Pepper – Robotik in der Pflege

Die Digitalisierung der Pflege ist eines der brennendsten Themen des Gesundheitswesens. Längst sind in ersten Ländern Roboter-Pflege-Helfer auf dem Markt. Besonders populär ist der Pflegeroboter Pepper, der vornehmlich in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt wird.

Was oder wer ist Pepper?

Bei Pepper handelt es sich um einen humanoiden Pflegeroboter, der in Japan entwickelt wurde und die menschliche Mimik und Gestik analysieren und entsprechend darauf reagieren kann. Pepper ist knapp 1,20 Meter groß und wiegt 29 kg. Sein Erscheinungsbild ist dem Kindchenschema nachempfunden, sodass er gleich bei der ersten Begegnung sehr sympathisch wirkt. Pepper verfügt über zwei Arme, zwei Hände, fünf Finger und drei Räder, mit denen er in jede Richtung fahren kann, ohne sich drehen zu müssen. Auf der Brust hat Pepper ein klassisches Tablet, mit dem Patienten Bilder ansehen, Videos abspielen oder im Internet surfen können.

Was kann Pepper?

Von uns als Technologie-Unternehmen wird Pepper als Hardware gesehen, die wir umfangreich programmieren können. Pepper dient derzeit zur Unterhaltung von Pflegebedürftigen, die im Pflegealltag häufig zu kurz kommt. Er ist nicht nur in der Lage, multimediale Inhalte abzuspielen, sondern direkt auf die Heimbewohner einzugehen. Ob Konversationen oder kleine Spiele wie Tierraten. Pepper kann sein Gegenüber kurzweilig beschäftigen. Auch Spiele und Übungen, die das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten von älteren Heimbewohnern schulen, können zum Repertoire von Pepper gehören, genauso wie die Anleitung zur gemeinsamen Morgengymnastik.

Damit stellt er für Pflegekräfte eine große Entlastung dar. Diese kommen, vor allem bedingt durch den Pflegepersonalmangel, bisweilen nur sporadisch dazu, auf die Wünsche der Heimbewohner nach Interaktion einzugehen. Vor allem die in den meisten Pflegeheimen mangelnde Digitalisierung von Arbeits- und Verwaltungsprozessen ist extrem zeitraubend.

Gegenstände greifen oder transportieren kann Pepper trotz seiner Hände nicht – diese sind ausschließlich zu seiner Stabilisierung und zum Gestikulieren da.

Gesellschaftliche Debatte erforderlich

Pepper ist viel mehr, als ein fahrendes Tablet! Mit der Kamera und dem Laser in seinen „Augen“ ist er in der Lage Gesichter zu erkennen. Das heißt, wir können Pepper Klienten zurück in ihr Zimmer bringen oder direkt ansprechen lassen.

Pepper kann nicht nur Spiele spielen, sondern etwa Menschen daran erinnern zu trinken. Hier stellen sich uns zwei Fragen: Wenn Pepper einen Klienten erinnert, irgendwo antrifft oder Gespräche führt, wie gehen wir mit diesen Daten um? Denn wenn Pepper im Raum ist, nimmt er auch alles wahr. Die zweite Frage, die wir uns stellen müssen: Können an Demenz erkrankte Klienten überhaupt einwilligen per Gesichtserkennung von Pepper erkannt und entsprechend behandelt zu werden.

Das ist eine Debatte, die können nicht wir als BoS&S alleine führen, sondern wir müssen sie als Gesellschaft führen. Sind diese Fragen geklärt, bietet ein Roboter wie Pepper, oder die folgenden Generationen, viele weitere spannende Möglichkeiten, die auch die Pflege verbessern können. Denn Pepper wird nie genervt sein, jemanden an das Trinken oder die Tabletten zu erinnern und könnte aufzeichnen, wie viel getrunken wurde. Eine Software kann dann Pflegepersonal aufmerksam machen, wenn es einen Mangel gibt.

Japan: Pepper im Alltag

In Japan gehört der Einsatz von Pepper bereits zum Alltag. Er wird nicht nur in Pflegeheimen dazu verwendet, um mit den Bewohnern zu sprechen, Gedächtnisspiele zu spielen oder ihnen Witze zu erzählen. Mittlerweile ist Pepper auch außerhalb von Gesundheitseinrichtungen vorzufinden. So ist Pepper bereits in 2.000 japanischen Schulen im Einsatz, wo er die Schüler vor allem an den Umgang mit Technik heranführt.

Anzeige


Auch in vielen Geschäften oder an Flughäfen findet man Pepper. Dort unterstützt er Kunden bei ihren Einkäufen, etwa, wenn sie auf der Suche nach einem bestimmten Produkt sind. Am Flughafen ist Pepper den Reisenden behilflich, ihr Gate zu finden oder Auskünfte über ihren Flug zu erteilen. Besonders da, wo es darum geht, schnell und unkompliziert Informationen abzufragen, ist Pepper ein idealer Helfer, der künftig sicher auch sogar noch häufiger zu sehen sein wird.

Herausforderungen in Deutschland

Akzeptanz von Robotern

In Deutschland werden neue Technologien traditionell mit Skepsis aufgenommen. So ist es auch beim Einsatz von Robotern. Zwar ist man hierzulande äußerst technikaffin – aber erst, sobald sich technologische Innovationen an anderen Orten der Welt als bedenkenlos erwiesen haben.

Klienten stehen der Digitalisierung ihrer Versorgung jedoch offen gegenüber. Eine Befragung von PwC im Jahr 2017 ergab, dass sich 56 Prozent der Pflegebedürftigen von einem Roboter pflegen lassen würden. Gerade der Aspekt länger in der eigenen Wohnung bleiben zu können spielt hier eine zentrale Rolle.

Es gibt bereits Pilotprojekte, bei denen Pepper in Deutschland zum Einsatz kommt. So setzt BoS&S Pepper im Rahmen eines gemeinsamen Projektes in der Kinderstation der Charité ein, wo er sehr gut aufgenommen wird.

Finanzierung

Der Anschaffungspreis für Pepper liegt im fünfstelligen Bereich, bei der Pflege-Robbe Paro immerhin noch vierstellig. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat bereits die Sinnhaftigkeit von sozialen Robotern erkannt und fördert Pilotprojekte mit knapp zehn Millionen Euro.

Wir gehen davon aus, dass sich vor allem Leasing-Modelle etablieren werden und so monatliche Kosten auf Einrichtungen zukommen, denen der reale Gegenwert der Entlastung von Personal und der Qualitätssteigerung für die Klienten entgegensteht. Das zweite Feld ist die häusliche Pflege, um Klienten ohne nahe Angehörige soziale Interaktion zwischen den Besuchen von Pflegepersonal zu ermöglichen.

Zukunft

Neben Pepper gibt es bereits eine Reihe von sozialen Robotern, die vor allem Pflegebedürftigen und Senioren zu Gute kommen. Besonders beliebt ist die Robbe Paro, die auch in deutschen Alten- und Pflegeheimen genutzt wird. Paro wird in der Palliativbetreuung von Krebspatienten oder bei autistischen Kindern eingesetzt – vorrangig jedoch bei Senioren und demenzkranken Menschen. Paro reagiert mit Lauten darauf, wenn man ihn streichelt, was zur Verminderung von Angstzuständen und der Reduktion von Einsamkeit führen kann.

Anzeige


Pepper, Aibo und Co. werden Pflegekräfte niemals ersetzen können, diese aber unterstützen und entlasten.

Während gerade in asiatischen Ländern der Einsatz von Pflegerobotern immer mehr zunimmt, steht Deutschland, aber auch viele Länder in Europa, noch ganz am Anfang dieser Entwicklung. Wir gehen davon aus, dass sich Pepper in den nächsten 1-2 Jahren in Deutschland etablieren wird und das erst der Anfang der Entwicklung ist.

Vielen Dank gilt der Firma BoS&S und deren Geschäftsführer Dr. Michael Stephan, der diesen interessanten Artikel verfasst hat und uns zur Publikation zur Verfügung gestellt hat.

Dr. Michael Stephan ; Geschäftsführer von BoS&S

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

Was ist Pepper und was kann Pepper:

https://www.mdr.de/wissen/pflegeroboter-pepper-100.html

https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/pflege-roboter-pepper-wird-in-senioreneinrichtung-getestet-12922/

Pepper in Japan:

https://www.heise.de/tr/artikel/Post-aus-Japan-Pepper-goes-global-4242314.html

Einsatz in Deutschland:

https://www.facebook.com/bossgmbh/posts/2446947458666529?__tn__=-R

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/roboter-spass-mit-pepper-1.3709030

Finanzierung:

https://www.deutschlandfunk.de/zukunft-der-pflege-soziale-pflege-roboter-setzen-sich-nur.724.de.html?dram:article_id=441372

Oliver Weymannhttps://carewelt.de/
B.A. Pflegepädagogik Abschluss 2021; Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger

Carewelt bei Instagram

166 Follower
Folgen

News aus der Carewelt-Akademie