Top-Thema Pflegepersonal – Deutscher Pflegetag 2019

Andrea Lemke erfüllt den ersten Slot des Tages. Die Halle 3 ist gut gefüllt. Das Thema Personal berührt viele Besucher emotional und sachlich. Zudem sind die Änderungen die 2020 kommen werden, ein signifikanter Richtungswechsel. Auch das formuliert Frau Lemke zur Einführung in den Vortrag.

Der erste Appell des Tages lässt nicht lange auf sich warten:

„Gebt uns doch einfach mehr Zeit“

als Antwort auf den straffen Zeitplan der Politik zur Umsetzung der neuen Gesetze.

Pflegepersonalkostenvergütung ab 2020

Wolfang Fiori als erster Redner nach Frau Lemke, die durch den Vortrag führen wird und die Moderation inne hat. Sein Thema ist die Ausgliederung der Pflegekosten aus den DRG’s. Er betont, dass die Ausgliederung ein echter Paradigmenwechsel werden wird. Denn ganz neu ist die Selbstkostendeckung. Ein System mit völlig neuen Anreiz wird geschaffen. Budget wird nicht gedeckelt sein. Abrechnung wird einen Tagesbezug haben und keine Fallpauschalisierung mehr. Fiori prophezeit Verwerfungen.

Grafik Pflegekosten von Wolfgang Fiori Bild: Oliver Weymann

Erläuterungen zur Grafik:

Der Erlös, welcher in Zukunft aus der Pflege abgebildet wird, besteht aus drei Faktoren. Multipliziert wird eine Bewertungsrelation mit der Verweildauer und einem individuellen Pflegeentgeltwert. Der Pflegeentgeltwert setzt sich aus der Relation zwischen den Pflegekosten und dem Pflege-Daymix zusammen. Wenn dann am Ende der Erlös nicht die Pflegekosten decken kann, würden die Pflegekosten ausgeglichen werden. Also werden die Mehrkosten zu 100 %  weitergeleitet. Das wird ganz sicher Diskussionen mit den Kassen mit sich bringen, wenn die weitergeleiteten Kosten an die Kassen gehen und diese dann signifikante Einbrüche bei den Gewinnen/Rücklagen verzeichnen.

Kernfrage: Was ist Pflege in dieser Rechnung?

Durch die fehlende Definition was die „Pflege“ in der neuen Abrechnung macht, und wer die Leistungen erfüllen wird, zeigt Herr Fiori zwei mögliche Szenarien auf. Variante 1 stellt die Abrechnung mit Pflege und Hilfsberufe dar. Folglich wären alle Arbeitskräfte, die Pflegetätigkeiten ausführen über des neue Abrechnungssystem finanzierbar.

Pflege ist umsonst…

Bei Variante 2 wir die Pflege ohne Hilfskräfte verrichtet. Also müssen Hilfskräfte weiter über das DRG-System finanziert werden. Folglich würden Mehrkosten für die Träger entstehen, die dann einen erhöhten Kostendruck mitbringen. So könnten zum Beispiel die Hilfskräfte wieder aus der Organisation entfernt werden und die Fachkräfte wären noch begehrter, da diese ja voll finanzierbar sind. Diese Variante würde wohl eine Verschärfung des Personalmangels auslösen.

Sein Fazit:

  • Selbstkostendeckung ohne weitere Steuerungselemente kann nur temporär aufrechterhalten werden
  • Parallelität zweiter Vergütungssysteme mit unterschiedlichen Anreizen ist wenig sinnvoll
  • Zukunft des Plexits ist ungewiss
  • Die Pflege könnte diese Phase aber nutzen
  • An der Notwendigkeit für Krankenhäuser Deckungsbeiträge erwirtschaften zu müssen, ändert sich im Prinzip nichts – die finanzielle Belastungen nehmen parallel zu (Wolgang Fiori am Deutschten Pflegetag 15.3.2019)

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Oliver Weymannhttps://carewelt.de/
B.A. Pflegepädagogik Abschluss 2021; Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger

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