Warum schimpfen manche auf die DRGs?

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Kämpfen ums Überleben ist wohl zur Zeit eine der häufigsten strategischen Grundhaltungen von kleineren Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung. Die Gründe dafür sind vielschichtig und mehrdimensional. Krankenhäuser bewegen sich in einem Feld in dem sie starken Spannungen ausgesetzt sind. Das liegt daran, dass man mit sehr vielen Interessengemeinschaften, sog. Stakeholdern, zusammen arbeiten muss. Und viele Interessen der Stakeholder sind äußerst schwierig miteinander zu vereinbaren. Es wird viel im Zusammenhang mit Kliniksterben über Geburtshilfestationen geschrieben und berichtet. Ein Katastrophe für die werdenden Mütter und die ungeborenen Kinder. Aber wieso kommt es auch manchmal zur kompletten Schließung einer Klinik, und warum sind gerade kleinere Krankenhäuser vom Kliniksterben betroffen? Wir haben mal nachgefragt:

Was macht das Überleben der Organisation so schwierig?

Zuerst muss man sich die Organisation genau anschauen. Dabei muss geklärt werden, welche Trägerschaft vorliegt. Also handelt es sich zum Beispiel um ein Krankenhaus in privater Hand oder ist beispielsweise ein Eigenbetrieb eines Landkreises oder der Stadt. Denn diese Ausgangslage macht einen signifikanten Unterschied der Problementstehung aus. Bei privaten Anbietern liegt der Fokus auf Gewinnmaximierung und Rentabilitätssteigerung. Dadurch kommt noch eine Personengruppe schwer zum Tragen, die Shareholder. Das sind Personen oder Unternehmen, die Anteile an der Organisation halten, und deshalb natürlich einen Gewinn am Ende des Jahres einstreichen wollen. Denn niemand, egal ob Privatperson oder Unternehmen, will am Ende des Jahres die Rechnungen nicht zahlen können.

Bei Betrieben, die in öffentlicher Hand sind gibt es auch Shareholder. Und zwar die Steuerzahler. Denn Defizite werden bei diesen Häusern oft durch die Kommune, das Bundesland oder die Stadt ausgeglichen. Die Gelder, die von der öffentlichen Hand ausgegeben werden stammen sehr häufig aus Steuergeldern, daher gibt es natürlich noch eine Art Shareholder und zwar die Steuerzahler, deren Abgaben dann direkt zur Finanzierung von Krankenhäusern herhalten müssen, obwohl sie ja auch schon Beiträge an die Krankenkassen abführen. Damit wären jetzt mal die groben der möglichen Träger augeschlüsselt.

Bei der Finanzierung durch Erlöse sieht es bei allen Krankenhäusern gleich aus. Die Finanzierung erfolgt durch das DRG-System. Die Erlöser aus diesen Abrechnungen sollte dann für die laufenden Kosten des Krankenhausbetriebes genutzt werden. Investitionen sollten hauptsächlich durch öffentliche Gelder oder Rücklagen getätigt werden.

Mehr zum DRG-System

Welchen Anteil der Schuld trägt das DRG-System?

DRGs werden allgemein häufig als unfair bezeichnet. Außerdem haben sie den Ruf, dass sie die alternde Struktur der Bevölkerung nicht richtig abbilden können. Das stimmt indirekt. Denn das Kodieren von Fällen ist eine Wissenschaft für sich.

Die Grafik stellt den Algorithmus dar, welcher jeder Krankenhausfall durchlaufen muss, damit aus einem Patient auch Geld wird. Jede Pflegekraft kennt bestimmt eine sogenannte Nebendiagnose, die vielleicht für die behandelnden Ärzte keine Herausforderung darstellt, jedoch für das Pflegepersonal einen extremen Mehraufwand mit sich bringt. Als trauriges Paradebeispiel gilt die Diagnose Alzheimer-Demenz. Natürlich kann sich in die DRG eingerechnet werden, und auch bei gewissen Prozeduren auch gewichtet werden. Aber die tatsächliche Arbeit die, die Pflegekräfte leisten kann damit bei weitem nicht abgebildet werden.

Das Mysterium „mittlere Verweildauer“

Vorneweg, das Gesundheitssystem in Deutschland will eigentlich niemanden auf die Straße setzen. Aber warum werden dann plötzlich gegen Ende der Woche massenhaft Entlassung forciert, manchmal auch ohne Rücksicht auf die Patienten oder Angehörige. Ganz einfach, gegen Wochenende kontrollieren die Damen und Herren aus der Kodierung und dem Controlling mal die die aktuellen Fälle und entdecken dann, dass die Überschreitung der maximalen Verweildauer bald erreicht wird. Also schauen die Stationsärzte, die oft die ärmsten Hunde sind (Hunde ist hier nicht despektierlich gemeint), ob nicht der ein oder andere Patient noch schnell nach Hause geschickt werden kann. Für alle Laien sei an dieser Stelle kurz erklärt was die Verweildauer ist:

Als Verweildauer wird bei einer Krankenhausbehandlung die Zeitspanne zwischen dem Aufnahme- und dem Entlassungstag bezeichnet. Bis zur Einführung von Fallpauschalen in der Krankenhausvergütung, den Diagnosis Related Groups (DRG), war die Verweildauer in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hoch.

Das Fallpauschalensystem setzt daher für die Krankenhäuser einen wirtschaftlichen Anreiz, Patienten so früh wie möglich zu entlassen. Im Rahmen der Abrechnung wird zwischen der oberen und der unteren Grenzverweildauer unterschieden. Die obere Grenzverweildauer legt fest, bis zu welcher Verweildauer lediglich eine Pauschalvergütung erfolgt. Wird diese Dauer im Einzelfall überschritten, erhält das Krankenhaus zusätzliche Entgelte von den Krankenkassen. Die untere Grenzverweildauer bestimmt die Zeitspanne, die ein Patient mindestens im Krankenhaus verbringen sollte. Liegt die Verweildauer des Patienten darunter, erhält das Krankenhaus deutlich weniger als die sonst fällige Fallpauschale. Mit den Grenzverweildauern soll vermieden werden, dass Patienten zu früh entlassen werden beziehungsweise zu lang im Krankenhaus bleiben. (AOK-Bundesverband)

 

Fazit:

Ganz unschuldig sind die DRG-Pauschalen nicht an der Misere. Auch wenn man mit Ihnen relativ gute Prognosen für ein Geschäftsjahr erstellen kann, wenn man sich Fallzahlen und Case-Mix ansieht. Man weiß halt, was man bekommt am Ende des Jahres, außer dem MDK hat einen neuen Rot-Stift 😉

Alles in Allem haben die DRGs den Kostendruck auf die Krankenhäuser eher erhöht als reduziert. Wie sich das nach dem „Pflexit“ verhalten wird, wird uns die nähere Zukunft (ab 2020) zeigen.