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Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

Bild: pixabay

Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

zweiter Teil: Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

 

Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zum Thema Schwangerschaftsabbruch geht es um die verschiedenen Möglichkeiten
der Abtreibung. Die Schilderungen in diesem Artikel sind phasenweise sehr bildlich, daher empfehlen wir minderjährigen Lesern, diesen Artikel im Beisein ihrer Erziehungsberechtigten zu lesen. Weitere Informationen finden Sie am Ende des Artikels.

Methoden des Schwangerschaftsabbruches im zeitlichen Verlauf

Statistisch erfasst ist, dass im zeitlichen Verlauf der Anteil von Vakuumaspirationen um etwas über 20 % gesunken ist und der Anteil von Abtreibungen mit Mifegyne® um knapp 20 % zugenommen hat. Als Grund hierfür kann die Einführung des Medikamentes im Jahr 2000 angeführt werden. Weiterhin legen Kürettage im Trend geringfügig zu.

Im Vergleich zu Deutschland lag der Anteil an medikamentösen Abtreibungen in Großbritannien und Frankreich im Jahr 2017 bei über 60 % und in der Schweiz sogar bei 72 %.

Schwangerschaftsabbrüche werden bevorzugt in ambulanten gynäkologischen Praxen durchgeführt. Nur wenige in Krankenhäusern, dort meist ambulant und selten stationär.

Im Hinblick auf die Methode zum Schwangerschaftsabbruch, besteht laut „8-Fakten-
zum-Schwangerschaftsabbruch“ in Deutschland ein regionaler Unterschied je nach Bundesland. Als Grund hierfür werden lokale Präferenzen der Ärzte angegeben, welche die Wahlfreiheit der Frauen einschränken. Ein Risiko für Komplikationen bei einem medizinischen Eingriff zum Schwangerschaftsabbruch besteht in Deutschland aufgrund des guten Gesundheitssystems kaum. Von 101.209 Eingriffen bestand lediglich bei 388 eine Komplikation. Das sind vier betroffene Personen von 1000 behandelten, was einen Prozentsatz von 0,4 % bedeutet (vgl. proFamilia, 2018).

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In den letzten zwölf Jahren sank die Gesamtanzahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland kontinuierlich von 129.650 im Jahr 2004 auf 98.721 im Jahr 2016 (vgl. pro-Familia, 2017). Auch zu berücksichtigen ist die inzwischen frühe Aufklärung von Minderjährigen im Umgang mit Verhütungsmethoden durch die Schule. So haben sie ein hohes Problembewusstsein bezüglich der Notwendigkeit zur Verhütung. Viele planen Schwangerschaften, um zum richtigen Zeitpunkt ein Kind zu bekommen. Eine ungewollte frühere Schwangerschaft versuchen sie deshalb zu verhindern.

Zu viele Frauen sind nicht ausreichend genug über die unterschiedlichen Methoden zumAbbruch aufgeklärt worden. Dies ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben. Dadurch machen sich viele Betroffene falsche Auffassungen der verschiedenen Methoden. Sie interpretieren zum Beispiel, dass der medikamentöse Abbruch sanft, ungefährlich oder sogar natürlich ist. Weiter werden die Risiken der Absaugung meist überschätzt, da nicht bekannt ist, dass ein Eingriff in örtlicher Betäubung stattfinden kann (vgl. proFamilia, 2017).

Die Vakuumaspiration (Absaugung, Saugkürettage)

Aufgrund des Anstieges der medikamentösen Methode ist die Anzahl die Abbrüche mit Vakuumaspirationen im zeitlichen Verlauf gesunken. Diese Anwendung erfolgt meist in der 5-13 Schwangerschaftswoche. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland sieben von zehn Schwangerschaftsabbrüche mit dieser Methode durchgeführt. Diese Variante kann in Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden. In Deutschland wird meist eine kurze Vollnarkose angewendet, welche gut verträglich und risikoarm ist. Die Lokalanästhesie ist nicht völlig schmerzfrei. Es können einige Minuten lang mehr oder weniger starke Schmerzen, welche mit Regelblutungsschmerzen vergleichbar sind, auftreten. Die Anwendung erfolgt meist ambulant, nur bei weiteren Erkrankungen, welche in einer Klinik kontrolliert werden müssen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Nach jeder Art der Betäubung wird in die Scheide ein sogenanntes Spekulum eingeführt, damit der Abtreiber den Gebärmutterhals und den Eingang zur Gebärmutter zu sehen bekommt. Danach werden immer größere Metallstäbe sogenannte Dilatatoren verwendet, um Zugang zum Inneren der Gebärmutter zu erhalten. Nun wird ein Kunststoffkatheter in die Gebärmutter eingeführt. An dem Katheter ist eine Saugmaschine angeschlossen, welche den Inhalt der Gebärmutter absaugt. Das Ungeborene wird durch die Saugkraft zerstört und in den Auffangbehälter der Saugmaschine gezogen. Nach der Absaugung wird mittels einer Kürette die Wand der Gebärmutter ausgeschabt, um etwaige Reste zu entfernen. Nun wird das Spekulum wieder entfernt und die Abtreibung ist ab-
geschlossen. Der Eingriff selbst dauert in etwa zehn Minuten und die Frauen können nach circa einer Stunde wieder nach Hause. Meist wird vor dem Eingriff noch ein Prostaglandin verabreicht um das Weiten des Gebärmutterhalses zu erleichtern. Nach dem Eingriff wird häufig noch ein Antibiotikum, zur Vermeidung von Infektionen im Unterleib, angeordnet. Je nach Blut-Rhesusfaktor ist eine Gabe gegen Antikörper-Bildung notwendig. Etwa zwei Wochen nach dem Eingriff sollte eine Nachuntersuchung durchgeführt werden, damit weitere Risiken ausgeschlossen werden können.

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Als Folgerisiken dieser Methode werden das Durchstechen oder Zerreißen des Gebärmutterhalses, Schäden am Darm, Blase und Blutgefäße, Blutungen, Infektionen und in seltenen Fällen sogar der Tod angegeben. Zukünftige Schwangerschaften haben zudem ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt oder den Verlust eines Kindes. Zu Komplikationen kommt es kaum, wenn der Abtreiber die Behandlung in der siebten bis neunten Woche vornimmt und in dieser geübt ist.

Medikamentös mit Mifegyne® (Mifepriston)

Der medikamentöse Abbruch mit Mifegyne® steht erst seit dem Jahr 2000 zur Verfügung. Wie bereits erwähnt ist der Anteil dieser Abbruchmethode im zeitlichen Verlauf bis heute gestiegen. Die Anwendung erfolgt bis zur neunten Woche nach Beginn der letzten Regelblutung. Umso früher nun ein Abbruch in Erwägung gezogen wird, desto eher wird zu dieser Methode gegriffen. Demzufolge steigt der Anteil der medikamentösen Abbrüche umso früher die Abbrüche stattfinden (vgl. proFamilia, 2017).

Der Wirkstoff Mifepriston ist ein künstliches Hormon, welches dem natürlichen Progesteron ähnelt. Dieses ist entscheidend für die Entwicklung und den Erhalt einer Schwangerschaft. Mit dieser ähnlichen Struktur hemmt Mifepriston die Wirkung von Progesteron. Es wirkt also antagonistisch. Ohne weitere Wirkung des Progesterons kann nun die Schwangerschaft nicht fortbestehen und es kommt zu einer Blutung mit welcher die Schwangerschaft endet. Dies kann verglichen werden mit einem spontanen Abgang bei einer Fehlgeburt. Weiterhin bewirkt Mifepriston die Erweichung und Öffnung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmutter. Das Medikament wird in Anwesenheit eines Arztes eingenommen. Die Patientin wird noch zwei bis vier Stunden in der Praxis überwacht. Es erfolgt bereits ab dem nächsten Tag eine Blutung. Da nur selten bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fötus ausgestoßen wird, ist es notwendig einige Tage später ein Prostaglandin einzunehmen. Meist wird der Fötus einige Stunden nach dieser
Einnahme ausgestoßen, in seltenen Fällen kann dies noch bis zu zwei Tage dauern. In diesen Tagen können krampfartige Schmerzen auftreten, welche jedoch mit Analgetika gut kontrollierbar sind. Stärkere Regelblutungen sind in der Folgezeit bis zu drei Wochen nach Ausstoßung möglich. Die Nachuntersuchung erfolgt sieben bis 14 Tage später und wird meist per Sonografie durchgeführt.

Die Anwendung von Mifepriston mit Prostaglandin führt in 96 % der Fälle zum vollständigen Schwangerschaftsabbruch. Eine weitere Einnahme von Prostaglandin erhöht diesen Wert auf 98 %. Falls dies immer noch keinen Erfolg zeigt, muss ein Abbruch des Restgewebes instrumentell durchgeführt werden. Vor der Anwendung mit Mifepriston muss im Beratungsgespräch geklärt werden, ob eine Anwendung überhaupt in Frage kommt. Bei bestimmten Vorerkrankungen kommt dies nicht in Betracht. Bei der Einnahme von Prostaglandin kommt es häufig zu Unterbauchschmerzen welche vergleichbar mit denen einer Regelblutung sind. Weiterhin können Prostaglandine zu Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen.

Kürettage (Ausschabung)

Wie bereits oben beschrieben wird bei der Kürettage mithilfe einer langstieligen gebogenen Klinge die Gebärmutter ausgeschabt. Diese Methode war vor der Absaugung am gebräuchlichsten. Heute wird sie meist nur noch in Kombination nach der Vakuumaspiration oder bei Rückständen nach medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen angewandt.

Medikamentös/sonstige Arzneimittel/sonstige Methoden

Auch die reine höher dosierte Anwendung mit Prostaglandin kann zu einem Schwangerschaftsabbruch führen.

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Weiterhin wird in seltenen Fällen in Deutschland eine Schwangerschaft durch eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) beendet. Jedoch ist hier nicht der Abbruch der Schwangerschaft Anlass, sondern bedrohliche Erkrankungen der Gebärmutter die eine Schwangerschaft nicht zulassen. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Kind die eingeleitete Geburt überlebt. Deshalb sind Ärzte und Ärztinnen ethisch und juristisch dazu verpflichtet das Kind am Leben zu erhalten. Jedoch kann mit Einverständnis der Schwangeren vor Geburt ein sogenannter Fetozid durchgeführt werden. Hierbei wird das Kind noch im Bauch der Mutter mithilfe einer Kaliumchloridlösung, welche in das Herz des Kindes gespritzt wird, getötet (vgl. Familienplanung.de, 2016).

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

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