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Treten Sie auf die Bremse Herr Spahn!

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Treten Sie auf die Bremse Herr Spahn!

Herr Minister Spahn Sie spielen mit dem Feuer. Deutschland befindet sich am Scheideweg bei den Coronamaßnahmen. Die Zustimmung für die Einschränkungen schwindet und gerade in den sogenannten sozialen Netzwerken werden die Rufe lauter nach Lockerungen und Transparenz. Genau dort findet sich leider auch sehr fruchtbarer Nährboden für Verschwörungstheorien und Fake-News. Bitte hören Sie auf, dieser Kultur des Misstrauens und der Lügen, den weiteren Weg zu bereiten, durch vorschnelle Gedankenspiele und Gesetzesentwürfe, die nichts in der aktuellen Lage zu suchen haben.

Der Turbo-Minister spielt das bekannte Spiel

Viele Menschen verfolgen erst seit der Corona-Krise die deutsche Gesundheitspolitik mit geschärftem Blick. Für diejenigen, die Herrn Spahn schon seit Beginn seiner Tätigkeit als Gesundheitsminister verfolgen ist daher die aktuelle Taktik nichts Neues. Herr Spahn prescht mit einem Vorschlag in die Öffentlichkeit, der zum Scheitern verurteilt ist – in der ersten Fassung. Dann kommt die Welle der Empörung und Kritik. Damit hat er und sein Ministerium den Rahmen abgesteckt wie weit man gehen kann/darf.

Als nächstes- sozusagen Phase 2 – baut Herr Spahn den Entwurf so um, dass er zwar hart an der Grenze des Zumutbaren ist, jedoch das Echo deutlich verhaltener klingt. Somit ist die Wahrscheinlich der  Zustimmung durch die öffentliche Akzeptanz gewachsen.

Das Spiel kennen Beobachterinnen und Beobachter seiner politischen Tätigkeit nur zu gut. Doch jetzt gibt es ein gravierendes Problem mit seiner Taktik. Viele Menschen denen dieses Kalkül nicht bekannt ist, schenken ihm nun ihre Aufmerksamkeit. Während die erfahrenen Spahn-Watcher relativ entspannt die Korrektur des Vorschlages abwarten, kommen die neuen Beobachter ins schwitzen. Darunter sind auffällig viele sogenannte Influencer aus den sozialen Medien. Dort liegt das Problem, welches Minister Spahn in seinem Tempospiel übersehen hat.

Meinungsbildung in den sozialen Netzwerken

Die Rufe nach Reisefreiheit und der Angst um die freie persönliche Entfaltung haben in die sozialen Netzwerken eine ohrenbetäubende Lautstärke erreicht. Aber warum konnten diese Rufe nur so laut werden? – Weil einige Menschen in das selbe Horn blasen und diese „Meinungsbilder“ mehrere Tausend Follower haben. Heutzutage sind leider einige Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht mehr in der Lage eine eigene Meinung zu bilden. Sie folgen lieber vermeidlichen „Anführern“ auf Facebook, Instagram und Co. und glauben alles was sie dort sehen oder lesen. Wenn das nur ein geliehener Ferrari ist oder eine gefälschte Luxusuhr, dann hat die Gesellschaft damit kein Problem. Aber wenn die selben Follower dann Fake-News, Verschwörungstheorien oder Aufrufen zu verbotenen Demos folgen, dann haben wir als Gesellschaft und auch Sie, Herr Spahn, ein Problem.

Falscher Zeitpunkt, falsche Motivation

Herr Spahn ist nicht verantwortlich dafür, dass hauptsächlich junge Menschen sich Trugbildern auf den sozialen Medien hingeben. Aber er ist durchaus dafür verantwortlich, dass die Missgunst gegenüber den aktuellen Maßnahmen schwindet, weil er Ideen in den Diskussionsraum wirft, die nicht zu einem unpassenderen Zeitpunkt kommen konnten. Woher nimmt er sich nur diesen Mut, jetzt Themen wie einen Immunitätspass zu fordern. In einer Zeit, in der niemand weiß, ob eine Immunität gegen das Coronavirus überhaupt beständig ist. Er provoziert durch diesen Vorstoß eine Spaltung der Gesellschaft in „gute, immune Menschen“ und „nicht ganz so gute, weil potentiell ansteckende Menschen“. Und das ganze ohne jegliche wissenschaftliche Expertise.

Ja, wir warten auf eine neue Normalität. Ja, wir möchten wieder die alten und pflegebedürftigen Menschen unsere Zuneigung zeigen. Ja, wir wollen wieder Reisen. Aber nein, wir wollen das nicht um den Preis eines kollabierten Gesundheitssystems.

Und mir persönlich ist es auch egal, wenn der ein oder andere Influenzer durch die Corona-Krise weniger reisen kann und dadurch Follower verliert. Denn die Angst um die eigene Existenz, die darauf beruht, dass man andere Menschen blenden, täuschen und zum Kaufen bringen kann, ist nichts wert im Vergleich zu einem potentiellen Kollaps des Gesundheitssystems.

Herr Spahn,

  • planen Sie bitte keine Zukunft, die noch niemand kennen kann,
  • ändern Sie bitte Ihre Taktik bei der Konzipierung von neuen Gesetzen und gießen Sie kein Öl in die Glut des Misstrauens,
  • kümmern Sie sich um die aktuellen Probleme und warten Sie auf die validen und wissenschaflichen Erkenntnisse
  • und treten Sie einfach auf die Bremse, denn Sie haben selbst gesagt, es sei ein Marathon und wir stehen erst am Anfang.

 

PS: Liebe Influencer,

  • sucht Euch doch einen richtigen Job, in der Pflege sollen ja einige Stellen unbesetzt sein,
  • hört auf Bill Gates, Tesla oder die Illuminati für Corona verantwortlich zu machen,
  • wenn Ihr nicht flexibel genug auf die wirtschaftliche Krise reagieren könnt, liegt das nicht an den Schutzmaßnahmen, sondern an Eurer fehlenden Flexibilität und
  • kritisches Hinterfragen ist wünschenswert, aber wer sich sonst nur mit Handtaschen oder Schnorcheln auf Bali beschäftigt, ist vielleicht in Fragen des Infektionsschutzes keine ausgewiesene Kapazität.

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