Donnerstag, Mai 23, 2019

Konzentrierte Aktion Pflege – Deutscher Pflegetag 2019

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Mit Verspätung und mit Spannung erwartet, sind die Gäste aus der Politik, Jenas Spahn, Dr. Franziska Giffey und Björn Böhning, nun eingetroffen. In Form einer Podiumsdiskussion werden die Errungenschaften und Pläne der „Konzentrierten Aktion Pflege“ thematisiert. Die Moderation der Diskussion übernimmt Sascha Hingst.

Bild: Oliver Weymann

Am Anfang wendet sich Herr Hingst an den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Thematisiert werden vor allem die mangelnden Arbeitskräfte im Pflegesektor. Leider wie immer in dieser Debatte, werden Zahlen zur Hand genommen, die viel zu viel Spielraum lassen. So spricht Herr Spahn von 40.000 bis 100.000 fehlenden Pflegefachkräften in Deutschland. Er davon überzeugt, dass

„es ohne Fachkräfte aus dem Ausland nicht gehen wird.“

Eine Offenbarung, dass endlich belastbare Zahlen ermittelt werden müssen. Eine der fünf Arbeitsgruppen der „Konzentrierten Aktion Pflege“ hat dies zur Aufgabe: Wie können Pflegefachkräfte aus dem Ausland rekrutiert werden, um den nationalen Mangel zu beheben? Bis Ende Juni sollen hier erste Ergebnisse dem Gesundheitsminister vorgelegt werden. Anhand dieser Ergebnisse werden dann für jeden Bereich konkrete Arbeitsaufträge entwickelt. Jens Spahn betont nochmals, dass es sich hier nicht um ein Projekt handle, welches nach ein oder zwei Jahren beendet sei, sondern mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.

Als nächstes spricht Frau Giffey und betont vorab, dass der Schritt der Abschaffung des Schulgeldes ein sehr großer Schritt sei, wieder mehr junge Menschen für die Pflege begeistern zu können. Resonanz im Publikum: kollektives Hochziehen der Augenbraue und fragende Gesichter. Weiter erläutert Frau Dr. Giffey, dass durch die generalistische Ausbildung, die am 1.1.2020 flächendeckend starten soll, ebenfalls Verbesserungen erwartete werden und somit ebenfalls wieder mehr Menschen der Pflegeberuf schmackhaft gemacht werden soll. Unterstützung für die Pflegefachschulen kommt auch aus den Ministerien. So sind zum Beispiel die Pflegefachschulen an den „Digitalpakt Schule“ angegliedert, und können auch von den zur Verfügung stehenden Geldern profitieren. Die prognostizierte Verbesserung tritt jedoch in vielen Schulen, wenn überhaupt dann mit Verspätungen ein, da viele Berufsschulen noch nicht mit Ihrem Curriculum für eine generalistische Ausbildung fertig sind, und es deshalb zu merkbaren zeitlichen Verschiebungen kommen wird. Ein Aspekt der von der Ministerin bei Ihren Ausführungen nicht aufgegriffen wird.

Bild: Florian Croseck

Nach dem Vortrag von Frau Giffey wird sie von Herrn Björn Böhning, Beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, abgelöst. Er spricht die IST-Situation in der Pflege an. Studien zeigen, dass der Wunsch nach Technik in der Pflege kontinuierlich zunimmt. Es werden Beispiele aufgezäht wie Digitalisierung oder Assistenzsysteme, die beim Tragen und Heben helfen können. Hr. Böhning bezieht Stellung und stellt klar, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege schleunigst verbessert werden müssen. Außerdem spricht er das Problem der befristeten Arbeitsverhältnisse in der Pflege an. Er sieht die Bundesregierung hier in der Pflicht:

„Wir werden die Zahl der sachgrundlosen Befristungen massiv einschränken, weil das wichtig ist, auch für die Arbeitsbedingungen, nicht nur in der Pflege.“

Der dritte wichtige Punkt den Herr Böhning anspricht, ist die Entlohnung in der Pflege. Die Regierung hat sich in den vergangen Monaten die deutschen Durchschnittsbruttolöhne in der Pflege näher angeschaut. In der Vollzeitpflege liegt der Wert bei ca. 2.880€ monatlich. Im Osten sind es 500€ weniger. Die Werte für die Teilzeitstellen in der Pflege können nur schlecht erfasst werden und wurden deshalb nicht vorgestellt.

„Das sind Löhne, die so für die Pflege aus unserer Sicht nicht akzeptabel sind.“

Lautstarker Applaus geht aus dem Plenum hervor. Beim Thema Lohn spricht Böhning auch die Problematik der Tarifverträge an. Auch hier muss eine einheitliche Lösung geschaffen werden. Er appelliert hier an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsgruppen der „Konzentrierten Aktion Pflege“.

„Wir reden hier über eine „Konzentrierte Aktion Pflege“ und keine „kleinkarierte Aktion Pflege!“

Auch für dieses Statement erntet Hr. Björn Böhning starken Applaus aus dem Publikum.

 

 

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Florian Croseck
M.A. Prävention & Gesundheitsmanagement Dez.19; B.Sc. Pflege- und Gesundheitswissenschaften; Examinierter Gesundheit- und Krankenpfleger; Pflegeberater nach § 7a SGB XI; Derzeit: stellv. PDL in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung