Berufspolitische Grundsatzrede – Deutscher Pflegetag 2019

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Franz Wagner deutscher Pflegerat e.V. Bild: Oliver Weymann

Wo klemmt es in der Pflege? Wie sieht die Professionalisierung in der Zukunft aus? Werden die angebotenen Lösungen der Politik die Probleme im Pflegesektor lösen? Diese und weitere Fragen wird Herr Franz Wagner vom deutschen Pflegerat e.V. in seiner berufspolitischen Grundsatzrede beantworten.

Bevor es explizit um die Pflege in Deutschland geht, spannt Herr Wagner einen globalen Bogen. Einen Bogen, der Menschenrechte, den Klimawandel und die Flüchtlingsproblematik umspannt. Denn dies sind alles Ecken in einem Polygon in denen sich die Pflege bewegt.

Ein weiterer Bereich der auch mittelbar mit der Pflege verknüpft ist, laut Franz Wagner, ist die Gleichstellung von Frauen und Mädchen. Denn die Pflege in Deutschland ist nach wie vor ein Frauenberuf. Deshalb ist diese Stellschraube auch eine Möglichkeit Einfluss auf die Pflege zu nehmen.

Verteilungsproblematik in Deutschland

Herr Wagner beschreibt ein Verteilungsproblem bei den Ärztinnen und Ärzten in Deutschland. Denn eigentlich gebe es genügend Mediziner, sie sind jedoch an den falsche Stellen gehäuft oder eingesetzt. Dieser Problematik muss sich die Pflege auch bewusst werden. Denn bei der Anzahl der Pflegefachpersonen ist Deutschland gut aufgestellt. Dort liegt Deutschland bei einer OECD Studie auf einem gutem Platz, wenn man diese Zahl aber in Relation zu den Krankenhausbetten setzt, dann hat Deutschland plötzlich einen katastrophal schlechten Platz im Vergleich zu anderen Ländern. Liegt es nun an der Masse der Krankenhausbetten oder sind die Pflegefachkräfte an den falschen Orten eingesetzt?

Akademisierung jetzt!

Franz Wagner schließt sich der WHO bei diesem Thema an. Die WHO fordert die Ausbildung in der Pflege in die Hochschulen und Universitäten zu verlagern. In Deutschland hat diese Empfehlung noch keinen Einhalt in die Pläne der aktuellen Bundesregierung erreicht. Obwohl sich der Wissenschaftsrat in Deutschland auch für eine Quote von akademischen Pflegekräften ausgesprochen hat, ist dieser Aspekt nicht in der Konzentrierten Aktion Pflege nicht berücksichtigt.

Personalmangel in der Pflege

Ich erwarte eine Zusage für 100000 Stellen mehr.

Franz Wagner ist mit den 40000 neuen Stellen, die aktuelle finanziert werden, nicht zufrieden. Er fordert 100000 neue Stellen, die auch durch den Bund und die Kassen finanziert werden. Ein starkes Statement. Eine weitere Forderung ist die es zu schaffen, dass „die Arbeitsplätze in der Pflege so zu gestalten, dass es wieder attraktiv wird, den Beruf auszuüben.“ (Statement des Präsidenten des Deutschen Pflegerates DPR, Franz Wagner)

Zusammenfassend hat der deutsche Pflegerat folgende Punkte formuliert und in seinem Statement veröffentlicht:

  • Die Versorgung muss sich strukturell und inhaltlich den veränderten Anforderungen anpassen
  • Dazu müssen Aufgabenverteilung und Rollen der Akteure neu geregelt werden
  • Es ist eine Investition in die Ausbildung erforderlich, wobei die hochschulische Ausbildung eine wichtige Rolle spielt
  • Ganz dringend müssen die Arbeitsplätze in der Pflege attraktiver werden durch mehr Personal, bessere Organisation der Arbeit, qualifizierte Fortbildung und eine angemessene Bezahlung.

Ein Masterplan Pflegeberufe, der auf der Konzentrierten Aktion Pflege aufbaut, diese weiterentwickelt und damit den Anforderungen Rechnung trägt, muss unverzüglich in Angriff genommen und dann auch umgesetzt werden.

 

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