Kommentar zum Artikel: Organspenden / Der Staat als Firma (FAZ)

Kommentar und Meinung  von Oliver Weymann zum Bericht: Organspenden | Der Staat als Firma von Christian Geyer für die Frankfurter Allgemeine. Link zum Artikel.

Die doppelte Widerspruchslösung von Bundesminister Spahn bei der Organspende sorgt für viel Aufsehen. Über die Empörung und Unzufriedenheit mit seinen Plänen hat die FAZ gestern, am 03.04.2019, berichtet. Neben der berechtigten Kritik von Christian Geyer an dem Plänen von Herrn Spahn und der detaillierten Analyse der möglichen Folgen, hat sich aber leider ein gravierender Fehler eingeschlichen. Ein Fehler der das Gefühl von Hoffnung schaffen kann, wo keine mehr ist oder sein sollte.

Der Fauxpas der FAZ

Im Grunde hat sich der Gesundheitsminister zu solcher Sozialpflichtigkeit des menschlichen Körpers aber bekannt, als er bei „Hart aber fair“ die entscheidende Prämisse offenlegte, um von Staats wegen dem Sterbenden Organe zu entnehmen, wenn dieser dazu geschwiegen hat (es scheint tatsächlich angemessener, vom Sterbenden zu sprechen als vom Toten, denn das Herz schlägt noch und der Körper ist noch warm, wenn nach dem festgestellten Hirntod die Organe entnommen werden). Was also ist Spahns Prämisse? Spahn erklärte, er verfolge mit seiner Widerspruchslösung im Gegensatz zur geltenden Entscheidungslösung einen „gesellschaftlich-moralischen Ansatz“ und nicht länger den „individuellen Ansatz“. (Quelle: faz.net – Artikel Der Staat als Firma)

Als ich den rot markierten Abschnitt gelesen hatte, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Die FAZ, eine Tageszeitung die von so vielen Menschen gelesen wird, untergräbt mit dieser Aussage die Hirntod-Diagnostik in Deutschland. Damit nicht genug, weit schlimmer wiegt die Tatsache, dass durch diese Äußerung der Eindruck bei Angehörigen entstehen könnte, das ein „Aufwachen“ oder „doch nicht Tod sein“ im Bereich des Möglichen liegt. Nein, das sind falsche Hoffnungen, die nicht geweckt werden dürfen. Wenn bei einem Menschen nach einem Unfall oder einer massiven Hirnblutung der Hirntod festgestellt wird, dann ist dieser Mensch unwiderruflich tot. Herz und Lunge arbeiten, wenn überhaupt nur noch temporär und ansonsten wird die Funktion durch Maschinen künstlich verlängert. Die Verlängerung findet statt um die potentiellen Spenderorgane weiter mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Hirntod-Diagnostik in Deutschland

In der Medizin ist der Hirntod gleichbedeutend mit dem Tode eines Menschen. Nur ist die Diagnose dieser Todesart weit aufwendiger als bei einem „normalen“ Ableben.

Die Diagnostik wird dabei von zwei erfahrenen Ärzten durchgeführt, die aus der Intensivmedizin stammen müssen und Experten bei Hirnschädigungen sind.

Der Hirntod wird mit Hilfe eines 3-Stufen-Modells diagnostiziert:

1. Es müssen Voraussetzungen vorliegen, die einen Hirnschaden verursachen können oder die umkehrbaren Ursachen einer Hirnschädigung (z.B. Vergiftung, Beruhigungsmitteleinnahme, Unterkühlung, Sauerstoff-Mangel, Hirnnervenentzündungen, Stoffwechselentgleisungen, Schock) müssen ausgeschlossen worden sein.

2. Anschließend werden die verschiedenen Ausfallsymptome des Gehirns diagnostiziert

  • Patient ist komatös: keine Augenöffnung; keine Reaktion auf äußere Schmerzreize – diese Tests finden regelmäßig statt und werden häufig wiederholt
  • Hirnstamm-Areflexie: die Pupillen sind lichtstarr und entrundet; fehlender Hornhautreflex (Schließen des Augenliedes bei Berührung); fehlende Augenbewegung beim Spülen des Gehörganges mit Eiswasser; fehlende Würde- und Hustenreflexe
  • Apnoe: Es tritt ein Atemstillstand nach Ausschalten der Beatmungsmaschine ein; Dauer der Wartezeit ist festgelegt

3. Unwiederbringlichkeitsnachweis: Hierbei wird die klinische Untersuchung nach vorgegebener Zeit wiederholt. Es können auch apparative Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, z.B. ein EEG (Ausfall der hirneigenen elektrischen Aktivität).

Hirntod = Tod

So hart es für die Angehörigen ist, ihre Liebste oder ihren Liebsten beatmet vor sich liegen zu sehen, er oder sie ist tot. Wärme, eine sich bewegende Brustwand und ein schlagendes Herz können an diesem finalen Zustand nichts ändern. Und so ist es für mich gänzlich erschreckend zu lesen, dass ein Redakteur der FAZ lieber von „Sterbenden“ spricht, als von „Toten“. Die Wahrheit ist schmerzhaft aber absolut alternativlos. Angehörige müssen verstehen, dass der Körper tot ist und nur mit Maschinen am „Laufen gehalten wird“. Wenn bei mir in der beruflichen Praxis ein Patient einen fulminanten Herzinfarkt erleidet oder eine große Lungenembolie, dann befindet er sich auf dem Weg des Sterbens. Dort wäre der Begriff „Sterbender“ angebracht. Doch durch Reanimationsmaßnahmen und andere therapeutische Eingriffe kann das Leben gerettet werden. Bei einem Menschen mit einem diagnostizierten Hirntod, weckt der Begriff „Sterbender“ falsche Hoffnungen. Es ist ein toter Mensch.

AOK sieht geplante Apothekenreform sehr kritisch

Der Entwurf zur Apothekenreform sendet aus Sicht des AOK-Bundesverbandes widersprüchliche Signale. „Es ist richtig, die Not- und Nachtdienste der Apotheken aufzuwerten, denn das stärkt das Engagement und die Versorgung in strukturschwachen Gebieten“, so Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Doch es sei völlig unklar, warum weitere 100 Millionen Euro für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen an die Apotheker gezahlt werden sollen. „Für diesen zusätzlichen Vergütungstopf steht die Höhe bereits fest. Auch, dass die Apotheker die Mittel selbst verteilen dürfen. Dagegen muss das zu lösende Versorgungsproblem erst noch erfunden werden“, so Litsch. Rückblickend auf die ersten Eckpunkte aus dem Dezember 2018 habe sich das Volumen der Extravergütung zwar deutlich reduziert, „aber es ist auch klar, dass sich die Koalition mit diesem Klientelgeschenk vom Versprechen des Versandhandelsverbots freikauft.“

Der Vorstandsvorsitzender verweist auf einige AOK-Projekte zum Medikationsmanagement, die auch die Apotheker mit einbeziehen. An oberster Stelle stehe hier die verbesserte Versorgung der Patienten. „In solchen, auf die regionalen Bedarfe abgestimmten Vereinbarungen kann es sinnvoll sein, ergänzende pharmazeutische Dienstleistungen festzulegen. Dagegen laufen die im Eckpunktepapier vorgesehenen Verhandlungen auf Bundesebene auf eine unspezifische und intransparente Gießkannenfinanzierung hinaus, mit der die Versorgung nicht verbessert wird.“

Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand haben Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand habe. Schwer vereinbar, in Bezug auf die europarechtlichen Vorgaben, sei der vorher für Versandhändler geplante Bonusdeckel von 2,50 Euro je abgegebener Packung gewesen. Litsch ergänzte: „Diese weitere Verschärfung ist auf Druck der Apothekerlobby zustande gekommen und aus europarechtlicher Perspektive noch anfälliger. Wir halten es für hochwahrscheinlich, dass die Regelung weitere Klagen und damit eine Neubefassung durch den Europäischen Gerichtshof provoziert. Durch die trickreiche Einbindung von Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung ins Sozialgesetzbuch wird sich das kaum verhindern lassen.“

Gegen den Versandhandel kämpfe die Apothekerschaft schon seit Jahrzehnten an, da sie dadurch ihr Geschäftsmodell bedroht sehe. Litsch stellt klar: „Alle Analysen und Statistiken zeigen, dass die Rede vom akuten Apothekensterben eine Chimäre ist. Und der Versandhandel ist auch nicht die Ursache dafür, dass es einige Apotheken schwerer haben als andere.“ Vielmehr gebe es Fehlanreize bei der Honorierung sowie ein Überangebot in den Städten.

Umfrage belegt Zufriedenheit mit Apotheken-Versorgung

Außerdem sind die Bürger in Deutschland mit der Apothekenversorgung derzeit sehr zufrieden. Dies belegt eine von der AOK beauftragte forsa-Umfrage aus dem Januar. Rund 2.000 Bundesbürger waren dafür unter anderem zur Zufriedenheit mit verschiedenen Infrastruktureinrichtungen befragt worden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen mit der Apotheken-Versorgung am zufriedensten sind – egal, ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Danach befragt, was ihnen am wichtigsten ist, rangieren Apotheken hinter Hausärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Internetversorgung, Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern.

Die Ergebnisse zu den Apotheken im Detail:

Bei der Bedeutung erreichen Apotheken mit 86 Prozent (sehr wichtig/wichtig) immerhin den sechsten Platz, hinter Hausärzten (95 Prozent), Einkaufsmöglichkeiten vor Ort (93 Prozent), Internetversorgung (90 Prozent), Schulen/Bildungseinrichtungen (87 Prozent) und Krankenhäusern (87 Prozent).

Bei der Zufriedenheit belegt die Apotheken-Versorgung deutlich den ersten Platz mit 93 Prozent (sehr zufrieden/zufrieden). Die Zufriedenheitsraten mit den Einkaufsmöglichkeiten (83 Prozent) und der hausärztlichen Versorgung (79 Prozent) sind zwar ebenfalls hoch, erreichen aber nicht ganz das Niveau der Apotheken. Betrachtet man die Zufriedenheitswerte für Apotheken abhängig von der Ortsgröße, variieren sie lediglich zwischen 89 Prozent in kleinen Ortschaften und 94 Prozent in Großstädten.

Gefragt wurde auch jeweils, ob sich die Versorgung in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert habe. Bei den Apotheken sehen 18 Prozent der Befragten eine Verbesserung. Dabei erleben die Bewohner kleinerer Gebietstypen sogar eine stärkere Verbesserung der Apothekenversorgung als die Bewohner in Städten. Und nur 7 Prozent sehen eine Verschlechterung. Die ärztliche Versorgung wird dagegen kritischer eingeschätzt. So sehen 23 Prozent bei den Fachärzten und 20 Prozent bei den Hausärzten eine Verschlechterung.

Trotz Zufriedenheit gibt es Anpassungsbedarf

Gleichwohl gibt es aus Sicht des AOK-Bundesverbandes Anpassungsbedarf. „Demographischer Wandel und Fachkräftemangel erfordern auch in der Arzneimittelversorgung strukturelle Veränderungen, damit die Zufriedenheit so hoch bleibt wie bisher“, betont der Verbands-Chef. Voraussetzung für die langfristige Sicherung einer gut erreichbaren Versorgung mit Arzneimitteln sei eine Weiterentwicklung und Flexibilisierung der Betriebsformen von Apotheken. Hierzu gehörten auch mobile Angebote, Apotheken ohne Vorhaltung eines eigenen Labors, Abgabeterminals für Arzneimittel mit Teleberatung und größere Filialverbünde mit Arbeitsbedingungen, die auch den Apothekernachwuchs ansprechen. Auch der Versandhandel zähle dazu. Litsch weiter: „Die Apothekenlandschaft kann eine Umstrukturierung vertragen. Es ist schade, dass die Koalition diese Chance zur Weiterentwicklung ein weiteres Mal verstreichen lässt.“

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/8697/4235488

 

Kabinett beschließt Implantatregister

Gestern hat das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel das „Gesetz zur Errichtung eines Implantateregisters Deutschland und zu weiteren Änderungen des Fünften Buches Sozialgesetzbuch“ (Implantateregister-Errichtungsgesetz, EIRD) beschlossen.

Dazu der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Das Implantateregister ist ein wichtiger Schritt für mehr Patientensicherheit. Dadurch wissen wir künftig, wer welches Implantat bekommen hat. Wenn wir Probleme mit einem Produkt feststellen, können wir dann schnell abfragen, ob es ähnliche Fälle gibt und im Zweifelsfall Patienten warnen.“

geplante Veränderungen und Reformen aus dem Gesetzesentwurf:

  • Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) wird als Registerstelle die zentrale Datensammlung übernehmen.
  • Das Robert Koch-Institut richtet eine unabhängige Vertrauensstelle ein, die alle personenbezogenen Daten pseudonymisiert.
  • Um die Aussagefähigkeit des Registers zu gewährleisten, ist die Meldung an das Register für Gesundheitseinrichtungen, gesetzliche und private Krankenversicherungen und alle Patientinnen und Patienten verpflichtend.
  • Die Hersteller sind verpflichtet, ihre Produkte in der Produktdatenbank des Registers zu registrieren. Bei Meldeverstößen der implantierenden Einrichtung oder der Verwendung von nicht in der Produktdatenbank registrierten Implantaten sieht der Gesetzentwurf einen Vergütungsausschluss vor.
  • Es sind umfassende Vorgaben an die Transparenz enthalten, wie zum Beispiel jährliche Berichte durch die Registerstelle und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
  • Der Aufwand, der den Gesundheitseinrichtungen durch die verpflichtende Meldung an das Register zusätzlich entsteht, wird erstattet.
  • Es werden die Rahmenbedingungen für die Datenübernahme von bestehenden Registern geregelt.
  • Der tatsächliche Beginn der Meldepflicht für die einzelnen Implantattypen hängt jeweils von dem Vorliegen aller technischen Voraussetzungen für die Entgegennahme der Meldung durch das Register ab und wird durch Rechtsverordnung konkretisiert.
  • Voraussichtlich werden Hüftgelenk- und Knie-Endoprothesen sowie Brustimplantate ab Mitte 2021 als erste Implantate erfasst werden können.

Neben dem Register über Implantate sind auch Veränderungen enthalten, die die Arbeit des gemeinsamen Bundesausschusses beeinflussen werden. Dabei geht es um die Bewertung von neuen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden, ob diese dann in die Kataloge aufgenommen werden sollen. Hierzu wird die bisherige Fristvorgabe für den G-BA von drei auf zwei Jahre verkürzt.

 

Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/4_Pressemitteilungen/2019/2019_2/2019-04-03-10_PM_Kab_Implantateregistergesetz.pdf