Mehr Erste-Hilfe-Unterricht an deutschen Schulen

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So lautet die Forderung der Notfallmediziner in Deutschland. Auf diversen Kongressen diskutieren Experten immer häufiger über die Belastung von Rettungsdiensten. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Notfallversorgung neu ordnen.

Koblenz: Die führenden Experten der deutschen Notfallmedizin fordern die flächendeckende Einführung von Erste-Hilfe-Schulungen und Herz-Lungen-Wiederbelebung im Schulunterricht. „Wir müssen da beginnen, wo man die Menschen noch prägen kann, nämlich in der Schule“, äußerte Professor Dr. Rossaint, Präsident der “Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ auf dem Notfallmedizinkongress (DINK) in Koblenz. Knapp 1500 Teilnehmern besuchten den Kongress. Als überzeugendes Argument dient eine simple Rechnung: Würde man alle Kosten, die für den Unterricht anfallen, zusammenrechnen und diesen Wert dann durch die Anzahl der Menschen, die durch helfende Schüler wahrscheinlich gerettet werden könnten, teilen, würde das pro Patient circa 3000 € kosten. In den Augen von Dr. Rossaint ein “lächerlicher Betrag“, da die anderen Versorgungskosten im Deutschen Gesundheitswesen deutlich höher sind.

Notarzt
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Diese Forderungen kommen jedoch nicht von ungefähr. Mit rund 30.000 Rettungseinsätzen in ganz Deutschland pro Tag, geraten die Notfallmediziner immer öfter an ihre Grenzen. Professor Dr. Paul Grützner, Präsident der “Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie“, wird in seinem Vortrag auf dem DINK noch konkreter: „Die Hausärztliche Notfallversorgung ist praktisch zusammengebrochen“

Spürbar wird dies mittlerweile auch in anderen medizinischen Bereichen wie zum Beispiel dem Rettungsdienst oder die überlaufenen Notaufnahmen in den deutschen Kliniken. „Politik hat es verpasst, Rahmenbedingungen anzupassen“, beklagte auch Professor Dr. Uwe Janssens, Präsident der “Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv – und Notfallmedizin“. Er ist davon überzeugt, dass die Politik es in den letzten Jahrzehnten versäumt hat, die Rahmenbedingungen an die sich rasant ändernden Verhältnisse anzupassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war es leider nicht möglich direkt vor Ort anwesend zu sein. Allerdings kündigte er mit einer Videobotschaft auf dem DINK an, dass er die Notfallversorgung in Deutschland neugestalten möchte, auch mit Hilfe von neuen Gesetzen. Das Ziel müsse sein, da anzusetzen, wo es im Moment “nicht so rund“ läuft. Jens Spahn appelliert auch an die notfallmedizinischen Experten, sich aktiv an der Diskussion um die Neuordnung zu beteiligen.

Auf dem diesjährigen DINK standen mehr als 20 Fachsitzungen mit über 50 Vorträgen auf dem Programm. Unter anderem ging es auch um die Versorgung schwerverletzter Kinder, bei der die Eltern immer miteinzubeziehen sind, um die Bedeutung von Herzinfarktzentren, in die Patienten mit Brustschmerzen gebracht werden sollten, und um das Erkennen lebensgefährlicher Infektionen, die den ganzen Körper befallen.

Außerdem wurde der Ulmer Bundeswehrarzt, Professor Dr. Matthias Helms, mit dem ersten “Deutschen Notfallmedizin-Preis“ ausgezeichnet. Er hatte seit Jahrzehnten wertvolle Impulse im Rettungsdienst gesetzt und diesen mitgeprägt.

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