körperhaltung bei der Arbeit gewinnen zunehmend an Bedeutung.

 

Eine sorgfältige Analyse bildet immer noch die Basis einer jeden zielführenden Präventionsstrategie. Auch wenn zur Identifikation von gesundheitsrelevanten Problemen oder zur Ableitung passgenauer Präventionsmaßnahmen nach wie vor keine digitalen Verfahren verwendet werden, sollte es vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Digitalisierung naheliegen, doch auf digitale Technologien zurückzugreifen. Bei der ergonomischen Analyse von Arbeitsbelastungen könnten derartige Technologien eine digitale Erfassung von arbeitsbedingten Körperhaltungen ermöglichen. Die Anwendung von Motion Capture Systems ist in der Lage beobachtete Körperhaltungen mit in die Auswertung der Ergebnisse einfließen zu lassen. Dabei lassen sich menschliche Bewegungsabläufe digitalisieren und für einen späteren ergonomischen Bewertungs- und Interventionsprozess aufbereiten.

Eine weitere Möglichkeit die arbeitsbedingte Körperhaltung zu untersuchen, ist die altbewährte Beobachtungsanalyse. Dabei erfolgt eine subjektive Beurteilung der Körperhaltung im jeweiligen Arbeitskontext. Um das Beobachtete zu visualisieren, können softwaregestützte Foto- oder Videoaufnahmen zur Dokumentation genutzt werden. So kann vor Ort oder in einer zeitnahen Analyse die Körperhaltung bewertet und Korrekturen vorgenommen werden.

Ausblick-Digitalisierung im BGM

Es liegt auf der Hand, dass digitale Lösungen schon jetzt dem BGM gewinnbringende Ansätze bieten. Aber mit der im Mai 2018 in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird eine zentrale Aufgabe darin liegen, die Datensicherheit zu gewährleisten und die Arbeitnehmer vor Datenmissbrauch zu schützen