AOK sieht geplante Apothekenreform sehr kritisch

Der Entwurf zur Apothekenreform sendet aus Sicht des AOK-Bundesverbandes widersprüchliche Signale. „Es ist richtig, die Not- und Nachtdienste der Apotheken aufzuwerten, denn das stärkt das Engagement und die Versorgung in strukturschwachen Gebieten“, so Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Doch es sei völlig unklar, warum weitere 100 Millionen Euro für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen an die Apotheker gezahlt werden sollen. „Für diesen zusätzlichen Vergütungstopf steht die Höhe bereits fest. Auch, dass die Apotheker die Mittel selbst verteilen dürfen. Dagegen muss das zu lösende Versorgungsproblem erst noch erfunden werden“, so Litsch. Rückblickend auf die ersten Eckpunkte aus dem Dezember 2018 habe sich das Volumen der Extravergütung zwar deutlich reduziert, „aber es ist auch klar, dass sich die Koalition mit diesem Klientelgeschenk vom Versprechen des Versandhandelsverbots freikauft.“

Der Vorstandsvorsitzender verweist auf einige AOK-Projekte zum Medikationsmanagement, die auch die Apotheker mit einbeziehen. An oberster Stelle stehe hier die verbesserte Versorgung der Patienten. „In solchen, auf die regionalen Bedarfe abgestimmten Vereinbarungen kann es sinnvoll sein, ergänzende pharmazeutische Dienstleistungen festzulegen. Dagegen laufen die im Eckpunktepapier vorgesehenen Verhandlungen auf Bundesebene auf eine unspezifische und intransparente Gießkannenfinanzierung hinaus, mit der die Versorgung nicht verbessert wird.“

Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand haben Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand habe. Schwer vereinbar, in Bezug auf die europarechtlichen Vorgaben, sei der vorher für Versandhändler geplante Bonusdeckel von 2,50 Euro je abgegebener Packung gewesen. Litsch ergänzte: „Diese weitere Verschärfung ist auf Druck der Apothekerlobby zustande gekommen und aus europarechtlicher Perspektive noch anfälliger. Wir halten es für hochwahrscheinlich, dass die Regelung weitere Klagen und damit eine Neubefassung durch den Europäischen Gerichtshof provoziert. Durch die trickreiche Einbindung von Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung ins Sozialgesetzbuch wird sich das kaum verhindern lassen.“

Gegen den Versandhandel kämpfe die Apothekerschaft schon seit Jahrzehnten an, da sie dadurch ihr Geschäftsmodell bedroht sehe. Litsch stellt klar: „Alle Analysen und Statistiken zeigen, dass die Rede vom akuten Apothekensterben eine Chimäre ist. Und der Versandhandel ist auch nicht die Ursache dafür, dass es einige Apotheken schwerer haben als andere.“ Vielmehr gebe es Fehlanreize bei der Honorierung sowie ein Überangebot in den Städten.

Umfrage belegt Zufriedenheit mit Apotheken-Versorgung

Außerdem sind die Bürger in Deutschland mit der Apothekenversorgung derzeit sehr zufrieden. Dies belegt eine von der AOK beauftragte forsa-Umfrage aus dem Januar. Rund 2.000 Bundesbürger waren dafür unter anderem zur Zufriedenheit mit verschiedenen Infrastruktureinrichtungen befragt worden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen mit der Apotheken-Versorgung am zufriedensten sind – egal, ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Danach befragt, was ihnen am wichtigsten ist, rangieren Apotheken hinter Hausärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Internetversorgung, Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern.

Die Ergebnisse zu den Apotheken im Detail:

Bei der Bedeutung erreichen Apotheken mit 86 Prozent (sehr wichtig/wichtig) immerhin den sechsten Platz, hinter Hausärzten (95 Prozent), Einkaufsmöglichkeiten vor Ort (93 Prozent), Internetversorgung (90 Prozent), Schulen/Bildungseinrichtungen (87 Prozent) und Krankenhäusern (87 Prozent).

Bei der Zufriedenheit belegt die Apotheken-Versorgung deutlich den ersten Platz mit 93 Prozent (sehr zufrieden/zufrieden). Die Zufriedenheitsraten mit den Einkaufsmöglichkeiten (83 Prozent) und der hausärztlichen Versorgung (79 Prozent) sind zwar ebenfalls hoch, erreichen aber nicht ganz das Niveau der Apotheken. Betrachtet man die Zufriedenheitswerte für Apotheken abhängig von der Ortsgröße, variieren sie lediglich zwischen 89 Prozent in kleinen Ortschaften und 94 Prozent in Großstädten.

Gefragt wurde auch jeweils, ob sich die Versorgung in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert habe. Bei den Apotheken sehen 18 Prozent der Befragten eine Verbesserung. Dabei erleben die Bewohner kleinerer Gebietstypen sogar eine stärkere Verbesserung der Apothekenversorgung als die Bewohner in Städten. Und nur 7 Prozent sehen eine Verschlechterung. Die ärztliche Versorgung wird dagegen kritischer eingeschätzt. So sehen 23 Prozent bei den Fachärzten und 20 Prozent bei den Hausärzten eine Verschlechterung.

Trotz Zufriedenheit gibt es Anpassungsbedarf

Gleichwohl gibt es aus Sicht des AOK-Bundesverbandes Anpassungsbedarf. „Demographischer Wandel und Fachkräftemangel erfordern auch in der Arzneimittelversorgung strukturelle Veränderungen, damit die Zufriedenheit so hoch bleibt wie bisher“, betont der Verbands-Chef. Voraussetzung für die langfristige Sicherung einer gut erreichbaren Versorgung mit Arzneimitteln sei eine Weiterentwicklung und Flexibilisierung der Betriebsformen von Apotheken. Hierzu gehörten auch mobile Angebote, Apotheken ohne Vorhaltung eines eigenen Labors, Abgabeterminals für Arzneimittel mit Teleberatung und größere Filialverbünde mit Arbeitsbedingungen, die auch den Apothekernachwuchs ansprechen. Auch der Versandhandel zähle dazu. Litsch weiter: „Die Apothekenlandschaft kann eine Umstrukturierung vertragen. Es ist schade, dass die Koalition diese Chance zur Weiterentwicklung ein weiteres Mal verstreichen lässt.“

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/8697/4235488

 

Gesundheitsreform: Österreich macht’s vor!

Zu einer überraschend schnellen Einigung kam es nun doch zwischen Bund und Länder im Zuge der Gesundheitsreform. Es werden nicht nur die Krankenkassen zusammengelegt, sondern das komplette Gesundheitssystem wird zukünftig aus einer Hand bezahlt.

„Das ist die einzige vernünftige Lösung, wir hatten das schon vor Jahrzehnten tun sollen“, äußerte Kanzler Kurz überzeugt und auch ein wenig selbstkritisch. Die Finanzierung im Österreichischen Gesundheitssystem ist ein undurchdringlicher Dschungel, in dem keiner so wirklich weiß, welche Maßnahme sich auf welchen Geldfluss wie auswirkt. In allen relevanten Punkten wurden bisher von Bund, Länder und Kassen unterschiedliche Interessen verfolgt. Also durchaus vergleichbar mit dem Deutschen Gesundheitssystem. Der Rechnungshof hat für eine Darstellung der gesamten Mittelflüsse im Gesundheitswesen 2017 mehr als 60 Akteure erfasst. Hier geht’s zum Bericht.

„Es waren eigentlich alle immer dafür, dieses Chaos zu beenden, es ist mir im Nachhinein ein totales Rätsel, wie dieser katastrophale Zustand so lange bestehen konnte“, rätselte Gesundheitsministerin Hartinger-Klein, zeigte aber dann doch mit dem Finger auf die zufällig gerade vorbeigehende SPÖ-Chefin. „Nach über 30 Jahren, in denen wir vollkommen machtlos in der Regierung gesessen haben, konnten wir hier jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen“, freute sich Gaby Schwarz, Gesundheitssprecherin der ÖVP über den Erfolg. Zukünftig werden Spitäler, Primärversorgungszentren (PVZ), der gesamte niedergelassene Bereich und sämtliche Gesundheitsberufe fair und transparent aus einer Kasse bezahlt.

Experten schätzen, dass die Umsetzung der Reform bereits in den nächsten Wochen erfolgen könnte. So auch Dr. Gottfried Haber, Univ.-Prof. MMag. von der Donau-Universität Krems: „Das neue System ist grob kalkuliert 4.812% einfacher und effektiver als die bisherige Lösung, das sollte eine rasche Umstellung ermöglichen.“

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Löhne in der Altenpflege inakzeptabel!

In einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung wird deutlich, dass umfassende Aufwertungen in der Altenpflege dringend notwendig sind – auch in Bezug auf den Fachkräftemangel. Obwohl es in letzter Zeit einige Verbesserungen gab, sind Pflegeberufe, gemessen an Verantwortung, Anforderungen und notwendigen Qualifikationen, immer noch sehr schlecht bezahlt. Speziell die Bezahlung von Altenpflegerinnen und Altenpflegern liegt stark zurück. Eine Fachkraft in der Altenpflege kam 2017 im Mittel (Medien) auf lediglich rund 2740 € brutto für eine Vollzeitstelle. Das entspricht in etwa nur 85 Prozent des mittleren Verdienstes für alle Berufe. Im Bereich des mittleren Lohns aller Berufsgruppen in Deutschland liegt der Verdienst von Fachkräften der Gesundheitspflege in Krankenhäusern. Für eine Vollzeitstelle sind hier pro Monat rund 3200 € brutto angesetzt. Altenpflegehilfskräfte hingegen verdienen in Vollzeit durchschnittlich nur rund 1940 € brutto pro Monat. Das geht aus einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) an der Hochschule Gelsenkirchen hervor.

Ausgewertet wurde die repräsentative Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit für die Jahre 2017 und 2012 von den Studienautorinnen Michaela Evans und Christine Ludwig. Neben dem Verdienstniveau lag der Fokus auf der Entwicklung und der Verteilung der Verdienste. Es war zu beobachten, dass die Entlohnung von Altenpflegekräften sehr stark nach Beruf, Region und Art der Pflegeeinrichtung differieren. So ist die Bezahlung von Altenpflegekräften in Krankenhäusern (Tarifvertrag) deutlich besser als zum Beispiel in Senioreneinrichtungen oder der ambulanten Pflege. In der ambulanten Altenpflege ist die Bezahlung besonders niedrig, da hier in sehr seltenen Fällen nach Tarif bezahlt wird.

Die Ergebnisse lassen auch einen Blick auf die unteren 20 Prozent der Verdienste in den verschiedenen Pflegetätigkeiten zu. In der ambulanten Pflege liegen die Einkommen der Altenpflegehelfer und -helferinnen für eine Vollzeitstelle unter 1560 € pro Monat. Hier befindet man sich im Bereich des allgemeinen Mindestlohns. „Eine Zahl, die an Brisanz gewinnt, verdeutlicht man sich, dass 67 Prozent der Hilfskräfte in der Altenpflege in Teilzeit arbeiten und deshalb noch einmal niedrigere Einkommen erzielen“, sagt IAT-Expertin Evans.

„Die Beschäftigten im gesellschaftlich enorm wichtigen Tätigkeitsfeld der Altenpflege tragen ein überdurchschnittliches Risiko, trotz Arbeit arm zu sein“, konstatiert Studienautorin Ludwig. „Das ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern es stellt eine schwere Hypothek für die Arbeitskräftesicherung in der Altenpflege dar“ – und damit auch für die gesamte Gesellschaft und die Wirtschaft: „Auch in anderen Branchen leistet die Altenpflege über ihre Dienste einen Beitrag dazu, den Produktionsfaktor ‚Arbeit‘ abzusichern. Denn zunehmend mehr Erwerbstätige sind gleichzeitig pflegende Angehörige“, schreiben die Wissenschaftlerinnen.

Nach der Analyse der IAT – Expertinnen braucht es eine arbeitspolitische „High Road“ – Strategie, um einerseits die Altenpflege aufzuwerten und andererseits der zunehmenden Fluktuation entgegen zu wirken. Flächendeckende tarifliche Mindeststandards müssen Teil dieser Strategie sein, damit faire Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden können. Angefangen bei Lohn – und Tariffragen müssen auch Themen wie Personalbemessung, verlässliche Arbeitszeiten, berufliche Qualifizierung oder auch die Einführung digitaler Technik überdacht werden. Die dafür notwendige Datengrundlage könne ein neu einzurichtendes Berichtssystem zur Verdienst – und Personalstrukturentwicklung in der Altenpflege liefern.

Außerdem müssten die gesetzlichen Gegebenheiten für die Refinanzierung von Lohnerhöhungen in der Brosche verändert werden. Derzeit hat es Auswirkung auf die Eigenbeiträge der Gepflegten, wenn Pflegerinnen und Pfleger der Altenhilfe besser vergütet werden, da die Pflegeversicherung Lohnerhöhungen nicht übernimmt. Durch diesen Mechanismus würden die Löhne in der Altenpflege „faktisch auf relativ niedrigem Niveau ausgebremst“, erklären die Wissenschaftlerinnen.

Ein weiterer Grund die Löhne in der Altenpflege der Bezahlung in der Krankenpflege anzunähern ist, die Reformierung der Ausbildung für Pflegeberufe. Ab 2020 werden alle Pflegerinnen und Pfleger zunächst mit einer „generalistischen“ Ausbildung beginnen und sich erst im zweiten Schritt für eine Spezialisierung entscheiden.

Rückstand etwas reduziert, aber weiter groß:

Im Jahr 2017 betrug der Bruttomedianverdienst über alle Berufe und Tätigkeiten in Deutschland hinweg 3209 Euro monatlich für eine Vollzeitbeschäftigung. Die mittleren Verdienste von Vollzeitkräften in der Altenpflege lagen weitaus niedriger. Für Fachkräfte reichen sie von im Mittel 3252 Euro in Krankenhäusern über 2821 Euro in Pflegeheimen bis zu 2471 Euro in der ambulanten Pflege, wobei ein Fünftel der Fachkräfte in der ambulanten Pflege in Vollzeit sogar weniger als 2000 Euro brutto verdient (siehe auch Tabelle 1 auf den Seiten 34 bis 35 der Studie; Link unten). Bei Helferinnen und Helfern liegen die mittleren Vollzeit-Bruttolöhne zwischen 1986 Euro in Alten- und 1983 Euro in Pflegeheimen sowie 1836 Euro in der ambulanten Pflege, wobei hier das schlechtest bezahlte Fünftel maximal 1560 Euro verdient.

Zwar sind die Löhne in der Altenpfleg zwischen 2012 und 2017 etwas stärker gestiegen als im Mittel aller Berufsgruppen. Die Altenpflegeberufe haben im Vergleich zum Gesamtmedian trotzdem nur moderat aufgeholt und liegen – Fach- und Hilfskräfte zusammengenommen – weiter unter 80 Prozent. Dagegen lagen Fachkräfte in der Krankenpflege mit einem mittleren Vollzeit-Einkommen von 3337 Euro etwas über dem Mittelwert für alle Berufe und Tätigkeiten. Hilfskräfte in der Krankenpflege erreichten mit im Mittel 2502 Euro 78 Prozent des allgemeinen Medians.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

Hier gehts zum Forschungsförderung Working Paper, Nr. 128, März 2019

Kassenwahlfreiheit: Sinnvoller Wettbewerb sieht anders aus!

Das Fazit von Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK – Bundesverbandes, zum vorgelegten Referentenentwurf ist eindeutig: „Das so genannte Faire–Kassenwahl-Gesetz wird seinem Anspruch nicht gerecht.“

Litsch äußerte außerdem: „Dieses Gesetz definiert mustergültig, wozu der Kassenwettbewerb gut sein soll, nämlich Leistungen und Qualität der Versorgung zu verbessern sowie Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Versorgung zu erhöhen. Das begrüßen wir ausdrücklich. Was dann aber an Umsetzungsvorschlägen präsentiert wird, läuft auf machtpolitischen Zentralismus und finanzielle Gleichmacherei hinaus. Die Vorschläge des Ministers werden nicht den Kassenwettbewerb um bestmögliche Versorgungsangebote fördern, sondern erhebliche Kollateralschäden bei der Gestaltung von Versorgung besonders im ländlichen Raum hinterlassen.“

RSA-Weiterentwicklung nur teilweise geglückt

Bereits im ersten Teil zur Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) zeige sich eine Schieflage des Gesetzes. Vom Ansatz her sei es vollkommen richtig, den RSA noch zielgenauer gestalten zu wollen und die Einführung des Vollmodells sowie die Stärkung der Manipulationsresistenz seien dafür geeignete Maßnahmen.

„Inkonsequent sind dann aber die geplanten Metropolzuschläge, die Gelder aus schwächeren ländlichen Regionen in überversorgte städtische Gebiete umleiten, um dort verkrustete Versorgungsstrukturen zu zementieren“, so Litsch. Die Einführung eines zusätzlichen Risikopools für kostenintensive Krankheiten sei ebenso fraglich. Denn solange die Auswirkungen anderer, an sich sinnvoller Maßnahmen wie etwa die Einführung eines Vollmodels oder von Altersaktionsthermen noch gar nicht abzuwägen sind, sollte man von solchen unwirtschaftlichen Ist-Ausgaben-Ausgleichen im Morbi-RSA absehen.

„Überhaupt müsste sich das Gesetz enger an die Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats halten. Stattdessen ignoriert der Minister vielfach den Expertenrat, und damit auch seinen eigenen Anspruch auf den Abbau von Risikoselektion zu Lasten von Versichertengruppen“, findet Litsch.

Nach Auffassung der AOK biegt das Gesetz im organisationsrechtlichen Teil dann komplett in die falsche Richtung ab. „Wer den Versorgungswettbewerb in der GKV stärken will, muss Kassen mehr Spielräume für regionale Vertragslösungen und Versorgungsoptionen mit Ärzten und Kliniken einräumen. Statt nun aber den lang anhaltenden Rückbau der vertragswettbewerblichen Handlungsoptionen von Krankenkassen und ihrer potenziellen Vertragspartner endlich zu stoppen, fällt dem Minister nur ein, regionale Krankenkassen als maßgebliche Player platt zu machen. Damit greift er nicht nur bewährte föderale Strukturen an, sondern schwächt auch massiv die Gesundheitsversorgung in der Fläche“, so Litsch weiter.

„Der Minister verkündet vollmundig, er wolle Lahnstein vollenden. Unter dem Deckmantel von Wahlfreiheit setzt dieses Gesetz aber nur einen einseitigen Fokus auf den Preiswettbewerb. Und jenseits des Morbi-RSA sollen über die Organisationsstrukturen alle Unterschiede in den Kassenfinanzen dauerhaft nivelliert werden.“ Letzten Endes müsse sich der Minister aber fragen lassen, welchen Mehrwert eine solche Reform für Versicherte und Patienten haben soll. Litsch: „Einfach nur mehr Wechselmöglichkeiten für diejenigen zu schaffen, die vor allem an den Zusatzbeitrag denken und in günstigere Kassen abwandern wollen, ist noch lange nicht fair. Vielmehr zeigt sich hier ein elitäres Wettbewerbsverständnis, das junge und gesunde Versicherte privilegiert. Was aber bietet das Gesetz Menschen in unterversorgten Regionen, die chronisch krank sind und eine Krankenkasse als Ansprechpartner vor Ort brauchen? Versorgung erfolgt nun mal in den Regionen und dafür fordern wir Handlungsspielräume. Statt regionale Player unter finanziellen Gesichtspunkten zu zentralisieren, sollten besser die bundesweiten Kassen regionale Zusatzbeiträge nehmen dürfen, um regionalen Finanzierungsbedürfnissen zu entsprechen. Das wäre konsequent im Sinne von Lahnstein.“

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/131721/4227998

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Erster Cannabisblüten-Vollextrakt

Cannabisblüten-Vollextrakt

Einer der führenden Importeure und Großhändler von medizinischem Cannabis, Aurora Deutschland GmbH, hat ab sofort sein Produktportfolio um einen Cannabisblüten-Vollextrakt erweitert. Damit leitet die Aurora Deutschland die nächste Stufe der medizinischen Versorgung von Patienten mit Cannabis-Arzneimitteln (CAM) ein.

Der Cannabisblüten-Vollextrakt ist ab sofort erhältlich. Die Aurora Deutschland GmbH garantiert eine standardisierte und unter hoch kontrollierten Bedingungen stattfindende Herstellung, sowie eine gleichbleibende pharmazeutische Qualität. Gewährleistet wird diese durch – z.B. in Bezug auf Wirkstoffkonzentration und -zusammensetzung – durch die hochmoderne CO2-Extraktion. Sowohl der gesamte Herstellungsprozess als auch die Produktionsstätten unterliegen strengen GMP-Regularien („Good Manufacturing Practice“). Apothekern wird eine einfache Zubereitung der oral einzunehmenden Rezeptur und Ärzten eine genaue Dosierung sowie bessere Titration ermöglicht, indem der Cannabisblüten-Vollextrakt als Ausgangsstoff für ein Rezepturarzneimittel in die Apotheken geliefert wird. Hauptbestandteil der Cannabisblüten-Vollextrakte sind neben den Cannabinoiden Dronabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) auch weitere natürliche Pflanzenstoffe, wie beispielsweise Terpene, welche zusätzlich therapeutisch wirksam sein können. Dr. Sandra Bütow, Director Marketing & Medical Education bei Aurora Deutschland betont:

„Wir freuen uns, mit optimierten Produkten die Patientenversorgung in Deutschland verbessern zu können. Mit diesem nicht zu inhalierenden Cannabisprodukt bieten wir Arzt und Patient die Möglichkeit einer weiteren Therapieoption.“

Cannabisblüten-Vollextrakt: Neue Möglichkeiten durch Produkterweiterung

Der Cannabisblüten-Vollextrakt wurde in Kanada bereits als erweiterte Therapiemöglichkeit gut angenommen. Die kanadische Muttergesellschaft von Aurora Deutschland, Aurora Cannabis Inc., verzeichnete im Mai 2017, nach der Einführung des Cannabisblüten-Vollextrakts im April 2017, ein Umsatzplus von 38% gegenüber dem Januar 2017.

Dr. Florian Holzapfel, Geschäftsführer von Aurora Deutschland, ist folgender Ansicht: „Mit der Einführung des Vollextrakts rechnen wir mit einem deutlichen Zuwachs der Cannabis-Verordnungen. Durch die Produkterweiterung erwarten wir, unsere Führung im deutschen Markt deutlich ausbauen zu können.“

Die Einführung des Extraktes in den deutschen Markt ist Teil der Strategie. Ziel der Aurora Cannabis Inc. ist die Patientenversorgung zu verbessern. So sollen die GMP-zertifizierten Produktionskapazitäten schrittweise angehoben werden. Eine breitere Produktpalette in Europa und besonders in Deutschland soll auf lange Sicht Umsatzwachstumspotenziale nutzbar machen.

Die Heilpflanze Cannabis

Seit Jahrtausenden wird Cannabis als medizinische Heilpflanze angewendet und kann die Lebensqualität von schwer kranken Patienten verbessern. Seit einer Gesetzesänderung vom 10. März 2017 können in Deutschland medizinische Cannabisprodukte wie Cannabisextrakte auf Rezept verschrieben und von den Krankenkassen erstattet werden. Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich können diese Arzneimittel eingesetzt werden. Ist eine schwerwiegende Erkrankung diagnostiziert und andere Medikamente wirken nicht oder eine Anwendung ist ausgeschlossen, kann die Genehmigung zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen erfolgen. Die Einschätzung des jeweiligen Arztes ist dabei essentiell, ob durch Medizinal-Cannabis eine spürbare Symptomlinderung erreicht und/oder der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann. Bei verschiedenen Indikationen ist bereits in zahlreichen signifikanten Studien eine positive therapeutische Wirkung von medizinischem Cannabis belegt.

Mehr Informationen zum medizinischen Marihuana finden Sie hier.

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Faire-Kassenwahl-Gesetz: IKK e.V. positiv gestimmt

Berlin: Der Geschäftsführer der IKK e.V., Jürgen Hohnl, zum Referentenentwurfs eines“ Gesetz für eine faire Kassenwahl in der GKV“:

„Die Innungskrankenkassen begrüßen, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nun endlich einen Referentenentwurf mit wichtigen Punkten zur Morbi–RSA-Reform vorgelegt hat. Bei einer ersten Sichtung der Vorschläge sind folgende Veränderungen zum Finanzausgleich aus Sicht der Innungskrankenkassen gravierend:

Der Referentenentwurf sieht die Einführung eines Krankheits-Vollmodells vor. Dies lehnen die Innungskrankenkassen entschieden ab. Ein Vollmodell erhöht die Manipulationsanfälligkeit des Ausgleichs. Damit konterkariert das BMG seine zahlreichen und grundsätzlich positiv zu bewertenden Ansätze zur Absenkung der Manipulationsgefahr. Die Krankheitsauswahl sollte auf schwerwiegende Krankheiten beschränkt werden, um Manipulationen zu verringern und stattdessen Anreize zur Prävention zu setzen!

Die von den Innungskrankenkassen seit langem geforderten Präventionsanreize werden im aktuellen Entwurf nur halbherzig angepackt: Die lediglich auf die Sekundärprävention bezogen Vorschläge bedeuten in erster Linie ein mehr an Bürokratie.

Die Einführung einer Regionalkomponente ist mit Blick auf die in den Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des BVA diskutierten Weiterentwicklungsoptionen des Morbi-RSA konsequent. Die genannten Ziele, Marktkonzentrationsprozessen vorzubeugen, Wirtschaftlichkeitsanreize zu erhalten und keine Fehlanreize im Hinblick auf die Verstetigung von Über- und Unterversorgung zu setzen, werden von den Innungskrankenkassen unterstützt.

Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V.
Quelle: IKK e.V.; Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V.

Erfreulich ist, dass der Referentenentwurf einen Risikopool für besonders aufwändige Leistungsfälle vorsieht. Einen vorgelagerten Ausgleich von 80 Prozent der Leistungsausgaben oberhalb von 100.000 Euro erachten wir für sinnvoll.

Die Regelungen zur Fortentwicklung des Organisationsrechts der Krankenkassen sind differenziert zu betrachten:

Grundsätzlich sehen wir den Weg der bundesweiten Öffnung aller Krankenkassen als konsequent an. Die fehlende einheitliche Aufsichtspraxis und die Sonderstellung der Ortskrankenkassen ist ein Hemmnis für einen fairen Wettbewerb. Bei aller Euphorie darf aber nicht aus den Augen verloren werden, dass ein Wettbewerb auch Anbietervielfalt voraussetzt. Die Innungskrankenkassen setzen sich explizit für ein gegliedertes, regionales Krankenkassensystem ein.

Ungläubig nehmen wir die Änderungsvorschläge der Erneuerung der Strukturen des GKV-Spitzenverbandes zur Kenntnis. Nachdem der Minister im Verwaltungsrat des GKV-SV vergangene Woche noch das hohe Lied der sozialen Selbstverwaltung gesungen hat, schafft er nun eben jene mit nur einem Federstrich ab. Mit dem Argument, die Anbindung an das operative Geschäft der Mitgliedskassen durch hauptamtliche Kassenvorstände im Verwaltungsrat des GKV-SV zu unterstützen, schafft das BMG die politische Klammer der Sozialpartner ab.“

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Gesetzesinitiative für fairen Wettbewerb in der GKV

Berlin: Die BARMER begrüßt die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), den Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenkassen zu stärken. Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER, betont: „Gesundheitsminister Jens Spahn setzt die richtigen Impulse für einen fairen Wettbewerb der Krankenkassen um die beste Versorgung der Versicherten. Vor allem mit der geplanten Einführung einer Regionalkomponente wird gewährleistet, dass die Beitragsgelder dort hinfließen, wo sie für die Versorgung der Patientinnen und Patienten tatsächlich benötigt werden“.

Ein großer Entwicklungsschritt des Finanzierungssystems seien die heute vorgelegten Eckpunkte zur Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs. Die Pläne Spahns beinhalteten viele essenzielle und auch korrekte Elemente für einen sachgerechten Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Finanzausgleich, der in Teilen falsch justiert wurde, habe zu massiven Verwerfungen in der GKV geführt. „Ein funktionsfähiger und fair ausgestalteter Wettbewerbsrahmen schafft die grundlegende Voraussetzung für eine moderne und leistungsfähige gesetzliche Krankenversicherung“, sagte Straub abschießend.

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Physische Belastungen bei der Arbeit immer noch sehr hoch – BIBB/BAuA-Befragung 2018

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) hat jetzt das zweite Faktenblatt zur BIBB/BAUA – Erwerbstätigenbefragung 2018 unter dem Titel „körperlich harte Arbeit in Deutschland – immer noch weit verbreitet“ veröffentlicht. Gleichzeitig werden auch Informationen zur Verfügung gestellt, wie gute Arbeitsgestaltung und Verhaltensregeln gesundheitlichen Beschwerden durch körperliche Arbeit entgegenwirken können.

Für viele Arbeitnehmer gehören körperliche Belastungen bei der Arbeit zum Alltag. Jeder Zweite (54%) gibt an, häufig im Stehen arbeiten zu müssen. Das ist für mehr als jeden vierten Betroffenen (27%) belastend. Zwar hebt oder trägt nur etwa jeder vierte (23%) häufig schwere Lasten, aber mehr als die Hälfte (53%) fühlen sich davon belastet. Schwere körperliche Arbeit kommt unter anderem besonders häufig in der Pflege, aber auch in Bau- und Gartenbauberufen sowie in der Gastronomie vor. Im Faktenblatt werden auch Zahlen zu Arbeit mit den Händen und in Zwangshaltung vorgestellt.

Insgesamt zeigt sich, dass körperliche Arbeit auch in der Wissensgesellschaft präsent ist. Vergleicht man die Ergebnisse mit der Erwerbstätigenbefragung von 2012 lassen sich nur geringe Unterschiede feststellen. Die größte Abweichung gibt es bei der Frage nach Arbeiten, die mit den Händen durchzuführen sind und viel Geschick, Geschwindigkeit oder große Kraft erfordern. Hier ist ein Rückgang der Betroffenen von 42% im Jahr 2012 auf 39% in 2018 zu verzeichnen.

Noch immer sind Männer in Vollzeit am ehesten harte Arbeit ausgesetzt. Frauen, die in Teilzeit tätig sind, berichten häufiger über körperlich belastende Arbeitsbedingungen. Unabhängig von der geleisteten Stundenzahl empfinden Frauen körperlich harte Arbeit im Vergleich zu Männern häufiger als belastend.

Neben den Belastungen zeigen die Daten aber auch, dass es ein großes Präventionspotenzial im Bereich physischer Belastungen gibt. Durch den Einsatz von ergonomischen Arbeitsmitteln oder Trage – und Transporthilfen kann eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung geschaffen werden. Aber auch durch rückenschonende Hebe – und Tragetechniken, gezielte Ausgleichsbewegungen oder häufigere Pausen können die Beschäftigten entlastet werden.

Bei der BIBB/BAuA – Erwerbstätigenbefragung 2018 handelt es sich um eine repräsentative Erhebung unter rund 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland. Durch das Faktenblatt werden differenzierte Informationen über ausgeübte Tätigkeiten, berufliche Anforderungen, Arbeitsbedingungen und – belastungen, den Bildungsverlauf der erwerbstätigen sowie über die Verwertung beruflicher Qualifikation gewonnen.

Das Faktenblatt “Körperlich harte Arbeit in Deutschland – immer noch weit verbreitet“ finden Sie hier als PDF.

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Mehr Erste-Hilfe-Unterricht an deutschen Schulen

So lautet die Forderung der Notfallmediziner in Deutschland. Auf diversen Kongressen diskutieren Experten immer häufiger über die Belastung von Rettungsdiensten. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Notfallversorgung neu ordnen.

Koblenz: Die führenden Experten der deutschen Notfallmedizin fordern die flächendeckende Einführung von Erste-Hilfe-Schulungen und Herz-Lungen-Wiederbelebung im Schulunterricht. „Wir müssen da beginnen, wo man die Menschen noch prägen kann, nämlich in der Schule“, äußerte Professor Dr. Rossaint, Präsident der “Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ auf dem Notfallmedizinkongress (DINK) in Koblenz. Knapp 1500 Teilnehmern besuchten den Kongress. Als überzeugendes Argument dient eine simple Rechnung: Würde man alle Kosten, die für den Unterricht anfallen, zusammenrechnen und diesen Wert dann durch die Anzahl der Menschen, die durch helfende Schüler wahrscheinlich gerettet werden könnten, teilen, würde das pro Patient circa 3000 € kosten. In den Augen von Dr. Rossaint ein “lächerlicher Betrag“, da die anderen Versorgungskosten im Deutschen Gesundheitswesen deutlich höher sind.

Notarzt
Quelle: Pixabay

Diese Forderungen kommen jedoch nicht von ungefähr. Mit rund 30.000 Rettungseinsätzen in ganz Deutschland pro Tag, geraten die Notfallmediziner immer öfter an ihre Grenzen. Professor Dr. Paul Grützner, Präsident der “Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie“, wird in seinem Vortrag auf dem DINK noch konkreter: „Die Hausärztliche Notfallversorgung ist praktisch zusammengebrochen“

Spürbar wird dies mittlerweile auch in anderen medizinischen Bereichen wie zum Beispiel dem Rettungsdienst oder die überlaufenen Notaufnahmen in den deutschen Kliniken. „Politik hat es verpasst, Rahmenbedingungen anzupassen“, beklagte auch Professor Dr. Uwe Janssens, Präsident der “Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv – und Notfallmedizin“. Er ist davon überzeugt, dass die Politik es in den letzten Jahrzehnten versäumt hat, die Rahmenbedingungen an die sich rasant ändernden Verhältnisse anzupassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war es leider nicht möglich direkt vor Ort anwesend zu sein. Allerdings kündigte er mit einer Videobotschaft auf dem DINK an, dass er die Notfallversorgung in Deutschland neugestalten möchte, auch mit Hilfe von neuen Gesetzen. Das Ziel müsse sein, da anzusetzen, wo es im Moment “nicht so rund“ läuft. Jens Spahn appelliert auch an die notfallmedizinischen Experten, sich aktiv an der Diskussion um die Neuordnung zu beteiligen.

Auf dem diesjährigen DINK standen mehr als 20 Fachsitzungen mit über 50 Vorträgen auf dem Programm. Unter anderem ging es auch um die Versorgung schwerverletzter Kinder, bei der die Eltern immer miteinzubeziehen sind, um die Bedeutung von Herzinfarktzentren, in die Patienten mit Brustschmerzen gebracht werden sollten, und um das Erkennen lebensgefährlicher Infektionen, die den ganzen Körper befallen.

Außerdem wurde der Ulmer Bundeswehrarzt, Professor Dr. Matthias Helms, mit dem ersten “Deutschen Notfallmedizin-Preis“ ausgezeichnet. Er hatte seit Jahrzehnten wertvolle Impulse im Rettungsdienst gesetzt und diesen mitgeprägt.

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Laufen im Frühling – Tipps und Tricks

Das Frühjahr naht, und damit auch die ersten Laufevents. Viele Hobbysportler wollen ihre Laufschuhe wieder zum Glühen bringen. Doch worauf ist zu achten, wenn man den Winter über pausiert oder das Laufen im Frühling erst neu für sich entdeckt hat? Unter physiotherapeutischer Sicht gibt es ein paar kleine Tipps um sich beim Laufen zu steigern und typische Überlastungsproblematiken zu vermeiden.

Trainingsmethoden

Ausdauertraining

Klassisch trainiert man beim Joggen die Ausdauer. Genauer gesagt das Herzkreislaufsystem, also die Sauerstoffbereitschaft für die Muskulatur, die durch die Pumpleistung des Herzens gewährleistet wird. Bei langen Läufen, über eine Stunde, handelt es sich zudem um ein Stoffwechseltraining. Der Körper stellt auf Fettverbrennung um. Dies geschieht aber erst, wenn die Kohlenhydratspeicher in Muskulatur und Leber geleert sind, und zur weiteren Energiebereitstellung die Reserven in Form von Fett mobilisiert werden müssen. Gerade beim Laufen im Frühling haben noch so Manche lästige Fettpolster aus den kalten Wintermonaten.

Intervalltraining

Um eine Steigerung in der Geschwindigkeit zu erreichen, empfiehlt sich das Intervalltraining. Hierbei wird eine bestimmte Strecke z.B. 400 Meter möglichst schnell gerannt. Danach erfolgt ein Abschnitt, in dem man die Geschwindigkeit stark reduziert und der Körper sich erholen kann. Dies wird vier bis fünf Mal wiederholt. Hierbei trainiert man die Kraftausdauer. Es erfolgt ein Wechsel zwischen anaerober (ohne Sauerstoffbereitstellung) und aerober (mit Sauerstoffbereitstellung) Verbrennung. Dies geschieht vor allem bei Intervallen die Sprinteinheiten enthalten. Das Beschleunigen benötigt mehr Energie, als eine Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Hierdurch wird sowohl der Stoffwechsel, das Herzkreislaufsystem, als auch die Muskulatur trainiert. Deshalb ist das Intervalltraining bei Anfängern eine sehr gute Methode um sich zu steigern. So könnte man zum Beispiel die Ausdauer beim Laufen im Frühling trainieren und dann im Frühsommer das Intervalltraining mit einbauen.

Symbolbild Intervalltraining; Quelle: pixabay.com

Krafttraining

Auch das Muskeltraining ist ein entscheidender Punkt bei Läufern. Krafttraining der Beinmuskulatur, aber auch der Rumpf und Armmuskulatur wirken sich entscheidend auf die Laufleistung aus. Die häufigsten Überlastungserscheinungen bei Läufern wie z.B. Achillissehnenreizungen oder Knieproblematiken entstehen durch ein Kraftdefizit. Grundvoraussetzung ist eine stabile Körpermitte. Eine aufrechte Haltung beim Laufen gewährleistet eine geringere Belastung der Gelenke.

Ein förderlicher Kraftfluss entsteht nur, wenn die Wirbelsäule in ihrer typischen S- Form aufrecht steht. Fallen die Schultern nach vorne und der Bauch sackt ein entsteht eine Art Buckel. Die Wirbelsäule ist nicht mehr aufrecht. Die  Stoßbelastung, die von den Beinen an die Wirbelsäule weitergegeben wird, kann sich nun nicht dynamisch entfalten und die Gelenke, vor allem die Knie, werden um ein vielfaches mehr an Gewicht belastet. Hierbei spielt auch die Kraft des Schultergürtels mit hinein, der die Schultern nach hinten halten kann. Bei fortgeschrittenen Läufern kann durch Armmuskeltraining ein effizienterer Laufstil erreicht werden, da der Armpendel eine wichtige Rolle spielt bei höheren Geschwindigkeiten.

Das Krafttraining der Beine darf zudem nicht vernachlässigt werden. Obwohl man vielleicht meinen könnte, dass beim Laufen die Beine ja trainiert werden. Nur wenn die Beinmuskulatur gut ausgeprägt ist, kann sie auch auf Dauer gefordert Leistung bringen. Damit sich Muskulatur aufbaut braucht es aber einen hohen Reiz und eine Steigerung. Der Reiz ist beim Laufen jedoch immer der selbe, und die Intensität zu gering. Deshalb ist ein Oberschenkeltraining durch Kniebeugen oder Beinpresse, sowie das Wadentraining durch Wadenheben wichtig um Problematiken zu vermeiden.

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Tipps zur Vermeidung von Überlastungen beim Laufen im Frühling

Häufig beginnen Anfänger sehr motiviert und haben nach kurzer Zeit Probleme mit den Gelenken oder Muskelbeschwerden. Schuld sind dabei auch die guten Vorsätze für das neue Jahr, wenn dann wieder mehr Sport oder Laufen im Frühling auf der Agenda steht. Woran kann dies liegen?

Ein Grund kann sein, dass man die Belastung zu schnell steigert. Dies kann passieren indem man eine zu weite Laufstrecke für den vorhandenen Trainingszustand wählt. Der Körper also noch nicht die Kraft im Rumpf und den Beinen hat, um die Strecke in einem gesundheitsfördernden Laufstil zu bewältigen. Deshalb sollte man zu Beginn eine nicht all zu weite Strecke wählen, und das Intervalltraining bevorzugen. Ein anderer Grund kann die ungenügende Regeneration sein. Genauso wichtig wie das Training ist die Pause und Regeneration danach. Knorpel, Sehnen, Muskeln, der ganze Bewegungsapparat muss sich erst an die neue Belastung gewöhnen. Und gerade beim Laufen im Frühling, wird vermehrt der Asphalt benutzt, da Waldstrecken und andere meist noch sehr matschig sein können. Kommt der Körper nicht hinterher, weil die Pause zu kurz war, können Gelenkbeschwerden entstehen. Zu Beginn empfehlen sich ca 2 Laufeinheiten pro Woche.

Soll ich mich aufwärmen oder dehnen vor dem Laufen?

 Eigentlich ist dies nicht notwendig. Beim Joggen ist ein geringes Bewegungsausmaß der Gelenke gegeben. Deshalb reicht es langsam los zu laufen und das Tempo dann zu steigern. Anders verhält sich dies beim Sprinten, hier ist das Bewegungsausmaß vor allem in der Hüfte größer. Deshalb sollte man nicht völlig kalt lossprinten. Auch bei anderen Sportarten, bei denen ein höheres Bewegungsausmaß gefordert ist, oder schnelle Antritte und Richtungswechsel vorkommen, ist dynamisches Dehnen sogar sehr sinnvoll. Es kommt daher auf die körperliche Anforderungen der Sportart an, ob aufwärmen und dehnen notwendig ist.

Quelle: Pixabay

Soll ich mich nach dem Laufen dehnen?

 Allgemein lässt sich sagen, dass Dehnung immer dann notwendig ist, wenn ein muskuläres Ungleichgewicht herrscht, oder man die Gelenke selten im kompletten Bewegungsausmaß bewegt oder trainiert. Beim Laufen haben wir ein geringes Bewegungsausmaß in Hüfte, Knie und Sprunggelenk. Die Muskulatur ist also nicht komplett angenähert und gestreckt sondern bewegt sich in mittlerem Ausmaß. Dies ist der Grund warum Dehnung Sinn macht. Um die Gelenke in vollem Ausmaß zu bewegen und mobil und flexibel zu bleiben. Einen ähnlichen Effekt hätte ein gezieltes Krafttraining von Spieler und Gegenspieler in voller Länge. Direkt nach dem Krafttraining einen Muskel zu dehnen ist nicht günstig, wenn man bedenkt, dass man in dem Muskel ein Mikrotrauma gesetzt hat (ein Muskelkater und Muskelzuwachs geschieht  durch eine Verletzung der Muskelfaser, welche danach durch Anreicherung „dicker“ zusammenwächst) . Hier direkt zu dehnen würde die Faser noch stärker Verletzen und den Erholungszeitraum verlängern.

Da es sich beim Laufen aber nicht um ein Krafttraining handelt, und die Muskelfasern in der Form weniger gereizt werden, ist ein Dehnen auch danach möglich. Muskelkater ist bei Laufanfängern natürlich möglich, da es sich um eine ungewohnte, neue Belastung handelt. Nach einiger Zeit und bei regelmäßigen Joggingeinheiten ist dies jedoch selten, da es sich um einen monotonen Bewegungsablauf handelt und die Intensität zu gering ist.

Am günstigsten jedoch ist Dehnung als eigene Sporteinheit zusätzlich zu sehen. Dem Körper intensiv wieder Länge zu geben. Je nach Berufsalltag neigen bestimmte Muskeln dazu zu verkürzen, welche beim Laufen ein dynamisches Laufbild eventuell erschweren. Die Empfehlung zur Dehnung ist jedoch sehr individuell vom körperlichen Fitness Level, der Grundbeweglichkeit und dem Vorliegen von beruflichen muskulären Anpassungen abhängig. Bei höherer Geschwindigkeit verändert sich der Laufstil. Es wird mehr über den Vorfuß gelaufen. Die Wadenmuskulatur ist dauerhaft genähert. Hier sollte die Wadenmuskulatur gezielt gedehnt werden, da sie eh zur Verkürzung neigt, weil der Gegenspieler (m. Tibialis anterior, Fußheber) wesentlich schwächer ist.

Fazit

Laufen, hat sehr viele positive Eigenschaften. Es senkt das Risiko an Herzkreislauferkrankungen zu erkranken, es schüttet das Glückshormon Serotonin aus, welches uns zufriedener macht und vieles mehr. Beachtet man die richtige Dosierung, das ausgleichende Krafttraining, die Dehnung und die richtige Wahl von Intervall und Ausdauereinheiten bleiben die Laufschuhe auch bis zum nächsten Jahr am glühen.

 

i.A. Black and white personal training, Natascha Bartel, Physiotherapeutin, Ernährungstrainerin

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