Donnerstag, Mai 23, 2019

Psychische Erkrankungen – vor allem ältere Krankenschwestern stark betroffen!

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Nicht nur die Arbeit im Pflegeberuf nimmt stetig zu, sondern auch die Erkrankungsrate der Pflegenden. Speziell ältere Gesundheits- und Krankenpflegerinnen leiden überdurchschnittlich oft an psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen, erklärte das Arbeitsministerium. Neben den vielen Krankheitstagen beantragen auch immer mehr betroffene Schwestern eine vorzeitige Erwerbsminderungsrente. Männliche Pflegekräfte und jüngere Krankenschwestern sind im Vergleich deutlich weniger oft krankgeschrieben. Auch psychische Erkrankungen werden hier seltener diagnostiziert.

Rückblick

Im Jahr 2016 waren Krankenschwestern an insgesamt 59 Millionen Tagen aufgrund psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen krankgeschrieben. Bei den männlichen Kollegen waren es hingegen nur 39 Millionen. Demzufolge waren Frauen 50 Prozent häufiger psychisch krank. In der Altersgruppe der 55- bis 60-jährigen Krankenschwestern führten psychische Erkrankungen bzw. Belastungsstörungen an 367 Tagen pro 100 Versicherte zu Krankschreibungen. Im Gegensatz dazu waren die jüngeren Kolleginnen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren nur an 174 Tagen pro 100 Versicherte arbeitsunfähig. Die männlichen Pflegekräfte der Altersgruppe 55 und 60, bei denen man eine psychische Erkrankung diagnostizierte, wurden nur an insgesamt 213 Tagen pro 100 Versicherte krankgeschrieben.

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Auch die AOK Bayern hat sich die Branche genauer angeschaut und die Zahlen aus dem Jahr 2017 in einem „Report Pflege“ zusammengefasst. Dabei wurden die Daten von 49.000 AOK-versicherten Pflegekräften untersucht. Lag der Krankenstand der Pflegekräfte im Jahr 2008 noch bei 5,4 Prozent, ist er nun auf erschreckende 6,8 Prozent angestiegen. Im Vergleich dazu liegt der bayerische Krankenstand durchschnittlich bei 4,7 Prozent. Hinzu kommt, dass in der Pflegebranche ca. 40 Prozent der Beschäftigten älter als 50 Jahre und knapp 82 Prozent Frauen beschäftigt sind.

Psychische Erkrankungen-Die Pflegefachkräfte sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen!

Ein gewöhnlicher Arbeitstag ist neben der großen Verantwortung und den psychischen sowie physischen Anforderungen geprägt von personeller Unterbesetzung, dem zunehmenden Kostendruck des Gesundheitswesens und der Zunahme an multimorbiden Patienten. Auch im AOK-Report Pflege wurden typische Gesundheitsbelastungen des Pflegepersonals vorgestellt.

Typische Belastungen:

  • schweres Heben und Tragen sowie langes Stehen belasten den Muskel-Skelettapparat. Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage fallen auf Muskel-Skeletterkrankungen mit 23,5 Prozent.
  • psychische Erkrankungen sind für die zweithäufigste Erkrankungsursache bei Pflegekräften verantwortlich (16 Prozent)

Auch die Erkrankungsdauer in den beiden Diagnosegruppen ist länger als der bayerische Durchschnitt. Bei den psychischen Erkrankungen beträgt die Genesungszeit der Pflegekräfte durchschnittlich knapp 34 Kalendertage. Das sind 30 Prozent mehr als der Bayerndurchschnitt. Die Arbeitsunfähigkeit bei Muskel-Skeletterkrankungen liegt bei rund 23,1 Kalendertagen und somit um 31 Prozent über dem Bayernwert.

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Ausblick

Um dieser Entwicklung und den arbeitsbedingten Belastungen entgegen zu wirken, bietet die AOK Bayern speziell für Pflegeheime seit einigen Jahren ein branchenspezifisches betriebliches Gesundheitsmanagement an. Allein im vergangenen Jahr hat die AOK Bayern in über 280 bayerischen Pflegeheimen mehr als 700 Aktivitäten zur Förderung der Mitarbeitergesundheit durchgeführt. Rund 20.000 Angestellte nahmen dieses Angebot wahr. Ziel ist es arbeitsbedingte Gesundheitsbelastungen und Erkrankungen zu reduzieren. Inhalt des Schulungskonzepts sind beispielsweise der rückengerechte Einsatz von Pflegehilfsmitteln oder eine optimierte Dienstplangestaltung. Um langfristige Erfolge erzielen zu können, sind umfangreiche Analysen sowie die Integration eines individuellen und praxisnahen betrieblichen Gesundheitsmanagements erforderlich.

Florian Croseck
M.A. Prävention & Gesundheitsmanagement Dez.19; B.Sc. Pflege- und Gesundheitswissenschaften; Examinierter Gesundheit- und Krankenpfleger; Pflegeberater nach § 7a SGB XI; Derzeit: stellv. PDL in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung