WhatsApp in der Klinik trotz DSGVO?

Viele Menschen nutzen es täglich, stündlich, fast minutiös: WhatsApp. Also kein Wunder, dass auch immer wieder Pflegekräfte, Ärzte und andere Berufsgruppen Informationen über Patienten über dieses Portal in der Vergangenheit ausgetauscht haben. Mit den neuen Datenschutzgesetzen und Verordnungen ist dies jedoch strikt untersagt. Natürlich ist so ein direkter und schneller Informationsfluss möglich, jedoch werden dabei sensible Patientendaten über einen nicht kontrollierbaren externen Server gesendet. Ein Missbrauch der Informationen ist natürlich denkbar und daher nicht wünschenswert. Weder für Fachkräfte noch für Patienten.

Doctorsgate – WhatsApp für medizinische Fachkräfte

Die gerade angesprochenen Probleme und Herausforderungen haben den Medizinstudent Robert Musmann dazu bewegt ein eigenes Unternehmen zu Gründen, welches eine Plattform erstellt hat, die nun eine sichere und gesetzeskonforme Möglichkeit der digitalen Kommunikation ermöglicht. Mit dem neuen, kostenlosen Instant-Messaging-Dienst Doctorsgate tauschen Ärzte, Pflegekräfte und Studierende Patientenfälle sicher über ihr Smartphone aus. Die App bietet verschlüsselte Chats und einen Newsfeed, um Bilder, Videos und Texte mit Fachkollegen zu teilen. Nachrichten werden nach spätestens 30 Tagen automatisch gelöscht. Die Speicherung der Daten erfolgt ausschließlich auf dem eigenen Endgerät und nicht auf ausländischen Servern.

“Wir haben eine sichere Kommunikationsplattform für Mediziner geschaffen“,

betont der Geschäftsführer und Medizinstudent Robert Musmann, der in seinem Umfeld einen großen Bedarf an einer WhatsApp-Alternative ausmacht. Nachdem sich der erste Prototyp von Doctorsgate im Rahmen einer mehrmonatigen Testphase mit über 1000 Usern bewährt hat, steht die App nun einem breiten Fachpublikum im Apple Store und auf Google Play zum Download bereit. Aktuell (Stand 04.09.2019) hat die App im Google-Store eine Bewertung von 5,0 Sternen bei mehr als 1000 Downloads.

Möglichkeiten von Doctorsgate

Doctorsgate bietet medizinischen Fachpersonen die Möglichkeit, das persönliche Netzwerk mithilfe eines sicheren Instant-Messaging-Dienstes zu pflegen und zu erweitern. Über verschlüsselte Einzel- und Gruppenchats können Bilder und andere Medien mit Kollegen ausgetauscht werden. Somit ist neben der sozialen Interaktion mit Kollegen und Kolleginnen auch der fachliche Austausch möglich. Gerade bei den Mitbeurteilungen von chronischen Wunden durch Wundexperten, können die Bilder der Wunden eine reibungsfreie und qualitativ hochwertige Versorgung fördern.

Im Newsfeed lassen sich besonders interessante oder schwierige Patientenfälle mit Fachkollegen anonymisiert teilen. Somit entsteht ein funktions-, fach- und generationsübergreifender Dialog: Die Pflegekraft kommuniziert mit dem Mediziner, der Medizinstudent mit dem erfahrenen Arzt. Neben den umfangreichen Messaging-Funktionen bietet Doctorsgate weitere nützliche Werkzeuge. So kann ein Arzt die Einverständniserklärung des Patienten per Fingerunterschrift auf dem Smartphone einholen. Mit einem Bildbearbeitungswerkzeug lassen sich Patientenfälle anonymisieren.

Ist das Ganze denn auch sicher?

Ein hohes Augenmerk liegt bei der in Deutschland entwickelten App auf dem Datenschutz und auf den strengen Regeln, die für medizinisches Fachpersonal gelten. Alle registrierten User müssen zunächst die Zugehörigkeit zu ihrer Berufsgruppe nachweisen, bevor sie an dem medizinischen Netzwerk teilnehmen. Doctorsgate verhindert zudem, dass Medien in dem persönlichen Fotoarchiv des Smartphones oder in einem cloudbasierten Dienst landen. Alle Daten werden ausschließlich und isoliert auf dem Endgerät gespeichert und nach spätestens 30 Tagen gelöscht. Eine Speicherung auf deutschen oder ausländischen Servern ist somit ausgeschlossen. Ein Team von so genannten Case Moderatoren verhindert, dass nicht anonymisierte Patientenfälle hochgeladen werden.

„Mit Doctorsgate übertreffen wir die branchenüblichen Datenschutzbestimmungen“,

stellt Musmann fest.

Wir von carewelt finden „Doctorsgate“ ist ein interessanter Trend, den wir sicher weiter beobachten werden und die Technik auch selbst ausprobieren wollen. Wir danken Andreas Oertel, dem PR-Berater von excognito für die guten Informationen rund um das Thema und Wünschen Herrn Musmann alles Gute und viel Erfolg für Studium und Unternehmen.

Patientenlotsen vs. Community Health Nursing

Ganz aktuell ist nun ein relativ unbekannter Begriff in der Gesundheitspolitik auf den Tisch gekommen. Es geht um sogenannte Patientenlotsen. In den Fokus gerückt wurde dieses Thema durch zwei starke Frauen aus dem Gesundheitswesen. Grit Braeseke (Berliner IGES Institut) und Claudia Schmidtke (Patientenbeauftragte der Bundesregierung).

Was sind Patientenlotsen?

Patientenlotsen sollen, einfach gesprochen, Menschen helfen sich im Gesundheitssystem zurecht zu finden. Genauer geht es um die Orientierung im SGB V. Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch V zielen auf die medizinische Versorgung ab. Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Rezepte oder Fragen der Kostenübernahme sind nur einige Bereiche, die von einem Patientenlotsen abgedeckt werden könnten. Dabei ist jedoch noch recht offen, welche Qualifikationen oder Ausbildungen solche mitbringen müssen. Die Ungewissheit liegt auch daran, dass es bis jetzt nur einzelne Modellversuche zu Projekt „Patientenlotsen“ gibt.

Wer kann von den Lotsen profitieren?

Der Zugang zu den Lotsen soll zu Beginn des Projektes stark beschränkt werden. Alte Menschen, die grundsätzlich als gesund gelten, können zum Beispiel keinen Anspruch auf einen Termin beim Patientenlotsen haben. Das IGES-Institut sagt zu der angepeilten Zielgruppe folgendes:

…Patientenlotsen für schwer, chronisch oder mehrfach erkrankte Menschen einzuführen, die ihre Versorgung nicht selbst oder mithilfe ihres Umfeldes organisieren können.

Kritik am Patientenlotsen-Modell

Die Sozialgesetzbücher Deutschlands sind alles andere als einfach zu verstehen. Unzählige Jahrgänge von Studenten der verschiedensten Fachrichtungen haben sich damit schon auseinander geschlagen und sich durch die Prüfung gekämpft. Da stellt sich doch die Frage, wie dann Einzelpersonen, die kein rechtliches Hintergrundwissen haben, durch diesen Irrgarten gelangen sollen. Ganz abgesehen davon, dass eventuell Leistungen, die einem Menschen zustehen dann nicht in Anspruch genommen werden können.

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Außerdem regt sich Widerstand von den Hausärzten und Fachärzten für Allgemeinmedizin. Denn bis jetzt erfolgt eine solche Beratung meistens durch die Ärzte oder die medizinischen Fachangestellten. So schreibt zum Beispiel ein Leser auf der Webseite des deutschen Ärzteblattes:

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung ersetzen oder überflüssig machen.

Zudem wird in einigen Kommentaren die Angst formuliert, dass durch die neuen Patientenlotsen, noch weniger Absolventen den Weg in die ländliche Hausarztpraxis suchen werden, und somit die Versorgung im ländlich Raum noch schlechter gewährleistet werden kann.

Uns von carewelt stellt sich jedoch eine ganz andere Frage: Warum brauchen wir dieses Modell überhaupt? Es gibt nämlich schon ein Modell, was sich in anderen Ländern schon längst bewahrt hat. Community Health Nursing ist die Versorgungsstruktur der Zukunft, jedoch sucht Deutschland wieder nach einem eigenem Weg, der dann wie so oft wieder scheitern wird.

Was genau ist Community Health Nursing (kurz: CHN) ?

Community Health Nursing ist Teil der primären Gesundheitsversorgung. Dabei soll und wird es nicht die Beziehung zum Hausarzt ersetzen, sondern diese stärken und verbessern. Aber wie ist das möglich?

Ganz einfach: Ziel ist es immer einen Mehrwert für den Patienten oder potentiell zukünftigen Patienten oder die pflegebedürftige Person zu verschaffen. Und jetzt möchte ich Euch und Sie auffordern mal in die Vergangenheit zu reisen, und sich an die letzten fünf Arztbesuche zu erinnern. Und jetzt rechnen Sie mal bitte aus, auf wie viele Minuten Sie insgesamt kommen, in denen Sie tatsächlich Kontakt mit dem behandelnden Arzt hatten. Zu wenig Ihrer Meinung nach? Keine Angst: Ihre Meinung täuscht Sie nicht. Es ist zu wenig Zeit.

Eine Studie die im Fachjournal „BMJ Open“ veröffentlicht worden ist, zeigt die erschreckenden Zahlen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Gesprächszeit bei ungefähr 7,5 Minuten. Und unsere europäischen Nachbarn? Haben dort die Patienten mehr Zeit mit ihrem Arzt? In der Tat, und die Unterschiede sind wirklich signifikant. In Frankreich beträgt die Zeitspanne 16 Minuten, die Schweizer Patienten bekommen 17 Minuten Zeit zum Reden eingeräumt. Spitzenreiter ist Schweden mit atemberaubenden 22,5 Minuten.

Wie kommen solche Zahlen denn zustande?

Wenn ein Patient zum Beispiel zum Arzt geht ohne vorher sich informiert zu haben oder vorbereitet worden zu sein muss der Arzt versuchen alle Information in kürzester Zeit zusammen zupacken und dem Patienten verständlich wiederzugeben. Dieses Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Denn wenn ein Patient multimorbide oder chronisch krank ist,  dann hat er viele Fragen und viele Baustellen die es zu Beachten und zu Bearbeiten gilt. Solche Baustellen könnten zum Beispiel durch Community Health Nurses bearbeitet werden. Durch extra ausgebildetes (akademisiertes) Pflegepersonal, welches sich mit chronischen Krankheiten und multimorbiden Erkrankten gut auskennt, können Beratungsprozesse beschleunigt werden und die Sprechzeit mit dem Arzt verlängert werden.

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Welche Einsatzgebiete gibt es beim CHN?

Ja nach Setting kommt es zu verschiedenen Tätigkeiten die, die Community Health Nurse durchführen kann. Dabei geht es um die Beratung der Patienten und Patientinnen, das klinische Assessment, die Befähigung von Patienten und Patientinnen. Gerade der Punkt, dass man Patienten und Patientinnen befähigt zu einer eigenen Meinung über die eigene Gesundheit ist essentiell. Denn daraus erfolgt ein tatsächliches Mitsprachrecht. Aktuell sind die Patienten äußerst abhängig davon, welche Informationen ihnen durch den Arzt zur Verfügung gestellt werden. Das liegt jedoch nicht an der Willkür der Ärzte, sondern an dem herrschendem Zeitmangel, und den Druck jeden Patienten sehen zu müssen.

Darüber hinaus ist ein großer Schwerpunkt die Gesundheitsförderung oder die Gesundheitserhaltung. Dabei liegt der liegt das Augenmerk auf den verschiedenen Präventionsarten. Also der primär-, sekundär-, und Tertiärprävention. Zudem können Community Health Nurses bei der Vermittlung von Gesundheitskompetenz helfen und auch die Koordination und Kooperation von verschiedenen Anbietern und Dienstleistungen aus dem Gesundheits- und Pflegewesen stärken.

Die Zielgruppen beim Community Health Nursing

Im Gegensatz zu den Patientenlotsen ist bei dem Community Health Nursing-Ansatz die Zielgruppe deutlich größer und weit gefächert. Es gibt Menschen mit chronischen Erkrankungen Menschen mit Unterstützungsbedarf oder pflegebedürftige Menschen. Zudem würden auch alte Menschen oder alleinstehende Menschen die Beratung benötigen die Ansprüche erfüllen, um Teil der Zielgruppe vom CHN zu werden. Ebenso könnten Menschen mit speziellen Problemen oder Problemen die mit ihrer Herkunft zusammenhängen beraten werden. So zum Beispiel geflüchtete Menschen oder Asylbewerber denen das nötige Grundwissen der deutschen Versorgungsstrukturen und der deutschen Gesetzgebung fehlt. Ein weiteres Setting wäre beispielsweise die Gesundheitserziehung in Schulen zu fördern. Dort könnten auch Community Health Nurses helfen, dass z. B. Kinder mit Über-, Unter-, oder Fehlernährung ihre Probleme zusammen mit den Eltern oder Lehrern bewältigen und somit spätere Folgeerkrankungen vermeiden können. Dadurch würde auch eine finanzielle Entlastung des deutschen Gesundheitssystems einhergehen.

Neben der individuellen Gesundheitsberatung kann auch das Versorgungsmanagement das sogenannte Casemanagement dadurch verbessert werden. So sind z. B. Prozesse der Überweisung oder Überleitungen in stationäre Altenheime oder Reha-Einrichtungen durch Community Health Nurses möglich und erleichtern somit den Arbeitsaufwand von Hausärzten oder den Sozialarbeitern in Krankenhäusern. Dabei ist wiederum hervorzuheben ,dass das Projekt „Community Health Nursing“ nicht die kommunale Gesundheitseinrichtungen (MVZ) oder die Hausärzte ersetzen soll, sondern als Bindeglied zwischen diesen in Zukunft etabliert wird. Darin liegt auch der Mehrwert für die Patienten. Denn wenn sie dann mehr Zeit bei schwierigen oder schweren Erkrankungen mit dem Arzt verbringen können, sind sie besser auf die Zukunft vorbereitet und fühlen sich gut und ausreichend betreut und beraten. Denken Sie einfach nochmal an die Minutenwerten, die Sie sonst mit Ihrem Arzt des Vertrauens verbringen.

Quelle: pixabay.com

Warum hätte dann der Hausarzt mehr Zeit für den Patienten?

Aktuell ist es so ,das jeder Patient der beim Hausarzt anruft und einen Termin benötigt auch einen Termin bekommt und ein Anrecht auf ein Gespräch mit dem Hausarzt hat. Dieser Erstkontakt könnte jedoch auch durch eine Community Health Nurse geschehen. Bei diesem Erstkontakt würde eine erste Einschätzung des Bedarfes abgesteckt werden. Daraus resultieren können dann ganz verschiedene Patientenpfade. Eine direkte Überweisung zum Facharzt ist genauso denkbar, wie ein ausführliches Gespräch mit dem Hausarzt. Sogar die eigenständige Behandlung von Bagatellerkrankungen, wie eine normale Erkältung könnte durch eine CHN durchgeführt werden. Ebenso wäre die Ausstellung von Folgerezepten für chronisch kranke Menschen eine mögliche Tätigkeit. Das würde wiederum erneut mehr Raum für Patienten-Arzt-Gespräche schaffen.

Welche Kompetenzen kann eine Community Health Nurse nicht aufbringen?

Bei diesem Punkt steht an oberster Stelle die Diagnostik von komplexen Erkrankungen.  vorrangig dem Arzt zu. Auch die Verschreibung von Arzneimitteln, die weitreichende Folgen im menschlichen Organismus auslösen sollten nur durch einen qualifizierten Arzt ausgestellt werden. Denn das Motto vom Community Health Nursing lautet nicht „being a little doctor“.

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Konfliktpotential durch Patientenlotsen

Schon allein die Einschränkung, dass die Patientenlotsen in Zukunft nur die Belangen aus dem SGB V behandeln sollen, sorgt für reichlich Potential für Konflikte und Missverständnisse. Dafür wieder ein kleines Gedankenspiel:

Sie haben Fragen, ob Ihre Angehörigen nun lieber eine geriatrische Reha beantragen sollen, oder vielleicht eine Kurzzeitpflege auch in Betracht kommt. Die Kostenfrage bei diesen zwei Varianten wird jedoch von zwei verschiedenen Sozialgesetzbüchern geregelt. So fällt die Kurzzeitpflege in des SGB XI und Reha-Maßnahmen in die Zuständigkeit des SGB V. Sogar die häusliche Krankenpflege wird nicht im SGB XI geregelt, sondern findet sich im SGB V wieder. Jetzt haben Sie vielleicht Vorstellungen im Kopf und machen einen Termin bei einem Patientenlotsen aus. Doch Ihre Zielvorstellungen liegen in der Zuständigkeit des SGB XI. Schickt Sie dann der Patientenlotse einfach wieder weg und Sie haben sich umsonst auf den Weg gemacht oder vielleicht lange auf diesen Termin gewartet? Konflikte und Kritik wären die Folge. Also wie sieht die Lösung aus?

Die Lösung: Community Health Nursing mit den nötigen Kompetenzen

Patienten und Angehörige wollen nicht von einer Beratungsstelle an eine andere Verwiesen werden. Man möchte eine zentrale Stelle, an denen man alle Informationen bekommt um sich selber oder seine Lieben bestmöglich versorgen zu können. Und genau so etwas wäre ein Zentrum der primären Gesundheitsversorgung, an dem dann auch hochqualifizierte Community Health Nurses arbeiten. Diese könnten dann alle Belange der Patienten und Angehörigen berücksichtigen. Also nicht nur ein Sozialgesetzbuch abdecken, sondern eine tatsächlich ganzheitliche Beratung anbieten. Also gesundheitliche Versorgung sicherstellen und verbessern und darüber hinaus auch die administrativen Herausforderungen zusammen mit dem Kunden/Patienten meistern. Nur so kann ein tatsächlicher Mehrwert für die Menschen in Deutschland geschaffen, und auch die nötige Kommunikation mit dem Arzt in Zukunft sichergestellt werden. Denn der demografische Wandel wird sich nicht in Luft auflösen.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aerzte-haben-laut-weltweiter-analyse-nur-wenige-minuten-pro-patient-a-1176897.html

https://bmjopen.bmj.com/content/7/10/e017902

https://www.dbfk.de/media/docs/Bundesverband/CHN-Veroeffentlichung/chn_broschuere_kurz.pdf

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/101506/Regierungsbeauftragte-befuerwortet-Patientenlotsen

Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

In dieser Beitragsreihe befassen wir uns mit dem Sterben von Kindern. Unser Thema bezieht sich auf die Schwangerschaftsabbrüche mit der aktuellen Situation in Deutschland. Der erste Teil dieser Beitragsreihe befasst sich mit den Gründen für einen Schwangerschaftsabbruch.

In diesen Artikel verstehen wir unter einem Schwangerschaftsabbruch, die Unterbrechung einer Schwangerschaft, die den Tod des Embryos beziehungsweise des Fötus zur Folge hat. Eine Schwangerschaft beginnt in diesem Artikel mit dem ersten Tag der letzten Regelblutung der Frau. Im Jahr 2017 gab es insgesamt in Deutschland 787.887 Geburten. Hierzu zählen 784.884 Lebend- und 3.003 Todgeburten. Im Vergleich dazu gab es 101.209 Schwangerschaftsabbrüche, dies ergibt einen Prozentsatz von 12,9%. Da die Summe sehr hoch ist erörtern wir in diesem Artikel die möglichen Aspekte, warum der Anteil an Abbrüchen so hoch ist.
Weiterhin beziehen wir uns auf die unterschiedlichen Möglichkeiten des Abbruchs im Hinblick auf die aktuelle Rechtslage in Deutschland (BFS, 2018).

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Gründe des Schwangerschaftsabbruchs

Eine Schwangerschaft ist in der Regel ein freudiges Ereignis im Leben einer Frau, doch gibt es auch Gründe, weshalb sie zur Belastung werden kann und ein Schwangerschaftsabbruch in Frage kommt. Der Abbruch einer Schwangerschaft stellt immer eine schwerwiegende Entscheidung dar. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum eine Frau einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zieht.

Medizinische Indikation für einen Abbruch

Eine medizinische Indikation für einen Abbruch liegt dann vor, wenn die Mutter die Schwangerschaft oder die Geburt nicht überleben würde, oder wenn schwerwiegende Gefahren für die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter nur durch eine Abtreibung und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann. Als Beispiel hierfür wäre eine Krebserkrankung der Mutter zu erwähnen. Weiterhin kann bei einer Pränataldiagnostik eine Behinderung oder schwere Krankheit des Kindes festgestellt werden, somit ist der Schwangerschaftsabbruch mit einer medizinischen Indikation der Mutter begründet. Eine ärztliche Beratung ist in jedem Fall verpflichtend (vgl. ProFamilia Bundesverband, 2017).

Kriminologische Indikation für einen Abbruch

Wenn die Schwangerschaft sehr wahrscheinlich auf einer Straftat beruht, kann die Schwangerschaft mit kriminologischer Indikation abgebrochen werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist, oder ein Mädchen schwanger ist, das noch keine 14 Jahre alt ist. Die Indikationsfeststellung erfolgt durch einen Arzt oder Ärztin. Die Staatsanwaltschaft oder die Polizei dürfen die Indikation nicht stellen. Für die Indikation ist es nicht notwendig, die an der Schwangeren begangene Straftat zur Anzeige zu bringen. Auch besteht hier keine Beratungspflicht wie etwa bei anderen genannten Gründen. Auch ohne Pflicht kann die Beratung dennoch wahrgenommen werden. Der Abbruch auf Grund der kriminologischen Indikation darf nur bis zum Ende der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden (ProFamilia Bundesverband, 2017).

Persönliche Gründe der Schwangeren

Die Angst davor, nach der Schwangerschaft den wirtschaftlichen Lebensstandard nicht mehr halten zu können, kann als Grund für einen Abbruch gesehen werden. Weiterhin spielen die sozialen Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, das Kind nicht austragen zu wollen. So haben Frauen oft Angst um ihre berufliche Existenz, beispielsweise eine Ausbildung nicht beenden zu können oder den Arbeitsplatz wegen einer Schwangerschaft zu verlieren. Auch die Situation noch Schüler zu sein, ist hier zu berücksichtigen. Auch partnerschaftliche und familiäre Probleme können ausschlaggebend für einen Schwangerschaftsabbruch sein. So könnte die Frau ungewollt schwanger werden und sich mit der Schwangerschaft und dem Kind überfordert fühlen. Häufig passt eine Schwangerschaft dann nicht in das geplante Lebenskonzept oder Frauen werden von ihrem Partner zu einem Abbruch gedrängt, da dieser sich nicht mit dem zukünftigen Familienstand als Vater identifizieren kann.

Den Wunsch aus persönlichen Gründen eine Schwangerschaft abzubrechen wird als „Abtreibung im Sinne der Beratungsregel“ bezeichnet. Siehe dazu das Kapitel zur Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs auf der dritten Seite dieses Beitrags.

 

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Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

Hier geht’s zur Umfrage zum Thema „Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland“.

Bild: pixabay

 

 

 

 

 

 

 

Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zum Thema Schwangerschaftsabbruch geht es um die verschiedenen Möglichkeiten
der Abtreibung. Die Schilderungen in diesem Artikel sind phasenweise sehr bildlich, daher empfehlen wir minderjährigen Lesern, diesen Artikel im Beisein ihrer Erziehungsberechtigten zu lesen. Weitere Informationen finden Sie am Ende des Artikels.

Methoden des Schwangerschaftsabbruches im zeitlichen Verlauf

Statistisch erfasst ist, dass im zeitlichen Verlauf der Anteil von Vakuumaspirationen um etwas über 20 % gesunken ist und der Anteil von Abtreibungen mit Mifegyne® um knapp 20 % zugenommen hat. Als Grund hierfür kann die Einführung des Medikamentes im Jahr 2000 angeführt werden. Weiterhin legen Kürettage im Trend geringfügig zu.

Im Vergleich zu Deutschland lag der Anteil an medikamentösen Abtreibungen in Großbritannien und Frankreich im Jahr 2017 bei über 60 % und in der Schweiz sogar bei 72 %.

Schwangerschaftsabbrüche werden bevorzugt in ambulanten gynäkologischen Praxen durchgeführt. Nur wenige in Krankenhäusern, dort meist ambulant und selten stationär.

Im Hinblick auf die Methode zum Schwangerschaftsabbruch, besteht laut „8-Fakten-
zum-Schwangerschaftsabbruch“ in Deutschland ein regionaler Unterschied je nach Bundesland. Als Grund hierfür werden lokale Präferenzen der Ärzte angegeben, welche die Wahlfreiheit der Frauen einschränken. Ein Risiko für Komplikationen bei einem medizinischen Eingriff zum Schwangerschaftsabbruch besteht in Deutschland aufgrund des guten Gesundheitssystems kaum. Von 101.209 Eingriffen bestand lediglich bei 388 eine Komplikation. Das sind vier betroffene Personen von 1000 behandelten, was einen Prozentsatz von 0,4 % bedeutet (vgl. proFamilia, 2018).

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In den letzten zwölf Jahren sank die Gesamtanzahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland kontinuierlich von 129.650 im Jahr 2004 auf 98.721 im Jahr 2016 (vgl. pro-Familia, 2017). Auch zu berücksichtigen ist die inzwischen frühe Aufklärung von Minderjährigen im Umgang mit Verhütungsmethoden durch die Schule. So haben sie ein hohes Problembewusstsein bezüglich der Notwendigkeit zur Verhütung. Viele planen Schwangerschaften, um zum richtigen Zeitpunkt ein Kind zu bekommen. Eine ungewollte frühere Schwangerschaft versuchen sie deshalb zu verhindern.

Zu viele Frauen sind nicht ausreichend genug über die unterschiedlichen Methoden zumAbbruch aufgeklärt worden. Dies ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben. Dadurch machen sich viele Betroffene falsche Auffassungen der verschiedenen Methoden. Sie interpretieren zum Beispiel, dass der medikamentöse Abbruch sanft, ungefährlich oder sogar natürlich ist. Weiter werden die Risiken der Absaugung meist überschätzt, da nicht bekannt ist, dass ein Eingriff in örtlicher Betäubung stattfinden kann (vgl. proFamilia, 2017).

Die Vakuumaspiration (Absaugung, Saugkürettage)

Aufgrund des Anstieges der medikamentösen Methode ist die Anzahl die Abbrüche mit Vakuumaspirationen im zeitlichen Verlauf gesunken. Diese Anwendung erfolgt meist in der 5-13 Schwangerschaftswoche. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland sieben von zehn Schwangerschaftsabbrüche mit dieser Methode durchgeführt. Diese Variante kann in Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden. In Deutschland wird meist eine kurze Vollnarkose angewendet, welche gut verträglich und risikoarm ist. Die Lokalanästhesie ist nicht völlig schmerzfrei. Es können einige Minuten lang mehr oder weniger starke Schmerzen, welche mit Regelblutungsschmerzen vergleichbar sind, auftreten. Die Anwendung erfolgt meist ambulant, nur bei weiteren Erkrankungen, welche in einer Klinik kontrolliert werden müssen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Nach jeder Art der Betäubung wird in die Scheide ein sogenanntes Spekulum eingeführt, damit der Abtreiber den Gebärmutterhals und den Eingang zur Gebärmutter zu sehen bekommt. Danach werden immer größere Metallstäbe sogenannte Dilatatoren verwendet, um Zugang zum Inneren der Gebärmutter zu erhalten. Nun wird ein Kunststoffkatheter in die Gebärmutter eingeführt. An dem Katheter ist eine Saugmaschine angeschlossen, welche den Inhalt der Gebärmutter absaugt. Das Ungeborene wird durch die Saugkraft zerstört und in den Auffangbehälter der Saugmaschine gezogen. Nach der Absaugung wird mittels einer Kürette die Wand der Gebärmutter ausgeschabt, um etwaige Reste zu entfernen. Nun wird das Spekulum wieder entfernt und die Abtreibung ist ab-
geschlossen. Der Eingriff selbst dauert in etwa zehn Minuten und die Frauen können nach circa einer Stunde wieder nach Hause. Meist wird vor dem Eingriff noch ein Prostaglandin verabreicht um das Weiten des Gebärmutterhalses zu erleichtern. Nach dem Eingriff wird häufig noch ein Antibiotikum, zur Vermeidung von Infektionen im Unterleib, angeordnet. Je nach Blut-Rhesusfaktor ist eine Gabe gegen Antikörper-Bildung notwendig. Etwa zwei Wochen nach dem Eingriff sollte eine Nachuntersuchung durchgeführt werden, damit weitere Risiken ausgeschlossen werden können.

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Als Folgerisiken dieser Methode werden das Durchstechen oder Zerreißen des Gebärmutterhalses, Schäden am Darm, Blase und Blutgefäße, Blutungen, Infektionen und in seltenen Fällen sogar der Tod angegeben. Zukünftige Schwangerschaften haben zudem ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt oder den Verlust eines Kindes. Zu Komplikationen kommt es kaum, wenn der Abtreiber die Behandlung in der siebten bis neunten Woche vornimmt und in dieser geübt ist.

Medikamentös mit Mifegyne® (Mifepriston)

Der medikamentöse Abbruch mit Mifegyne® steht erst seit dem Jahr 2000 zur Verfügung. Wie bereits erwähnt ist der Anteil dieser Abbruchmethode im zeitlichen Verlauf bis heute gestiegen. Die Anwendung erfolgt bis zur neunten Woche nach Beginn der letzten Regelblutung. Umso früher nun ein Abbruch in Erwägung gezogen wird, desto eher wird zu dieser Methode gegriffen. Demzufolge steigt der Anteil der medikamentösen Abbrüche umso früher die Abbrüche stattfinden (vgl. proFamilia, 2017).

Der Wirkstoff Mifepriston ist ein künstliches Hormon, welches dem natürlichen Progesteron ähnelt. Dieses ist entscheidend für die Entwicklung und den Erhalt einer Schwangerschaft. Mit dieser ähnlichen Struktur hemmt Mifepriston die Wirkung von Progesteron. Es wirkt also antagonistisch. Ohne weitere Wirkung des Progesterons kann nun die Schwangerschaft nicht fortbestehen und es kommt zu einer Blutung mit welcher die Schwangerschaft endet. Dies kann verglichen werden mit einem spontanen Abgang bei einer Fehlgeburt. Weiterhin bewirkt Mifepriston die Erweichung und Öffnung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmutter. Das Medikament wird in Anwesenheit eines Arztes eingenommen. Die Patientin wird noch zwei bis vier Stunden in der Praxis überwacht. Es erfolgt bereits ab dem nächsten Tag eine Blutung. Da nur selten bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fötus ausgestoßen wird, ist es notwendig einige Tage später ein Prostaglandin einzunehmen. Meist wird der Fötus einige Stunden nach dieser
Einnahme ausgestoßen, in seltenen Fällen kann dies noch bis zu zwei Tage dauern. In diesen Tagen können krampfartige Schmerzen auftreten, welche jedoch mit Analgetika gut kontrollierbar sind. Stärkere Regelblutungen sind in der Folgezeit bis zu drei Wochen nach Ausstoßung möglich. Die Nachuntersuchung erfolgt sieben bis 14 Tage später und wird meist per Sonografie durchgeführt.

Die Anwendung von Mifepriston mit Prostaglandin führt in 96 % der Fälle zum vollständigen Schwangerschaftsabbruch. Eine weitere Einnahme von Prostaglandin erhöht diesen Wert auf 98 %. Falls dies immer noch keinen Erfolg zeigt, muss ein Abbruch des Restgewebes instrumentell durchgeführt werden. Vor der Anwendung mit Mifepriston muss im Beratungsgespräch geklärt werden, ob eine Anwendung überhaupt in Frage kommt. Bei bestimmten Vorerkrankungen kommt dies nicht in Betracht. Bei der Einnahme von Prostaglandin kommt es häufig zu Unterbauchschmerzen welche vergleichbar mit denen einer Regelblutung sind. Weiterhin können Prostaglandine zu Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen.

Kürettage (Ausschabung)

Wie bereits oben beschrieben wird bei der Kürettage mithilfe einer langstieligen gebogenen Klinge die Gebärmutter ausgeschabt. Diese Methode war vor der Absaugung am gebräuchlichsten. Heute wird sie meist nur noch in Kombination nach der Vakuumaspiration oder bei Rückständen nach medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen angewandt.

Medikamentös/sonstige Arzneimittel/sonstige Methoden

Auch die reine höher dosierte Anwendung mit Prostaglandin kann zu einem Schwangerschaftsabbruch führen.

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Weiterhin wird in seltenen Fällen in Deutschland eine Schwangerschaft durch eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) beendet. Jedoch ist hier nicht der Abbruch der Schwangerschaft Anlass, sondern bedrohliche Erkrankungen der Gebärmutter die eine Schwangerschaft nicht zulassen. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Kind die eingeleitete Geburt überlebt. Deshalb sind Ärzte und Ärztinnen ethisch und juristisch dazu verpflichtet das Kind am Leben zu erhalten. Jedoch kann mit Einverständnis der Schwangeren vor Geburt ein sogenannter Fetozid durchgeführt werden. Hierbei wird das Kind noch im Bauch der Mutter mithilfe einer Kaliumchloridlösung, welche in das Herz des Kindes gespritzt wird, getötet (vgl. Familienplanung.de, 2016).

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

Hier geht’s zur Umfrage zum Thema „Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland“.

 

 

 

In den ersten beiden Beiträgen zum Thema Schwangerschaftsabbruch haben wir uns die Schwerpunkte, Methoden und Gründe angesehen. Im letzten Teil unserer Beitragsreihe befassen wir uns mit den Folgen und der Rechtslage in Deutschland. Zur Zeit wird der relevante Paragraf durch die Bundesregierung überarbeitet, weshalb in diesem Artikel noch die „alte“ Version thematisiert wird.

Körperliche Folgen des Schwangerschaftsabbruches

Es gibt eine ganze Reihe von Folgen, die ein Schwangerschaftsabbruch nach sich ziehen können. Zunächst muss klargestellt werden, dass man eine Abtreibung nicht mehr rückgängig machen kann. Das Leben eines Embryos beziehungsweise des Fötus wird dabei beendet. Somit ist Abtreibung in diesem Sinne endgültig. Nicht nur für den Fötus hat der Abbruch folgen. Auch das weitere Leben der Schwangeren wird enorm beeinflusst. Viele Frauen werden darüber vor der Abtreibung ihres Kindes gar nicht oder unvollständig informiert. Die Folgen des Schwangerschaftsabbruches hängen von Zeitpunkt der Schwangerschaft, den angewandten Methoden, der Anzahl vorausgegangener Schwangerschaften und dem Kenntnisstand des Arztes ab. Nach einem Schwangerschaftsabbruch kann es zu körperlichen/medizinischen und psychischen Folgen kommen.

Körperliche/medizinische Komplikationen bestehen bei jedem operativen Eingriff. Unverträglichkeiten der Narkose in Form von Herz-Kreislauf-Störungen und Atembeschwerden können in den ersten 24 Stunden auftreten. Verletzungen und die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation zu unterliegen, welche bei einem Eingriff entstehen können, wurden bereits bei der jeweils durchgeführten Methode erwähnt.

Bei 6-8% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchlaufen, kommt es zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, der Uteruswand, der Eileiter oder des Bauchfells, welche unter Umständen eine Blutvergiftung nach sich ziehen können. Weiterhin können Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien auftreten.

Spätkomplikationen wie Verwachsungen im Unterleib, Menstruationsstörungen, Unfruchtbarkeit ohne organische Ursache bis hin zu Problemen bei späteren Schwangerschaften, z.B. eine gesteigerte Neigung zu Fehlgeburten und/oder Frühgeburten können entstehen. Auch eine erhöhte perinatale Sterblichkeit des Kindes (während und nach der Geburt) und eine erhöhte Rate an Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften können nach Schwangerschaftsabbruch weitere mögliche Komplikationen sein.

Psychische Folgen eines Schwangerschaftsabbruches

Als psychische Aspekte können folgende Punkte erwähnt werden. Zwar sind Frauen unmittelbar nach der Abtreibung erleichtert und hoffen, ihr Leben vor der Abtreibung gewohnt fortsetzen zu können. Jedoch treten bei einer hohen Anzahl von Frauen selbst noch nach Jahren psychische und psychosomatische Komplikationen auf, die die gewohnte Lebensqualität beeinträchtigen können. Zum Beispiel: Übererregbarkeit, Angstzustände, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten. Jedoch auch Überwältigungen von Erinnerungen, die als traumatisch erlebte Abtreibung, Störungen des Essverhaltens, Medikamenten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch/Abhängigkeit. Teils aber auch unbewusster Rückzug aus früher geliebten Lebensbereichen, psychosomatische Magen- und Darmstörungen sowie Sexualstörungen und Depressionen. Dies kann sich durch unkontrolliertes Weinen, emotionale Gleichgültigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Antriebsminderung, Reue, Schuldgefühle und Suizidalität zeigen (vgl. LebensHelfer, 2018).

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Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs

Die in Deutschland geltende Regelung des Schwangerschaftsabbruches lässt sich aus dem Strafgesetzbuch im Abschnitt 16 „Straftaten gegen das Leben“ im Paragraphen 218 und 219 ableiten. Dieser ist seit 1872 in das StGB eingebettet.

§ 218 StGB Schwangerschaftsabbruch

Der Paragraph 218 besagt grundsätzlich, dass der Abbruch einer Schwangerschaft bestraft wird. Er enthält dabei den zentralen Tatbestand, der durch §218a StGB ergänzt wird. Somit soll der Tatbestand des § 218 das ungeborene Leben schützen. Abbruch der Schwangerschaft meint die Abtötung der Leibesfrucht, welche mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter entsteht. Handlungen mit deren Wirkung, welche vor Abschluss der Einnistung eintreten, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne von § 218. Somit erfüllt zum Beispiel die Einnahme der „Pille danach“ nicht den Straftatbestand.

Der Schwangerschaftsabbruch wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt, dabei zählt sowohl der Selbstabbruch als auch der Fremdabbruch. Somit können Laien, Ärzte als auch die Schwangere selbst Täter sein. Im Absatz zwei wird nur die Freiheitsstrafe bei besonders schweren Fällen ausgehängt. Darunter zählt, wer
gegen den Willen der Schwangeren handelt oder die Gesundheitsschädigung oder Tod der Schwangeren herbeiführt. Im Absatz drei steht die Strafe bei Tat durch die Schwangere selbst, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Dass allein der Versuch bereits strafbar ist, regelt Absatz vier, wobei die Schwangere nicht wegen des Versuches belangt werden kann.

§ 218a StGB Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs

Im Paragraphen 218a wurde festgelegt, wann der Tatbestand des §218 nicht gegeben ist. Im ersten Absatz müssen dazu drei Faktoren erfüllt sein.

– die Schwangere verlangt selbst den Abbruch und kann dem Arzt durch eine Bescheinigung nach §219 Abs. 2 Satz 2 nachweisen, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen.
– der Abbruch muss von einem Arzt durchgeführt werden
– und zwölf Wochen seit Empfängnis sind noch nicht vergangen.

Unter diesen Voraussetzungen ist ein Schwangerschaftsabbruch für einen Arzt nicht strafbar.

Weiterhin wird im Absatz zwei geregelt, dass wenn die Schwangerschaft zu einem gesundheitlichen Risiko (körperlich oder seelisch) für die Schwangere selbst werden kann, diese durch ärztliche Erkenntnis angezeigt und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann, der Abbruch nicht rechtswidrig ist. Somit kann ein Schwangerschaftsabbruch auch nach der zwölften Woche durchgeführt werden, was in einigen Fällen nach der Pränataldiagnostik auch geschieht.

Kriminologische oder ethische Indikation

Wurde an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach §§ 176-178 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern mit oder ohne Todesfolge, oder sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit oder ohne Todesfolge) begangen und dringende Gründe sprechen für die Annahme, dass die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind, gelten die Voraussetzungen im Absatz 2 auch in diesem Absatz 3.

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Auch für die Schwangere selbst ist ein Abbruch straflos, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Sind diese das nicht, ist für die Schwangere der Strafrahmen herabgesetzt. Der Versuch ist für sie wie bereits beschrieben nicht strafbar. Des Weiteren sieht § 218a Abs. 4 einen persönlichen Strafausschließungsgrund vor, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung und von einem Arzt innerhalb von 22 Wochen nach der Empfängnis vorgenommen wird. Die Frist für die Schwangere wird dadurch um zehn Wochen verlängert, jedoch bleibt davon die Strafbarkeit des Arztes unberührt. Es wird daher in Deutschland schwierig nach der zwölften Woche einen abtreibungswilligen Arzt zu finden. Der Schwangeren ist es aber möglich den Eingriff im Ausland bei anderer Gesetzeslage durchführen zu lassen ohne dafür bestraft zu werden. Weiterhin lassen sich aus dem Absatz vier ableiten, dass von der Strafe abgesehen werden kann, wenn sich die Schwangere in einem Zustand der „besonderen Bedrängnis“ befunden hat.

§ 218b StGB Schwangerschaftsabbruch ohne ärztliche Feststellung; unrichtige ärztliche Feststellung

Wird eine Schwangerschaft nach den Fällen des § 218a Abs. 2 oder 3 abgebrochen muss eine schriftliche Feststellung eines Arztes vorliegen. Dieser Arzt darf nicht selbst den Abbruch vornehmen. Weiterhin muss der Arzt welcher den Abbruch vornimmt die Feststellungen des anderen Arztes überprüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Ist dies nicht der Fall kann der Arzt mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Stellt der Arzt für die Voraussetzungen des § 218a Abs. 2 oder 3 eine unrichtige Feststellung kann er ebenfalls bestraft werden. Weiterhin darf ein Arzt keine Feststellungen nach § 218a Abs. 2 oder 3 treffen, wenn ihm dies entweder von zuständiger Stelle vorläufig oder dauerhaft untersagt wurde.

§ 218c StGB Ärztliche Pflichtverletzung bei einem Schwangerschaftsabbruch

Hier wird geregelt, welchen Pflichten der Arzt nachkommen muss bevor er eine Schwangerschaft abbricht. Tut er dies nicht kann er mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Er muss:

– der Schwangeren Gelegenheit geben ihm Gründe für ihr Verlangen nach Abbruch der Schwangerschaft darzulegen,

– der Schwangeren über Bedeutung, Ablauf, Folgen, Risiken, mögliche physische und psychische Auswirkungen ärztlich beraten haben,

– von den Fällen nach § 218a Abs. 1 und 3 aufgrund ärztlicher Untersuchung von
der Dauer der Schwangerschaft überzeugt haben und

– darf nicht selbst die Schwangere in dem Fall des § 218a Abs. 1 nach § 219 beraten
haben.

§ 219 StGB Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage

Der Absatz 1 beschreibt, dass die Beratung zum Schutz des ungeborenen Lebens behilflich sein soll. Der Schwangerschaftsabbruch soll somit nur in Ausnahmesituationen (Not und Konfliktlagen) in Betracht gezogen werden. Eine Beratung soll dazu beitragen die mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen. Er verweist weiterhin auf das Schwangerschaftskonfliktgesetz SchKG.

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Eine Beratung nach dem SchKG darf laut Absatz 2 nur durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle erfolgen. Diese stellt nach Beratung der Schwangeren eine Bescheinigung nach Maßgabe des SchKG aus. Weiterhin wird der Arzt, welcher den Abbruch vornimmt, als Berater ausgeschlossen. Laut der Redaktion „jetzt“ ist Deutschland im Vergleich zu vielen Nachbarländern das einzige Land, wo sich Frauen nicht direkt an einen Arzt wenden können, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen. Weiterhin können sie sich nicht aussuchen von wem sie beraten werden möchten. Viele Frauen haben bereits vor der Beratung entschieden, dass sie die Schwangerschaft nicht austragen möchten und empfinden diese dann als Zumutung. Es ist eine weitere Hürde und Verzögerung. Somit hätten nur Frauen Vorteile, welche noch nicht sicher eine Entscheidung getroffen haben. Als besonders unangenehm wird es empfunden, eine Praxis zu finden welche Schwangerschaftsabbrüche vollzieht, da es für die Praxen nach § 219a StGB verboten ist dafür zu werben. Außerdem wird beschrieben, dass die Beratungsstellen zwar dazu angehalten sind die Gespräche offen zu führen, jedoch verfolgen sie auch einen staatlichen Auftrag. Nämlich den gesetzlich festgelegten Schutz des ungeborenen Lebens (vgl. Hoffmann, 2017).

§ 219a StGB Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

Durch diesen Paragraphen wird das Werben für den Schwangerschaftsabbruch verboten. Somit ist Veröffentlichung durch Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften seines Vermögensvorteils von eigenen oder fremden Diensten zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruches oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren die zum Abbruch einer Schwangerschaft geeignet sind durch anbieten, ankündigen, anpreisen oder bekanntmachen verboten und kann belangt werden. Davon ausgenommen werden können nur Ärzte welche von anerkannten Beratungsstellen darüber unterrichtet wurden welche Einrichtungen bereit sind einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 zu leisten oder die Tat gegenüber Ärzten und Personen welche mit den oben erwähnten Mitteln oder Gegenständen zum Handel befugt sind oder eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wurde.
Über diesen Paragraphen wird häufig öffentlich berichtet. Ist es nicht mutig, dass der Staat die Informationsausgabe kontrolliert? Den Frauen in Notlage wird der Zugang zu Informationen bezüglich eines Schwangerschaftsabbruches erschwert. Der Paragraph steht somit in Widerspruch zum Recht auf körperliche Unversehrtheit und Informationsfreiheit. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu wie folgt berichtet:

„Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen könnten.“ (Bundesverfassungsgericht zit. n. Meredith Haaf 2017).

Somit muss es Ärzten möglich sein über Behandlungsmöglichkeiten Auskunft geben zu können. Weiterhin können unnötige lange Bedenkzeiten zwischen Beratungsgespräch bei einer anerkannten Stelle und dem Abbruch durch den ausführenden Arzt verhindert werden. Die psychische Belastung für die Betroffenen kann dadurch reduziert werden, wenn sie sich bereits vor der Beratung über ihre Entscheidung bewusst sind. Die Behandlung könnte, wenn angeboten, bereits beim bekannten Gynäkologen durchgeführt werden. Hier herrscht oftmals ein sehr vertrautes Verhältnis zueinander. Das oftmals als unangenehm empfundene Pflichtberatungsgespräch kann ausgelassen werden. Jedoch
sollte für Frauen welche eine unabhängige Beratung wünschen diese dennoch verfügbar sein. Auch die Suche nach einer geeigneten Praxis kann umgangen werden. So müsste nicht in jeder Praxis angerufen werden, sondern könnte man sich zum Beispiel über die Website über ihre Angebote informieren. Auch die Art der Abtreibung kann somit besser
gewählt werden.

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Auch wird der § 219a StGB zunehmend von Abtreibungsgegnern dazu verwendet, Ärzte und Ärztinnen anzuzeigen und einzuschüchtern. Als Folge daraus nehmen viele Praxen aus Angst vor Strafverfolgung sachliche Informationen zum Schwangerschaftsabbruch aus ihrem Angebot. Dadurch wird der Zugang zu umfassenden und unabhängigen Informationsmaterial weiter erschwert.

§ 219b StGB Inverkehrbringen von Mitteln zum Abbruch der Schwangerschaft

Hier wird das in Verkehr bringen oder allein schon die Absicht des in Verkehr bringenden
Materials oder Gegenstände zum Schwangerschaftsabbruch verboten.

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

Hier geht’s zur Umfrage zum Thema „Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland“.

 

Ein besonderer Dank gilt bei der Erstellung dieser Beitragsreihe den beiden Gastautoren Achim Wohlgeschaft und Jolanda Metzger. Sie sind beide Studenten der katholischen Stiftungshochschule in München und studieren Pflegemanagement.

Literaturverzeichnis

Da es sich um eine ausführliche Literaturarbeit handelt, würde der Anhang den Rahmen sprengen. Daher haben wir ein pdf vorbereitet mit der Literaturliste zum Download.

Litaraturverzeichnis_Schwangerschaftsabbrüche

Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland – Teil 3

In den ersten beiden Beiträgen zum Thema Schwangerschaftsabbruch haben wir uns die Schwerpunkte, Methoden und Gründe angesehen. Im letzten Teil unserer Beitragsreihe befassen wir uns mit den Folgen und der Rechtslage in Deutschland. Zur Zeit wird der relevante Paragraf durch die Bundesregierung überarbeitet, weshalb in diesem Artikel noch die „alte“ Version thematisiert wird.

Körperliche Folgen des Schwangerschaftsabbruches

Es gibt eine ganze Reihe von Folgen, die ein Schwangerschaftsabbruch nach sich ziehen können. Zunächst muss klargestellt werden, dass man eine Abtreibung nicht mehr rückgängig machen kann. Das Leben eines Embryos beziehungsweise des Fötus wird dabei beendet. Somit ist Abtreibung in diesem Sinne endgültig. Nicht nur für den Fötus hat der Abbruch folgen. Auch das weitere Leben der Schwangeren wird enorm beeinflusst. Viele Frauen werden darüber vor der Abtreibung ihres Kindes gar nicht oder unvollständig informiert. Die Folgen des Schwangerschaftsabbruches hängen von Zeitpunkt der Schwangerschaft, den angewandten Methoden, der Anzahl vorausgegangener Schwangerschaften und dem Kenntnisstand des Arztes ab. Nach einem Schwangerschaftsabbruch kann es zu körperlichen/medizinischen und psychischen Folgen kommen.

Körperliche/medizinische Komplikationen bestehen bei jedem operativen Eingriff. Unverträglichkeiten der Narkose in Form von Herz-Kreislauf-Störungen und Atembeschwerden können in den ersten 24 Stunden auftreten. Verletzungen und die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation zu unterliegen, welche bei einem Eingriff entstehen können, wurden bereits bei der jeweils durchgeführten Methode erwähnt.

Bei 6-8% der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchlaufen, kommt es zu Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, der Uteruswand, der Eileiter oder des Bauchfells, welche unter Umständen eine Blutvergiftung nach sich ziehen können. Weiterhin können Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien auftreten.

Spätkomplikationen wie Verwachsungen im Unterleib, Menstruationsstörungen, Unfruchtbarkeit ohne organische Ursache bis hin zu Problemen bei späteren Schwangerschaften, z.B. eine gesteigerte Neigung zu Fehlgeburten und/oder Frühgeburten können entstehen. Auch eine erhöhte perinatale Sterblichkeit des Kindes (während und nach der Geburt) und eine erhöhte Rate an Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften können nach Schwangerschaftsabbruch weitere mögliche Komplikationen sein.

Psychische Folgen eines Schwangerschaftsabbruches

Als psychische Aspekte können folgende Punkte erwähnt werden. Zwar sind Frauen unmittelbar nach der Abtreibung erleichtert und hoffen, ihr Leben vor der Abtreibung gewohnt fortsetzen zu können. Jedoch treten bei einer hohen Anzahl von Frauen selbst noch nach Jahren psychische und psychosomatische Komplikationen auf, die die gewohnte Lebensqualität beeinträchtigen können. Zum Beispiel: Übererregbarkeit, Angstzustände, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten können auftreten. Jedoch auch Überwältigungen von Erinnerungen, die als traumatisch erlebte Abtreibung, Störungen des Essverhaltens, Medikamenten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch/Abhängigkeit. Teils aber auch unbewusster Rückzug aus früher geliebten Lebensbereichen, psychosomatische Magen- und Darmstörungen sowie Sexualstörungen und Depressionen. Dies kann sich durch unkontrolliertes Weinen, emotionale Gleichgültigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, Antriebsminderung, Reue, Schuldgefühle und Suizidalität zeigen (vgl. LebensHelfer, 2018).

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Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs

Die in Deutschland geltende Regelung des Schwangerschaftsabbruches lässt sich aus dem Strafgesetzbuch im Abschnitt 16 „Straftaten gegen das Leben“ im Paragraphen 218 und 219 ableiten. Dieser ist seit 1872 in das StGB eingebettet.

§ 218 StGB Schwangerschaftsabbruch

Der Paragraph 218 besagt grundsätzlich, dass der Abbruch einer Schwangerschaft bestraft wird. Er enthält dabei den zentralen Tatbestand, der durch §218a StGB ergänzt wird. Somit soll der Tatbestand des § 218 das ungeborene Leben schützen. Abbruch der Schwangerschaft meint die Abtötung der Leibesfrucht, welche mit der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter entsteht. Handlungen mit deren Wirkung, welche vor Abschluss der Einnistung eintreten, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne von § 218. Somit erfüllt zum Beispiel die Einnahme der „Pille danach“ nicht den Straftatbestand.

Der Schwangerschaftsabbruch wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt, dabei zählt sowohl der Selbstabbruch als auch der Fremdabbruch. Somit können Laien, Ärzte als auch die Schwangere selbst Täter sein. Im Absatz zwei wird nur die Freiheitsstrafe bei besonders schweren Fällen ausgehängt. Darunter zählt, wer
gegen den Willen der Schwangeren handelt oder die Gesundheitsschädigung oder Tod der Schwangeren herbeiführt. Im Absatz drei steht die Strafe bei Tat durch die Schwangere selbst, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Dass allein der Versuch bereits strafbar ist, regelt Absatz vier, wobei die Schwangere nicht wegen des Versuches belangt werden kann.

§ 218a StGB Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs

Im Paragraphen 218a wurde festgelegt, wann der Tatbestand des §218 nicht gegeben ist. Im ersten Absatz müssen dazu drei Faktoren erfüllt sein.

– die Schwangere verlangt selbst den Abbruch und kann dem Arzt durch eine Bescheinigung nach §219 Abs. 2 Satz 2 nachweisen, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen.
– der Abbruch muss von einem Arzt durchgeführt werden
– und zwölf Wochen seit Empfängnis sind noch nicht vergangen.

Unter diesen Voraussetzungen ist ein Schwangerschaftsabbruch für einen Arzt nicht strafbar.

Weiterhin wird im Absatz zwei geregelt, dass wenn die Schwangerschaft zu einem gesundheitlichen Risiko (körperlich oder seelisch) für die Schwangere selbst werden kann, diese durch ärztliche Erkenntnis angezeigt und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann, der Abbruch nicht rechtswidrig ist. Somit kann ein Schwangerschaftsabbruch auch nach der zwölften Woche durchgeführt werden, was in einigen Fällen nach der Pränataldiagnostik auch geschieht.

Kriminologische oder ethische Indikation

Wurde an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach §§ 176-178 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern mit oder ohne Todesfolge, oder sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit oder ohne Todesfolge) begangen und dringende Gründe sprechen für die Annahme, dass die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind, gelten die Voraussetzungen im Absatz 2 auch in diesem Absatz 3.

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Auch für die Schwangere selbst ist ein Abbruch straflos, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Sind diese das nicht, ist für die Schwangere der Strafrahmen herabgesetzt. Der Versuch ist für sie wie bereits beschrieben nicht strafbar. Des Weiteren sieht § 218a Abs. 4 einen persönlichen Strafausschließungsgrund vor, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung und von einem Arzt innerhalb von 22 Wochen nach der Empfängnis vorgenommen wird. Die Frist für die Schwangere wird dadurch um zehn Wochen verlängert, jedoch bleibt davon die Strafbarkeit des Arztes unberührt. Es wird daher in Deutschland schwierig nach der zwölften Woche einen abtreibungswilligen Arzt zu finden. Der Schwangeren ist es aber möglich den Eingriff im Ausland bei anderer Gesetzeslage durchführen zu lassen ohne dafür bestraft zu werden. Weiterhin lassen sich aus dem Absatz vier ableiten, dass von der Strafe abgesehen werden kann, wenn sich die Schwangere in einem Zustand der „besonderen Bedrängnis“ befunden hat.

§ 218b StGB Schwangerschaftsabbruch ohne ärztliche Feststellung; unrichtige ärztliche Feststellung

Wird eine Schwangerschaft nach den Fällen des § 218a Abs. 2 oder 3 abgebrochen muss eine schriftliche Feststellung eines Arztes vorliegen. Dieser Arzt darf nicht selbst den Abbruch vornehmen. Weiterhin muss der Arzt welcher den Abbruch vornimmt die Feststellungen des anderen Arztes überprüfen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Ist dies nicht der Fall kann der Arzt mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Stellt der Arzt für die Voraussetzungen des § 218a Abs. 2 oder 3 eine unrichtige Feststellung kann er ebenfalls bestraft werden. Weiterhin darf ein Arzt keine Feststellungen nach § 218a Abs. 2 oder 3 treffen, wenn ihm dies entweder von zuständiger Stelle vorläufig oder dauerhaft untersagt wurde.

§ 218c StGB Ärztliche Pflichtverletzung bei einem Schwangerschaftsabbruch

Hier wird geregelt, welchen Pflichten der Arzt nachkommen muss bevor er eine Schwangerschaft abbricht. Tut er dies nicht kann er mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe belangt werden. Er muss:

– der Schwangeren Gelegenheit geben ihm Gründe für ihr Verlangen nach Abbruch der Schwangerschaft darzulegen,

– der Schwangeren über Bedeutung, Ablauf, Folgen, Risiken, mögliche physische und psychische Auswirkungen ärztlich beraten haben,

– von den Fällen nach § 218a Abs. 1 und 3 aufgrund ärztlicher Untersuchung von
der Dauer der Schwangerschaft überzeugt haben und

– darf nicht selbst die Schwangere in dem Fall des § 218a Abs. 1 nach § 219 beraten
haben.

§ 219 StGB Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage

Der Absatz 1 beschreibt, dass die Beratung zum Schutz des ungeborenen Lebens behilflich sein soll. Der Schwangerschaftsabbruch soll somit nur in Ausnahmesituationen (Not und Konfliktlagen) in Betracht gezogen werden. Eine Beratung soll dazu beitragen die mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen. Er verweist weiterhin auf das Schwangerschaftskonfliktgesetz SchKG.

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Eine Beratung nach dem SchKG darf laut Absatz 2 nur durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle erfolgen. Diese stellt nach Beratung der Schwangeren eine Bescheinigung nach Maßgabe des SchKG aus. Weiterhin wird der Arzt, welcher den Abbruch vornimmt, als Berater ausgeschlossen. Laut der Redaktion „jetzt“ ist Deutschland im Vergleich zu vielen Nachbarländern das einzige Land, wo sich Frauen nicht direkt an einen Arzt wenden können, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen. Weiterhin können sie sich nicht aussuchen von wem sie beraten werden möchten. Viele Frauen haben bereits vor der Beratung entschieden, dass sie die Schwangerschaft nicht austragen möchten und empfinden diese dann als Zumutung. Es ist eine weitere Hürde und Verzögerung. Somit hätten nur Frauen Vorteile, welche noch nicht sicher eine Entscheidung getroffen haben. Als besonders unangenehm wird es empfunden, eine Praxis zu finden welche Schwangerschaftsabbrüche vollzieht, da es für die Praxen nach § 219a StGB verboten ist dafür zu werben. Außerdem wird beschrieben, dass die Beratungsstellen zwar dazu angehalten sind die Gespräche offen zu führen, jedoch verfolgen sie auch einen staatlichen Auftrag. Nämlich den gesetzlich festgelegten Schutz des ungeborenen Lebens (vgl. Hoffmann, 2017).

§ 219a StGB Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

Durch diesen Paragraphen wird das Werben für den Schwangerschaftsabbruch verboten. Somit ist Veröffentlichung durch Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften seines Vermögensvorteils von eigenen oder fremden Diensten zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruches oder Mittel, Gegenstände oder Verfahren die zum Abbruch einer Schwangerschaft geeignet sind durch anbieten, ankündigen, anpreisen oder bekanntmachen verboten und kann belangt werden. Davon ausgenommen werden können nur Ärzte welche von anerkannten Beratungsstellen darüber unterrichtet wurden welche Einrichtungen bereit sind einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 zu leisten oder die Tat gegenüber Ärzten und Personen welche mit den oben erwähnten Mitteln oder Gegenständen zum Handel befugt sind oder eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wurde.
Über diesen Paragraphen wird häufig öffentlich berichtet. Ist es nicht mutig, dass der Staat die Informationsausgabe kontrolliert? Den Frauen in Notlage wird der Zugang zu Informationen bezüglich eines Schwangerschaftsabbruches erschwert. Der Paragraph steht somit in Widerspruch zum Recht auf körperliche Unversehrtheit und Informationsfreiheit. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu wie folgt berichtet:

„Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen könnten.“ (Bundesverfassungsgericht zit. n. Meredith Haaf 2017).

Somit muss es Ärzten möglich sein über Behandlungsmöglichkeiten Auskunft geben zu können. Weiterhin können unnötige lange Bedenkzeiten zwischen Beratungsgespräch bei einer anerkannten Stelle und dem Abbruch durch den ausführenden Arzt verhindert werden. Die psychische Belastung für die Betroffenen kann dadurch reduziert werden, wenn sie sich bereits vor der Beratung über ihre Entscheidung bewusst sind. Die Behandlung könnte, wenn angeboten, bereits beim bekannten Gynäkologen durchgeführt werden. Hier herrscht oftmals ein sehr vertrautes Verhältnis zueinander. Das oftmals als unangenehm empfundene Pflichtberatungsgespräch kann ausgelassen werden. Jedoch
sollte für Frauen welche eine unabhängige Beratung wünschen diese dennoch verfügbar sein. Auch die Suche nach einer geeigneten Praxis kann umgangen werden. So müsste nicht in jeder Praxis angerufen werden, sondern könnte man sich zum Beispiel über die Website über ihre Angebote informieren. Auch die Art der Abtreibung kann somit besser
gewählt werden.

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Auch wird der § 219a StGB zunehmend von Abtreibungsgegnern dazu verwendet, Ärzte und Ärztinnen anzuzeigen und einzuschüchtern. Als Folge daraus nehmen viele Praxen aus Angst vor Strafverfolgung sachliche Informationen zum Schwangerschaftsabbruch aus ihrem Angebot. Dadurch wird der Zugang zu umfassenden und unabhängigen Informationsmaterial weiter erschwert.

§ 219b StGB Inverkehrbringen von Mitteln zum Abbruch der Schwangerschaft

Hier wird das in Verkehr bringen oder allein schon die Absicht des in Verkehr bringenden
Materials oder Gegenstände zum Schwangerschaftsabbruch verboten.

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können. Zudem entspricht dieser Artikel keiner Rechtsberatung. Bei juristischen Fragen, wenden Sie sich an Ihren Anwalt.

 

Ein besonderer Dank gilt bei der Erstellung dieser Beitragsreihe den beiden Gastautoren Achim Wohlgeschaft und Jolanda Metzger. Sie sind beide Studenten der katholischen Stiftungshochschule in München und studieren Pflegemanagement.

zum Gesamtwerk „Schwangerschaftsabbruch in Deutschland“

Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland – Teil 2

Im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zum Thema Schwangerschaftsabbruch geht es um die verschiedenen Möglichkeiten
der Abtreibung. Die Schilderungen in diesem Artikel sind phasenweise sehr bildlich, daher empfehlen wir minderjährigen Lesern, diesen Artikel im Beisein ihrer Erziehungsberechtigten zu lesen. Weitere Informationen finden Sie am Ende des Artikels.

Methoden des Schwangerschaftsabbruches im zeitlichen Verlauf

Statistisch erfasst ist, dass im zeitlichen Verlauf der Anteil von Vakuumaspirationen um etwas über 20 % gesunken ist und der Anteil von Abtreibungen mit Mifegyne® um knapp 20 % zugenommen hat. Als Grund hierfür kann die Einführung des Medikamentes im Jahr 2000 angeführt werden. Weiterhin legen Kürettage im Trend geringfügig zu.

Im Vergleich zu Deutschland lag der Anteil an medikamentösen Abtreibungen in Großbritannien und Frankreich im Jahr 2017 bei über 60 % und in der Schweiz sogar bei 72 %.

Schwangerschaftsabbrüche werden bevorzugt in ambulanten gynäkologischen Praxen durchgeführt. Nur wenige in Krankenhäusern, dort meist ambulant und selten stationär.

Im Hinblick auf die Methode zum Schwangerschaftsabbruch, besteht laut „8-Fakten-
zum-Schwangerschaftsabbruch“ in Deutschland ein regionaler Unterschied je nach Bundesland. Als Grund hierfür werden lokale Präferenzen der Ärzte angegeben, welche die Wahlfreiheit der Frauen einschränken. Ein Risiko für Komplikationen bei einem medizinischen Eingriff zum Schwangerschaftsabbruch besteht in Deutschland aufgrund des guten Gesundheitssystems kaum. Von 101.209 Eingriffen bestand lediglich bei 388 eine Komplikation. Das sind vier betroffene Personen von 1000 behandelten, was einen Prozentsatz von 0,4 % bedeutet (vgl. proFamilia, 2018).

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In den letzten zwölf Jahren sank die Gesamtanzahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland kontinuierlich von 129.650 im Jahr 2004 auf 98.721 im Jahr 2016 (vgl. pro-Familia, 2017). Auch zu berücksichtigen ist die inzwischen frühe Aufklärung von Minderjährigen im Umgang mit Verhütungsmethoden durch die Schule. So haben sie ein hohes Problembewusstsein bezüglich der Notwendigkeit zur Verhütung. Viele planen Schwangerschaften, um zum richtigen Zeitpunkt ein Kind zu bekommen. Eine ungewollte frühere Schwangerschaft versuchen sie deshalb zu verhindern.

Zu viele Frauen sind nicht ausreichend genug über die unterschiedlichen Methoden zumAbbruch aufgeklärt worden. Dies ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben. Dadurch machen sich viele Betroffene falsche Auffassungen der verschiedenen Methoden. Sie interpretieren zum Beispiel, dass der medikamentöse Abbruch sanft, ungefährlich oder sogar natürlich ist. Weiter werden die Risiken der Absaugung meist überschätzt, da nicht bekannt ist, dass ein Eingriff in örtlicher Betäubung stattfinden kann (vgl. proFamilia, 2017).

Die Vakuumaspiration (Absaugung, Saugkürettage)

Aufgrund des Anstieges der medikamentösen Methode ist die Anzahl die Abbrüche mit Vakuumaspirationen im zeitlichen Verlauf gesunken. Diese Anwendung erfolgt meist in der 5-13 Schwangerschaftswoche. Im Jahr 2013 wurden in Deutschland sieben von zehn Schwangerschaftsabbrüche mit dieser Methode durchgeführt. Diese Variante kann in Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchgeführt werden. In Deutschland wird meist eine kurze Vollnarkose angewendet, welche gut verträglich und risikoarm ist. Die Lokalanästhesie ist nicht völlig schmerzfrei. Es können einige Minuten lang mehr oder weniger starke Schmerzen, welche mit Regelblutungsschmerzen vergleichbar sind, auftreten. Die Anwendung erfolgt meist ambulant, nur bei weiteren Erkrankungen, welche in einer Klinik kontrolliert werden müssen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Nach jeder Art der Betäubung wird in die Scheide ein sogenanntes Spekulum eingeführt, damit der Abtreiber den Gebärmutterhals und den Eingang zur Gebärmutter zu sehen bekommt. Danach werden immer größere Metallstäbe sogenannte Dilatatoren verwendet, um Zugang zum Inneren der Gebärmutter zu erhalten. Nun wird ein Kunststoffkatheter in die Gebärmutter eingeführt. An dem Katheter ist eine Saugmaschine angeschlossen, welche den Inhalt der Gebärmutter absaugt. Das Ungeborene wird durch die Saugkraft zerstört und in den Auffangbehälter der Saugmaschine gezogen. Nach der Absaugung wird mittels einer Kürette die Wand der Gebärmutter ausgeschabt, um etwaige Reste zu entfernen. Nun wird das Spekulum wieder entfernt und die Abtreibung ist ab-
geschlossen. Der Eingriff selbst dauert in etwa zehn Minuten und die Frauen können nach circa einer Stunde wieder nach Hause. Meist wird vor dem Eingriff noch ein Prostaglandin verabreicht um das Weiten des Gebärmutterhalses zu erleichtern. Nach dem Eingriff wird häufig noch ein Antibiotikum, zur Vermeidung von Infektionen im Unterleib, angeordnet. Je nach Blut-Rhesusfaktor ist eine Gabe gegen Antikörper-Bildung notwendig. Etwa zwei Wochen nach dem Eingriff sollte eine Nachuntersuchung durchgeführt werden, damit weitere Risiken ausgeschlossen werden können.

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Als Folgerisiken dieser Methode werden das Durchstechen oder Zerreißen des Gebärmutterhalses, Schäden am Darm, Blase und Blutgefäße, Blutungen, Infektionen und in seltenen Fällen sogar der Tod angegeben. Zukünftige Schwangerschaften haben zudem ein erhöhtes Risiko einer Fehlgeburt oder den Verlust eines Kindes. Zu Komplikationen kommt es kaum, wenn der Abtreiber die Behandlung in der siebten bis neunten Woche vornimmt und in dieser geübt ist.

Medikamentös mit Mifegyne® (Mifepriston)

Der medikamentöse Abbruch mit Mifegyne® steht erst seit dem Jahr 2000 zur Verfügung. Wie bereits erwähnt ist der Anteil dieser Abbruchmethode im zeitlichen Verlauf bis heute gestiegen. Die Anwendung erfolgt bis zur neunten Woche nach Beginn der letzten Regelblutung. Umso früher nun ein Abbruch in Erwägung gezogen wird, desto eher wird zu dieser Methode gegriffen. Demzufolge steigt der Anteil der medikamentösen Abbrüche umso früher die Abbrüche stattfinden (vgl. proFamilia, 2017).

Der Wirkstoff Mifepriston ist ein künstliches Hormon, welches dem natürlichen Progesteron ähnelt. Dieses ist entscheidend für die Entwicklung und den Erhalt einer Schwangerschaft. Mit dieser ähnlichen Struktur hemmt Mifepriston die Wirkung von Progesteron. Es wirkt also antagonistisch. Ohne weitere Wirkung des Progesterons kann nun die Schwangerschaft nicht fortbestehen und es kommt zu einer Blutung mit welcher die Schwangerschaft endet. Dies kann verglichen werden mit einem spontanen Abgang bei einer Fehlgeburt. Weiterhin bewirkt Mifepriston die Erweichung und Öffnung des Gebärmutterhalses und Kontraktionen der Gebärmutter. Das Medikament wird in Anwesenheit eines Arztes eingenommen. Die Patientin wird noch zwei bis vier Stunden in der Praxis überwacht. Es erfolgt bereits ab dem nächsten Tag eine Blutung. Da nur selten bereits zu diesem Zeitpunkt ein Fötus ausgestoßen wird, ist es notwendig einige Tage später ein Prostaglandin einzunehmen. Meist wird der Fötus einige Stunden nach dieser
Einnahme ausgestoßen, in seltenen Fällen kann dies noch bis zu zwei Tage dauern. In diesen Tagen können krampfartige Schmerzen auftreten, welche jedoch mit Analgetika gut kontrollierbar sind. Stärkere Regelblutungen sind in der Folgezeit bis zu drei Wochen nach Ausstoßung möglich. Die Nachuntersuchung erfolgt sieben bis 14 Tage später und wird meist per Sonografie durchgeführt.

Die Anwendung von Mifepriston mit Prostaglandin führt in 96 % der Fälle zum vollständigen Schwangerschaftsabbruch. Eine weitere Einnahme von Prostaglandin erhöht diesen Wert auf 98 %. Falls dies immer noch keinen Erfolg zeigt, muss ein Abbruch des Restgewebes instrumentell durchgeführt werden. Vor der Anwendung mit Mifepriston muss im Beratungsgespräch geklärt werden, ob eine Anwendung überhaupt in Frage kommt. Bei bestimmten Vorerkrankungen kommt dies nicht in Betracht. Bei der Einnahme von Prostaglandin kommt es häufig zu Unterbauchschmerzen welche vergleichbar mit denen einer Regelblutung sind. Weiterhin können Prostaglandine zu Magen- und Darmbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen führen.

Kürettage (Ausschabung)

Wie bereits oben beschrieben wird bei der Kürettage mithilfe einer langstieligen gebogenen Klinge die Gebärmutter ausgeschabt. Diese Methode war vor der Absaugung am gebräuchlichsten. Heute wird sie meist nur noch in Kombination nach der Vakuumaspiration oder bei Rückständen nach medikamentösen Schwangerschaftsabbrüchen angewandt.

Medikamentös/sonstige Arzneimittel/sonstige Methoden

Auch die reine höher dosierte Anwendung mit Prostaglandin kann zu einem Schwangerschaftsabbruch führen.

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Weiterhin wird in seltenen Fällen in Deutschland eine Schwangerschaft durch eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) beendet. Jedoch ist hier nicht der Abbruch der Schwangerschaft Anlass, sondern bedrohliche Erkrankungen der Gebärmutter die eine Schwangerschaft nicht zulassen. Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Kind die eingeleitete Geburt überlebt. Deshalb sind Ärzte und Ärztinnen ethisch und juristisch dazu verpflichtet das Kind am Leben zu erhalten. Jedoch kann mit Einverständnis der Schwangeren vor Geburt ein sogenannter Fetozid durchgeführt werden. Hierbei wird das Kind noch im Bauch der Mutter mithilfe einer Kaliumchloridlösung, welche in das Herz des Kindes gespritzt wird, getötet (vgl. Familienplanung.de, 2016).

 

Informationen für die Leser/Innen:

Dieser Artikel kann kein Beratungsgespräch mit einem Gynäkologen ersetzen und hat auch nicht diesen Anspruch. Außerdem stellt dieser Artikel keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er (der Artikel) hat einen rein informativen Charakter und soll dazu anstoßen sich Gedanken über einer ausreichende Verhütung zu machen, da Abtreibungen oftmals gravierende Folgen für Mutter und Kind haben können.

 

Ein besonderer Dank gilt bei der Erstellung dieser Beitragsreihe den beiden Gastautoren Achim Wohlgeschaft und Jolanda Metzger. Sie sind beide Studenten der katholischen Stiftungshochschule in München und studieren Pflegemanagement.

 

zum Gesamtwerk „Schwangerschaftsabbruch in Deutschland“

Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland – Teil 1

In dieser Beitragsreihe befassen wir uns mit dem Sterben von Kindern. Unser Thema bezieht sich auf die Schwangerschaftsabbrüche mit der aktuellen Situation in Deutschland. Der erste Teil dieser Beitragsreihe befasst sich mit den Gründen für einen Schwangerschaftsausbruch.

In diesen Artikel verstehen wir unter einem Schwangerschaftsabbruch, die Unterbrechung einer Schwangerschaft, die den Tod des Embryos beziehungsweise des Fötus zur Folge hat. Eine Schwangerschaft beginnt in diesem Artikel mit dem ersten Tag der letzten Regelblutung der Frau. Im Jahr 2017 gab es insgesamt in Deutschland 787.887 Geburten. Hierzu zählen 784.884 Lebend- und 3.003 Todgeburten. Im Vergleich dazu gab es 101.209 Schwangerschaftsabbrüche, dies ergibt einen Prozentsatz von 12,9%. Da die Summe sehr hoch ist erörtern wir in diesem Artikel die möglichen Aspekte, warum der Anteil an Abbrüchen so hoch ist.
Weiterhin beziehen wir uns auf die unterschiedlichen Möglichkeiten des Abbruchs im Hinblick auf die aktuelle Rechtslage in Deutschland (BFS, 2018).

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Gründe des Schwangerschaftsabbruchs

Eine Schwangerschaft ist in der Regel ein freudiges Ereignis im Leben einer Frau, doch gibt es auch Gründe, weshalb sie zur Belastung werden kann und ein Schwangerschaftsabbruch in Frage kommt. Der Abbruch einer Schwangerschaft stellt immer eine schwerwiegende Entscheidung dar. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum eine Frau einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zieht.

Medizinische Indikation für einen Abbruch

Eine medizinische Indikation für einen Abbruch liegt dann vor, wenn die Mutter die Schwangerschaft oder die Geburt nicht überleben würde, oder wenn schwerwiegende Gefahren für die körperliche oder seelische Gesundheit der Mutter nur durch eine Abtreibung und nicht auf andere Weise abgewendet werden kann. Als Beispiel hierfür wäre eine Krebserkrankung der Mutter zu erwähnen. Weiterhin kann bei einer Pränataldiagnostik eine Behinderung oder schwere Krankheit des Kindes festgestellt werden, somit ist der Schwangerschaftsabbruch mit einer medizinischen Indikation der Mutter begründet. Eine ärztliche Beratung ist in jedem Fall verpflichtend (vgl. ProFamilia Bundesver-
band, 2017).

Kriminologische Indikation für einen Abbruch

Wenn die Schwangerschaft sehr wahrscheinlich auf einer Straftat beruht, kann die Schwangerschaft mit kriminologischer Indikation abgebrochen werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist, oder ein Mädchen schwanger ist, das noch keine 14 Jahre alt ist. Die Indikationsfeststellung erfolgt durch einen Arzt oder Ärztin. Die Staatsanwaltschaft oder die Polizei dürfen die Indikation nicht stellen. Für die Indikation ist es nicht notwendig, die an der Schwangeren begangene Straftat zur Anzeige zu bringen. Auch besteht hier keine Beratungspflicht wie etwa bei anderen genannten Gründen. Auch ohne Pflicht kann die Beratung dennoch wahrgenommen werden. Der Abbruch auf Grund der kriminologischen Indikation darf nur bis zum Ende der 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden (ProFamilia Bundesverband, 2017).

Persönliche Gründe der Schwangeren

Die Angst davor, nach der Schwangerschaft den wirtschaftlichen Lebensstandard nicht mehr halten zu können, kann als Grund für einen Abbruch gesehen werden. Weiterhin spielen die sozialen Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, das Kind nicht austragen zu wollen. So haben Frauen oft Angst um ihre berufliche Existenz, beispielsweise eine Ausbildung nicht beenden zu können oder den Arbeitsplatz wegen einer Schwangerschaft zu verlieren. Auch die Situation noch Schüler zu sein, ist hier zu berücksichtigen. Auch partnerschaftliche und familiäre Probleme können ausschlaggebend für einen Schwangerschaftsabbruch sein. So könnte die Frau ungewollt schwanger werden und sich mit der Schwangerschaft und dem Kind überfordert fühlen. Häufig passt eine Schwangerschaft dann nicht in das geplante Lebenskonzept oder Frauen werden von ihrem Partner zu einem Abbruch gedrängt, da dieser sich nicht mit dem zukünftigen Familienstand als Vater identifizieren kann.

Den Wunsch aus persönlichen Gründen eine Schwangerschaft abzubrechen wird als „Abtreibung im Sinne der Beratungsregel“ bezeichnet. Siehe dazu das Kapitel zur Rechtslage des Schwangerschaftsabbruchs im zweiten Teil diesen Beitrags.

 

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Info: Dieser Artikel stellt keine Werbung für Schwangerschaftsabbrüche dar. Er soll nur über dieses Thema informieren und aufklären. Meinungen, welche die Autoren vertreten, müssen nicht mit anderen Meinungen übereinstimmen.

Ein besonderer Dank gilt bei der Erstellung dieser Beitragsreihe den beiden Gastautoren Achim Wohlgeschaft und Jolanda Metzger. Sie sind beide Studenten der katholischen Stiftungshochschule in München und studieren Pflegemanagement.

 

zum Gesamtwerk „Schwangerschaftsabbruch in Deutschland“

Sterbehilfe in Deutschland – aktuelle Rechtsprechung

Das Thema Sterbehilfe in Deutschland wird sehr kontrovers debattiert in unserer Gesellschaft. Leider bleiben diese Debatten auch nicht immer ganz sachlich, das ist zum Teil verständlich bei einem so emotionalen Thema wie dem Tod. Dennoch muss Deutschland einen Weg finden, wie man mit dieser Thematik umgehen kann in Zukunft. Der nachfolgende Artikel nimmt eine Facette des Themas Sterbehilfe in Deutschland auf. Dabei geht es um eine Form des assistierten Suizids. Das möchte ich Euch anhand eines Praxisbeispieles erläutern und näher bringen. Zu diesem Fall gibt es auch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes aus dem Jahr 2017, welches man jedoch nicht groß publizierte.

Der Fall, der die Sterbehilfe in Deutschland verändert hat

Im vorliegenden Fall, hat eine Frau ein schlimmes Schicksal erfahren. Sie erlitt in Folge eines Unfalls eine fast komplette sensomotorsiche Querschnittslähmung. Daraus erfolgte die Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung und Beatmung. Zudem erlitt sie häufige Krampfanfälle, die stärkste Schmerzen verursachten. Die Ärzte stellten keine Aussicht auf Verbesserung fest. Darauf entschied die Patienten selbst ihr Leben beenden zu wollen. Dazu wollte sie eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital einnehmen. Um dieses Mittel zu erhalten, wandte sie sich an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Der Antrag wurde abgelehnt. Über welche Art der Sterbehilfe reden wir in diesem Fall?

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Der begleitete Suizid als Form der Sterbehilfe

Niemand darf in Deutschland einen anderen Menschen töten wenn dieser es verlangt. Damit wäre der Tatbestand „Tötung auf Verlangen“ erfüllt und das ist eine Straftat nach dem Strafgesetzbuch. Auch eine aktive Sterbehilfe würde unter diesen Tatbestand fallen. Wir reden in dem vorliegenden Fall über eine Selbsttötung, die dem Wunsch der eigenen Person entspringt. Jedoch kann ein Suizid auf verschiedenen Wegen durchgeführt werden. Die Frau im vorliegenden Fall wollte ihr Leben jedoch auf eine „humane“ und schmerzfreie Weise beenden. Sie hat in ihrer Lebenssituation keine Aussicht mehr auf ein lebenswertes Leben gehabt. Eine letale, also tödliche Dosis, Natrium-Pentobarbital kann einen solchen Wunsch erfüllen. Die Einnahme muss der Betroffene jedoch selbst vollziehen, da sich sonst die Handlungen im Bereich der Strafbarkeit bewegen. Jedoch gilt auch hier der Grundsatz: Wo kein Kläger, da kein Richter. Das Recht für Patienten auf die letale Dosis des Medikamentes wurde ihnen am 02.03.2017 eingeräumt.

Bild: pixabay

Dazu das Urteil im Wortlaut:

  1. Der Erwerb eines Betäubungsmittels zum Zweck der Selbsttötung ist grundsätzlich nicht erlaubnisfähig
  2. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Artikel 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 GG umfasst auch das Recht eines schwer und unheilbar kranken Menschen, zu entscheiden, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben enden soll, vorausgesetzt er kann seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln
  3. Im Hinblick auf dieses Grundrecht ist § 5 Abs. 1 Nr, 6 BtMG dahin auszulegen, dass der Erwerb eines Betäubungsmittels für eine Selbsttötung mit dem Zweck des Gesetzes ausnahmsweise vereinbar ist, wenn sich der suizidwillige Erwerber wegen einer schweren und unheilbaren Erkrankung in einer extremen Notlage befindet.
  4. Eine extreme Notlage ist gegeben wenn – erstens- die schwere und unheilbare Erkrankung mit gravierenden körperlichen Leiden, insbesondere starken Schmerzen verbunden ist, die bei dem Betroffenen zu einen unerträglichen Leidensdruck führen und nicht ausreichend gelindert werden können, – zweitens – der Betroffene entscheidungsfähig ist und sich frei und ernsthaft entschieden hat, sein Leben beenden zu wollen und ihm – drittens – eine andere zumutbare Möglichkeit zur Verwirklichung des Sterbewunsches nicht zur Verfügung steht.

Zitat der Leitsätze aus BVerwG, Urteil vom 02.03.2017 – 3 C 19.15

Was bedeutet das Urteil für die Sterbehilfe in Deutschland?

In der Praxis bedeutet dieser Fall eine sehr ausführliche Einzelfallbewertung, da alle Punkte aus dem Urteil erfüllt sein müssen. Und das ist auch gut so.

Schauen wir mal zu unseren Nachbarn in die Niederlanden

Dort ist es möglich sich umbringen zu lassen, wenn man dies wünscht. Anfänglich war dort auch nur die Tötung auf Verlangen möglich, wenn der Betroffene an einer unheilbaren Erkrankung litt. Heutzutage lassen sich sogar Menschen, die an einer Depression leiden, in den Niederlanden umbringen. So weit sollte es in Deutschland nicht kommen. Therapie und Heilung sind bei vielen Erkrankungen möglich und erstrebenswert. Sicherlich ist immer der Betroffene selbst zu befragen, aber gerade bei der Heilung einer Depression ist die Heilung nur durch Zusammenarbeit mit dem Patienten zu erreichen. Eine Möglichkeit zur Tötung auf Verlangen stellt eine Alternative dar, welche eventuell die Motivation zur Heilung schmälert und so auch einen Einfluss auf den Therapieerfolg haben könnte.

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Zurück nach Deutschland

Person X leidet an einer unheilbaren Krankheit und befindet sich in einer Notlage. Dadurch hat Person X den Wunsch das Leben zu beenden. Welche Möglichkeiten gibt es dies risikoarm und human zu gestalten? Und zwar für sich selbst und die unmittelbare Umgebung. Denn wie im Urteil beschrieben, müssen andere Alternativen zuerst geprüft und wenn möglich auch genutzt werden. Das klassische Beispiel findet auch im Urteil des BVerwG Anwendung. Dabei geht es um den assistierten Suizid in der Schweiz, der durch einige Vereine dort angeboten wird. Also wenn Person X über die nötigen finanziellen Mittel verfügt und die Reise in die Schweiz keine unzumutbare Belastung darstellt, möchte der deutsche Gesetzgeber, so verstehe ich das Urteil, dass Person X lieber in der Schweiz die aktive Sterbehilfe empfängt. Falls das nicht möglich ist, muss man den Fall weiter prüfen. Zuerst muss die schwere und unheilbare Erkrankung festgestellt werden. Dann wird geprüft, ob die Person X den Willen das eigene Leben beenden zu wollen, selbst geäußert bzw. gebildet hat. Zudem muss die Notlage der Person X einhergehen mit unerträglichen Schmerzen und einem Leidensdruck, der nicht ausreichend therapiert werden kann. Dabei spielt die palliativ-medizinische Versorgung mit Schmerzmitteln und Betäubungsmitteln die zentrale Rolle.

Erst wenn diese Prüfung bestanden worden ist, kann die letale Dosis an den Betroffenen ausgegeben und der Wunsch des Suizids  somit durchgeführt werden.

Andere Formen der Sterbehilfe in Deutschland

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Ansichten zum Thema Sterbehilfe. Glücklicherweise hat sich in Deutschland das System der passiven Sterbehilfe in den letzten Jahren etabliert. Dabei findet jedoch keine aktive Handlung zur Beendigung des Lebens statt, sondern der Eintritt des Todes wird durch Unterlassung oder Einstellung der Therapie herbeigeführt oder provoziert. Also am Beispiel der Beatmungsmaschine: Diese wird ausgeschaltet und der Tod tritt „natürlich“ ein ohne ein aktives Zutun des Arztes, sondern durch Wegnahme einer künstlichen Unterstützung. Das können Geräte und/oder Medikamente sein. Sogar die Einstellung der künstlichen Ernährung ist eine Möglichkeit der passiven Sterbehilfe.

Nutzerinformationen:

Dieser Artikel entspricht keiner Rechtsberatung. Falls Sie zu diesem Thema Hilfe brauchen oder Fragen haben, wenden Sie sich bitte an einen professionellen Verein oder eine Rechtsberatung. Auch Ihr Anwalt kann Ihnen bei diesem Thema weiterhelfen.

Wenn Sie Suizidgedanken haben, holen Sie sich bitte Hilfe und sprechen Sie mit Ihren Angehörigen oder holen Sie sich Hilfe bei den benannten Stellen.

„Vorerst“ keine Pflegekammer in Bayern

Pflegekammer in Bayern, Maximilianeum

Die neue Landesregierung in Bayern steht fest und für die Pflegenden im Freistaat hat der Koalitionsvertrag keine großen Veränderungen im Gepäck. Denn obwohl die Freien Wähler (FW) im Wahlkampf verkündet haben, dass man eine Selbstverwaltung der Pflege nur durch eine Pflegekammer sichern kann, haben sie diese Forderung nicht bis in den Koalitionsvertrag gebracht. Dennoch haben die Themen Gesundheit, Pflege und medizinische Versorgung den Weg in den Koalitionsvertrag geschafft. Also wollen wir euch neben dem Thema Pflegekammer in Bayern auch die anderen Veränderungsvorschläge vorstellen und die möglichen Konsequenzen für die Menschen in Bayern präsentieren.

Pflegekammer in Bayern

Diese wird es in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich nicht geben, denn das Wort Pflegekammer kommt im bayerischen Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern nicht einmal vor. Es soll eher die Vereinigung der Pflegenden in Bayern weiter ausgebaut werden. Doch was ist die Vereinigung und welche Befugnisse hat sie? Anders als eine Pflegekammer in Bayern, hat diese Vereinigung nur wenig Macht und ist außerdem sehr abhängig von der bayerischen Staatsregierung. So werden die finanziellen Mittel nicht in Eigenregie ermittelt, sondern von den Politkern festgelegt und im Haushaltsplan der bayerischen Staatsregierung vergeben. Außerdem ist eine Mitgliedschaft im Vergleich zu einer Pflegekammer in Bayern nicht vorgesehen, so dass der Grad der Durchdringung äußert kritisch zu beurteilen ist.

Der Koalitionsvertrag im Wortlaut zum Thema: „Wir wollen eine starke und schlagkräftige Interessensvertretung der Pflegenden. Wir werden den Aufbau der Vereinigung der Pflegenden in Bayern fortführen und in der Mitte der Legislaturperiode die derzeitige Konzeption evaluieren.“

Sicherung der Versorgung in der Geburtshilfe

„Besonders wichtig ist uns eine gesicherte wohnortnahe Versorgung mit Hebammen und Geburtshilfeeinrichtungen. Wir wollen die Geburtshilfe-Stationen auch an kleineren Standorten erhalten und wollen erreichen, dass sich wieder mehr Hebammen niederlassen. Daher bieten wir den Hebammen ein Gründerpaket in Höhe von 5.000 Euro an, das ihnen den Einstieg in den Beruf erleichtern soll. Am Hebammenbonus halten wir fest. Die akademische Ausbildung von Hebammen soll an mehreren Orten in Bayern stattfinden. Hierzu wollen wir neben Landshut und Regensburg weitere geeignete Standorte prüfen. Wir setzen uns für eine faire Entlohnung der Hebammen ein.“ (Quelle: Koalitionsvertrag CSU und Freie Wähler)

Landarztmangel bekämpfen

Unter anderem will man dies durch des Ausbau der Medizinstudienplätze erreichen. Zudem möchte man den Zugang zum Studium flexibler gestalten. So soll die Vergabe der Studienplätze nicht mehr nur über den Numerus clausus (NC) erfolgen, sondern auch eignungsbezogene Zulassungsverfahren eingeführt werden. Außerdem werden explizit zur Bekämpfung des Landarztmangels eine Prämie sowie eine Quote eingeführt.

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Landespflegegeld in Bayern

Am Landespflegegeld in Bayern wird die Regierung unter Ministerpräsident Söder (CSU) weiter festhalten. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu:

“Wir sorgen für gute Pflege. Daher setzen wir die heimatnahe Pflegeplatzgarantie und den Anspruch auf Vermittlung eines Pflegeplatzes um. Pflegende Angehörige verdienen unsere besondere Anerkennung. Am Landespflegegeld von 1.000 Euro jährlich halten wir daher fest. Wir setzen die neue staatliche Investitionskostenförderung für Pflegeplätze um und werden hierdurch 1.000 neue stationäre Pflegeplätze und 500 Kurzzeitpflegeplätze schaffen. Die Attraktivität der Kurzzeitpflege werden wir zudem durch einen Abbau von Bürokratie und Dokumentationspflichten unterstützen“ (Quelle: Koalitionsvertrag CSU und Freie Wähler)

Somit hat sich das Landespflegegeld in Bayern doch nicht als Wahlkampfgeschenk entlarvt, sondern eher als langfristiger Anreiz die eigenen Angehörigen im häuslichen Rahmen zu versorgen. Ob diese Maßnahme auf längere Dauer tatsächlich die stationären Einrichtungen entlastet, wird sich jedoch erst in den nächsten Jahren zeigen, wenn ausreichende Erfahrungswerte gesammelt worden sind.

Hier geht es zum Folgeartikel unserer Analyse, die wir vor den Wahlen erstellt haben, und welche auch auf pflegen-online.de erschienen ist. Link zu pflegen-online: https://www.pflegen-online.de/bayern-welche-parteien-gut-fuer-die-pflege-sind

 

 

 

Diagnose Demenz – Angehörige und Pflegekräfte an der Grenze

Anfänglich ist es vielleicht nur eine häufige Vergesslichkeit. Dann verliert der Betroffen immer mehr Fähigkeiten, die zum Beispiel eine gewisse Feinmotorik benötigen. Solche Erscheinungen sind sicherlich oftmals dem Alter des Betroffenen zuzuschieben, jedoch kann dahinter auch eine sehr frustrierende und schockierende Diagnose stehen. Die Demenz ist zur Volkskrankheit avanciert. Ca 1,7 Millionen Menschen leiden an ihr in Deutschland. Und hinter den Menschen stehen dann auch in der Regel 3-4 direkte Angehörige (statistischer Mittelwert), also ergibt es eine Anzahl von ungefähr 6 Millionen indirekt oder direkt Betroffene dieser Erkrankung.

Tabuthema Demenz

Scham, Peinlichkeit oder sogar Intoleranz haben das Thema jahrelang zu einem Tabuthema gemacht. Doch im letzten Jahrzehnt hat die Diagnose Demenz seinen Platz in der Gesellschaft gefunden. Leider jedoch nicht nur wegen steigender Sensibilität für das Thema oder wissenschaftlichem Interesse. Hauptsächlich ist die steigende Anzahl an Suchanfragen zum Thema Demenz auf die steigende Anzahl der Erkrankten zurückzuführen. Auch die offensichtlichen Mängel in der Versorgung von Menschen mit Demenz oder überforderte Angehörigen haben die wachsenden Zahlen bei den Suchanfragen zu verantwortlichen. Der Kinofilm „Honig im Kopf“ (2014) ist sicherlich zur Unterhaltung sehr ansehnlich, jedoch verherrlicht er das Thema Demenz schamlos. Ein Schritt zurück in der Platzierung der Demenz im Zentrum unserer Gesellschaft. Wer den Film nicht kennt, für den möchte ich kurz eine geistige Skizze erstellen:

Ein süßer Opa fährt/flieht mit dem Zug nach Italien. Das ganze macht er mit seiner Enkeltochter. Grund dafür sind komödiantische Fehltritte, des an Alzheimer erkrankten Opas. Die Ehe seines Sohnes droht an der Krankheit zu zerbrechen, weil er Schuhe im Kühlschrank parkt, eine Gartenparty crasht oder einen kleinen Brand in der Küche auslöst.

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Das sind sicherlich keine schönen und wünschenswerten Ereignisse, jedoch passiert das ganze unter dem Schirm, von sehr wohlhabenden Familienverhältnissen. Die Realität sieht anders. Kaum noch jemand in Deutschland kann zu Hause bleiben um seine Eltern/Schwiegereltern/Geschwister/ etc. zu pflegen und zu behüten. Davon abgesehen hat die Demenz ein viel hässlicheres Gesicht. Aber die Wahrheit zu zeigen, das trauen sich weder die Barefoot Films GmbH noch Hollywood.

Das wahre Gesicht der Demenz

Die folgenden Ausführen können für Laien durchaus erschütternd und beängstigend sein. Leser unter 18 Jahren sollten diesen Abschnitt nur im Beisein der Eltern lesen. Die folgenden Ausführen stammen aus tatsächlichen Situationen aus verschiedenen Krankenhäusern und beruhen auf Erfahrungen der Autoren.

Aggressivität, Stuhlgang im ganzen Zimmer, das Verschlucken von Stuhlgang, ungewollte Blutverluste durch gezogene intravenöse Zugänge, Fixierung auf Grund der Verwirrtheit und Untersuchungen die durch die Demenz unmöglich sind. Das ist der hässliche Alltag von Patienten mit Demenz. Sicherlich gibt es auch Momente in den denen man mit dieser Patientengruppe lachen kann und es einfach eine gewisse Komik in dem Moment gibt, aber das sind die weitaus selteneren Momente.

Sicherlich ist der Anblick einen geliebten Menschen seine eigenen Exkremente essen zu sehen ein fürchterlicher und sich ein ins Gedächtnis brennender Eindruck, aber wie sehr muss den Patienten selber kränken, wenn er sich noch selbst wahrnehmen könnte. Wenn er noch vernunftbegabt wäre und dann mitbekommen müsste, dass er im Moment seinen eigenen Stuhlgang in den Mund steckt und die Haare damit beschmiert. Ein unvorstellbare Gedanke. Die Menschenwürde, die in Deutschland einen so hohen Stellenwert hat, ist in Momenten wie diesen einfach nicht mehr gegeben. Ich möchte an dieser Stelle kein Befürworter der aktiven Sterbehilfe, oder des assistierten Suizids werden, aber eine solche Situation mit eigenen Augen gesehen zu haben, eröffnet automatisch solche Überlegungen. Die Diagnose Demenz ist ein Schlag ins Gesicht für Betroffene und Angehörige. Die eigene Würde verlieren oder gar die eigene Gesundheit gefährden, ohne es bewusst wahr zu nehmen ist einfach grauenhaft. Zudem kommt auch nicht selten eine Fremdgefährdung dazu. Zum Beispiel durch einen Herd, der das Brennen anfängt oder Phasen in denen Aggressivität und körperliche Gewalt an die Oberfläche menschlichen Handelns gelangen.

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Neben den, ich weiß kein anderes Wort dafür als Erniedrigung, also neben den Erniedrigungen, die Betroffene durch die eigenen Hände erfahren, kommt es natürlich auch zu Einwirkungen durch die Außenwelt.

Auswirkungen der Demenz auf die Entscheidungsfähigkeit

Bevormundung durch einen Betreuer oder Angehörige ist sicherlich von Natur aus nicht negativ, jedoch gibt man seine Selbstbestimmung damit aus der Hand, oder sie wird einem durch eine Betreuung aus der Hand genommen. Im besten Fall, muss darauf jedoch nicht zurückgegriffen werden. Aber wenn es zur Notwendigkeit kommt, dass ein Patient ins Krankenhaus eingeliefert wird und dort Untersuchungen und Behandlung die Zustimmung benötigen, wird aus der rechtliche Formalität, eine handfeste Situation in der über Leben und Tod entschieden werden kann. Also je nach Situation und Krankheitsbild.

Neben der Abgabe der Entscheidungsfähigkeit im rechtlichen Sinne, kommen auch andere, teils körperliche Eingriffe, in dem Rahmen des Möglichen. Kurzfristige Fixierungen durch eine Pflegekraft oder Arzt (also klassisch: das Festhalten) werden oft unbedacht eingesetzt, um zum Beispiel eine Blutentnahme durchführen zu können. Dabei wird die Autonomie des Patienten mit Füßen getreten, könnte man meinen. Aber hat ein Mensch der in einem fortgeschrittenen Stadium der Demenz ist, überhaupt noch die Fähigkeit autonom zu entscheiden. Autonomie setzt eigentlich Vernunft voraus. Aber die Vernunft hat leider schon vor langer Zeit die Biege gemacht. Ich will mit diesen Ausführen nicht den Zwang legitimieren, welcher tagtäglich im Krankenhaus gegenüber dementiellen Patienten ausgeführt wird. Aber es Bedarf einer sachlichen Diskussion, wann ein solches Handeln ethisch vertretbar ist und wie sich auch unser Rechtssystem dazu verhält.

Info: Die Fixierung von Patienten wurde erst neu geregelt. Zum Artikel.

 

Die Schilderungen entsprechen natürlich nicht dem Standard, jedoch sind dies Erfahrungen die leider in ihrer Häufigkeit eine Erwähnung erforderlich machen. Nur durch das Aufbrechen von Grenzen und die damit verbundene Offenheit, können wir die Probleme klar benennen und bekämpfen. Es ist schlichtweg eindeutig, dass die Versorgung von Demenz-kranken Menschen in Deutschland nicht optimal geregelt ist. Vor allem im Krankenhaus kommt es leider immer wieder zu Situationen, die moralische, ethische und medizinische Grenzen überschreiten. Außerdem stellen dememz-kranke Menschen im Krankenhaus eine zusätzliche Belastung für Pflegekräfte dar, die bei der Personalplanung nicht berücksichtigt wird. Somit ist die Diagnose Demenz für alle beteiligten eine Diagnose, die uns sehr nah an unsere Grenzen bringt und darüber hinaus. Es gilt in der Gesellschaft und der Politik dafür Lösungen zu finden. Und zwar schnell, denn die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen in Deutschland nimmt stetig zu.

 

Die Honeymoon-Zystitis – Wenn es nach dem Sex brennt

Paar, Bett, Honeymoon-Zystitis

Geschlechtsverkehr ist etwas sehr natürliches. Dabei ist es ganz normal, dass sich zwei Menschen sehr nahe kommen. Durch diese Nähe und den Akt des Geschlechtsverkehrs werden aber auch jede Menge Bakterien übertragen. Als Folge haben viele Frauen nach dem Sex dann leichtere oder schwerere Beschwerden. Zum Beispiel das Brennen beim Wasserlassen nach dem Sex oder eine klassische Honeymoon-Zystitis.

Die Honeymoon-Zystitis

Was sich charmant und witzig anhört kann für Frau mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden sein.

Was ist die Honeymoon-Zystitis?

Dabei handelt es sich um eine Form der Blasenentzündung. Diese tritt besonders nach ausdauernden und häufigen Geschlechtsverkehr auf. Ursache dafür sind wie so häufig Bakterien. Diese Bakterien stammen aus dem Genitalbereich. Oftmals handelt es sich um eigentlich harmlose Darmbakterien wie den E. Coli. Doch wenn diese Art von Bakterium an die falsche Stelle gerät, kann es zu empfindlichen Entzündungen kommen, und das meistens schon einige Stunden oder wenige Tage nach dem Sex.

Bakterienaustausch durch Hygiene vermeiden/verringern

Für die Hygiene im Genitalbereich gibt es verschiedenen Möglichkeiten. Hauptsächlich geht es um eine gute mechanische Reinigung und ggf. auch eine chemische Reinigung. Im folgenden haben wir für Euch eine Liste mit nützlichen Produkten zusammengestellt:

Happy Po – Die mobile Genitaldusche*

Sagrotan Intimpflege-Tücher*

Sagrotan Intim-Waschlotion*

Multi-Gyn IntiFresh Intimpflegetücher*

Es empfiehlt sich die oben genannten Pflegeprodukte vor und nach dem Geschlechtsverkehr zu benutzen. Und das gilt für den Mann und die Frau. Einerseits schützt ihr euch damit gegenseitig vor lästigen Entzündungen und ihr schafft einfach eine „angenehme“ und eventuell sogar gut duftende Atmosphäre in euren Bikinizonen.

Neben mangelnder Hygiene gibt es auch noch andere Gründe für eine Honeymoon-Zystitis

Häufiger Wechsel vom Sexualpartner kann ebenso zur häufigen Honeymoon-Zystitis führen, da jeder Mensch eine individuelle Genitalflora besitzt. Auch zum Beispiel ein einmaliges Fremdgehen, kann durch den „bakteriellen Schock“ für den Intimbereich für eine Honeymoon-Zystitis sorgen.