Donnerstag, Mai 23, 2019

Digitaler Stress: Frauen häufiger betroffen!

Anzeige

In der Studie „Digitaler Stress in Deutschland“, des Augsburger Wissenschaftlers Professor Henner Gimpel, hat man untersucht, wie Arbeitnehmer heutzutage mit digitalen Technologien am Arbeitsplatz zurechtkommen. Professor Gimpel ist am Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG) der Universität Augsburg beschäftigt. Seine Studie gilt als bisher größte Befragung von Erwerbstätigen zur Belastung und Beanspruchung durch Arbeit mit digitalen Technologien. Neben einer Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Augsburg war auch eine Projektgruppe der Fraunhofer Wirtschaftsinformatik involviert. Die Studie wurde durch die Hans-Böckler-Stiftung subventioniert.

Zu folgenden Fragen, bzgl. seiner Studie „Digitaler Stress in Deutschland“, wurde Prof. Gimpel von der Augsburger Allgemeinen interviewt:

Anzeige


Welcher Stress entsteht durch die Digitalisierung am Arbeitsplatz?

Prof. Gimpel: „Digitaler Stress ist ein Problem, das über alle Regionen, Branchen, Tätigkeitsarten und Bevölkerungsgruppen hinweg feststellbar ist. Unsere Studie zeigt auch, dass übermäßiger digitaler Stress mit einer deutlichen Zunahme gesundheitlicher Beschwerden einhergeht.

Welche konkreten Auswirkungen sind beobachtbar?

Prof. Gimpel: „Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich einem hohen digitalen Stress ausgesetzt sehen, leidet unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und allgemeiner Müdigkeit. Nachweislich verringert übermäßiger digitaler Stress die berufliche Leistung. Er geht zugleich mit einem starken Konflikt bei der „Work-Life-Balance“ einher.“

Welche Altersgruppe unter den Arbeitnehmern ist besonders betroffen?

Prof. Gimpel: „Die Gruppe der 25- bis 34-jährigen Arbeitnehmer ist nach unseren Erkenntnissen digital gestresster als andere Altersgruppen.“

Anzeige


Warum genau diese Altersgruppe?

Prof. Gimpel: „Das hat uns auch sehr überrascht. Es kommt bei der Entstehung von digitalem Stress immer darauf an, welche Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer gestellt werden, aber auch, welche Kompetenzen er hat. Um Stress zu vermeiden, muss hier ein Gleichgewicht bestehen. Es ist schon so, dass die jüngeren Arbeitnehmer sich selbst als kompetenter einschätzen. Aber sie haben auch viel mehr mit digitalen Technologien zu tun und haben stärker digitalisierte Arbeitsplätze. Dadurch kommt es zu einem größeren Ungleichgewicht und somit zu einem größeren digitalen Stress als bei älteren Arbeitnehmern.“

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Umgang mit digitalem Stress?

Prof. Gimpel: „Bemerkenswert ist, dass Frauen, die an digitalisierteren Arbeitsplätzen arbeiten, sich als kompetenter empfinden als Männer. Zugleich leiden sie aber mehr unter digitalem Stress als Männer. Geschlechterübergreifend wird die Verunsicherung im Umgang mit digitalen Technologien als der größte Stressfaktor wahrgenommen. Aber auch die Unzuverlässigkeit der Technologien und die Überflutung mit digitalen Technologien in allen Bereichen des Lebens spielen neben weiteren Faktoren eine bedeutende Rolle.“

Wie lässt sich digital verursachter Stress reduzieren bzw. vorbeugen?

Prof. Gimpel: „Unsere Erkenntnisse aus der Befragung legen Maßnahmen nahe, die in erster Linie darauf abzielen, Fehlbeanspruchungen durch digitalen Stress zu vermeiden. Darunter fallen in erster Linie vorbeugende Maßnahmen, etwa die Vermittlung und der Erwerb von Kompetenzen sowohl im Umgang mit digitalen Technologien als auch in der Bewältigung von digitalem Stress. Unter präventiven Gesichtspunkten geht es aber auch darum, digitale Technologien maßvoll und individuell optimiert einzusetzen, Unterstützung für Arbeitnehmer sicherzustellen und beim Design der eingesetzten digitalen Technologien höchsten Wert auf deren Verlässlichkeit zu legen.“

Anzeige


Florian Croseck
M.A. Prävention & Gesundheitsmanagement Dez.19; B.Sc. Pflege- und Gesundheitswissenschaften; Examinierter Gesundheit- und Krankenpfleger; Pflegeberater nach § 7a SGB XI; Derzeit: stellv. PDL in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung