Das Phänomen „Alexander Jorde“

Als im Jahr 2017 Frau Merkel in der Wahlarena stand und sich die Fragen und Kritik von Alexander Jorde anhören musste, wusste noch niemand wie gut sich dieser junge Mann vermarkten kann. Für Pflegekräfte in Deutschland ist Alexander Jorde in den letzten zwei Jahren ein Sprachrohr geworden. Nun hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel „Kranke Pflege“, welches im Klett-Cotta Verlag am 28.02.2019 erscheinen wird. Aber wieso erhält eine Auszubildender der Gesundheits- und Krankenpflege mehr Aufmerksamkeit als zum Beispiel ein Herr Westerfellhaus, seines Zeichen der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung. Der Westfale Andreas Westerfellhaus ist gelernter Krankenpfleger, Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie sowie Betriebswirt und leitete eine Akademie für Berufe im Gesundheitswesen in Gütersloh. Von 2009 bis 2017 war Andreas Westerfellhaus Präsident des Deutschen Pflegerates. Trotz seiner langjährige Tätigkeit in der Pflege und Berufspolitik hat er nie die Aufmerksamkeit in den vielen Jahren erreichen können, die nun Herrn Jorde zu Teil wird.

Zahlen, Daten, Fakten zu Alexander Jorde

Alexander Jorde ist im Jahr 1996 geboren und hat 2016 mit der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger begonnen. Seinen ersten medienwirksamen Auftritt hatte er in der oben erwähnten Wahlarena im Jahr 2017.

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Wenn man nun nach Alexander Jorde googelt, bekommt ungefähr 266000 Treffer angezeigt. Als Vergleich dient erneut Herr Andreas Westerfellhaus. Bei seiner Google-Suche werden lediglich 34500 Suchergebnisse präsentiert. Auch bei Twitter herrschen bei diesen zwei Pflege-Persönlichkeiten signifikante Unterschiede. Jorde hat 3477 Follower (Stand 18.02.2019) und Westerfellhaus erreicht über Twitter nur 2057 (Stand 18.02.2019) andere Nutzer. Aber wie ist es zu diesen Daten gekommen? Wie konnte ein Auszubildender mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken als renommierte Pflegeexperten und Pflegewissenschaftler?

Emotionen als Schlüssel zum Erfolg

Herr Jorde spricht sehr emotional. Nicht nur in der Wahlarena aus dem Jahr 2017, sondern auch in seinen folgenden Auftritten. Diese Emotionalität trifft den Nerv der Menschen. Die Wählerinnen und Wähler wünschen sich richtige Persönlichkeiten in der Politik und der Öffentlichkeit. Daher kann man den Schritt der SPD nur nachvollziehen, dass sie sich auf die Pilgerfahrt gemacht hat um Herrn Jorde zu akquirieren. Und das ganze mit Erfolg. Zur Zeit ist Alexander Jorde Mitglied in der SPD. Der Beitritt war ein mutiger Schritt. Denn gerade in Zeiten der Unsicherheit in der SPD hätte so ein Schritt auch negative Folgen für Alexander haben können. Neben seiner politischen Gesinnung vertritt er jedoch weiterhin lautstark die vermeintlichen Meinungen von Pflegekräfte.

Daher verwundert es tatsächlich, dass Herr Jorde mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt als Herr Westerfellhaus. Diese Verwunderung resultiert aus der nicht immer sachlichen Argumentationsweise von Herrn Jorde. In seinen Fernsehauftritten und Online-Videos sticht oft die Emotionalität ins Auge. Diese Emotionalität kommt jedoch auf Kosten der Sachlichkeit und der Evidenz zustande. Denn oftmals sind seine Ausführungen nicht wirklich wissenschaftlich hinterlegt und einfach nur sehr kritisch formuliert um natürlich Fragen aufzuwerfen, die dann beantwortet werden müssen. Eine intelligente Methode um Aufmerksamkeit zu produzieren.

Warum funktioniert die Methode von Alexander Jorde?

Sie funktioniert weil unsere Politiker in Deutschland das Thema Pflege entdeckt haben und nun damit Hausieren gehen, um Stimmen zu erlangen. Mit ihrer Entdeckung behaupten die Politiker in Deutschland auch häufig, dass sie nun die Pflege verstehen und zuhören. Durch das Versprechen der Politik öffnet sich nun die Tür zu emotionalen und unsachlichen Debatten. Denn wer verspricht zuzuhören und zu verstehen, der kann eben nicht nur Studien zur aktuellen Situation der Pflege in Deutschland lesen, sondern muss sich auch mit den emotionalen und bewegenden Berichten von Betroffenen auseinandersetzen. Diese Tür nimmt Alexander Jorde dankend an. Zu Beginn hat er dieses sicherlich unbewusst getan, jedoch nun geht er gewollt diesen Schritt. Durch diesen Weg erlangt er eine große mediale Aufmerksamkeit und könnte somit auch erwartungsgemäß hohe Verkaufszahlen für sein neues Buch erzielen. Sicherlich ist es wichtig die Missstände in der Pflege klar anzusprechen Doch die Lösungen bedürfen einer sehr klugen und sachlichen Diskussion. Denn was die Pflege in Deutschland sicher nicht brauchen kann, ist noch so eine Schnellschuss wie die Personalbemessungsgrenzen in pflege-sensitiven Bereichen. Die Zahlen zum Pflege-Patienten-Schlüssel sind schlichtweg willkürlich gewählt. Dazu ein Zitat des Verbandes der Ersatzkassen:

Die derzeitige Fachkräftequote ist nicht nur ohne wissenschaftliche Grundlage festgelegt worden. Bei strikter Anwendung kommt es schnell zu Belegungsstopps, wenn die Quote unterschritten wird, während gleichzeitig eine Überschreitung als unwirtschaftlich gelten kann mit entsprechenden Konsequenzen für die Refinanzierung.

Dieser Schnellschuss wird übrigens von Herrn Jorde unterstützt. Ob diese Unterstützung von der SPD gefordert wird, oder ob er selbst diese Meinung vertritt ist aus seinem letzten Interview nicht heraus zu lesen. (Interview Märkische Allgemeine)

 

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Oliver Weymannhttps://carewelt.de/
B.A. Pflegepädagogik Abschluss 2021; Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger

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