WhatsApp in der Klinik trotz DSGVO?

Viele Menschen nutzen es täglich, stündlich, fast minutiös: WhatsApp. Also kein Wunder, dass auch immer wieder Pflegekräfte, Ärzte und andere Berufsgruppen Informationen über Patienten über dieses Portal in der Vergangenheit ausgetauscht haben. Mit den neuen Datenschutzgesetzen und Verordnungen ist dies jedoch strikt untersagt. Natürlich ist so ein direkter und schneller Informationsfluss möglich, jedoch werden dabei sensible Patientendaten über einen nicht kontrollierbaren externen Server gesendet. Ein Missbrauch der Informationen ist natürlich denkbar und daher nicht wünschenswert. Weder für Fachkräfte noch für Patienten.

Doctorsgate – WhatsApp für medizinische Fachkräfte

Die gerade angesprochenen Probleme und Herausforderungen haben den Medizinstudent Robert Musmann dazu bewegt ein eigenes Unternehmen zu Gründen, welches eine Plattform erstellt hat, die nun eine sichere und gesetzeskonforme Möglichkeit der digitalen Kommunikation ermöglicht. Mit dem neuen, kostenlosen Instant-Messaging-Dienst Doctorsgate tauschen Ärzte, Pflegekräfte und Studierende Patientenfälle sicher über ihr Smartphone aus. Die App bietet verschlüsselte Chats und einen Newsfeed, um Bilder, Videos und Texte mit Fachkollegen zu teilen. Nachrichten werden nach spätestens 30 Tagen automatisch gelöscht. Die Speicherung der Daten erfolgt ausschließlich auf dem eigenen Endgerät und nicht auf ausländischen Servern.

“Wir haben eine sichere Kommunikationsplattform für Mediziner geschaffen“,

betont der Geschäftsführer und Medizinstudent Robert Musmann, der in seinem Umfeld einen großen Bedarf an einer WhatsApp-Alternative ausmacht. Nachdem sich der erste Prototyp von Doctorsgate im Rahmen einer mehrmonatigen Testphase mit über 1000 Usern bewährt hat, steht die App nun einem breiten Fachpublikum im Apple Store und auf Google Play zum Download bereit. Aktuell (Stand 04.09.2019) hat die App im Google-Store eine Bewertung von 5,0 Sternen bei mehr als 1000 Downloads.

Möglichkeiten von Doctorsgate

Doctorsgate bietet medizinischen Fachpersonen die Möglichkeit, das persönliche Netzwerk mithilfe eines sicheren Instant-Messaging-Dienstes zu pflegen und zu erweitern. Über verschlüsselte Einzel- und Gruppenchats können Bilder und andere Medien mit Kollegen ausgetauscht werden. Somit ist neben der sozialen Interaktion mit Kollegen und Kolleginnen auch der fachliche Austausch möglich. Gerade bei den Mitbeurteilungen von chronischen Wunden durch Wundexperten, können die Bilder der Wunden eine reibungsfreie und qualitativ hochwertige Versorgung fördern.

Im Newsfeed lassen sich besonders interessante oder schwierige Patientenfälle mit Fachkollegen anonymisiert teilen. Somit entsteht ein funktions-, fach- und generationsübergreifender Dialog: Die Pflegekraft kommuniziert mit dem Mediziner, der Medizinstudent mit dem erfahrenen Arzt. Neben den umfangreichen Messaging-Funktionen bietet Doctorsgate weitere nützliche Werkzeuge. So kann ein Arzt die Einverständniserklärung des Patienten per Fingerunterschrift auf dem Smartphone einholen. Mit einem Bildbearbeitungswerkzeug lassen sich Patientenfälle anonymisieren.

Ist das Ganze denn auch sicher?

Ein hohes Augenmerk liegt bei der in Deutschland entwickelten App auf dem Datenschutz und auf den strengen Regeln, die für medizinisches Fachpersonal gelten. Alle registrierten User müssen zunächst die Zugehörigkeit zu ihrer Berufsgruppe nachweisen, bevor sie an dem medizinischen Netzwerk teilnehmen. Doctorsgate verhindert zudem, dass Medien in dem persönlichen Fotoarchiv des Smartphones oder in einem cloudbasierten Dienst landen. Alle Daten werden ausschließlich und isoliert auf dem Endgerät gespeichert und nach spätestens 30 Tagen gelöscht. Eine Speicherung auf deutschen oder ausländischen Servern ist somit ausgeschlossen. Ein Team von so genannten Case Moderatoren verhindert, dass nicht anonymisierte Patientenfälle hochgeladen werden.

„Mit Doctorsgate übertreffen wir die branchenüblichen Datenschutzbestimmungen“,

stellt Musmann fest.

Wir von carewelt finden „Doctorsgate“ ist ein interessanter Trend, den wir sicher weiter beobachten werden und die Technik auch selbst ausprobieren wollen. Wir danken Andreas Oertel, dem PR-Berater von excognito für die guten Informationen rund um das Thema und Wünschen Herrn Musmann alles Gute und viel Erfolg für Studium und Unternehmen.

Digitalisierung im BGM

Pflegekongress 2018

Neue Technologien und die zunehmende Digitalisierung sind die Themen der heutigen Arbeitswelt. Über nichts Anderes diskutiert man mehr. So wie technische Innovationen die Arbeitswelt verändern und dadurch neue Arbeitsformen erschaffen, muss sich auch die Präventionsarbeit bzgl. der Beschäftigten weiterentwickeln. Es sind also zeitgemäße Lösungsansätze im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) erforderlich.

Üblicherweise sind mit der Einführung eines BGMs eine Vielzahl an Erwartungen verbunden. Dazu zählen beispielsweise der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, eine höhere Qualität und Produktivität der Arbeit sowie die Reduzierung von Krankheits- bzw. Fehltagen. Um nun zeitgemäße Lösungen zu finden, muss sich ein BGM, auf Grund der Digitalisierung, stets mit den sich wandelnden Arbeitsbedingungen auseinandersetzen. Also warum sollten sich nicht auch die Akteure des betrieblichen Gesundheitsmanagements die zukünftigen digitalen Tools zu Nutze machen? Ein modernes, innovatives und zeitgemäßes BGM kann einen entscheidenden Mehrwert für einen anhaltenden Unternehmenserfolg sein.

Um allerdings eine innovative Präventionsstrategie implementieren zu können, müssen zunächst alle relevanten Handlungsansätze identifiziert werden. In den vergangenen Jahren sind die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt immer mehr in den Fokus gerückt. Trotzdem darf man die Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) nicht außer Acht lassen. Blickt man nämlich auf das Präventionspotenzial spielen die MSE eine entscheidende Rolle im Krankheitsgeschehen der Arbeitnehmer. Zwei Ansatzpunkte in Bezug auf die Prävention von MSE kristallisieren sich dabei heraus:

  • Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen
  • Förderung des gesundheitsgerechten Verhaltens der Angestellten

Bei der Frage um die physiologische Körperhaltung nehmen diese beiden Aspekte eine zentrale Rolle ein. Denn einerseits sind Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich, welche Körperhaltung wir während der Ausübung einer Arbeitstätigkeit einnehmen bzw. eingenommen werden muss und andererseits können durch die individuellen Ressourcen bzgl. des Arbeitsverhaltens manche Belastungen reduziert oder verstärkt werden.

Ursachen für MSE

Das Spektrum ist breit gefächert. In der Regel kann man davon ausgehen, dass das Tragen, Heben, Um- oder Absetzen sowie das Schieben und Ziehen von schweren Gegenständen mittels menschlicher Körperkraft in Verbindung mit hoher Belastung und ungünstigen Körperhaltungen bzw. Bewegungsabläufen zu Beschwerden am Muskel-Skelett-Apparat führen können. Aber auch Zwangshaltungen am Arbeitsplatz sind nicht zu vernachlässigen. Von Zwangshaltungen spricht man, wenn die vom Menschen ausgeführte Arbeit ihn zwingt eine spezielle Körperhaltung mit geringer Bewegungsmöglichkeiten über einen gewissen Zeitraum einzunehmen. Beispiele hierfür wären das Arbeiten in starrer Rumpfbeuge, das Hocken, Knien, Kriechen und Liegen, dauerhaftes Stehen ohne wirksame Bewegungsalternativen oder die klassische Sitzhaltung am Schreibtisch. Folglich ergeben sich Beschwerden für den Muskel-Skelett-Apparat insbesondere durch extreme Gelenkstellung, statischer Haltearbeit oder ungünstiger Hebelbewegungen.

Digitale Lösungsansätze für die Haltungsanalyse am Arbeitsplatz

Wie zuvor erwähnt, muss auch die Gesundheitsbranche auf die wachsende Digitalisierung reagieren. Immer häufiger müssen sich die Personal- und Gesundheitsverantwortlichen eines Unternehmens damit auseinandersetzen, welche technologischen Innovationen für die Gesundheitsförderung der Angestellten geeignet sind und wie man diese zielführend in ein BGM implementieren kann.Digitalisierung Gesundheits-Apps, Wearables und Gesundheitsportale sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht, neue Zielgruppen für präventive Maßnahmen zu erschließen und die Beschäftigten für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren. Doch auch digitale Lösungen zur Analyse der Körperhaltung bei der Arbeit gewinnen zunehmend an Bedeutung.

 

Eine sorgfältige Analyse bildet immer noch die Basis einer jeden zielführenden Präventionsstrategie. Auch wenn zur Identifikation von gesundheitsrelevanten Problemen oder zur Ableitung passgenauer Präventionsmaßnahmen nach wie vor keine digitalen Verfahren verwendet werden, sollte es vor dem Hintergrund der bereits erwähnten Digitalisierung naheliegen, doch auf digitale Technologien zurückzugreifen. Bei der ergonomischen Analyse von Arbeitsbelastungen könnten derartige Technologien eine digitale Erfassung von arbeitsbedingten Körperhaltungen ermöglichen. Die Anwendung von Motion Capture Systems ist in der Lage beobachtete Körperhaltungen mit in die Auswertung der Ergebnisse einfließen zu lassen. Dabei lassen sich menschliche Bewegungsabläufe digitalisieren und für einen späteren ergonomischen Bewertungs- und Interventionsprozess aufbereiten.

Eine weitere Möglichkeit die arbeitsbedingte Körperhaltung zu untersuchen, ist die altbewährte Beobachtungsanalyse. Dabei erfolgt eine subjektive Beurteilung der Körperhaltung im jeweiligen Arbeitskontext. Um das Beobachtete zu visualisieren, können softwaregestützte Foto- oder Videoaufnahmen zur Dokumentation genutzt werden. So kann vor Ort oder in einer zeitnahen Analyse die Körperhaltung bewertet und Korrekturen vorgenommen werden.

Ausblick-Digitalisierung im BGM

Es liegt auf der Hand, dass digitale Lösungen schon jetzt dem BGM gewinnbringende Ansätze bieten. Aber mit der im Mai 2018 in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird eine zentrale Aufgabe darin liegen, die Datensicherheit zu gewährleisten und die Arbeitnehmer vor Datenmissbrauch zu schützen

Digitale Gesundheitsakte und Therapie-Apps

Digitale Gesundheitsakte, Geldbörse

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung will die digitale Gesundheitsakte und Therapie-Apps. So lautet eines der Ergebnisse des 7. ePatienten-Survey der EPatienten RSD GmbH.

Doch obwohl 58 Prozent der Befragten anfänglich mit dem Begriff der Online-Patientenakte nichts anfangen können, antworteten 73 Prozent auf die Frage, ob sie digital jederzeit auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen wollen, mit „Ja“. Die Befragten wollen ebenfalls, dass ihr Arzt als Lotse für digitale Versorgungslösungen fungiert und ihre eigenen Daten mit ihm teilen. Damit wird deutlich: Die Deutschen wollen mehr digitale Gesundheitsanwendungen. Den Vertrauensvorsprung gegenüber Apple und Google, den Ärzte, Kliniken und Krankenkassen derzeit noch haben, sollten sie nutzen. Denn vier von fünf Befragten wollen Online-Empfehlungen von ihrem Arzt oder ihre Patientendaten mit ihm teilen. Darauf folgen dann Kliniken und Krankenkassen. Im Vergleich dazu, würden nur ca. 5 Prozent Apple und Google Patientendaten anvertrauen bzw. als Speicherort nutzen.

Digitale Gesundheitsakte, App

Das deutsche Gesundheitssystem ist im Zugzwang. Es ist an der Zeit nicht nur über E-Health bzw. die digitale Gesundheitsakte zu diskutieren, sondern den Vertrauensvorsprung aktiv zu nutzen und Lösungen in der Versorgungsproblematik zu entwickeln bzw. zu integrieren. Denn die ärztliche Versorgung und die Online-Welt sind gegenwärtig nicht miteinander verknüpft und Patienten werden von Ärzten und dem Gesundheitssystem in der Digitalen-Welt alleingelassen. Dementsprechend ist die Zahlungsbereitschaft, in bestimmten Zielgruppen für digitale Gesundheitslösungen, in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Allerdings müssen die Patienten gleichzeitig von ihren Versorgern geschult bzw. unterstützt werden, um die Kompetenzen im digitalen Bereich auszubauen bzw. zu festigen.

Für den 7. ePatienten-Survey, wurden im Frühjahr 2018 rund 9.700 „Gesundheits-Surfer“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Dabei unterstützen führende Krankenkassen, Gesundheitsportale, Patientenorganisationen und Startups.

Informationstechnologie in der Medizin

Informationstechnologie in der Medizin, Speicherchip

Gewaltige Entwicklungssprünge macht derzeit die Informationstechnologie in der Medizin. Der Fokus liegt dabei auf zwei Trends.

Hard- und Software

Diese werden von Jahr zu Jahr noch leistungsfähiger. Größere Datenmengen sind immer schneller bearbeitet bzw. verarbeitet. Das maschinelle Lernen und Erkennen von Mustern, auch in unstrukturierten Daten, ist perfektioniert. Die Bedeutung von Daten, Semantik und Kontext, wird zunehmend zum Mittelpunkt der IT. So kann immer mehr Information und Wissen entstehen. Erst die nächste Stufe, das Handeln, ist noch ein Monopol der Menschen.

Datenquellen

Die Anzahl an Quellen, aus denen Daten zusammengeführt werden müssen, nehmen kontinuierlich zu. Außerdem werden sie inhomogener. Hauptbestandteil der Quellen sind verschiedene Akteure, nicht zuletzt der Patient.

Ausblick

Diese rasche Entwicklung der Informationstechnologie in der Medizin bietet Chancen für schnellere, ausführlichere und präzisere Diagnosen und für wirksamere sowie individuellere Therapien. Dem gegenüber stehen allerdings Herausforderungen, die schon bekannt sind, sich aber verschärfen. So ist mit zunehmenden Mengen von Informationen zu rechnen, die die Nutzer der IT-Systeme verarbeiten müssen. Es muss erkennbar werden, ob diese Informationen unverfälscht und vollständig sind. Die Bedeutung der ausgetauschten Inhalte zwischen IT-Systemen muss weiterhin klar sein. Etablierte Standards sollten von allen Beteiligten eingehalten werden. Ärztinnen/Ärzte und Gesundheits-und Krankenpfleger/innen sollen ihre Wahrnehmungen und Handlungen in IT-Systemen speichern, um aus deren Output Rückschlüsse ziehen zu können. Dies bildet die Basis des Handelns und ermöglicht es, sich schnell und zuverlässig ein Bild zu machen.

Informationstechnologie in der Medizin, Digital

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Risiken – Informationstechnologie in der Medizin

Jedoch können die Systeme dies derzeit nicht gewährleisten. Man benötigt zu viel Zeit für die Daten-Eingabe und die Durchsicht von Informationen, beklagten die verschiedenen Anwender. Dadurch minimiert sich die Zeit für die Interaktion mit ihren Patienten. Ein trauriges Beispiel ist eine Ebola-Infektion eines Patienten in einem texanischen Krankenhaus im Herbst 2014, die nicht als diese erkannt wurde. Mit der Fehldiagnose Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) wurde der Patient wieder entlassen. Der Patient steckte zwei weitere Menschen an und verstarb zwei Wochen nach Entlassung. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die elektronische Fallakte zu diesem Verlauf beigetragen habe. Die durch das Aufnahme-Personal durchgeführte Reiseanamnese ergab, dass der Patient erst vor kurzem in Liberia war, allerdings wurde diese Information auf einer Maske dokumentiert, deren Durchsicht nicht zum Arbeitsablauf des behandelnden Mediziners gehörte.

Dieses Beispiel zeigt, dass es wichtig ist nicht nur Trends zu suchen bzw. zu entdecken, sondern Trends selbst zu setzen. Die künstliche Intelligenz (KI) ist auf jene Herausforderungen anzupassen. Sie kann Kriterien für gute Qualität von Datenquellen entwickeln und diese überwachen. Die KI kann Datenströme verfolgen und prüfen, ob die Informationen in den richtigen Kontext gestellt werden, sodass alle in den Prozess involvierten Personen den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen. Der Weg von der Idee zur Umsetzung wird nicht leicht, aber notwendig.

Telemedizinische Sprechstunde – Fluch oder Segen?

Rückblick

Mitte Mai diesen Jahres hat der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt beschlossen, dass das Fernbehandlungsverbot fallen wird – die telemedizinische Sprechstunde kann also kommen. Allerdings soll das anfangs nur für „Einzelfälle“ gelten. Das Gremium fordert weiterhin den sogenannten „Goldstandard“, eine Behandlung im persönlichen Kontakt mit den Patienten. Die neuen Kommunikationsmedien sollen nur unterstützend zum Einsatz kommen.

Doch die Meinungen gehen auseinander. Einige Delegierte der Landesärztekammer brachten ihre generelle Ablehnung einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots zum Ausdruck. Sie fürchten eine „Call-Center-Medizin“ oder gar ein „ambulantes Raubrittertum“. Andere wiederum sprachen sich für den Schritt der Lockerung aus und wollten sogar die Beschränkung auf den Einzelfall herausnehmen. Dr. Thomas Lipp, Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Hartmannbunds Sachsen, rief seine Kollegen dazu auf, den digitalen Wandel proaktiv anzugehen. Auch international gibt es bereits Länder, die das Konzept der Online-Sprechstunde eingeführt haben. Das deutsche Gesundheitswesen muss sich hier noch weiterentwickeln.

Auch Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV, bleibt dabei nicht unbeteiligt. Er hat, laut Kanzlerin Merkel, freie Hand bei der gesetzlichen Regelung der elektronischen Gesundheitskarte. Auch das Thema Fernverschreibungsverbot muss zügig bearbeitet werden. Denn es obliegt nicht der Ärztekammer zu entscheiden, ob Mediziner nach einer telemedizinischen Sprechstunde auch Medikamente verschreiben dürfen, sondern der Gesetzgeber.

Telemedizinische Sprechstunde – Chancen & Risiken

Die Chancen der digitalen Medizin sind immens, doch scheitert die Weiterentwicklung derzeit an Politik und Standesorganisationen. Es besteht die Gefahr, dass die deutsche Gesundheitswirtschaft – Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und alle anderen Anbieter von Gesundheits-Dienstleistungen – den Anschluss verliert. Denn Anbieter wie Google, Amazon und Apple sind dabei verlockende Angebote für Gesundheitskonsumenten und Patienten zu entwickeln.

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Bis jetzt wurde das Thema Fernbehandlung allerdings nur mit Blick auf hausärztliche Leistungen diskutiert. Komisch, da es ja auch Chancen in der spezialisierten Medizin gibt. Ein Paradebeispiel ist zum Beispiel die MRT-Praxis MR-Neurographie Neuer Wall Hamburg, die vom Universitätsklinikum Heidelberg betrieben wird. Hier erfolgt die medizinische Betreuung und vor allem die Befundung per Telemedizin aus Heidelberg. Lediglich eine Fachangestellte ist vor Ort. Hoch Spezialisierte Mediziner an wenigen Orten zusammenzuführen, ist an sich sinnvoll, da hier die Chancen der digitalen Vernetzung liegen. Allerdings musste die Heidelberger Uniklinik aufgrund des Fernbehandlungsverbots viel Überzeugungsarbeit leisten, bis sie die Ärztekammer davon überzeugen konnten und grünes Licht bekamen.

Es wird deutlich, dass der Weg zu einem innovativen Gesundheitssystem in Deutschland kein einfacher sein wird. Denn zu viel Bürokratie und Besitzstandswahrung sind wie Gift für Innovation.

Blockchain im Gesundheitswesen

blockchain im gesundheitswesen

In diesem Artikel erklären wir dir, was eine Blockchain ist und wie diese im Gesundheitswesen Anwendung finden kann. Welche Vorteile und Risiken diese Technologie bietet und wie deren Einführung umgesetzt werden kann. Die Blockchain im Gesundheitswesen wird zur Zeit sehr kontrovers diskutiert. Eine interessante und aktuelle Studie zu diesem Thema hat Deloitte veröffentlicht (Blockchain – Einsatz im deutschen Gesundheitswesen).

Was ist eine Blockchain?

Eine schriftliche Erklärung der Blockchain ist für Laien extrem schwierig. Es gibt einfach eine unfassbar große Masse an Fremdwörtern und Begriffen aus der IT. Deshalb haben wir für dich ein Video gefunden und eingebettet, welches dir die Blockchain in einfachen Worten erklären kann.

 

Wie kann die Blockchain im Gesundheitswesen angewendet werden?

Faxen und andere Arten der Informationsübermittlung sind zeitintensiv. Hausärzte, Fachärzte, Reha-Einrichtungen, Krankenhäuser, Pflegeheime und viele mehr sind Partner bei der Patientenversorgung. Heute ist es noch der Standard, dass jede Organisation meist eine eigene IT-Infrastruktur und eigene Dokumentationssysteme hat. Wenn jedoch alle diese Mitspieler ihre Berichte, Daten und Ergebnisse in einem geschützten dezentralen Computernetzwerk auflisten und so eine Blockchain generieren würden, könnten alle Versorger zeitgleich auf diese Informationen zugreifen. Vorgestellt am Szenario eines lebensrettenden Einsatzes des Notarztes könnte diese Datenkette nicht nur Kosten senken und Effizienz steigern, sondern schlichtweg auch Leben retten.

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Patientendaten durch Blockchain im Gesundheitswesen schützen

Patientendaten legen wir wohl genau so ungern offen wie unsere Bankdaten inklusive PIN. Da ist es für viele Menschen beängstigend, dass ihre Daten von Gesundheit und Krankheit auf einem Netzwerk von hunderten Computern und Servern liegt. Warum soll dort nicht einer unsicher sein und Zugang zum Missbrauch oder Veröffentlichung bieten? Durch die kryptographische Verschlüsselung und deren Funktionen können Daten sehr gut geschützt werden und auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Computern ist damit sicher und zuverlässig. Das Aufbauen von einzelnen Punkt-zu-Punkt Verbindungen wird damit überflüssig, dies ist gerade erwähnenswert, da jede einzelne Verbindung gesichert werden muss. Zudem könnten Patienten selber bestimmten, welcher Dienstleister Zugriff auf welche Daten haben darf. Es ist nur verständlich, dass nicht jeder Patient möchte, das seine Blutfette im Verlauf an die Krankenkasse gesendet werden.

 

Welche Daten würden dezentral gespeichert?

Eigentlich könnten alle Patientendaten gespeichert werden. Mit dem neuen e-Health Gesetz bewegt sich Deutschland einen kleinen Schritt Richtung Blockchain. Zum Beispiel gibt es ein zentrales Vorsorgeregister, wo Menschen unter anderen ihre Patientenverfügung hinterlegen können. Diese Informationen können dann ein  mit Arbeitsaufwand verbunden vom Register abgerufen werden. Anschließend müssen sie per Hand an die Patientenakte angefügt werden. Dieser Vorgang kostest ungefähr 2 Arbeitsstunden (Schätzwert aus eigenen Erfahrungen). Wenn das Vorsorgeregister und die Dienstleister im Gesundheitswesen eine gemeinsame Blockchain generieren würden, hätte die elektronische Krankenakte im Krankenhaus automatisch diese Information enthalten. Der Patient könnte gezielter und schneller behandelt werden. Zudem sinken Personalkosten und der Grad der Effizienz steigt an.

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Medikamentenpläne, Vorerkrankungen, Zusatzleistungen der Krankenkasse, Allergien, alte Befunde, bekannte Resistenzen gegen Antibiotika und familiäre Vorbelastungen könnten Daten sein, die in einer Blockchain zusammengeführt werden. Und das alles in einem einheitlichen Dateiformat, das für alle Mitspieler abrufbar ist.

 

Weitere Vorteile der Blockchain im Gesundheitswesen

Neben dem schnellen Zugriff auf relevante Patientendaten und die sichere Verschlüsselung bietet die Blockchain noch eine Menge an Vorteilen. Mit den Daten könnten medizinische Studien auf ganz neue und größere Mengen an Daten zurückgreifen. Krebstherapien könnten so effizienter werden, oder Nebenwirkungen von Medikamenten besser registriert werden. Ein Gewinn für den Therapieerfolg und die Patientensicherheit. Auch die künstliche Intelligenz könnte auf solche Datensätze zurückgreifen und dem behandelnden Arzt den passenden Content direkt liefern, ohne das dieser stundenlang danach suchen muss. Angefangen hat mit dieser Art der Recherche schon IBM mit ihrem System Watson. Diese künstliche Intelligenz sucht für den Mediziner, die passende Therapie für die jeweilige Erkrankung. Ein erfolgversprechendes Konzept im Bereich der Krebstherapie, da durch die genaue Typisierung von Krebszellen und der verknüpften Information welche Therapie, wie geholfen hat, eine sehr genaue Therapieempfehlung ausgegeben werden kann.

Auch die Abrechnung von erbrachten Leistungen mit den Kostenübernehmern würde sich durch die Blockchain deutlich vereinfachen.

Risiken der Blockchain im Gesundheitswesen

Ein absoluter Killer für den Datenzugriff ist natürlich ein Stromausfall oder ein Zusammenbruch des Systems. Dieses Risiko muss durch eine stabile Infrastruktur und Notstromsysteme minimiert werden. Auch die Stromkosten für die Rechenleistung steigen dadurch an. Außerdem ist die benötigte Menge an Speicherplatz nicht zu unterschätzen. Auch dort muss eine ausreichend große Infrastruktur der IT vorgehalten werden.

 

Fazit zur Blockchain im Gesundheitswesen

Steigerung der Effizienz, Senkung der Personalkosten, Verbesserung der Kommunikation zwischen den Dienstleistern, Steigerung der Versorgungsqualität, Minimierung von Behandlungsfehlern,… Die Liste scheint kein Ende zu nehmen. Es liegt auf der Hand, dass die Blockchain die Zukunft im Gesundheitswesen und in anderen Branchen ist. Diese Zukunft kann aber nur mit der passenden Infrastruktur erreicht werden. Außerdem müssen sich alle Spieler im Gesundheitsmarkt auf eine einheitliche Datenstruktur einigen. Meiner Meinung nach wird die Blockchain kommen, es wird nur eine Frage der Geschwindigkeit und der Reichweite.

 

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