Wie der Onlinehandel auch im Gesundheitswesen Einfluss gewinnt

Pflegehilfsmittel | Der Markt boomt

Tag für Tag werden mehr Paketen geliefert. Das Volumen des Onlinehandels nimmt jedes Jahr zu. Und jetzt greift das Versandgeschäft auch nach dem Gesundheitswesen. Bei den Apotheken gehört es schon zur täglichen Debatte: Apotheken müssen schließen, weil sie die Preise der Online-Apotheken nicht halten können. Und wie sieht es bei dem Geschäft mit Pflegehilfsmittel aus? Auch dort gewinnt der Online-Handel kontinuierlich mehr Marktanteile.

Versandhandel bei Pflegehilfsmitteln boomt

Neben den Apotheken muss auch in der Zukunft der Einzelhandel der Sanitätshäuser kämpfen. Alle Trendanalysten sehen noch lange kein Ende des Booms beim Online-Handel. Und diesen Trend haben jetzt einige Anbieter für sich entdeckt, und versenden Pflegeboxen je nach Kundenwunsch. In diesen Boxen sind dann Pflegehilfsmittel enthalten, die zur Versorgung des Pflegebedürftigen dienen. Aktuelle aber auch früher, sind die Angehörigen ins Sanitätshaus gegangen und haben dort die nötigen Pflegehilfsmittel besorgt. Danach mussten sie dann noch mit den Pflegekassen abrechnen und einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.

weitere Anbieter für Pflegehilfsmittel

Neben Curabox, Hysana und Co. drängen aber auch andere Anbieter in diesen Markt. Kein Wunder, Jahr für Jahr wird mehr Geld in das deutsche Gesundheits- und Pflegesystem gepumpt. Da wollen natürlich alle ein Stück abhaben. Amazon hat diesen Markt auch schon entdeckt und bietet Pflegehilfsmittel zum Verbrauch und technische Pflegehilfsmittel an. Vielleicht erwartet uns dort dann auch in der Zukunft ein Pflegebox-Angebot.

Pflegebox-Vergleich



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pflegebox.de

40 / Monat

konstenlos, wenn Pflegegrad vorhanden

Abrechnung direkt mit der Pflegekasse

kostenlose Lieferung

Inkontinenzprodukte können zusätzlich bestellt werden

Auswahl voreingestellter Pflegeboxen

eigene Konfiguration der Pflegebox möglich

97 von 100 carewelt-Punkte

curendo.de

40 € / Monat

konstenlos, wenn Pflegegrad vorhanden

Abrechnung direkt mit der Pflegekasse

kostenlose Lieferung

Pflegekurse vom selben Anbieter ebenfalls buchbar

Auswahl voreingestellter Pflegeboxen

eigene Konfiguration der Pflegebox möglich

97 von 100 carewelt-Punkte

curabox

40 € / Monat

konstenlos, wenn Pflegegrad vorhanden

Abrechnung direkt mit der Pflegekasse

kostenlose Lieferung

Inkontinenzprodukte können zusätzlich bestellt werden

Auswahl voreingestellter Pflegeboxen

eigene Konfiguration der Pflegebox möglich

97 von 100 carewelt-Punkte

hysana.de

40 € / Monat

konstenlos, wenn Pflegegrad vorhanden

Abrechnung direkt mit der Pflegekasse

kostenlose Lieferung

Inkontinenzprodukte können zusätzlich bestellt werden

Auswahl voreingestellter Pflegeboxen

eigene Konfiguration der Pflegebox möglich

95 von 100 carewelt-Punkte

Warum schimpfen manche auf die DRGs?

Kämpfen ums Überleben ist wohl zur Zeit eine der häufigsten strategischen Grundhaltungen von kleineren Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung. Die Gründe dafür sind vielschichtig und mehrdimensional. Krankenhäuser bewegen sich in einem Feld in dem sie starken Spannungen ausgesetzt sind. Das liegt daran, dass man mit sehr vielen Interessengemeinschaften, sog. Stakeholdern, zusammen arbeiten muss. Und viele Interessen der Stakeholder sind äußerst schwierig miteinander zu vereinbaren. Es wird viel im Zusammenhang mit Kliniksterben über Geburtshilfestationen geschrieben und berichtet. Ein Katastrophe für die werdenden Mütter und die ungeborenen Kinder. Aber wieso kommt es auch manchmal zur kompletten Schließung einer Klinik, und warum sind gerade kleinere Krankenhäuser vom Kliniksterben betroffen? Wir haben mal nachgefragt:

Was macht das Überleben der Organisation so schwierig?

Zuerst muss man sich die Organisation genau anschauen. Dabei muss geklärt werden, welche Trägerschaft vorliegt. Also handelt es sich zum Beispiel um ein Krankenhaus in privater Hand oder ist beispielsweise ein Eigenbetrieb eines Landkreises oder der Stadt. Denn diese Ausgangslage macht einen signifikanten Unterschied der Problementstehung aus. Bei privaten Anbietern liegt der Fokus auf Gewinnmaximierung und Rentabilitätssteigerung. Dadurch kommt noch eine Personengruppe schwer zum Tragen, die Shareholder. Das sind Personen oder Unternehmen, die Anteile an der Organisation halten, und deshalb natürlich einen Gewinn am Ende des Jahres einstreichen wollen. Denn niemand, egal ob Privatperson oder Unternehmen, will am Ende des Jahres die Rechnungen nicht zahlen können.

Bei Betrieben, die in öffentlicher Hand sind gibt es auch Shareholder. Und zwar die Steuerzahler. Denn Defizite werden bei diesen Häusern oft durch die Kommune, das Bundesland oder die Stadt ausgeglichen. Die Gelder, die von der öffentlichen Hand ausgegeben werden stammen sehr häufig aus Steuergeldern, daher gibt es natürlich noch eine Art Shareholder und zwar die Steuerzahler, deren Abgaben dann direkt zur Finanzierung von Krankenhäusern herhalten müssen, obwohl sie ja auch schon Beiträge an die Krankenkassen abführen. Damit wären jetzt mal die groben der möglichen Träger augeschlüsselt.

Bei der Finanzierung durch Erlöse sieht es bei allen Krankenhäusern gleich aus. Die Finanzierung erfolgt durch das DRG-System. Die Erlöser aus diesen Abrechnungen sollte dann für die laufenden Kosten des Krankenhausbetriebes genutzt werden. Investitionen sollten hauptsächlich durch öffentliche Gelder oder Rücklagen getätigt werden.

Mehr zum DRG-System

Welchen Anteil der Schuld trägt das DRG-System?

DRGs werden allgemein häufig als unfair bezeichnet. Außerdem haben sie den Ruf, dass sie die alternde Struktur der Bevölkerung nicht richtig abbilden können. Das stimmt indirekt. Denn das Kodieren von Fällen ist eine Wissenschaft für sich.

Die Grafik stellt den Algorithmus dar, welcher jeder Krankenhausfall durchlaufen muss, damit aus einem Patient auch Geld wird. Jede Pflegekraft kennt bestimmt eine sogenannte Nebendiagnose, die vielleicht für die behandelnden Ärzte keine Herausforderung darstellt, jedoch für das Pflegepersonal einen extremen Mehraufwand mit sich bringt. Als trauriges Paradebeispiel gilt die Diagnose Alzheimer-Demenz. Natürlich kann sich in die DRG eingerechnet werden, und auch bei gewissen Prozeduren auch gewichtet werden. Aber die tatsächliche Arbeit die, die Pflegekräfte leisten kann damit bei weitem nicht abgebildet werden.

Das Mysterium „mittlere Verweildauer“

Vorneweg, das Gesundheitssystem in Deutschland will eigentlich niemanden auf die Straße setzen. Aber warum werden dann plötzlich gegen Ende der Woche massenhaft Entlassung forciert, manchmal auch ohne Rücksicht auf die Patienten oder Angehörige. Ganz einfach, gegen Wochenende kontrollieren die Damen und Herren aus der Kodierung und dem Controlling mal die die aktuellen Fälle und entdecken dann, dass die Überschreitung der maximalen Verweildauer bald erreicht wird. Also schauen die Stationsärzte, die oft die ärmsten Hunde sind (Hunde ist hier nicht despektierlich gemeint), ob nicht der ein oder andere Patient noch schnell nach Hause geschickt werden kann. Für alle Laien sei an dieser Stelle kurz erklärt was die Verweildauer ist:

Als Verweildauer wird bei einer Krankenhausbehandlung die Zeitspanne zwischen dem Aufnahme- und dem Entlassungstag bezeichnet. Bis zur Einführung von Fallpauschalen in der Krankenhausvergütung, den Diagnosis Related Groups (DRG), war die Verweildauer in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hoch.

Das Fallpauschalensystem setzt daher für die Krankenhäuser einen wirtschaftlichen Anreiz, Patienten so früh wie möglich zu entlassen. Im Rahmen der Abrechnung wird zwischen der oberen und der unteren Grenzverweildauer unterschieden. Die obere Grenzverweildauer legt fest, bis zu welcher Verweildauer lediglich eine Pauschalvergütung erfolgt. Wird diese Dauer im Einzelfall überschritten, erhält das Krankenhaus zusätzliche Entgelte von den Krankenkassen. Die untere Grenzverweildauer bestimmt die Zeitspanne, die ein Patient mindestens im Krankenhaus verbringen sollte. Liegt die Verweildauer des Patienten darunter, erhält das Krankenhaus deutlich weniger als die sonst fällige Fallpauschale. Mit den Grenzverweildauern soll vermieden werden, dass Patienten zu früh entlassen werden beziehungsweise zu lang im Krankenhaus bleiben. (AOK-Bundesverband)

 

Fazit:

Ganz unschuldig sind die DRG-Pauschalen nicht an der Misere. Auch wenn man mit Ihnen relativ gute Prognosen für ein Geschäftsjahr erstellen kann, wenn man sich Fallzahlen und Case-Mix ansieht. Man weiß halt, was man bekommt am Ende des Jahres, außer dem MDK hat einen neuen Rot-Stift 😉

Alles in Allem haben die DRGs den Kostendruck auf die Krankenhäuser eher erhöht als reduziert. Wie sich das nach dem „Pflexit“ verhalten wird, wird uns die nähere Zukunft (ab 2020) zeigen.

 

 

 

Laufen im Frühling – Tipps und Tricks

Das Frühjahr naht, und damit auch die ersten Laufevents. Viele Hobbysportler wollen ihre Laufschuhe wieder zum Glühen bringen. Doch worauf ist zu achten, wenn man den Winter über pausiert oder das Laufen im Frühling erst neu für sich entdeckt hat? Unter physiotherapeutischer Sicht gibt es ein paar kleine Tipps um sich beim Laufen zu steigern und typische Überlastungsproblematiken zu vermeiden.

Trainingsmethoden

Ausdauertraining

Klassisch trainiert man beim Joggen die Ausdauer. Genauer gesagt das Herzkreislaufsystem, also die Sauerstoffbereitschaft für die Muskulatur, die durch die Pumpleistung des Herzens gewährleistet wird. Bei langen Läufen, über eine Stunde, handelt es sich zudem um ein Stoffwechseltraining. Der Körper stellt auf Fettverbrennung um. Dies geschieht aber erst, wenn die Kohlenhydratspeicher in Muskulatur und Leber geleert sind, und zur weiteren Energiebereitstellung die Reserven in Form von Fett mobilisiert werden müssen. Gerade beim Laufen im Frühling haben noch so Manche lästige Fettpolster aus den kalten Wintermonaten.

Intervalltraining

Um eine Steigerung in der Geschwindigkeit zu erreichen, empfiehlt sich das Intervalltraining. Hierbei wird eine bestimmte Strecke z.B. 400 Meter möglichst schnell gerannt. Danach erfolgt ein Abschnitt, in dem man die Geschwindigkeit stark reduziert und der Körper sich erholen kann. Dies wird vier bis fünf Mal wiederholt. Hierbei trainiert man die Kraftausdauer. Es erfolgt ein Wechsel zwischen anaerober (ohne Sauerstoffbereitstellung) und aerober (mit Sauerstoffbereitstellung) Verbrennung. Dies geschieht vor allem bei Intervallen die Sprinteinheiten enthalten. Das Beschleunigen benötigt mehr Energie, als eine Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Hierdurch wird sowohl der Stoffwechsel, das Herzkreislaufsystem, als auch die Muskulatur trainiert. Deshalb ist das Intervalltraining bei Anfängern eine sehr gute Methode um sich zu steigern. So könnte man zum Beispiel die Ausdauer beim Laufen im Frühling trainieren und dann im Frühsommer das Intervalltraining mit einbauen.

Symbolbild Intervalltraining; Quelle: pixabay.com

Krafttraining

Auch das Muskeltraining ist ein entscheidender Punkt bei Läufern. Krafttraining der Beinmuskulatur, aber auch der Rumpf und Armmuskulatur wirken sich entscheidend auf die Laufleistung aus. Die häufigsten Überlastungserscheinungen bei Läufern wie z.B. Achillissehnenreizungen oder Knieproblematiken entstehen durch ein Kraftdefizit. Grundvoraussetzung ist eine stabile Körpermitte. Eine aufrechte Haltung beim Laufen gewährleistet eine geringere Belastung der Gelenke.

Ein förderlicher Kraftfluss entsteht nur, wenn die Wirbelsäule in ihrer typischen S- Form aufrecht steht. Fallen die Schultern nach vorne und der Bauch sackt ein entsteht eine Art Buckel. Die Wirbelsäule ist nicht mehr aufrecht. Die  Stoßbelastung, die von den Beinen an die Wirbelsäule weitergegeben wird, kann sich nun nicht dynamisch entfalten und die Gelenke, vor allem die Knie, werden um ein vielfaches mehr an Gewicht belastet. Hierbei spielt auch die Kraft des Schultergürtels mit hinein, der die Schultern nach hinten halten kann. Bei fortgeschrittenen Läufern kann durch Armmuskeltraining ein effizienterer Laufstil erreicht werden, da der Armpendel eine wichtige Rolle spielt bei höheren Geschwindigkeiten.

Das Krafttraining der Beine darf zudem nicht vernachlässigt werden. Obwohl man vielleicht meinen könnte, dass beim Laufen die Beine ja trainiert werden. Nur wenn die Beinmuskulatur gut ausgeprägt ist, kann sie auch auf Dauer gefordert Leistung bringen. Damit sich Muskulatur aufbaut braucht es aber einen hohen Reiz und eine Steigerung. Der Reiz ist beim Laufen jedoch immer der selbe, und die Intensität zu gering. Deshalb ist ein Oberschenkeltraining durch Kniebeugen oder Beinpresse, sowie das Wadentraining durch Wadenheben wichtig um Problematiken zu vermeiden.

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Tipps zur Vermeidung von Überlastungen beim Laufen im Frühling

Häufig beginnen Anfänger sehr motiviert und haben nach kurzer Zeit Probleme mit den Gelenken oder Muskelbeschwerden. Schuld sind dabei auch die guten Vorsätze für das neue Jahr, wenn dann wieder mehr Sport oder Laufen im Frühling auf der Agenda steht. Woran kann dies liegen?

Ein Grund kann sein, dass man die Belastung zu schnell steigert. Dies kann passieren indem man eine zu weite Laufstrecke für den vorhandenen Trainingszustand wählt. Der Körper also noch nicht die Kraft im Rumpf und den Beinen hat, um die Strecke in einem gesundheitsfördernden Laufstil zu bewältigen. Deshalb sollte man zu Beginn eine nicht all zu weite Strecke wählen, und das Intervalltraining bevorzugen. Ein anderer Grund kann die ungenügende Regeneration sein. Genauso wichtig wie das Training ist die Pause und Regeneration danach. Knorpel, Sehnen, Muskeln, der ganze Bewegungsapparat muss sich erst an die neue Belastung gewöhnen. Und gerade beim Laufen im Frühling, wird vermehrt der Asphalt benutzt, da Waldstrecken und andere meist noch sehr matschig sein können. Kommt der Körper nicht hinterher, weil die Pause zu kurz war, können Gelenkbeschwerden entstehen. Zu Beginn empfehlen sich ca 2 Laufeinheiten pro Woche.

Soll ich mich aufwärmen oder dehnen vor dem Laufen?

 Eigentlich ist dies nicht notwendig. Beim Joggen ist ein geringes Bewegungsausmaß der Gelenke gegeben. Deshalb reicht es langsam los zu laufen und das Tempo dann zu steigern. Anders verhält sich dies beim Sprinten, hier ist das Bewegungsausmaß vor allem in der Hüfte größer. Deshalb sollte man nicht völlig kalt lossprinten. Auch bei anderen Sportarten, bei denen ein höheres Bewegungsausmaß gefordert ist, oder schnelle Antritte und Richtungswechsel vorkommen, ist dynamisches Dehnen sogar sehr sinnvoll. Es kommt daher auf die körperliche Anforderungen der Sportart an, ob aufwärmen und dehnen notwendig ist.

Quelle: Pixabay

Soll ich mich nach dem Laufen dehnen?

 Allgemein lässt sich sagen, dass Dehnung immer dann notwendig ist, wenn ein muskuläres Ungleichgewicht herrscht, oder man die Gelenke selten im kompletten Bewegungsausmaß bewegt oder trainiert. Beim Laufen haben wir ein geringes Bewegungsausmaß in Hüfte, Knie und Sprunggelenk. Die Muskulatur ist also nicht komplett angenähert und gestreckt sondern bewegt sich in mittlerem Ausmaß. Dies ist der Grund warum Dehnung Sinn macht. Um die Gelenke in vollem Ausmaß zu bewegen und mobil und flexibel zu bleiben. Einen ähnlichen Effekt hätte ein gezieltes Krafttraining von Spieler und Gegenspieler in voller Länge. Direkt nach dem Krafttraining einen Muskel zu dehnen ist nicht günstig, wenn man bedenkt, dass man in dem Muskel ein Mikrotrauma gesetzt hat (ein Muskelkater und Muskelzuwachs geschieht  durch eine Verletzung der Muskelfaser, welche danach durch Anreicherung „dicker“ zusammenwächst) . Hier direkt zu dehnen würde die Faser noch stärker Verletzen und den Erholungszeitraum verlängern.

Da es sich beim Laufen aber nicht um ein Krafttraining handelt, und die Muskelfasern in der Form weniger gereizt werden, ist ein Dehnen auch danach möglich. Muskelkater ist bei Laufanfängern natürlich möglich, da es sich um eine ungewohnte, neue Belastung handelt. Nach einiger Zeit und bei regelmäßigen Joggingeinheiten ist dies jedoch selten, da es sich um einen monotonen Bewegungsablauf handelt und die Intensität zu gering ist.

Am günstigsten jedoch ist Dehnung als eigene Sporteinheit zusätzlich zu sehen. Dem Körper intensiv wieder Länge zu geben. Je nach Berufsalltag neigen bestimmte Muskeln dazu zu verkürzen, welche beim Laufen ein dynamisches Laufbild eventuell erschweren. Die Empfehlung zur Dehnung ist jedoch sehr individuell vom körperlichen Fitness Level, der Grundbeweglichkeit und dem Vorliegen von beruflichen muskulären Anpassungen abhängig. Bei höherer Geschwindigkeit verändert sich der Laufstil. Es wird mehr über den Vorfuß gelaufen. Die Wadenmuskulatur ist dauerhaft genähert. Hier sollte die Wadenmuskulatur gezielt gedehnt werden, da sie eh zur Verkürzung neigt, weil der Gegenspieler (m. Tibialis anterior, Fußheber) wesentlich schwächer ist.

Fazit

Laufen, hat sehr viele positive Eigenschaften. Es senkt das Risiko an Herzkreislauferkrankungen zu erkranken, es schüttet das Glückshormon Serotonin aus, welches uns zufriedener macht und vieles mehr. Beachtet man die richtige Dosierung, das ausgleichende Krafttraining, die Dehnung und die richtige Wahl von Intervall und Ausdauereinheiten bleiben die Laufschuhe auch bis zum nächsten Jahr am glühen.

 

i.A. Black and white personal training, Natascha Bartel, Physiotherapeutin, Ernährungstrainerin

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Patientenlotsen vs. Community Health Nursing

Ganz aktuell ist nun ein relativ unbekannter Begriff in der Gesundheitspolitik auf den Tisch gekommen. Es geht um sogenannte Patientenlotsen. In den Fokus gerückt wurde dieses Thema durch zwei starke Frauen aus dem Gesundheitswesen. Grit Braeseke (Berliner IGES Institut) und Claudia Schmidtke (Patientenbeauftragte der Bundesregierung).

Was sind Patientenlotsen?

Patientenlotsen sollen, einfach gesprochen, Menschen helfen sich im Gesundheitssystem zurecht zu finden. Genauer geht es um die Orientierung im SGB V. Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch V zielen auf die medizinische Versorgung ab. Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Rezepte oder Fragen der Kostenübernahme sind nur einige Bereiche, die von einem Patientenlotsen abgedeckt werden könnten. Dabei ist jedoch noch recht offen, welche Qualifikationen oder Ausbildungen solche mitbringen müssen. Die Ungewissheit liegt auch daran, dass es bis jetzt nur einzelne Modellversuche zu Projekt „Patientenlotsen“ gibt.

Wer kann von den Lotsen profitieren?

Der Zugang zu den Lotsen soll zu Beginn des Projektes stark beschränkt werden. Alte Menschen, die grundsätzlich als gesund gelten, können zum Beispiel keinen Anspruch auf einen Termin beim Patientenlotsen haben. Das IGES-Institut sagt zu der angepeilten Zielgruppe folgendes:

…Patientenlotsen für schwer, chronisch oder mehrfach erkrankte Menschen einzuführen, die ihre Versorgung nicht selbst oder mithilfe ihres Umfeldes organisieren können.

Kritik am Patientenlotsen-Modell

Die Sozialgesetzbücher Deutschlands sind alles andere als einfach zu verstehen. Unzählige Jahrgänge von Studenten der verschiedensten Fachrichtungen haben sich damit schon auseinander geschlagen und sich durch die Prüfung gekämpft. Da stellt sich doch die Frage, wie dann Einzelpersonen, die kein rechtliches Hintergrundwissen haben, durch diesen Irrgarten gelangen sollen. Ganz abgesehen davon, dass eventuell Leistungen, die einem Menschen zustehen dann nicht in Anspruch genommen werden können.

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Außerdem regt sich Widerstand von den Hausärzten und Fachärzten für Allgemeinmedizin. Denn bis jetzt erfolgt eine solche Beratung meistens durch die Ärzte oder die medizinischen Fachangestellten. So schreibt zum Beispiel ein Leser auf der Webseite des deutschen Ärzteblattes:

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung ersetzen oder überflüssig machen.

Zudem wird in einigen Kommentaren die Angst formuliert, dass durch die neuen Patientenlotsen, noch weniger Absolventen den Weg in die ländliche Hausarztpraxis suchen werden, und somit die Versorgung im ländlich Raum noch schlechter gewährleistet werden kann.

Uns von carewelt stellt sich jedoch eine ganz andere Frage: Warum brauchen wir dieses Modell überhaupt? Es gibt nämlich schon ein Modell, was sich in anderen Ländern schon längst bewahrt hat. Community Health Nursing ist die Versorgungsstruktur der Zukunft, jedoch sucht Deutschland wieder nach einem eigenem Weg, der dann wie so oft wieder scheitern wird.

Was genau ist Community Health Nursing (kurz: CHN) ?

Community Health Nursing ist Teil der primären Gesundheitsversorgung. Dabei soll und wird es nicht die Beziehung zum Hausarzt ersetzen, sondern diese stärken und verbessern. Aber wie ist das möglich?

Ganz einfach: Ziel ist es immer einen Mehrwert für den Patienten oder potentiell zukünftigen Patienten oder die pflegebedürftige Person zu verschaffen. Und jetzt möchte ich Euch und Sie auffordern mal in die Vergangenheit zu reisen, und sich an die letzten fünf Arztbesuche zu erinnern. Und jetzt rechnen Sie mal bitte aus, auf wie viele Minuten Sie insgesamt kommen, in denen Sie tatsächlich Kontakt mit dem behandelnden Arzt hatten. Zu wenig Ihrer Meinung nach? Keine Angst: Ihre Meinung täuscht Sie nicht. Es ist zu wenig Zeit.

Eine Studie die im Fachjournal „BMJ Open“ veröffentlicht worden ist, zeigt die erschreckenden Zahlen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Gesprächszeit bei ungefähr 7,5 Minuten. Und unsere europäischen Nachbarn? Haben dort die Patienten mehr Zeit mit ihrem Arzt? In der Tat, und die Unterschiede sind wirklich signifikant. In Frankreich beträgt die Zeitspanne 16 Minuten, die Schweizer Patienten bekommen 17 Minuten Zeit zum Reden eingeräumt. Spitzenreiter ist Schweden mit atemberaubenden 22,5 Minuten.

Wie kommen solche Zahlen denn zustande?

Wenn ein Patient zum Beispiel zum Arzt geht ohne vorher sich informiert zu haben oder vorbereitet worden zu sein muss der Arzt versuchen alle Information in kürzester Zeit zusammen zupacken und dem Patienten verständlich wiederzugeben. Dieses Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Denn wenn ein Patient multimorbide oder chronisch krank ist,  dann hat er viele Fragen und viele Baustellen die es zu Beachten und zu Bearbeiten gilt. Solche Baustellen könnten zum Beispiel durch Community Health Nurses bearbeitet werden. Durch extra ausgebildetes (akademisiertes) Pflegepersonal, welches sich mit chronischen Krankheiten und multimorbiden Erkrankten gut auskennt, können Beratungsprozesse beschleunigt werden und die Sprechzeit mit dem Arzt verlängert werden.

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Welche Einsatzgebiete gibt es beim CHN?

Ja nach Setting kommt es zu verschiedenen Tätigkeiten die, die Community Health Nurse durchführen kann. Dabei geht es um die Beratung der Patienten und Patientinnen, das klinische Assessment, die Befähigung von Patienten und Patientinnen. Gerade der Punkt, dass man Patienten und Patientinnen befähigt zu einer eigenen Meinung über die eigene Gesundheit ist essentiell. Denn daraus erfolgt ein tatsächliches Mitsprachrecht. Aktuell sind die Patienten äußerst abhängig davon, welche Informationen ihnen durch den Arzt zur Verfügung gestellt werden. Das liegt jedoch nicht an der Willkür der Ärzte, sondern an dem herrschendem Zeitmangel, und den Druck jeden Patienten sehen zu müssen.

Darüber hinaus ist ein großer Schwerpunkt die Gesundheitsförderung oder die Gesundheitserhaltung. Dabei liegt der liegt das Augenmerk auf den verschiedenen Präventionsarten. Also der primär-, sekundär-, und Tertiärprävention. Zudem können Community Health Nurses bei der Vermittlung von Gesundheitskompetenz helfen und auch die Koordination und Kooperation von verschiedenen Anbietern und Dienstleistungen aus dem Gesundheits- und Pflegewesen stärken.

Die Zielgruppen beim Community Health Nursing

Im Gegensatz zu den Patientenlotsen ist bei dem Community Health Nursing-Ansatz die Zielgruppe deutlich größer und weit gefächert. Es gibt Menschen mit chronischen Erkrankungen Menschen mit Unterstützungsbedarf oder pflegebedürftige Menschen. Zudem würden auch alte Menschen oder alleinstehende Menschen die Beratung benötigen die Ansprüche erfüllen, um Teil der Zielgruppe vom CHN zu werden. Ebenso könnten Menschen mit speziellen Problemen oder Problemen die mit ihrer Herkunft zusammenhängen beraten werden. So zum Beispiel geflüchtete Menschen oder Asylbewerber denen das nötige Grundwissen der deutschen Versorgungsstrukturen und der deutschen Gesetzgebung fehlt. Ein weiteres Setting wäre beispielsweise die Gesundheitserziehung in Schulen zu fördern. Dort könnten auch Community Health Nurses helfen, dass z. B. Kinder mit Über-, Unter-, oder Fehlernährung ihre Probleme zusammen mit den Eltern oder Lehrern bewältigen und somit spätere Folgeerkrankungen vermeiden können. Dadurch würde auch eine finanzielle Entlastung des deutschen Gesundheitssystems einhergehen.

Neben der individuellen Gesundheitsberatung kann auch das Versorgungsmanagement das sogenannte Casemanagement dadurch verbessert werden. So sind z. B. Prozesse der Überweisung oder Überleitungen in stationäre Altenheime oder Reha-Einrichtungen durch Community Health Nurses möglich und erleichtern somit den Arbeitsaufwand von Hausärzten oder den Sozialarbeitern in Krankenhäusern. Dabei ist wiederum hervorzuheben ,dass das Projekt „Community Health Nursing“ nicht die kommunale Gesundheitseinrichtungen (MVZ) oder die Hausärzte ersetzen soll, sondern als Bindeglied zwischen diesen in Zukunft etabliert wird. Darin liegt auch der Mehrwert für die Patienten. Denn wenn sie dann mehr Zeit bei schwierigen oder schweren Erkrankungen mit dem Arzt verbringen können, sind sie besser auf die Zukunft vorbereitet und fühlen sich gut und ausreichend betreut und beraten. Denken Sie einfach nochmal an die Minutenwerten, die Sie sonst mit Ihrem Arzt des Vertrauens verbringen.

Quelle: pixabay.com

Warum hätte dann der Hausarzt mehr Zeit für den Patienten?

Aktuell ist es so ,das jeder Patient der beim Hausarzt anruft und einen Termin benötigt auch einen Termin bekommt und ein Anrecht auf ein Gespräch mit dem Hausarzt hat. Dieser Erstkontakt könnte jedoch auch durch eine Community Health Nurse geschehen. Bei diesem Erstkontakt würde eine erste Einschätzung des Bedarfes abgesteckt werden. Daraus resultieren können dann ganz verschiedene Patientenpfade. Eine direkte Überweisung zum Facharzt ist genauso denkbar, wie ein ausführliches Gespräch mit dem Hausarzt. Sogar die eigenständige Behandlung von Bagatellerkrankungen, wie eine normale Erkältung könnte durch eine CHN durchgeführt werden. Ebenso wäre die Ausstellung von Folgerezepten für chronisch kranke Menschen eine mögliche Tätigkeit. Das würde wiederum erneut mehr Raum für Patienten-Arzt-Gespräche schaffen.

Welche Kompetenzen kann eine Community Health Nurse nicht aufbringen?

Bei diesem Punkt steht an oberster Stelle die Diagnostik von komplexen Erkrankungen.  vorrangig dem Arzt zu. Auch die Verschreibung von Arzneimitteln, die weitreichende Folgen im menschlichen Organismus auslösen sollten nur durch einen qualifizierten Arzt ausgestellt werden. Denn das Motto vom Community Health Nursing lautet nicht „being a little doctor“.

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Konfliktpotential durch Patientenlotsen

Schon allein die Einschränkung, dass die Patientenlotsen in Zukunft nur die Belangen aus dem SGB V behandeln sollen, sorgt für reichlich Potential für Konflikte und Missverständnisse. Dafür wieder ein kleines Gedankenspiel:

Sie haben Fragen, ob Ihre Angehörigen nun lieber eine geriatrische Reha beantragen sollen, oder vielleicht eine Kurzzeitpflege auch in Betracht kommt. Die Kostenfrage bei diesen zwei Varianten wird jedoch von zwei verschiedenen Sozialgesetzbüchern geregelt. So fällt die Kurzzeitpflege in des SGB XI und Reha-Maßnahmen in die Zuständigkeit des SGB V. Sogar die häusliche Krankenpflege wird nicht im SGB XI geregelt, sondern findet sich im SGB V wieder. Jetzt haben Sie vielleicht Vorstellungen im Kopf und machen einen Termin bei einem Patientenlotsen aus. Doch Ihre Zielvorstellungen liegen in der Zuständigkeit des SGB XI. Schickt Sie dann der Patientenlotse einfach wieder weg und Sie haben sich umsonst auf den Weg gemacht oder vielleicht lange auf diesen Termin gewartet? Konflikte und Kritik wären die Folge. Also wie sieht die Lösung aus?

Die Lösung: Community Health Nursing mit den nötigen Kompetenzen

Patienten und Angehörige wollen nicht von einer Beratungsstelle an eine andere Verwiesen werden. Man möchte eine zentrale Stelle, an denen man alle Informationen bekommt um sich selber oder seine Lieben bestmöglich versorgen zu können. Und genau so etwas wäre ein Zentrum der primären Gesundheitsversorgung, an dem dann auch hochqualifizierte Community Health Nurses arbeiten. Diese könnten dann alle Belange der Patienten und Angehörigen berücksichtigen. Also nicht nur ein Sozialgesetzbuch abdecken, sondern eine tatsächlich ganzheitliche Beratung anbieten. Also gesundheitliche Versorgung sicherstellen und verbessern und darüber hinaus auch die administrativen Herausforderungen zusammen mit dem Kunden/Patienten meistern. Nur so kann ein tatsächlicher Mehrwert für die Menschen in Deutschland geschaffen, und auch die nötige Kommunikation mit dem Arzt in Zukunft sichergestellt werden. Denn der demografische Wandel wird sich nicht in Luft auflösen.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aerzte-haben-laut-weltweiter-analyse-nur-wenige-minuten-pro-patient-a-1176897.html

https://bmjopen.bmj.com/content/7/10/e017902

https://www.dbfk.de/media/docs/Bundesverband/CHN-Veroeffentlichung/chn_broschuere_kurz.pdf

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/101506/Regierungsbeauftragte-befuerwortet-Patientenlotsen

Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

Viele Menschen wechseln in jungen Jahren in die private Krankenversicherung. Doch im Alter kann sich dieser Schritt nicht unbedingt lohnen. Denn die Beiträge können rasant ansteigen. Auch Kinder können für Mehrkosten verantwortlich sein, wenn sie separat mitversichert werden müssen. Wer einmal in einer privaten Krankenversicherung versichert war, dem wird der Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung schwer gemacht. Es gab eigentlich nur eine Möglichkeit in der Vergangenheit und das war die Teilzeitbeschäftigung, um unter die Bemessungsgrenze zu fallen. Was für Millionen von Bürger bislang nicht in Frage kam, weil die Reduktion des Gehaltes, massive Unsicherheiten mit sich brachte.

Brückenteilzeit heißt der Trick

Der Gesetzgeber hat die neue Brückenteilzeit eingeführt. Mit der neuen Brückenteilzeit-Regelung gibt es nun die Garantie auf die alte Vollzeitarbeit. Das heißt, dass Angestellte nur einem begrenzten zeitlichen Rahmen in Teilzeit gehen und danach ein gesetzliches Anrecht auf ihre vorherige Vollzeitstelle haben.

Das Teilzeitgesetz hängt, wie folgt, mit der gesetzlichen Krankenversicherung direkt zusammen. Durch die neue Regelung können nun ArbeitnehmerInnen, die vorher privat versichert waren durch den gezielten Weg in die Teilzeit ihr Jahreseinkommen begrenzen. Denn wenn das Jahreseinkommen unter die Summe von 60750 € brutto im Jahr rutscht, dann hat der Arbeitnehmer ein Anrecht darauf zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln zu dürfen. Durch diesen Weg der Teilzeit lässt sich nun das finanzielle Risiko für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die den Weg zurück in die gesetzliche Krankenversicherung gehen wollen, minimieren. Denn nach der finanziellen Fastenzeit haben sie ja, wie oben erwähnt, einen gesetzlichen Anspruch auf ihre alte Vollzeitstelle und damit auch das alte Vollzeitgehalt. Das neue Teilzeitgesetz greift jedoch nicht in allen Betrieben. So müssen Betriebe besondere Anforderungen erfüllen zum Beispiel die Anzahl der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Nur bei Großunternehmen mit über 200 Arbeitnehmern gibt es keine Hürden oder Deckelungen bei dieser Regelung ,so dass alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Anspruch auf die neue Teilzeitregelung haben.

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Consulting sollen Türen im Gesundheitswesen geöffnet werden

Wenn es nach dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht, dann sollen in Zukunft Beratungsunternehmen mehr Einfluss in die deutsche Gesundheitsbranche bekommen. Viele Privatunternehmen aus Pharmazie, Klinikgeschäft und sonstige Dienstleister nehmen schon gerne eine externe Expertise an, und geben dafür auch „gerne“ große Summen an finanziellen Mitteln aus.

Nun sollen auch Unternehmen, die mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag in Kontrakt mit dem Bund stehen, vermehrt auf solche externen Beratungsdienstleistungen zurückgreifen. Genauer geht es um die Aufsichtsbehörden der gesetzlichen Krankenkassen. Dieser Plan wurde jetzt erst öffentlich, da er im neuen Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung (TSVG) versteckt war. Kritik kommt besonders stark vom Koalitionspartner SPD. Hauptaspekt der Kritik ist die vermeintlich fehlende ethische Grundhaltung dieser Beratungsunternehmen. In der Consulting-Branche geht es meist um die Steigerung der Gewinnen des eigenen Unternehmens, sowie natürlich auch die Verbesserung der Geschäftszahlen des Kunden.

Ob diese Interesse in der Gesundheitsbranche zusammenpassen, wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Der inoffizielle Konsens dazu lautet meistens: Wirtschaftlichkeit ja, Gewinnmaximierung nein.

In der jetzigen Diskussion erwidert das Bundesgesundheitsministerium, dass es in besonderen Fällen durchaus sinnvoll ist, sich externes Wissen einzuholen. Zum Beispiel in Bereichen wie der IT, Digitalisierung oder Wirtschaftsprüfung.

Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

In dieser Beitragsreihe befassen wir uns mit dem Sterben von Kindern. Unser Thema bezieht sich auf die Schwangerschaftsabbrüche mit der aktuellen Situation in Deutschland. Der erste Teil dieser Beitragsreihe befasst sich mit den Gründen für einen Schwangerschaftsabbruch.

In diesen Artikel verstehen wir unter einem Schwangerschaftsabbruch, die Unterbrechung einer Schwangerschaft, die den Tod des Embryos beziehungsweise des Fötus zur Folge hat. Eine Schwangerschaft beginnt in diesem Artikel mit dem ersten Tag der letzten Regelblutung der Frau. Im Jahr 2017 gab es insgesamt in Deutschland 787.887 Geburten. Hierzu zählen 784.884 Lebend- und 3.003 Todgeburten. Im Vergleich dazu gab es 101.209 Schwangerschaftsabbrüche, dies ergibt einen Prozentsatz von 12,9%. Da die Summe sehr hoch ist erörtern wir in diesem Artikel die möglichen Aspekte, warum der Anteil an Abbrüchen so hoch ist.
Weiterhin beziehen wir uns auf die unterschiedlichen Möglichkeiten des Abbruchs im Hinblick auf die aktuelle Rechtslage in Deutschland (BFS, 2018).

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Gründe des Schwangerschaftsabbruchs

Eine Schwangerschaft ist in der Regel ein freudiges Ereignis im Leben einer Frau, doch gibt es auch Gründe, weshalb sie zur Belastung werden kann und ein Schwangerschaftsabbruch in Frage kommt. Der Abbruch einer Schwangerschaft stellt immer eine schwerwiegende Entscheidung dar. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum eine Frau einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zieht.

Medizinische Indikation für einen Abbruch

Eine medizinische Indikation für einen Abbruch liegt dann vor, wenn die Mutter die Schwangerschaft oder die Geburt nicht überleben würde, oder wenn schwerwiegende Gefahren für die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter nur durch eine Abtreibung und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann. Als Beispiel hierfür wäre eine Krebserkrankung der Mutter zu erwähnen. Weiterhin kann bei einer Pränataldiagnostik eine Behinderung oder schwere Krankheit des Kindes festgestellt werden, somit ist der Schwangerschaftsabbruch mit einer medizinischen Indikation der Mutter begründet. Eine ärztliche Beratung ist in jedem Fall verpflichtend (vgl. ProFamilia Bundesverband, 2017).

Kriminologische Indikation für einen Abbruch

Wenn die Schwangerschaft sehr wahrscheinlich auf einer Straftat beruht, kann die Schwangerschaft mit kriminologischer Indikation abgebrochen werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist, oder ein Mädchen schwanger ist, das noch keine 14 Jahre alt ist. Die Indikationsfeststellung erfolgt durch einen Arzt oder Ärztin. Die Staatsanwaltschaft oder die Polizei dürfen die Indikation nicht stellen. Für die Indikation ist es nicht notwendig, die an der Schwangeren begangene Straftat zur Anzeige zu bringen. Auch besteht hier keine Beratungspflicht wie etwa bei anderen genannten Gründen. Auch ohne Pflicht kann die Beratung dennoch wahrgenommen werden. Der Abbruch auf Grund der kriminologischen Indikation darf nur bis zum Ende der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden (ProFamilia Bundesverband, 2017).

Persönliche Gründe der Schwangeren

Die Angst davor, nach der Schwangerschaft den wirtschaftlichen Lebensstandard nicht mehr halten zu können, kann als Grund für einen Abbruch gesehen werden. Weiterhin spielen die sozialen Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, das Kind nicht austragen zu wollen. So haben Frauen oft Angst um ihre berufliche Existenz, beispielsweise eine Ausbildung nicht beenden zu können oder den Arbeitsplatz wegen einer Schwangerschaft zu verlieren. Auch die Situation noch Schüler zu sein, ist hier zu berücksichtigen. Auch partnerschaftliche und familiäre Probleme können ausschlaggebend für einen Schwangerschaftsabbruch sein. So könnte die Frau ungewollt schwanger werden und sich mit der Schwangerschaft und dem Kind überfordert fühlen. Häufig passt eine Schwangerschaft dann nicht in das geplante Lebenskonzept oder Frauen werden von ihrem Partner zu einem Abbruch gedrängt, da dieser sich nicht mit dem zukünftigen Familienstand als Vater identifizieren kann.

Den Wunsch aus persönlichen Gründen eine Schwangerschaft abzubrechen wird als „Abtreibung im Sinne der Beratungsregel“ bezeichnet. Siehe dazu das Kapitel zur Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs auf der dritten Seite dieses Beitrags.

 

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Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

Hier geht’s zur Umfrage zum Thema „Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland“.

Bild: pixabay

 

 

 

 

 

 

 

Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zum Thema Schwangerschaftsabbruch geht es um die verschiedenen Möglichkeiten
der Abtreibung. Die Schilderungen in diesem Artikel sind phasenweise sehr bildlich, daher empfehlen wir minderjährigen Lesern, diesen Artikel im Beisein ihrer Erziehungsberechtigten zu lesen. Weitere Informationen finden Sie am Ende des Artikels.

Methoden des Schwangerschaftsabbruches im zeitlichen Verlauf

Statistisch erfasst ist, dass im zeitlichen Verlauf der Anteil von Vakuumaspirationen um etwas über 20 % gesunken ist und der Anteil von Abtreibungen mit Mifegyne® um knapp 20 % zugenommen hat. Als Grund hierfür kann die Einführung des Medikamentes im Jahr 2000 angeführt werden. Weiterhin legen Kürettage im Trend geringfügig zu.

Im Vergleich zu Deutschland lag der Anteil an medikamentösen Abtreibungen in Großbritannien und Frankreich im Jahr 2017 bei über 60 % und in der Schweiz sogar bei 72 %.

Schwangerschaftsabbrüche werden bevorzugt in ambulanten gynäkologischen Praxen durchgeführt. Nur wenige in Krankenhäusern, dort meist ambulant und selten stationär.

Im Hinblick auf die Methode zum Schwangerschaftsabbruch, besteht laut „8-Fakten-
zum-Schwangerschaftsabbruch“ in Deutschland ein regionaler Unterschied je nach Bundesland. Als Grund hierfür werden lokale Präferenzen der Ärzte angegeben, welche die Wahlfreiheit der Frauen einschränken. Ein Risiko für Komplikationen bei einem medizinischen Eingriff zum Schwangerschaftsabbruch besteht in Deutschland aufgrund des guten Gesundheitssystems kaum. Von 101.209 Eingriffen bestand lediglich bei 388 eine Komplikation. Das sind vier betroffene Personen von 1000 behandelten, was einen Prozentsatz von 0,4 % bedeutet (vgl. proFamilia, 2018).

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In den letzten zwölf Jahren sank die Gesamtanzahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland kontinuierlich von 129.650 im Jahr 2004 auf 98.721 im Jahr 2016 (vgl. pro-Familia, 2017). Auch zu berücksichtigen ist die inzwischen frühe Aufklärung von Minderjährigen im Umgang mit Verhütungsmethoden durch die Schule. So haben sie ein hohes Problembewusstsein bezüglich der Notwendigkeit zur Verhütung. Viele planen Schwangerschaften, um zum richtigen Zeitpunkt ein Kind zu bekommen. Eine ungewollte frühere Schwangerschaft versuchen sie deshalb zu verhindern.

Zu viele Frauen sind nicht ausreichend genug über die unterschiedlichen Methoden zumAbbruch aufgeklärt worden. Dies ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben. Dadurch machen sich viele Betroffene falsche Auffassungen der verschiedenen Methoden. Sie interpretieren zum Beispiel, dass der medikamentöse Abbruch sanft, ungefährlich oder sogar natürlich ist. Weiter werden die Risiken der Absaugung meist überschätzt, da nicht bekannt ist, dass ein Eingriff in örtlicher Betäubung stattfinden kann (vgl. proFamilia, 2017).

Die Vakuumaspiration (Absaugung, Saugkürettage)

Aufgrund des Anstieges der medikamentösen Methode ist die Anzahl die Abbrüche mit Vakuumaspirationen im zeitlichen Verlauf gesunken. Diese Anwendung erfolgt meist in der 5-13 Schwangerschaftswoche. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland sieben von zehn Schwangerschaftsabbrüche mit dieser Methode durchgeführt. Diese Variante kann in Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden. In Deutschland wird meist eine kurze Vollnarkose angewendet, welche gut verträglich und risikoarm ist. Die Lokalanästhesie ist nicht völlig schmerzfrei. Es können einige Minuten lang mehr oder weniger starke Schmerzen, welche mit Regelblutungsschmerzen vergleichbar sind, auftreten. Die Anwendung erfolgt meist ambulant, nur bei weiteren Erkrankungen, welche in einer Klinik kontrolliert werden müssen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Nach jeder Art der Betäubung wird in die Scheide ein sogenanntes Spekulum eingeführt, damit der Abtreiber den Gebärmutterhals und den Eingang zur Gebärmutter zu sehen bekommt. Danach werden immer größere Metallstäbe sogenannte Dilatatoren verwendet, um Zugang zum Inneren der Gebärmutter zu erhalten. Nun wird ein Kunststoffkatheter in die Gebärmutter eingeführt. An dem Katheter ist eine Saugmaschine angeschlossen, welche den Inhalt der Gebärmutter absaugt. Das Ungeborene wird durch die Saugkraft zerstört und in den Auffangbehälter der Saugmaschine gezogen. Nach der Absaugung wird mittels einer Kürette die Wand der Gebärmutter ausgeschabt, um etwaige Reste zu entfernen. Nun wird das Spekulum wieder entfernt und die Abtreibung ist ab-
geschlossen. Der Eingriff selbst dauert in etwa zehn Minuten und die Frauen können nach circa einer Stunde wieder nach Hause. Meist wird vor dem Eingriff noch ein Prostaglandin verabreicht um das Weiten des Gebärmutterhalses zu erleichtern. Nach dem Eingriff wird häufig noch ein Antibiotikum, zur Vermeidung von Infektionen im Unterleib, angeordnet. Je nach Blut-Rhesusfaktor ist eine Gabe gegen Antikörper-Bildung notwendig. Etwa zwei Wochen nach dem Eingriff sollte eine Nachuntersuchung durchgeführt werden, damit weitere Risiken ausgeschlossen werden können.

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Als Folgerisiken dieser Methode werden das Durchstechen oder Zerreißen des Gebärmutterhalses, Schäden am Darm, Blase und Blutgefäße, Blutungen, Infektionen und in seltenen Fällen sogar der Tod angegeben. Zukünftige Schwangerschaften haben zudem ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt oder den Verlust eines Kindes. Zu Komplikationen kommt es kaum, wenn der Abtreiber die Behandlung in der siebten bis neunten Woche vornimmt und in dieser geübt ist.

Medikamentös mit Mifegyne® (Mifepriston)

Der medikamentöse Abbruch mit Mifegyne® steht erst seit dem Jahr 2000 zur Verfügung. Wie bereits erwähnt ist der Anteil dieser Abbruchmethode im zeitlichen Verlauf bis heute gestiegen. Die Anwendung erfolgt bis zur neunten Woche nach Beginn der letzten Regelblutung. Umso früher nun ein Abbruch in Erwägung gezogen wird, desto eher wird zu dieser Methode gegriffen. Demzufolge steigt der Anteil der medikamentösen Abbrüche umso früher die Abbrüche stattfinden (vgl. proFamilia, 2017).

Der Wirkstoff Mifepriston ist ein künstliches Hormon, welches dem natürlichen Progesteron ähnelt. Dieses ist entscheidend für die Entwicklung und den Erhalt einer Schwangerschaft. Mit dieser ähnlichen Struktur hemmt Mifepriston die Wirkung von Progesteron. Es wirkt also antagonistisch. Ohne weitere Wirkung des Progesterons kann nun die Schwangerschaft nicht fortbestehen und es kommt zu einer Blutung mit welcher die Schwangerschaft endet. Dies kann verglichen werden mit einem spontanen Abgang bei einer Fehlgeburt. Weiterhin bewirkt Mifepriston die Erweichung und Öffnung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmutter. Das Medikament wird in Anwesenheit eines Arztes eingenommen. Die Patientin wird noch zwei bis vier Stunden in der Praxis überwacht. Es erfolgt bereits ab dem nächsten Tag eine Blutung. Da nur selten bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fötus ausgestoßen wird, ist es notwendig einige Tage später ein Prostaglandin einzunehmen. Meist wird der Fötus einige Stunden nach dieser
Einnahme ausgestoßen, in seltenen Fällen kann dies noch bis zu zwei Tage dauern. In diesen Tagen können krampfartige Schmerzen auftreten, welche jedoch mit Analgetika gut kontrollierbar sind. Stärkere Regelblutungen sind in der Folgezeit bis zu drei Wochen nach Ausstoßung möglich. Die Nachuntersuchung erfolgt sieben bis 14 Tage später und wird meist per Sonografie durchgeführt.

Die Anwendung von Mifepriston mit Prostaglandin führt in 96 % der Fälle zum vollständigen Schwangerschaftsabbruch. Eine weitere Einnahme von Prostaglandin erhöht diesen Wert auf 98 %. Falls dies immer noch keinen Erfolg zeigt, muss ein Abbruch des Restgewebes instrumentell durchgeführt werden. Vor der Anwendung mit Mifepriston muss im Beratungsgespräch geklärt werden, ob eine Anwendung überhaupt in Frage kommt. Bei bestimmten Vorerkrankungen kommt dies nicht in Betracht. Bei der Einnahme von Prostaglandin kommt es häufig zu Unterbauchschmerzen welche vergleichbar mit denen einer Regelblutung sind. Weiterhin können Prostaglandine zu Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen.

Kürettage (Ausschabung)

Wie bereits oben beschrieben wird bei der Kürettage mithilfe einer langstieligen gebogenen Klinge die Gebärmutter ausgeschabt. Diese Methode war vor der Absaugung am gebräuchlichsten. Heute wird sie meist nur noch in Kombination nach der Vakuumaspiration oder bei Rückständen nach medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen angewandt.

Medikamentös/sonstige Arzneimittel/sonstige Methoden

Auch die reine höher dosierte Anwendung mit Prostaglandin kann zu einem Schwangerschaftsabbruch führen.

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Weiterhin wird in seltenen Fällen in Deutschland eine Schwangerschaft durch eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) beendet. Jedoch ist hier nicht der Abbruch der Schwangerschaft Anlass, sondern bedrohliche Erkrankungen der Gebärmutter die eine Schwangerschaft nicht zulassen. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Kind die eingeleitete Geburt überlebt. Deshalb sind Ärzte und Ärztinnen ethisch und juristisch dazu verpflichtet das Kind am Leben zu erhalten. Jedoch kann mit Einverständnis der Schwangeren vor Geburt ein sogenannter Fetozid durchgeführt werden. Hierbei wird das Kind noch im Bauch der Mutter mithilfe einer Kaliumchloridlösung, welche in das Herz des Kindes gespritzt wird, getötet (vgl. Familienplanung.de, 2016).

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

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In den ersten beiden Beiträgen zum Thema Schwangerschaftsabbruch haben wir uns die Schwerpunkte, Methoden und Gründe angesehen. Im letzten Teil unserer Beitragsreihe befassen wir uns mit den Folgen und der Rechtslage in Deutschland. Zur Zeit wird der relevante Paragraf durch die Bundesregierung überarbeitet, weshalb in diesem Artikel noch die „alte“ Version thematisiert wird.

Körperliche Folgen des Schwangerschaftsabbruches

Es gibt eine ganze Reihe von Folgen, die ein Schwangerschaftsabbruch nach sich ziehen können. Zunächst muss klargestellt werden, dass man eine Abtreibung nicht mehr rückgängig machen kann. Das Leben eines Embryos beziehungsweise des Fötus wird dabei beendet. Somit ist Abtreibung in diesem Sinne endgültig. Nicht nur für den Fötus hat der Abbruch folgen. Auch das weitere Leben der Schwangeren wird enorm beeinflusst. Viele Frauen werden darüber vor der Abtreibung ihres Kindes gar nicht oder unvollständig informiert. Die Folgen des Schwangerschaftsabbruches hängen von Zeitpunkt der Schwangerschaft, den angewandten Methoden, der Anzahl vorausgegangener Schwangerschaften und dem Kenntnisstand des Arztes ab. Nach einem Schwangerschaftsabbruch kann es zu körperlichen/medizinischen und psychischen Folgen kommen.

Körperliche/medizinische Komplikationen bestehen bei jedem operativen Eingriff. Unverträglichkeiten der Narkose in Form von Herz-Kreislauf-Störungen und Atembeschwerden können in den ersten 24 Stunden auftreten. Verletzungen und die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation zu unterliegen, welche bei einem Eingriff entstehen können, wurden bereits bei der jeweils durchgeführten Methode erwähnt.

Bei 6-8% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchlaufen, kommt es zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, der Uteruswand, der Eileiter oder des Bauchfells, welche unter Umständen eine Blutvergiftung nach sich ziehen können. Weiterhin können Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien auftreten.

Spätkomplikationen wie Verwachsungen im Unterleib, Menstruationsstörungen, Unfruchtbarkeit ohne organische Ursache bis hin zu Problemen bei späteren Schwangerschaften, z.B. eine gesteigerte Neigung zu Fehlgeburten und/oder Frühgeburten können entstehen. Auch eine erhöhte perinatale Sterblichkeit des Kindes (während und nach der Geburt) und eine erhöhte Rate an Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften können nach Schwangerschaftsabbruch weitere mögliche Komplikationen sein.

Psychische Folgen eines Schwangerschaftsabbruches

Als psychische Aspekte können folgende Punkte erwähnt werden. Zwar sind Frauen unmittelbar nach der Abtreibung erleichtert und hoffen, ihr Leben vor der Abtreibung gewohnt fortsetzen zu können. Jedoch treten bei einer hohen Anzahl von Frauen selbst noch nach Jahren psychische und psychosomatische Komplikationen auf, die die gewohnte Lebensqualität beeinträchtigen können. Zum Beispiel: Übererregbarkeit, Angstzustände, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten. Jedoch auch Überwältigungen von Erinnerungen, die als traumatisch erlebte Abtreibung, Störungen des Essverhaltens, Medikamenten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch/Abhängigkeit. Teils aber auch unbewusster Rückzug aus früher geliebten Lebensbereichen, psychosomatische Magen- und Darmstörungen sowie Sexualstörungen und Depressionen. Dies kann sich durch unkontrolliertes Weinen, emotionale Gleichgültigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Antriebsminderung, Reue, Schuldgefühle und Suizidalität zeigen (vgl. LebensHelfer, 2018).

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Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs

Die in Deutschland geltende Regelung des Schwangerschaftsabbruches lässt sich aus dem Strafgesetzbuch im Abschnitt 16 „Straftaten gegen das Leben“ im Paragraphen 218 und 219 ableiten. Dieser ist seit 1872 in das StGB eingebettet.

§ 218 StGB Schwangerschaftsabbruch

Der Paragraph 218 besagt grundsätzlich, dass der Abbruch einer Schwangerschaft bestraft wird. Er enthält dabei den zentralen Tatbestand, der durch §218a StGB ergänzt wird. Somit soll der Tatbestand des § 218 das ungeborene Leben schützen. Abbruch der Schwangerschaft meint die Abtötung der Leibesfrucht, welche mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter entsteht. Handlungen mit deren Wirkung, welche vor Abschluss der Einnistung eintreten, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne von § 218. Somit erfüllt zum Beispiel die Einnahme der „Pille danach“ nicht den Straftatbestand.

Der Schwangerschaftsabbruch wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt, dabei zählt sowohl der Selbstabbruch als auch der Fremdabbruch. Somit können Laien, Ärzte als auch die Schwangere selbst Täter sein. Im Absatz zwei wird nur die Freiheitsstrafe bei besonders schweren Fällen ausgehängt. Darunter zählt, wer
gegen den Willen der Schwangeren handelt oder die Gesundheitsschädigung oder Tod der Schwangeren herbeiführt. Im Absatz drei steht die Strafe bei Tat durch die Schwangere selbst, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Dass allein der Versuch bereits strafbar ist, regelt Absatz vier, wobei die Schwangere nicht wegen des Versuches belangt werden kann.

§ 218a StGB Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs

Im Paragraphen 218a wurde festgelegt, wann der Tatbestand des §218 nicht gegeben ist. Im ersten Absatz müssen dazu drei Faktoren erfüllt sein.

– die Schwangere verlangt selbst den Abbruch und kann dem Arzt durch eine Bescheinigung nach §219 Abs. 2 Satz 2 nachweisen, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen.
– der Abbruch muss von einem Arzt durchgeführt werden
– und zwölf Wochen seit Empfängnis sind noch nicht vergangen.

Unter diesen Voraussetzungen ist ein Schwangerschaftsabbruch für einen Arzt nicht strafbar.

Weiterhin wird im Absatz zwei geregelt, dass wenn die Schwangerschaft zu einem gesundheitlichen Risiko (körperlich oder seelisch) für die Schwangere selbst werden kann, diese durch ärztliche Erkenntnis angezeigt und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann, der Abbruch nicht rechtswidrig ist. Somit kann ein Schwangerschaftsabbruch auch nach der zwölften Woche durchgeführt werden, was in einigen Fällen nach der Pränataldiagnostik auch geschieht.

Kriminologische oder ethische Indikation

Wurde an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach §§ 176-178 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern mit oder ohne Todesfolge, oder sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit oder ohne Todesfolge) begangen und dringende Gründe sprechen für die Annahme, dass die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind, gelten die Voraussetzungen im Absatz 2 auch in diesem Absatz 3.

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Auch für die Schwangere selbst ist ein Abbruch straflos, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Sind diese das nicht, ist für die Schwangere der Strafrahmen herabgesetzt. Der Versuch ist für sie wie bereits beschrieben nicht strafbar. Des Weiteren sieht § 218a Abs. 4 einen persönlichen Strafausschließungsgrund vor, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung und von einem Arzt innerhalb von 22 Wochen nach der Empfängnis vorgenommen wird. Die Frist für die Schwangere wird dadurch um zehn Wochen verlängert, jedoch bleibt davon die Strafbarkeit des Arztes unberührt. Es wird daher in Deutschland schwierig nach der zwölften Woche einen abtreibungswilligen Arzt zu finden. Der Schwangeren ist es aber möglich den Eingriff im Ausland bei anderer Gesetzeslage durchführen zu lassen ohne dafür bestraft zu werden. Weiterhin lassen sich aus dem Absatz vier ableiten, dass von der Strafe abgesehen werden kann, wenn sich die Schwangere in einem Zustand der „besonderen Bedrängnis“ befunden hat.

§ 218b StGB Schwangerschaftsabbruch ohne ärztliche Feststellung; unrichtige ärztliche Feststellung

Wird eine Schwangerschaft nach den Fällen des § 218a Abs. 2 oder 3 abgebrochen muss eine schriftliche Feststellung eines Arztes vorliegen. Dieser Arzt darf nicht selbst den Abbruch vornehmen. Weiterhin muss der Arzt welcher den Abbruch vornimmt die Feststellungen des anderen Arztes überprüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Ist dies nicht der Fall kann der Arzt mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Stellt der Arzt für die Voraussetzungen des § 218a Abs. 2 oder 3 eine unrichtige Feststellung kann er ebenfalls bestraft werden. Weiterhin darf ein Arzt keine Feststellungen nach § 218a Abs. 2 oder 3 treffen, wenn ihm dies entweder von zuständiger Stelle vorläufig oder dauerhaft untersagt wurde.

§ 218c StGB Ärztliche Pflichtverletzung bei einem Schwangerschaftsabbruch

Hier wird geregelt, welchen Pflichten der Arzt nachkommen muss bevor er eine Schwangerschaft abbricht. Tut er dies nicht kann er mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Er muss:

– der Schwangeren Gelegenheit geben ihm Gründe für ihr Verlangen nach Abbruch der Schwangerschaft darzulegen,

– der Schwangeren über Bedeutung, Ablauf, Folgen, Risiken, mögliche physische und psychische Auswirkungen ärztlich beraten haben,

– von den Fällen nach § 218a Abs. 1 und 3 aufgrund ärztlicher Untersuchung von
der Dauer der Schwangerschaft überzeugt haben und

– darf nicht selbst die Schwangere in dem Fall des § 218a Abs. 1 nach § 219 beraten
haben.

§ 219 StGB Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage

Der Absatz 1 beschreibt, dass die Beratung zum Schutz des ungeborenen Lebens behilflich sein soll. Der Schwangerschaftsabbruch soll somit nur in Ausnahmesituationen (Not und Konfliktlagen) in Betracht gezogen werden. Eine Beratung soll dazu beitragen die mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen. Er verweist weiterhin auf das Schwangerschaftskonfliktgesetz SchKG.

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Eine Beratung nach dem SchKG darf laut Absatz 2 nur durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle erfolgen. Diese stellt nach Beratung der Schwangeren eine Bescheinigung nach Maßgabe des SchKG aus. Weiterhin wird der Arzt, welcher den Abbruch vornimmt, als Berater ausgeschlossen. Laut der Redaktion „jetzt“ ist Deutschland im Vergleich zu vielen Nachbarländern das einzige Land, wo sich Frauen nicht direkt an einen Arzt wenden können, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen. Weiterhin können sie sich nicht aussuchen von wem sie beraten werden möchten. Viele Frauen haben bereits vor der Beratung entschieden, dass sie die Schwangerschaft nicht austragen möchten und empfinden diese dann als Zumutung. Es ist eine weitere Hürde und Verzögerung. Somit hätten nur Frauen Vorteile, welche noch nicht sicher eine Entscheidung getroffen haben. Als besonders unangenehm wird es empfunden, eine Praxis zu finden welche Schwangerschaftsabbrüche vollzieht, da es für die Praxen nach § 219a StGB verboten ist dafür zu werben. Außerdem wird beschrieben, dass die Beratungsstellen zwar dazu angehalten sind die Gespräche offen zu führen, jedoch verfolgen sie auch einen staatlichen Auftrag. Nämlich den gesetzlich festgelegten Schutz des ungeborenen Lebens (vgl. Hoffmann, 2017).

§ 219a StGB Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

Durch diesen Paragraphen wird das Werben für den Schwangerschaftsabbruch verboten. Somit ist Veröffentlichung durch Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften seines Vermögensvorteils von eigenen oder fremden Diensten zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruches oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren die zum Abbruch einer Schwangerschaft geeignet sind durch anbieten, ankündigen, anpreisen oder bekanntmachen verboten und kann belangt werden. Davon ausgenommen werden können nur Ärzte welche von anerkannten Beratungsstellen darüber unterrichtet wurden welche Einrichtungen bereit sind einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 zu leisten oder die Tat gegenüber Ärzten und Personen welche mit den oben erwähnten Mitteln oder Gegenständen zum Handel befugt sind oder eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wurde.
Über diesen Paragraphen wird häufig öffentlich berichtet. Ist es nicht mutig, dass der Staat die Informationsausgabe kontrolliert? Den Frauen in Notlage wird der Zugang zu Informationen bezüglich eines Schwangerschaftsabbruches erschwert. Der Paragraph steht somit in Widerspruch zum Recht auf körperliche Unversehrtheit und Informationsfreiheit. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu wie folgt berichtet:

„Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen könnten.“ (Bundesverfassungsgericht zit. n. Meredith Haaf 2017).

Somit muss es Ärzten möglich sein über Behandlungsmöglichkeiten Auskunft geben zu können. Weiterhin können unnötige lange Bedenkzeiten zwischen Beratungsgespräch bei einer anerkannten Stelle und dem Abbruch durch den ausführenden Arzt verhindert werden. Die psychische Belastung für die Betroffenen kann dadurch reduziert werden, wenn sie sich bereits vor der Beratung über ihre Entscheidung bewusst sind. Die Behandlung könnte, wenn angeboten, bereits beim bekannten Gynäkologen durchgeführt werden. Hier herrscht oftmals ein sehr vertrautes Verhältnis zueinander. Das oftmals als unangenehm empfundene Pflichtberatungsgespräch kann ausgelassen werden. Jedoch
sollte für Frauen welche eine unabhängige Beratung wünschen diese dennoch verfügbar sein. Auch die Suche nach einer geeigneten Praxis kann umgangen werden. So müsste nicht in jeder Praxis angerufen werden, sondern könnte man sich zum Beispiel über die Website über ihre Angebote informieren. Auch die Art der Abtreibung kann somit besser
gewählt werden.

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Auch wird der § 219a StGB zunehmend von Abtreibungsgegnern dazu verwendet, Ärzte und Ärztinnen anzuzeigen und einzuschüchtern. Als Folge daraus nehmen viele Praxen aus Angst vor Strafverfolgung sachliche Informationen zum Schwangerschaftsabbruch aus ihrem Angebot. Dadurch wird der Zugang zu umfassenden und unabhängigen Informationsmaterial weiter erschwert.

§ 219b StGB Inverkehrbringen von Mitteln zum Abbruch der Schwangerschaft

Hier wird das in Verkehr bringen oder allein schon die Absicht des in Verkehr bringenden
Materials oder Gegenstände zum Schwangerschaftsabbruch verboten.

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

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Ein besonderer Dank gilt bei der Erstellung dieser Beitragsreihe den beiden Gastautoren Achim Wohlgeschaft und Jolanda Metzger. Sie sind beide Studenten der katholischen Stiftungshochschule in München und studieren Pflegemanagement.

Literaturverzeichnis

Da es sich um eine ausführliche Literaturarbeit handelt, würde der Anhang den Rahmen sprengen. Daher haben wir ein pdf vorbereitet mit der Literaturliste zum Download.

Litaraturverzeichnis_Schwangerschaftsabbrüche

Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland – Teil 3

In den ersten beiden Beiträgen zum Thema Schwangerschaftsabbruch haben wir uns die Schwerpunkte, Methoden und Gründe angesehen. Im letzten Teil unserer Beitragsreihe befassen wir uns mit den Folgen und der Rechtslage in Deutschland. Zur Zeit wird der relevante Paragraf durch die Bundesregierung überarbeitet, weshalb in diesem Artikel noch die „alte“ Version thematisiert wird.

Körperliche Folgen des Schwangerschaftsabbruches

Es gibt eine ganze Reihe von Folgen, die ein Schwangerschaftsabbruch nach sich ziehen können. Zunächst muss klargestellt werden, dass man eine Abtreibung nicht mehr rückgängig machen kann. Das Leben eines Embryos beziehungsweise des Fötus wird dabei beendet. Somit ist Abtreibung in diesem Sinne endgültig. Nicht nur für den Fötus hat der Abbruch folgen. Auch das weitere Leben der Schwangeren wird enorm beeinflusst. Viele Frauen werden darüber vor der Abtreibung ihres Kindes gar nicht oder unvollständig informiert. Die Folgen des Schwangerschaftsabbruches hängen von Zeitpunkt der Schwangerschaft, den angewandten Methoden, der Anzahl vorausgegangener Schwangerschaften und dem Kenntnisstand des Arztes ab. Nach einem Schwangerschaftsabbruch kann es zu körperlichen/medizinischen und psychischen Folgen kommen.

Körperliche/medizinische Komplikationen bestehen bei jedem operativen Eingriff. Unverträglichkeiten der Narkose in Form von Herz-Kreislauf-Störungen und Atembeschwerden können in den ersten 24 Stunden auftreten. Verletzungen und die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation zu unterliegen, welche bei einem Eingriff entstehen können, wurden bereits bei der jeweils durchgeführten Methode erwähnt.

Bei 6-8% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchlaufen, kommt es zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, der Uteruswand, der Eileiter oder des Bauchfells, welche unter Umständen eine Blutvergiftung nach sich ziehen können. Weiterhin können Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien auftreten.

Spätkomplikationen wie Verwachsungen im Unterleib, Menstruationsstörungen, Unfruchtbarkeit ohne organische Ursache bis hin zu Problemen bei späteren Schwangerschaften, z.B. eine gesteigerte Neigung zu Fehlgeburten und/oder Frühgeburten können entstehen. Auch eine erhöhte perinatale Sterblichkeit des Kindes (während und nach der Geburt) und eine erhöhte Rate an Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften können nach Schwangerschaftsabbruch weitere mögliche Komplikationen sein.

Psychische Folgen eines Schwangerschaftsabbruches

Als psychische Aspekte können folgende Punkte erwähnt werden. Zwar sind Frauen unmittelbar nach der Abtreibung erleichtert und hoffen, ihr Leben vor der Abtreibung gewohnt fortsetzen zu können. Jedoch treten bei einer hohen Anzahl von Frauen selbst noch nach Jahren psychische und psychosomatische Komplikationen auf, die die gewohnte Lebensqualität beeinträchtigen können. Zum Beispiel: Übererregbarkeit, Angstzustände, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten. Jedoch auch Überwältigungen von Erinnerungen, die als traumatisch erlebte Abtreibung, Störungen des Essverhaltens, Medikamenten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch/Abhängigkeit. Teils aber auch unbewusster Rückzug aus früher geliebten Lebensbereichen, psychosomatische Magen- und Darmstörungen sowie Sexualstörungen und Depressionen. Dies kann sich durch unkontrolliertes Weinen, emotionale Gleichgültigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Antriebsminderung, Reue, Schuldgefühle und Suizidalität zeigen (vgl. LebensHelfer, 2018).

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Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs

Die in Deutschland geltende Regelung des Schwangerschaftsabbruches lässt sich aus dem Strafgesetzbuch im Abschnitt 16 „Straftaten gegen das Leben“ im Paragraphen 218 und 219 ableiten. Dieser ist seit 1872 in das StGB eingebettet.

§ 218 StGB Schwangerschaftsabbruch

Der Paragraph 218 besagt grundsätzlich, dass der Abbruch einer Schwangerschaft bestraft wird. Er enthält dabei den zentralen Tatbestand, der durch §218a StGB ergänzt wird. Somit soll der Tatbestand des § 218 das ungeborene Leben schützen. Abbruch der Schwangerschaft meint die Abtötung der Leibesfrucht, welche mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter entsteht. Handlungen mit deren Wirkung, welche vor Abschluss der Einnistung eintreten, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne von § 218. Somit erfüllt zum Beispiel die Einnahme der „Pille danach“ nicht den Straftatbestand.

Der Schwangerschaftsabbruch wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt, dabei zählt sowohl der Selbstabbruch als auch der Fremdabbruch. Somit können Laien, Ärzte als auch die Schwangere selbst Täter sein. Im Absatz zwei wird nur die Freiheitsstrafe bei besonders schweren Fällen ausgehängt. Darunter zählt, wer
gegen den Willen der Schwangeren handelt oder die Gesundheitsschädigung oder Tod der Schwangeren herbeiführt. Im Absatz drei steht die Strafe bei Tat durch die Schwangere selbst, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Dass allein der Versuch bereits strafbar ist, regelt Absatz vier, wobei die Schwangere nicht wegen des Versuches belangt werden kann.

§ 218a StGB Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs

Im Paragraphen 218a wurde festgelegt, wann der Tatbestand des §218 nicht gegeben ist. Im ersten Absatz müssen dazu drei Faktoren erfüllt sein.

– die Schwangere verlangt selbst den Abbruch und kann dem Arzt durch eine Bescheinigung nach §219 Abs. 2 Satz 2 nachweisen, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen.
– der Abbruch muss von einem Arzt durchgeführt werden
– und zwölf Wochen seit Empfängnis sind noch nicht vergangen.

Unter diesen Voraussetzungen ist ein Schwangerschaftsabbruch für einen Arzt nicht strafbar.

Weiterhin wird im Absatz zwei geregelt, dass wenn die Schwangerschaft zu einem gesundheitlichen Risiko (körperlich oder seelisch) für die Schwangere selbst werden kann, diese durch ärztliche Erkenntnis angezeigt und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann, der Abbruch nicht rechtswidrig ist. Somit kann ein Schwangerschaftsabbruch auch nach der zwölften Woche durchgeführt werden, was in einigen Fällen nach der Pränataldiagnostik auch geschieht.

Kriminologische oder ethische Indikation

Wurde an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach §§ 176-178 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern mit oder ohne Todesfolge, oder sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit oder ohne Todesfolge) begangen und dringende Gründe sprechen für die Annahme, dass die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind, gelten die Voraussetzungen im Absatz 2 auch in diesem Absatz 3.

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Auch für die Schwangere selbst ist ein Abbruch straflos, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Sind diese das nicht, ist für die Schwangere der Strafrahmen herabgesetzt. Der Versuch ist für sie wie bereits beschrieben nicht strafbar. Des Weiteren sieht § 218a Abs. 4 einen persönlichen Strafausschließungsgrund vor, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung und von einem Arzt innerhalb von 22 Wochen nach der Empfängnis vorgenommen wird. Die Frist für die Schwangere wird dadurch um zehn Wochen verlängert, jedoch bleibt davon die Strafbarkeit des Arztes unberührt. Es wird daher in Deutschland schwierig nach der zwölften Woche einen abtreibungswilligen Arzt zu finden. Der Schwangeren ist es aber möglich den Eingriff im Ausland bei anderer Gesetzeslage durchführen zu lassen ohne dafür bestraft zu werden. Weiterhin lassen sich aus dem Absatz vier ableiten, dass von der Strafe abgesehen werden kann, wenn sich die Schwangere in einem Zustand der „besonderen Bedrängnis“ befunden hat.

§ 218b StGB Schwangerschaftsabbruch ohne ärztliche Feststellung; unrichtige ärztliche Feststellung

Wird eine Schwangerschaft nach den Fällen des § 218a Abs. 2 oder 3 abgebrochen muss eine schriftliche Feststellung eines Arztes vorliegen. Dieser Arzt darf nicht selbst den Abbruch vornehmen. Weiterhin muss der Arzt welcher den Abbruch vornimmt die Feststellungen des anderen Arztes überprüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Ist dies nicht der Fall kann der Arzt mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Stellt der Arzt für die Voraussetzungen des § 218a Abs. 2 oder 3 eine unrichtige Feststellung kann er ebenfalls bestraft werden. Weiterhin darf ein Arzt keine Feststellungen nach § 218a Abs. 2 oder 3 treffen, wenn ihm dies entweder von zuständiger Stelle vorläufig oder dauerhaft untersagt wurde.

§ 218c StGB Ärztliche Pflichtverletzung bei einem Schwangerschaftsabbruch

Hier wird geregelt, welchen Pflichten der Arzt nachkommen muss bevor er eine Schwangerschaft abbricht. Tut er dies nicht kann er mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Er muss:

– der Schwangeren Gelegenheit geben ihm Gründe für ihr Verlangen nach Abbruch der Schwangerschaft darzulegen,

– der Schwangeren über Bedeutung, Ablauf, Folgen, Risiken, mögliche physische und psychische Auswirkungen ärztlich beraten haben,

– von den Fällen nach § 218a Abs. 1 und 3 aufgrund ärztlicher Untersuchung von
der Dauer der Schwangerschaft überzeugt haben und

– darf nicht selbst die Schwangere in dem Fall des § 218a Abs. 1 nach § 219 beraten
haben.

§ 219 StGB Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage

Der Absatz 1 beschreibt, dass die Beratung zum Schutz des ungeborenen Lebens behilflich sein soll. Der Schwangerschaftsabbruch soll somit nur in Ausnahmesituationen (Not und Konfliktlagen) in Betracht gezogen werden. Eine Beratung soll dazu beitragen die mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen. Er verweist weiterhin auf das Schwangerschaftskonfliktgesetz SchKG.

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Eine Beratung nach dem SchKG darf laut Absatz 2 nur durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle erfolgen. Diese stellt nach Beratung der Schwangeren eine Bescheinigung nach Maßgabe des SchKG aus. Weiterhin wird der Arzt, welcher den Abbruch vornimmt, als Berater ausgeschlossen. Laut der Redaktion „jetzt“ ist Deutschland im Vergleich zu vielen Nachbarländern das einzige Land, wo sich Frauen nicht direkt an einen Arzt wenden können, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen. Weiterhin können sie sich nicht aussuchen von wem sie beraten werden möchten. Viele Frauen haben bereits vor der Beratung entschieden, dass sie die Schwangerschaft nicht austragen möchten und empfinden diese dann als Zumutung. Es ist eine weitere Hürde und Verzögerung. Somit hätten nur Frauen Vorteile, welche noch nicht sicher eine Entscheidung getroffen haben. Als besonders unangenehm wird es empfunden, eine Praxis zu finden welche Schwangerschaftsabbrüche vollzieht, da es für die Praxen nach § 219a StGB verboten ist dafür zu werben. Außerdem wird beschrieben, dass die Beratungsstellen zwar dazu angehalten sind die Gespräche offen zu führen, jedoch verfolgen sie auch einen staatlichen Auftrag. Nämlich den gesetzlich festgelegten Schutz des ungeborenen Lebens (vgl. Hoffmann, 2017).

§ 219a StGB Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

Durch diesen Paragraphen wird das Werben für den Schwangerschaftsabbruch verboten. Somit ist Veröffentlichung durch Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften seines Vermögensvorteils von eigenen oder fremden Diensten zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruches oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren die zum Abbruch einer Schwangerschaft geeignet sind durch anbieten, ankündigen, anpreisen oder bekanntmachen verboten und kann belangt werden. Davon ausgenommen werden können nur Ärzte welche von anerkannten Beratungsstellen darüber unterrichtet wurden welche Einrichtungen bereit sind einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 zu leisten oder die Tat gegenüber Ärzten und Personen welche mit den oben erwähnten Mitteln oder Gegenständen zum Handel befugt sind oder eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wurde.
Über diesen Paragraphen wird häufig öffentlich berichtet. Ist es nicht mutig, dass der Staat die Informationsausgabe kontrolliert? Den Frauen in Notlage wird der Zugang zu Informationen bezüglich eines Schwangerschaftsabbruches erschwert. Der Paragraph steht somit in Widerspruch zum Recht auf körperliche Unversehrtheit und Informationsfreiheit. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu wie folgt berichtet:

„Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen könnten.“ (Bundesverfassungsgericht zit. n. Meredith Haaf 2017).

Somit muss es Ärzten möglich sein über Behandlungsmöglichkeiten Auskunft geben zu können. Weiterhin können unnötige lange Bedenkzeiten zwischen Beratungsgespräch bei einer anerkannten Stelle und dem Abbruch durch den ausführenden Arzt verhindert werden. Die psychische Belastung für die Betroffenen kann dadurch reduziert werden, wenn sie sich bereits vor der Beratung über ihre Entscheidung bewusst sind. Die Behandlung könnte, wenn angeboten, bereits beim bekannten Gynäkologen durchgeführt werden. Hier herrscht oftmals ein sehr vertrautes Verhältnis zueinander. Das oftmals als unangenehm empfundene Pflichtberatungsgespräch kann ausgelassen werden. Jedoch
sollte für Frauen welche eine unabhängige Beratung wünschen diese dennoch verfügbar sein. Auch die Suche nach einer geeigneten Praxis kann umgangen werden. So müsste nicht in jeder Praxis angerufen werden, sondern könnte man sich zum Beispiel über die Website über ihre Angebote informieren. Auch die Art der Abtreibung kann somit besser
gewählt werden.

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Auch wird der § 219a StGB zunehmend von Abtreibungsgegnern dazu verwendet, Ärzte und Ärztinnen anzuzeigen und einzuschüchtern. Als Folge daraus nehmen viele Praxen aus Angst vor Strafverfolgung sachliche Informationen zum Schwangerschaftsabbruch aus ihrem Angebot. Dadurch wird der Zugang zu umfassenden und unabhängigen Informationsmaterial weiter erschwert.

§ 219b StGB Inverkehrbringen von Mitteln zum Abbruch der Schwangerschaft

Hier wird das in Verkehr bringen oder allein schon die Absicht des in Verkehr bringenden
Materials oder Gegenstände zum Schwangerschaftsabbruch verboten.

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

Ein besonderer Dank gilt bei der Erstellung dieser Beitragsreihe den beiden Gastautoren Achim Wohlgeschaft und Jolanda Metzger. Sie sind beide Studenten der katholischen Stiftungshochschule in München und studieren Pflegemanagement.

zum Gesamtwerk „Schwangerschaftsabbruch in Deutschland“

Das Smartphone und seine Gefahren! Teil 1

Die Augsburger Allgemeine hat den Ulmer Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer, der gleichzeitig auch ärztlicher Direktor der Uniklinik Ulm ist, zum Thema Smartphone und die Gefahren bei Kindern interviewt. Generell warnt Herr Spitzer vor Suchtgefahren, zu wenig Bewegung und Schlaf.

Ab wann ist man krampfhaft smartphonesüchtig, Herr Professor Spitzer?

Prof. Dr. Manfred Spitzer:Eine Sucht liegt prinzipiell vor, wenn man etwas nicht lassen kann, obgleich es einem schadet; wenn man mit Anspannung, Gereiztheit, Angst, Aggressivität reagiert, sobald man von einem Verhalten abgehalten wird. Und dieses Verhalten zerstört das Leben, indem es etwa die sozialen Kontakte kaputt macht, die Beziehung, den Job gefährdet. Zudem sind Veränderungen im Gehirn zu beobachten.

 Kann man nicht sagen, ab wie vielen Stunden am Tag es riskant wird?

Spitzer:Nein, entscheidend ist, wie beeinträchtigt das normale Leben ist.

 Aber kaum einer wird doch von sich behaupten: Ich bin smartphonesüchtig?

Spitzer:Das ist das Problem vieler Suchterkrankungen. Nur wenige Betroffene erkennen rechtzeitig, wie abhängig sie sind, und gehen zum Arzt. Die Computer und Internetsucht ist mittlerweile von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt. Viele Menschen geben zumindest selbst zu, Schwierigkeiten zu haben, das Smartphone wegzulegen. Selbst Kinder sind da schon ehrlich. So hat eine große Mannheimer Studie ergeben, dass von 500 befragten Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren acht Prozent im Risikobereich lagen oder bereits süchtig sind. Auf einem Suchtkongress kürzlich hat sich aber ein ganz anderes Problem ergeben: Während die Zahl der Internet- und Smartphonesüchtigen massiv steigt, haben wir in Deutschland nur etwa 200 Behandlungsplätze gerade für junge Patienten. Glaubt man der Suchtbeauftragten der Bundesregierung, so geht es um zehntausende Betroffene, sodass hier ein großes Missverhältnis herrscht, das dringend gelöst werden muss.

 Was richtet das Smartphone in uns an?

Spitzer: In der medizinischen Fachliteratur nachgewiesen sind Ängste, Aufmerksamkeitsstörungen, Depression, Bewegungsmangel, Übergewicht, Haltungsschäden, ein verstärktes Suchtverhalten – im Übrigen auch, was Tabak und Alkohol angeht. Durch die Nutzung von sogenannten Geosocial Networking Apps kommt es zudem zu mehr Gelegenheitssex, was die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten verstärkt. Smartphones sind zudem bei jüngeren Verkehrsteilnehmern Unfallursache Nummer eins!

Bewegungsmangel ist nachvollziehbar, aber Sie warnen auch davor, dass Smartphones Diabetes auslösen. Wie kann das denn überhaupt sein?

Spitzer: Es ist erwiesen, dass die Nutzung von Smartphones den Schlaf deutlich beeinträchtigen. Lehrer klagen, dass Schüler viel müder sind. Insbesondere schauen über 90 Prozent der jungen Leute abends kurz vor dem Schlafengehen auf ihr Handy und schlafen ein bis zwei Stunden weniger. Schlafmangel erhöht aber eindeutig das Diabetesrisiko, was man noch gar nicht so lange weiß. Auch den Mechanismus kennt man noch nicht vollständig. Fest steht aber: Diabetes erhöht wiederum das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

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 Sie warnen vor allem vor den digitalen Gefahren für Kindern?

Spitzer: Weil Kinder und Jugendliche von nahezu allen Risiken und Nebenwirkungen des Smartphones stärker betroffen sind als Erwachsene. Störungen der Sprachentwicklungen, der Aufmerksamkeit, des Lernens und der Motivation bis hin zur Willensbildung sind allesamt vor allem bei jungen Menschen anzutreffen. In diesem Alter befindet sich das Gehirn noch in der Entwicklung, und genau diese normale Gehirnentwicklung wird durch das Smartphone gestört. Manche Schäden sind irreparabel.

 Welche?

Spitzer:Kurzsichtigkeit zum Beispiel. Die Augen sind Teil des Gehirns. Sie wachsen, bis sie scharf sehen. Diese Entwicklung geht bis ins junge Erwachsenenalter hinein. Wenn man nun in jungen Jahren sehr viel in die Nähe schaut, werden die Augen angeregt, in die Länge zu wachsen – Folge ist Kurzsichtigkeit. Davon sind in Europa 30 Prozent aller jungen Menschen betroffen, in China 80 Prozent und in Südkorea über 90 Prozent.

 Es gibt aber auch viele Gesundheits-Apps, die zu mehr Bewegung anregen, und viele Krankheiten lassen sich digital unterstützt leichter behandeln.

Spitzer: Von über 25 000 überprüften Gesundheits-Apps geben über 90 Prozent die Daten der Nutzer ungefiltert weiter, ohne die Nutzer überhaupt zu fragen. Die Weltgesundheitsorganisation hat vor den Sicherheitslücken gewarnt. Wenn in der Medizin ein neues Medikament auf den Markt kommt, muss die Wirksamkeit nachgewiesen sein. Zu Recht. Für Gesundheits-Apps gilt dies aber nicht. Und auch in der Bildung muss dieser Nachweis aus unerfindlichen Gründen nicht erbracht werden.

 Sie kämpfen massiv gegen den Einzug digitaler Medien in den Schulen…

Spitzer: Ja, aus gutem Grund: Es gibt Studien, die deutlich zeigen, dass die Schüler durch den Einsatz digitaler Medien im Unterricht schlechter und unaufmerksamer werden. Zudem werden die Computer während des Unterrichts für fachfremde Tätigkeiten, etwa Video schauen oder chatten, genutzt. Einmal angenommen, man würde die Studien zu Computern im Unterricht bei der deutschen Gesundheitsbehörde als „Therapie gegen Dummheit“ einreichen, würde die Beurteilung der Datenlage ganz klar Folgendes ergeben: Die Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen, viele Nebenwirkungen dagegen treten ganz klar auf. Eine Ablehnung wäre die Folge. Warum sind wir in der Pädagogik so nachlässig? Sind unsere Kinder unwichtiger als unsere Gesundheit?

 Aber wo, wenn nicht in der Schule, ist ein besserer Ort, Medienkompetenzen zu erlernen?

Spitzer: Medienkompetenz gibt es nicht. Was heißt das überhaupt?

 Ein sorgsamer Umgang mit digitalen Medien.

Spitzer:Aber das wollen Kinder doch genau nicht.

 Daher müssen sie es unbedingt lernen.

Spitzer: Nein. Digitale Medien erzeugen Sucht und schaden der Gehirnentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Daraus zu folgern, dass wir ihnen so früh wie möglich den Umgang mit digitalen Medien beibringen müssen, ist falsch! Wir machen doch auch kein Alkoholkompetenztraining in Kindergärten und Grundschulen. Von Alkohol wissen wir auch, dass er der Gehirnentwicklung schadet und Sucht erzeugt. Daher halten wir Kinder und Jugendliche davon so lange fern, bis sie so weit stabil sind und sich in der Regel – das klappt nicht bei allen, das weiß ich als Psychiater – selbst kontrollieren können. Das ist ab dem 18. Lebensjahr.

Im zweiten Teil des Interviews berichtet Herr Spitzer über Methoden, die Eltern ergreifen können, um ihre Kinder möglichst lange vor den Gefahren der Smartphonenutzung zu schützen.

Stay tuned! 😉

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Hilfe, ich kann nicht einschlafen! Tipps und Tricks, die helfen können! Teil 2

Bereits im ersten Teil des Interviews hat Dr. Hans-Günter Weeß der Augsburger Allgemeinen einige Fragen zur Einschlafproblematik beantwortet. Dr. Weeß ist Leiter der schlafmedizinischen Abteilung des Pfalzklinikums Klingenmünster und Dozent an der Uni Koblenz-Landau. Ebenfalls ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

 

Ist es in Ordnung, auch mal ein Schlafmittel zu nehmen?

Dr. Weeß: Wenn jemand, der nicht zu Süchten neigt, gelegentlich ein gut verträgliches Schlafmittel nimmt, würde ich das nicht dramatisch sehen. Aber Vorsicht, bei regelhafter Einnahme kann es zu Abhängigkeiten kommen. Schlafmittel sind keine kausale Therapie, sie sind im eigentlichen Sinne auch Beruhigungsmittel. Besser lernt man wieder, seine eigene Schlaftablette zu werden und sich selbst zu beruhigen.

 

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Viele Leute nicken ausgerechnet vor dem Fernseher ein…

Dr. Weeß: Ganz Deutschland schläft vor dem Fernseher am besten. Das Erstaunliche ist, dass dort trotz der widrigen Verhältnisse –  es ist ja hell, laut und nicht so bequem wie im Bett – sogar Schalfgestörte wunderbar schlafen können.

 

Warum denn das?

Dr. Weeß: Wenn man den Fernseher anschaltet, schaltet man sich selbst ab – man ist von seinen eigenen Sorgen und Nöten abgelenkt. Meist war man auch lange genug wach, sodass genügend Schlafdruck da ist. Außerdem versucht man nicht, krampfhaft zu schlafen. Das alles sind optimale Voraussetzungen zum Einschlafen. Daher rate ich: Sei dein eigener Fernseher! Mach deine eigenen Geschichten!

 

Was für Geschichten können das sein?

Dr. Weeß: Geschichten, die mit einem guten Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit einhergehen. Sie fördern die für den Schlaf notwendige Entspannung. Ich persönlich denke zum Beispiel an schöne Erlebnisse mit meinem Sohn zurück. Als er klein war, standen wir oft abends zusammen im Keller und haben etwas gebaut. Das waren immer sehr dichte Vater-Sohn-Momente, wo man sich einander nah gefühlt hat. Das bringt mich eigentlich immer auf entspannende und gute Gefühle.

 

Und wenn es mit dem Einschlafen trotzdem nicht klappt: Wann sollte man zum Arzt gehen?

Dr. Weeß: Wir haben die Faustregel: Wenn der Schlaf dreimal pro Woche so stark gestört ist, dass man auch am Tag beeinträchtigt ist und das über einen Zeitraum von vier Wochen, sollte man den Hausarzt konsultieren.

 

Abschließend noch weitere Tipps & Tricks:

 

  • Arbeitstag bewusst abhaken und den Feierabend genießen
  • Nicht zu früh ins Bett: erst hinlegen, wenn man richtig müde ist. So schläft man in der Regel leichter ein und überhaupt besser
  • Kurz vor dem Zubettgehen kein Fernsehschauen
  • Nicht mit vollem Bauch ins Bett gehen
  • Tryphtophanreiche Kost wie dunkle Schokolade, Nüsse oder Milch können helfen
  • Wecker, Uhren oder Handys können stören
  • Wer sich regelmäßig sportlich betätigt, schläft insgesamt besser
  • Wer nicht schlafen kann, sollte nicht im Bett herumliegen, sondern aufstehen und einer ruhigen Tätigkeit nachgehen (z.B. Lesen, Musik hören, usw.)
  • Wenig Alkohol (verschlechtert die Schlafqualität) und kein Koffein

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