Donnerstag, Mai 23, 2019

Die Evolution des Pflegebettes

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Tagtäglich werden sie von unzähligen Menschen genutzt, die Pflegebetten. Für Patienten, Bewohner, Alten- und Krankenpflegekräfte ist es ein ständiger Begleiter. Auch bei Pflegebett kann man zwischen der Hardware und Software unterscheiden. In diesem Bericht verstehen wir unter Hardware: eigentlich alles außer der Matratze, der Decke, den Kissen und sonstigen aus Stoff gefertigten Produkten. Mit der Software kann wohl jeder Laie etwas mit anfangen, denn wir kaufen ja alle selber unsere Kissen, Decken und Bezüge. Aber was hat es mit der Hardware auf sich und wie hat sich diese in den letzten Jahrzehnten verändert?

Die Geschichte der Pflegebetten

Viele kennen vielleicht den historischen Mehrteiler Charite aus dem Fernsehen. Manche können sich sogar noch an die abgebildeten „Pflegebetten“ erinnern. Machen wir uns nichts vor, nach dem heutigen Verständnis von einem Pflegebett, war das damals höchstens eine gehobene Liege, bestehend aus ein paar Holzleisten oder Eisenstangen.

Symbolbild: Pflegebett

Durch Pflegeforschung, unterstützt durch die Medizin, wurden dann erste kleinere Änderungen vorgenommen. Zum Beispiel wurden mobilen Bettgitter entwickelt, um die Sturzgefahr minimieren zu können. Oder es wurden mechanische Vorrichtungen eingebaut, mit denen man dann den Oberkörper leicht aufrichten konnte. Lagerung von Extremitäten (Arme und Beine) erfolgte damals durch eine Art Seilzug-System. Das Resultat daraus waren freischwebende Gelenke, wie zum Beispiel Knie und Ellbogen. Nach heutigen Standards der Pflegeforschung unvorstellbar.

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Was hat die Entwicklung zum high-end-Bett angestoßen?

Bedanken dürfen wir uns bei vielen Forschungsdisziplinen. Neben den medizinischen Einflüssen, spielten hauptsächlich die Ideen und Vorschläge der Pflegekräfte eine tragende Rolle. Dies lässt sich ganz einfach damit begründen, dass die Pflegekräfte damals wie heute einfach deutlich mehr Zeit mit dem Arbeitsgerät „Pflegebett“ verbringen als die Ärzteschaft. Um jetzt natürlich auch der Kundenperspektive gerecht zu werden, haben auch Patienten und Bewohner, die sehr viele Stunden ihres Lebens in einem solchen Pflegebett liegen mussten, ihre Ideen formuliert. Aber hat sich heute eine Feedback-Kultur entwickelt, wenn es um die materielle Ausrüstung von Krankenhäusern und Altenheimen geht? Eher nein, denn kaum eine Pflegekraft wird sich in Zeiten des akuten Pflegefachkräftemangels über einen fehlenden Lifter beschweren, da die Gefahr zu groß ist, dass an einer anderen Stelle – beim Personal – gespart werden sollte.

Autonomie im Pflegebett, das geht!

Jetzt kommt eine Fachrichtung der Pflegewissenschaft zur Sprache, die vermutlich vielen Pflegekräften gänzlich fremd ist. Es geht um die Phänomenologie in der Pflege. Platt ausgedruckt: Wie kann ich Phänomene und Ereignisse aus dem Pflegealltag erklären und wie können daraus Lösungsstrategien entwickelt werden?

What?

Ja was hat das mit dem Pflegebett zu tun? So einiges!

Um das verstehen zu können, muss man mit den Insidern reden, also mit den Menschen die schon seit Jahren in einem Pflegebett liegen und leben. Eine junge fitte Pflegewissenschaftlerin kann sich niemals die Gefühle und Emotionen ausmalen, die der Bewohner/Patient tatsächlich im Bezug zu seinem Pflegebett durchlebt. Das Pflegebett ist das Ort an dem die Menschen, die es benötigen, am meisten Zeit verbringen. Erstaunlich, das ein Bett im Setting Krankenhaus oder stationäre Altenpflege nur begrenzt Möglichkeit zum Rückzug bietet. An der Stellschraube „Rückzugsmöglichkeiten“ im Pflegefall ist sicherlich extrem schwierig. Genau so kompliziert wird es, wenn man versucht ein Stück Autonomie dem bettlägrige Patienten zurück zu geben. Aber mit dem Pflegebett ist es möglich. Zumindest mit der moderne Ausführung von heute. Denn dabei kann der Pflegeempfänger Position und Lagewechsel zum Teil komplett autonom steuern. Fernbedienungen und Motoren unter der Matratze ermöglichen dieses. Das Gefühl ein Teil der eigenen Autonomie zurückzugewinnen wurde auch schon in einigen Studien bestätigt und den von den Teilnehmer/innen als positiv bewertet.

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Oliver Weymannhttps://carewelt.de/
B.A. Pflegepädagogik Abschluss 2021; Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger