Das Smartphone und seine Gefahren! Teil 2

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Bereits im ersten Teil des Interviews hat der ärztlicher Direktor der Uniklinik Ulm, Prof. Dr. Manfred Spitzer, der Augsburger Allgemeinen einige Fragen zu den Gefahren bei der Benutzung von Smartphones im Kindes- und Jugendalter beantwortet. Im zweiten Teil geht Herr Spitzer auf spezielle Methoden ein, die Eltern ergreifen können, um ihre Kinder möglichst lange vor den Gefahren der Smartphones zu schützen.

Heißt das, Sie würden das Smartphone auch erst ab 18 erlauben?

Spitzer: So ist es, ohne Aufsicht erst ab 18.

 Aber ist das nicht realitätsfern? So gut wie jeder trägt eines mit sich herum…

Spitzer: Während meiner Schulzeit war das Rauchen an Schulen nicht wegzudenken. Über Jahrzehnte hat es eine reiche Lobby geschafft, uns einzureden, Zigaretten mit Freiheit und Abenteuer zu verbinden. Die gesundheitlichen Folgen wurden verharmlost. Dies hat alleine in Deutschland über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren für 140 000 Tote pro Jahr gesorgt! Ein besseres Beispiel, was Lobbyarbeit anrichten kann, gibt es gar nicht. Und ich kann Ihnen versichern, der Einfluss und vor allem die Finanzkraft der digitalen Lobby sind um ein Vielfaches größer als bei jeder anderen Lobby – schließlich handelt es sich um die reichsten und mächtigsten Firmen der Welt.

 Aber auch vor diesem Hintergrund ist doch das Erlernen des verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien umso wichtiger. Mit Verboten werden Smartphones doch noch interessanter.

Spitzer: Seit etwa zehn Jahren sind Smartphones in unserem Alltag. Keiner, weltweit keiner, hat sich um die Folgen dieses massenhaften Einsatzes auf unsere Gesundheit, auf die Entwicklung unserer Kinder gekümmert. Im Gegenteil: In den Schulen werden Milliarden für digitale Medien ausgegeben. Sogar das Grundgesetz soll verändert werden, damit den Ländern die Bildungshoheit vom Bund genommen werden kann, um sie an kalifornische superreiche Firmen wie Apple, Microsoft, Google und Co. Weiterzugeben. Das ist ein Skandal! Denn diesen Firmen geht es nicht um Bildung, sondern einzig und allein um ihren Profit. Profitorientierte Firmen steuern unser Leben. Bis ins intimste Detail. Das lassen wir zu.

 Sie selbst sind Vater von sechs Kindern. Haben Ihre Kinder kein Smartphone?

Spitzer: Fünf meiner Kinder sind erwachsen, meine jüngste Tochter Anna ist neun Jahre alt und hat kein Smartphone. Ich werde ständig von Eltern um Rat gebeten, und ich sage immer wieder: Erstens, was Sie Ihrem Kind nicht kaufen oder schenken, müssen Sie ihm später auch nicht wegnehmen oder verbieten. Das ist die wichtigste Regel für Eltern. Zweitens: Ein Smartphone ist der Zugang zum größten Rotlichtmilieu und größten Kriminellen-Treffpunkt der Welt. Wenn mich Eltern fragen, ab welchem Alter ich zu einem Smartphone rate, sage ich stets: Ab wann würden Sie ihr Kind ohne Begleitung ins Rotlichtmilieu oder zu Kriminellen lassen? Dann fangen viele Eltern an, nachzudenken. Und das ist gut so.

 Viele Eltern fürchten aber, dass ihr Kind ohne Handy ausgegrenzt wird.

Spitzer: Auch auf dieses Problem werde ich oft angesprochen: „Alle haben ein Smartphone, und wer keines hat, ist ausgegrenzt“, so das Argument. Es gibt aber Fälle, wo die Eltern aller Kinder einer Klasse sich absprechen und den Kindern kein Smartphone in die Schule mitgeben. Dann entfällt der Hauptgrund „alle anderen haben eins“, und die Kinder reden wieder miteinander, sind sozial zufriedener und lernen besser. Es ist nachgewiesen, dass die soziale Zufriedenheit zunimmt, wenn Facebook und Co. Abgeschaltet werden.

 Aber auch in der Ausbildung, im Beruf, ist die Digitalisierung längst Realität. Digitale Kompetenzen werden von jungen Leuten erwartet.

Spitzer: Ausbilder wollen vor allem klare Köpfe, gute Sprache, Motivation, soziale Kompetenzen, Kreativität, Einfühlungsvermögen, Engagement und einen guten Umgangston. Digitale Medien beeinträchtigen die Entwicklung von allem. Und die Ausbilder von Berufsschülern bemerken dies mit großer Sorge. Kenntnisse im praktischen Umgang mit digitaler Informationstechnik lernt ein junger, aufgeschlossener Mensch leicht dazu.

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 Sie wurden kürzlich von der AfD gefragt, ob Sie an einer Enquete-Kommission als Experte teilnehmen, die sich mit den beruflichen Herausforderungen beschäftigt. Für viele Ihrer Kritiker passte diese Nähe zur AfD.

Spitzer: Aber das stimmt einfach nicht. Erstens habe ich abgelehnt, und zweitens teile ich keiner Weise die Ansichten der AfD.

Auch in der Wissenschaft haben Sie viele Kritiker, die Ihnen vorwerfen, dass Sie digitale Medien zu pauschal verteufeln und in Studien nur das hervorheben, was zu Ihren Thesen passt.

Spitzer: Die sollten dann einmal sagen, worauf sie sich genau beziehen. Diese Leute machen pauschal Vorwürfe, die nicht zutreffen, wohingegen ich mich bei allem, was ich beschreibe, auf Quellen beziehe, die ich auch nenne. Diese Vorwürfe gibt es seit langem, und ich bin ihnen schon mehrfach und deutlich begegnet. Sie sind nicht haltbar. Aber es ist leider so unglaublich leicht, unhaltbare Vorwürfe pauschal öffentlich zu erheben.

 Auf der Hand aber liegt doch, dass Smartphone und Internet Senioren, gerade, wenn sie nicht mehr so mobil sind, wirklich viele Vorteile bringen…

Spitzer: Auch hier wird viel versprochen, wo Fakten fehlen. Aber wenn es eine Personengruppe gibt, die unter dem Strich vom Smartphone profitieren kann, dann sind das tatsächlich Rentner. Ich sage es mal salopp: In ihren Gehirnen lässt sich nichts mehr kaputt machen, weil diese Menschen in ihrer Jugend ja alle Möglichkeiten hatten, ihre kognitiven und sozialen Fähigkeiten zu entwickeln.

Florian Croseck
Health Manager (M.A.), Pflege- und Gesundheitswissenschaftler (B.Sc.), Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegeberater nach § 7a Abs. 3 Satz 3 SGB XI

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