Sanofi & GSK – Impfstoff-Kooperation zur Bekämpfung von COVID-19

Sanofi und GSK (GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG) werden ihre innovativen Technologien kombinieren, um einen adjuvantierten Impfstoff gegen das COVID-19 Virus zu entwickeln. Allerdings wird ein Impfstoffkandidat voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2020 in klinischer Erprobung und in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein, wenn die Testung erfolgreich verläuft.

Zur Impfstoffherstellung wird Sanofia das S-Protein des neuen Coronavirus SARS-CoV-2, welches mittels rekombinanter DNA-Technologie hergestellt wird, beisteuern. Mit Hilfe dieser Technologie kann die exakte genetische Kopie der Virus-Oberflächen-Proteine erstellt und als DNA-Sequenz in eine Baculovirus-Expressionsplattform integriert werden, welche dann das Antigen produziert. Diese Expressionsplattform bildet auch die Grundlage für Sanofis zugelassenen rekombinanten Influenza-Impfstoff in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Eine bewährte Pandemie-Adjuvans-Technologie wird die GSK in die Kooperation mit einbringen. In einer Pandemiesituation kann der Einsatz eines Adjuvans von großer Bedeutung sein. Das liegt daran, dass dadurch die Menge des pro Dosis erforderlichen Impfproteins verringert werden kann. Somit können einerseits mehr Impfstoffdosen produziert werden und andererseits wird zum Schutz von mehr Menschen beigetragen.

Paul Hudson, CEO von Sanofi: „Angesichts dieser noch nie da gewesenen globalen Gesundheitskrise ist klar, dass kein Unternehmen im Alleingang handeln kann. Aus diesem Grund ergänzt Sanofi weiterhin sein Fachwissen und seine Ressourcen mit Mitstreitern, wie GSK, mit dem Ziel, ausreichende Mengen an Impfstoff herzustellen und zu liefern, die helfen, dieses Virus zu stoppen.“

Quelle: Pixabay

Auch Emma Walmsley, CEO von GSK äußerte sich dazu: „Diese Zusammenarbeit bringt zwei der weltweit größten Impfstoffunternehmen zusammen. Durch die Kombination unserer wissenschaftlichen Expertise und unserer Technologien gehen wir davon aus, dass wir die weltweiten Anstrengungen einen Impfstoff zu entwickeln beschleunigen können, um so viele Menschen so schnell wie möglich vor COVID-19 zu schützen.“

In der heutigen Zeit ist die Kombination eines Antigens auf Proteinbasis zusammen mit einem Adjuvans gut etabliert und wird in einer Reihe der gegenwärtig verfügbaren Impfstoffe verwendet. Durch die Hinzugabe eines Adjuvans bei Impfstoffen kann die Immunantwort verstärkt werden. Es hat sich bereits gezeigt, dass durch Adjuvantien Eine stärkere und länger anhaltende Immunität gegen Infektionen erzeugt werden kann. Außerdem steigt so die Wahrscheinlichkeit einen wirksamen Impfstoff entwickeln zu können.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2020 planen die Unternehmen mit den klinischen Studien der Phase 1 zu beginnen. Lässt sich hier ein Erfolg beobachten, könnte die Entwicklung bis zur Verfügbarkeit des Impfstoffs in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 abgeschlossen sein.

Wie bereits vor von Sanofi angekündigt, wird die Entwicklung des rekombinanten Impfstoffkandidatens gegen das Coronavirus durch finanzielle Mittel und eine Zusammenarbeit mit der Biomedical Advanced Research and Development Authority (BARDA) in den USA subventioniert. Des Weiteren haben die Unternehmen vor, Gespräche über Finanzierungsunterstützungen mit anderen Regierungen und globalen Institutionen zu führen, wobei der globale Zugang erste Priorität hat.

BARDA Director, Rick A. Bright, Ph.D.: „Strategische Allianzen der führenden Impfstoffhersteller sind entscheidend, um einen Impfstoff gegen das Coronavirus so schnell wie möglich verfügbar zu machen. Die Entwicklung eines adjuvantierten Impfstoffkandidaten gegen COVID-19 könnte eine geringere benötigte Impfstoff-Menge pro Dosis und somit Impfstoff für mehr Menschen bedeuten. Außerdem könnte es der Weltgemeinschaft helfen, besser auf zukünftige Coronavirus-Ausbrüche vorbereitet zu sein und diese vielleicht sogar zu verhindern.“

Zu Beginn hatten die Unternehmen eine Task Force eingerichtet, um Ressourcen beider Unternehmen zu mobilisieren und somit alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Entwicklung des Impfstoffs voranzutreiben.

Angesichts der aktuellen Situation und der außerordentlichen humanitären und finanziellen Herausforderung der Pandemie haben beide Unternehmen die Priorität auf den weltweiten Zugang von COVID-19 Impfstoffen gesetzt. Ziel sei es jeden Impfstoff, der im Rahmen dieser Zusammenarbeit entwickelt wird, für die Gesellschaft verfügbar zu machen und Mechanismen zu schaffen, die einen fairen Zugang für Menschen in allen Ländern ermöglichen.

Die Kooperation der beiden Unternehmen ist ein Meilenstein in den andauernden Bemühungen von Sanofi und GSK zur Bekämpfung des Coronavirus. Es wurde ein Abkommen (Material Transfer Agreement) unterzeichnet, damit sofort mit der Entwicklung begonnen werden kann. Die vollständigen Bedingungen der Zusammenarbeit werden in den nächsten Wochen finalisiert.

Generalistik – Juristische Unklarheiten und offene Fragen

Die neue generalistische Pflegeausbildung steht vor der Tür. Sämtliche Ausbildungsstätten und Pflegeschulen befassen sich derzeit mit der konkreten Umsetzung, damit die neue Pflegeausbildung ab dem 1. Januar 2020 möglichst reibungslos starten kann.

Doch führen nach Ansicht des Bundesverbands Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS) juristische Unklarheiten im Pflegeberufegsetz (PflBG) zu wachsendem Unmut an Schulen und unter den Trägern der praktischen Ausbildung. Fundamentale Fragen seien noch immer unbeantwortet. Viele Pflegeschulen werden deshalb erst im September 2020 mit der neuen generalistischen Pflegeausbildung starten. „Je konkreter die Umsetzungsprozesse voranschreiten, umso deutlischer wird, dass elementare Regelungen im PflBG widersprüchlich und stark interpretationsbedürftig sind. Die Arbeit muss immer wieder unterbrochen werden, weil immer weitere Fragen auftauchen und wir juristisch im Nebel stochern“, äußerte BLGS-Bundesvorsitzender Carsten Drude. Aktuelle stehen Anfragen zum Status der psychiatrischen Krankenhäuser und insbesondere zur Anrechenbarkeit von Praktikumseinsätzen im Vordergrund. Nur „wenn die Ausbildungsinhalte der allgemeinen Akutpflege vermittelt werden können“, dürfen psychiatrische Kliniken als Ausbildungsträger fungieren. Jedoch ist nicht definiert, was unter allgemeiner Akutpflege zu verstehen ist und welche Ausbildungsinhalte gemeint seien, kritisiert das BLGS. Folge ist, dass psychiatrische Krankenhäuser und Pflegeschulen in der Luft hängen und man die praktischen Einsätze ihrer Auszubildenden in diesem Bereich nicht zu 100 Prozent verbindlich planen kann. Auch entsprechende Kooperationsverträge müssen aufgeschoben werden.

Da die Zeit drängt, sind nun die verantwortlichen Bundesministerien und die Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung gefordert, hier Aufklärungsarbeit zu leisten. Schon vor geraumer Zeit hatte der BGLS auf Mängel in der Gesetzgebung der generalistischen Ausbildung hinsichtlich der vorbehaltenen Tätigkeiten aufmerksam gemacht.

Pflegepersonaluntergrenzen: Neue Regelungen für weitere Bereiche!

Im Streit um die Pflegepersonaluntergrenzen (PpUG) in der Pflege schlägt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) erneut den Weg über eine Ersatzvornahme ein. Bislang ist in einem Referentenentwurf vorgesehen, vier weitere pflegesensitive Bereiche festzulegen. Bestehende Regelungen sollen teilweise sogar verschärft werden.

Demzufolge gelten ab dem 1. Januar 2020 die Pflegepersonaluntergrenzen nicht nur für die aktuellen Bereiche (Intensivmedizin, Unfallchirurgie, Geriatrie und Kardiologie), sondern auch für Herzchirurgie, Stroke-Units, Neurologie und neurologische Frührehabilitation. Pflegepersonalverlagerungen aus anderen Pflegebereichen in die als pflegesensitive Bereiche definierten Stationen sind laut Referentenentwurf verboten. Ob unzulässige Verlagerungen von Pflegepersonal vorliegen, wird vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) überprüft. Deshalb sind alle Kliniken dazu verpflichtet dem InEK mitzuteilen, wenn die Pflegepersonaluntergrenzen unterschritten werden. Laut Referentenentwurf liegt das vor, „wenn sich das Verhältnis von Pflegekräften in Vollkräften zu Belegungstagen in den anderen Bereichen in der unmittelbaren Patientenversorgung um mehr als drei Prozent reduziert hat“.

Nachdem sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband im laufenden Jahr nicht einig werden konnten, hatte das BMG Regelungen für vier pflegesensitive Bereiche vorgeschrieben.

Erste Zwischenergebnisse des Krankenhaus Barometers 2019 des Deutschen Krankenhausinstituts zeigen, dass mittlerweile 37 Prozent aller Kliniken Intensivbetten schließen mussten, um die Pflegepersonaluntergrenzen einhalten zu können. Auf pflegesensitiven Allgemeinstationen mussten bislang 23 Prozent der Krankenhausbetten gesperrt werden. Noch alarmierender ist jedoch, dass zeitweise 29 Prozent der Kliniken gesamte Bereiche von der Notfallversorgung bei der Leitstelle des Rettungsdienstes abmelden mussten.

Konzertierte Aktion Pflege

Symbolik Konzertierte Aktion Pflege

Was ist die Konzertierte Aktion Pflege?

Bei der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) handelt es sich um eine gemeinsame Initiative zur Stärkung der Pflege in Deutschland. Man möchte mehr Menschen für die Pflege begeistern. Dafür haben vergangenes Jahr 2018 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Franziska Giffey und Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, die Konzertierte Aktion Pflege ins Leben gerufen. Sie ist sozusagen ein Projekt der drei Bundesministerien.

Mit fünf Arbeitsgruppen zu einer besseren Pflege

Um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, wurden im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege fünf Arbeitsgruppen (AG) gebildet.

  • Arbeitsgruppe 1: Ausbildung und Qualifizierung
  • Arbeitsgruppe 2: Personalmanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung
  • Arbeitsgruppe 3: innovative Versorgungsansätze und Digitalisierung
  • Arbeitsgruppe 4: Pflegekräfte aus dem Ausland
  • Arbeitsgruppe 5: Entlohnungsbedingungen in der Pflege

Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege

Mehr Personal durch die KAP

Zukünftig sollen für die Besetzung von Pflegeheimen und Krankenhäusern mit Pflegenden verbindlichere Regeln eingeführt werden. Dafür entwickelt und erprobt man bis Juni 2020 ein Personalbemessungsverfahren, um es dann in Pflegeeinrichtungen zu implementieren. Ein entsprechendes Konzept für die deutschen Krankenhäuser wird von den Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem Verband der privaten Krankenversicherungen, dem deutschen Pflegerad (DPR) sowie den Gewerkschaften und Arbeitgebern entwickelt. Bis zum Ende dieses Jahres legen der DPR, die DKG und Verdi einen Interims-Vorschlag dazu vor. Eine zentrale Servicestelle für berufliche Anerkennung soll die Gewinnung von Pflegekräften aus dem Ausland erleichtern. Zusätzlich soll es künftig für private Vermittler ausländische Pflegekräfte ein Gütesiegel geben. Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser werden u.a. dazu aufgefordert verlässliche Dienstpläne sowie eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu schaffen, um dadurch die Arbeitsbedingungen von Pflegenden zu verbessern.

Mehr Geld durch die KAP

Bisher werden Pflegekräfte sehr unterschiedlich und häufig auch zu niedrig entlohnt. Auch die Entlohnungsbedingungen in der Altenpflege sollen sich über Mindestlöhne und Tarifverträge verbessern. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Bezug auf den Pflegemindestlohn sollen künftig entfallen. Um diese Ziele umsetzen zu können, kommen nach Auffassung der AG nur zwei unterschiedliche Wege in Frage.

  • Die Mindestlöhne werden auf Vorschlag der Pflegekommission festgesetzt.
  • Ein Tarifvertrag, der auf der Grundlage des Arbeitnehmer–Entsendegesetzes unter Berücksichtigung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts flächendeckend erstreckt werden kann.

Die gesetzlichen Änderungen, die dafür erforderlich sind, werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Bundesministerium für Gesundheit auf den Weg gebracht. In Sachen Finanzen einigte man sich auch darüber, dass eine Verbesserung der Entlohnung eine optimierte Finanzausstattung der Pflegeversicherung erforderlich macht. Pflegebedürftige möchte man vor einer finanziellen Überbelastung durch steigende Eigenanteile schützen.

Mehr Ausbildung durch die KAP

Ziel ist es, die Zahlen der Auszubildenden und der ausbildenden Einrichtungen bis 2023 im Bundesdurchschnitt um jeweils 10 % zu steigern. Des Weiteren will man mindestens 5000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelferinnen und Pflegehelfern schaffen. Zum 1. Januar 2020 starten die neuen Pflegeausbildungen, welche durch die „Ausbildungsoffensive Pflege“ (2019 – 2023) begleitet werden.

Mehr Verantwortung durch die KAP

Deutsche Pflegefachkräfte sollen mehr Entscheidungsbefugnisse bekommen, indem man den Verantwortungsbereich ausweitet. Noch in diesem Jahr entwickelt man Standards zur Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen wie z.B. Ärzten. Die bestehenden Möglichkeiten in Bezug auf delegationsfähige Tätigkeiten sollen besser genutzt werden, um bestehende Hürden effizienter bewältigen zu können.

Mehr Digitalisierung durch die Konzertierte Aktion Pflege

Der hohe Dokumentationsaufwand in der Pflege soll endlich abgeschafft und mittelfristig komplett auf elektronische Datenverarbeitung umgestellt werden (Elektronische Pflegeakte bzw. Patientenkurve, Entlassmanagement, Verordnungen). Ambulante Pflegedienste sollen ab 1. Oktober 2022 Leistungen der Pflegeversicherung nur noch auf elektronischem Weg mit den Kassen abrechnen. Ab dem 1. April 2023 soll dies auch für Leistungen der häuslichen Krankenpflege gelten. Auch der Bereich der Telepflege, um Pflegebedürftige und Angehörige zu beraten, soll weiterentwickelt werden. Technische Systeme zu Kontroll-, Routine- und logistischen Tätigkeiten sollen vermehrt als Unterstützung eingesetzt werden. Damit sind speziell robotische Systeme zum Transport, zur Lagerung und zur Mobilisierung von Personen, intelligente Pflegewägen sowie Systeme zur Risikovermeidung wie Tür-auf-Sensoren, Aufstehmelder, Sturzerkennung und Orientierungslichter gemeint. Dabei ist die Einbindung der Pflegekräfte bei Einführung digitale Techniken von Beginn an essenziell. Nur so kann man die Akzeptanz und den alltäglichen Nutzen der digitalen Hilfsmittel fördern bzw. transparent machen.

Pflegenotstand in Hamburg: Volksbegehren wurde abgeschmettert

Stadt Hamburg

Gegen Anfang Mai hat das Verfassungsgericht in Hamburg entschieden, dass das Volksbegehren gegen den Pflegenotstand rechtlich unzulässig ist. Mit dem Volksbegehren wollte das „Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus“ die Anzahl der Pflegefachpersonen in Kliniken erhöhen. Auslöser ist das mittlerweile unzureichende Bundesgesetz für Pflegepersonaluntergrenzen. Dieses wurde vergangenes Jahr im August 2018 beschlossen. „Die Länder sind nicht berechtigt, eine konkurrierende Gesetzgebungskompetenz dort in Anspruch zu nehmen, wo sie eine abschließende Bundesgesetzgebung für unzulänglich und deshalb reformbedürftig halten“, lautete die Begründung des Gerichts.

Auch die Hamburger Ärztekammer wies darauf hin, nicht das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Kammerpräsident Pedram Emami äußerte in seiner Stellungnahme: „Und das ist für mich die Tatsache, dass die Mitarbeiterschaft ebenso wie Bürgerinnen und Bürger mit der personellen Situation in den Kliniken offenbar absolut unzufrieden sind.“ Innerhalb von drei Wochen hatten mehr als 27.000 Hamburgerinnen und Hamburger die Forderungen nach mehr Personal in den Krankenhäusern vor Ort unterschrieben. Die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema und die Entwicklung von Zukunftskonzepten wurde ganz klar versäumt. „Die personellen Probleme, die wir aktuell haben, sind Ausdruck eines institutionellen Versagens der vergangenen Jahre“, so Emami.

Die neue Datenbank für Pflegeberatung im Praxis-Check

Datenbank für Pflegeberatung

Sie pflegen einen Angehörigen zu Hause – Sie haben Fragen zu Wohnangeboten in Ihrer Nähe oder benötigen Beratung bei der Bewältigung von Demenz – Sie wollen sich über Missstände beschweren oder Ihr Recht auf Leistungen mit einem Partner durchsetzen?

Dann finden Sie die richtigen Ansprechpartner in der neuen Datenbank der Stiftung ZQP.

Über das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)

Das ZQP ist eine gemeinnützige Stiftung, mit dem Ziel die Versorgungsqualität der Pflege durch Wissen und Wissenschaft zu verbessern. Da Pflege aber ein so weites Themengebiet ist, hat das ZQP sich einige Schwerpunkte gesetzt, die besonders intensiv bearbeitet werden:

  • Prävention und Reha im Kontext Pflege
  • Patientensicherheit und Gewaltprävention
  • Stärkung von Pflegekompetenz und Pflegewissen
  • Qualitätsdarstellung und -entwicklung von Pflege
  • Pflegeberatung

Auf den dritten und fünften Punkt dieser Liste zielt das neue Projekt der Stiftung ab. Sie wollen Kompetenzen und Wissen in die Breite liefern. Erfolgen soll dies Großteils durch die Pflegeberatungen vor Ort. Und genau bei der Suche der örtlichen Angebote wird die Datenbank nun in Zukunft helfen.

Funktionen der Pflegeberatung Datenbank

Die Suchmaske ist sehr einfach und verständlich aufgebaut. Zu Beginn muss der Nutzer das Umfeld eingrenzen, in welchem er nach Angeboten sucht, damit die regional passenden Suchergebnisse angeboten werden können. Dazu wird eine Postleitzahl, Adresse oder Ort benötigt. Auch eine Standortbestimmung durch das ZQP selbst ist möglich, wenn eine Einwilligung vorliegt, die Standortdaten zu übermitteln.

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Unter dem Eingabefeld können anschließend Schwerpunkte gesetzt werden, in welchen Bereichen der Nutzer nun Hilfsangebote benötigt. Die Einträge in der Datenbank werden dann nach den Kategorien Pflege, Demenz, Wohnen, Betreuungsrecht, Selbsthilfe und Beschwerden gefiltert.

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Suchergebnisse der Datenbank für Pflegeberatung

Je nach Region kann die Liste der Ergebnisse unterschiedlich lang sein. Auch die Entfernungen zur nächstgelegenen Beratungsstelle, können im ländlichen Raum gut und gerne mal über 50 km betragen. Da das ZQP jedoch keinerlei Einfluss auf die Infrastruktur der Beratungsangebote in der Pflege hat, kann man ihm dort keinen Vorwurf machen. Viel mehr begeistert die übersichtliche Anzeige der Suchergebnisse.

Alleine die interaktive Karte, die von Google zur Verfügung gestellt wird, überzeugt im Praxistest. Eine intuitive Bedienung und schnelle Ladezeiten (abhängig von der eigenen Internetverbindung) lassen so schnell einen geeigneten, örtlichen Ansprechpartner finden.

Unter der Karte wird dann der erste Treffer der Suche in einer Art Detailansicht dargestellt. Dort finden sich Kontaktinformationen, ein Überblick über die angebotenen Leistungen und den Träger. Außerdem ist direkt einsehbar, ob Hausbesuche geleistet werden oder die Beratung in einer anderen Form erfolgt (z.B. telefonisch, im eigenen Haus, etc.).

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Unter dem ersten Treffer werden die anderen Ergebnisse in einer schlichten Reihung ohne die Detailansicht dargestellt. Durch eine simplen Klick auf das „PLUS“ kann man als Nutzer aber auch sofort die Details der unteren Suchtreffer aufrufen und durchlesen.

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Wenn man keinen passenden Treffer gefunden hat, kann man als Nutzer als durch einen Klick auf „Suche ändern“ zur Suchmaske zurückkehren und dort eine neue Suche mit anderen Parametern starten.

Feedback zur neuen Pflegeberatung-Datenbank

Wir finden das ZQP hat tolle Arbeit geleistet. Der schlichte Aufbau und die intuitive Bedienung überzeugen. Die angesprochene Zielgruppe wird sich unserer Meinung nach gut zurecht finden. Auch die Menge an Daten und Einträgen ist erstaunlich. Bei unserer Stichprobe (10 große Städte und 10 Städte mittlerer Größe) haben wir bei jeder Suche ein passenden Angebot gefunden. Da die Datenbank noch weiter wachsen wird, wird das Angebot der Ergebnisse aller Voraussicht nach noch weiter steigen.

Also egal, ob Sie zum Thema Demenz Hilfe brauchen oder eine Auskunft über Wohnangebote suchen, bei der Datenbank für Pflegeberatung des ZQP werden Sie bestimmt fündig.

So machen Sie Ihr Unternehmen fahrradfit!

Der Sommer steht in den Startlöchern und viele Menschen schwingen sich wieder aufs Fahrrad oder E-Bike. Warum also nicht die betriebliche Fahrradkultur fördern? Es gibt viele Gründe die dafür sprechen: Betriebsausflüge auf zwei Rädern fördern das Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen, es werden gut ausgebildete Arbeitskräfte angelockt, Arbeitgeber profitieren von gesünderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schonen die Umwelt und auch ihren Geldbeutel. Hier kommen ein paar Vorschläge, wie Unternehmen fahrradfit werden.

Dienstradleasing anbieten

Mittlerweile tendieren immer mehr Arbeitnehmer zum eigenen Elektrofahrrad bzw. E-Bike. Warum also nicht den eigenen Mitarbeitern zum Traumbike verhelfen?! Für Unternehmen ist dieser Schritt – einen Kooperationsvertrag mit einem Dienstradleasinganbieter abschließen – einfach und gleichzeitig kostenneutral. Und so funktioniert es: Der Arbeitgeber least das Dienstrad, der Arbeitnehmer fährt es, wann immer er möchte – egal ob zur Arbeit, im Alltag, beim Sport oder in den Ferien. Bezieht der Mitarbeiter das Fahrrad oder E-Bike per Gehaltsumwandlung, profitiert er von einer steuerlichen Förderung (neue 0,5 %-Regel) und spart 40 Prozent gegenüber dem herkömmlichen Kaufpreis. Ein arbeitgeberfinanziertes Dienstrad ist für den Mitarbeiter sogar kosten- und steuerfrei. Beide Varianten sind für den Mitarbeiter meist mehr wert als eine Gehaltserhöhung.

Sichere Fahrradparkplätze installieren

Angestellte, die mit Fahrrad oder E-Bike zur Arbeit fahren, gehen beruhigter an ihren Schreibtisch, wenn sie ihr geliebtes Bike während ihrer Arbeitszeit sicher geparkt wissen. Doch wie sieht der optimale Fahrradabstellplatz aus? Am besten überdacht, beleuchtet, eingangsnah und ausgestattet mit Halterungen, an die man sein Bike anschließen bzw. abschließen kann. Und auch finanziell lohnt sich die Investition für den Arbeitgeber, denn auf einen Autoparkplatz passen bis zu sieben Fahrräder.

Umkleiden mit Duschen für die Mitarbeiter

Laut Befragungen wünschen sich Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad oder E-Bike zur Arbeit fahren –jenach zurückgelegter Strecke, Witterung und Jahreszeit –, eine Möglichkeit, sich frisch zu machen. So können Unternehmen, die einen Umkleide- sowie Trockenraum und Duschen anbieten, noch mehr Mitarbeiter aufs Fahrrad bringen und die Radlerherzen höherschlagen lassen. Durchaus kann auch der Arbeitgeber hierbei profitieren, die besten Ideen kommen meist auf dem Velo! (Albert Einstein)

Unternehmen auf dem Medaillenkurs

Wer diese Vorschläge und ein paar andere Fahrradfreundlichkeits-Aspekte umsetzt, kann sogar eine Auszeichnung erhalten. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) und die Europäische Union (EU) zertifizieren „Fahrradfreundliche Arbeitgeber“ mit Medaillen in den Abstufungen Gold, Silber und Bronze. Was die Zertifizierung kostet und weitere Infos zur Initiative unter: http://www.fahrradfreundlicher-arbeitgeber.de

Auch die AOK Bayern lädt zur jährlich beliebten Mitmachaktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ (www.mit-dem-rad-zur-Arbeit.de) ein. Auch dieses Mal übernimmt die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml erneut die Schirmherrschaft. Im vergangenen Jahr haben ca. 64.000 Radler teilgenommen, es wurden knapp 15 Millionen Kilometer gefahren und dabei 370.000.000 Kalorien verbrannt.

DBfK spricht die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem an

Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April hat der DBfK ein Statement herausgegeben, welches die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen anspricht.

Forderungen der Präsidentin des DBfK

„Unser Gesundheitssystem gilt nach außen hin als umfassend, leistungsfähig und verlässlich. Und es kostet sehr viel Geld. Wer es allerdings in Anspruch nimmt, stellt in der Regel schnell fest, wo die Lücken und Qualitätsdefizite in der Versorgung liegen“, erklärt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein.

„Vom Fachkräftemangel über geringe Gesundheitskompetenz der Bevölkerung, Hygienemängel, ökonomische Fehlanreize, Versorgungsbrüche an Sektorengrenzen, Folgen ungesunder Lebensweise, Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen bis hin zu der Bedrohung durch multiresistente Erreger sind zentrale Herausforderungen ungelöst. Und die verfügbaren Human- und Finanzressourcen sind begrenzt, auch in Deutschland. Wir müssen deshalb endlich hin zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen, zu einer konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen, die Hilfe suchen, zur Neuausrichtung interprofessioneller Zusammenarbeit im System und zum Abbau von Sektorengrenzen und Doppelstrukturen. Gerade das Potenzial der Pflegeberufe und ihre hohe Kompetenz im Umgang mit kranken und pflegebedürftigen Menschen sind eine Chance, die besser als bisher genutzt werden muss. Andere Länder haben uns das längst vorgemacht – insbesondere in der Primärversorgung und im Sinne von erweiterten Rollen für die Pflegeberufe (Advanced Practice Nursing). Dieses Neuland sollten wir endlich betreten“, fordert die DBfK-Präsidentin.

deutsches Gesundheitssystem wird teurer

Nach einer Meldung des Statistischen Bundesamts vom 21. März 2019 beliefen sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland in 2017 auf 375,6 Milliarden Euro oder 4 544 Euro je Einwohnerin beziehungsweise Einwohner. Wie Destatis weiter mitteilt, entspricht dies einem Anstieg um 4,7 % oder 16,9 Milliarden Euro gegenüber 2016. Der Anteil der Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag somit bei 11,5 %. Die Gesundheitsausgaben überschritten damit erstmals die Marke von einer Milliarde Euro pro Tag. Für das Jahr 2018 wird ein weiterer Anstieg auf 387,2 Milliarden Euro geschätzt, das wären 3,1 % mehr als im Jahr 2017.

Was ist der DBfK?

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR).

 

Quelle: https://www.openpr.de/news/1044296/Neuorientierung-gute-Ideen-und-Mut-zu-echten-Innovationen-sind-noetig.html

Kommentar zum Artikel: Organspenden / Der Staat als Firma (FAZ)

Kommentar und Meinung  von Oliver Weymann zum Bericht: Organspenden | Der Staat als Firma von Christian Geyer für die Frankfurter Allgemeine. Link zum Artikel.

Die doppelte Widerspruchslösung von Bundesminister Spahn bei der Organspende sorgt für viel Aufsehen. Über die Empörung und Unzufriedenheit mit seinen Plänen hat die FAZ gestern, am 03.04.2019, berichtet. Neben der berechtigten Kritik von Christian Geyer an dem Plänen von Herrn Spahn und der detaillierten Analyse der möglichen Folgen, hat sich aber leider ein gravierender Fehler eingeschlichen. Ein Fehler der das Gefühl von Hoffnung schaffen kann, wo keine mehr ist oder sein sollte.

Der Fauxpas der FAZ

Im Grunde hat sich der Gesundheitsminister zu solcher Sozialpflichtigkeit des menschlichen Körpers aber bekannt, als er bei „Hart aber fair“ die entscheidende Prämisse offenlegte, um von Staats wegen dem Sterbenden Organe zu entnehmen, wenn dieser dazu geschwiegen hat (es scheint tatsächlich angemessener, vom Sterbenden zu sprechen als vom Toten, denn das Herz schlägt noch und der Körper ist noch warm, wenn nach dem festgestellten Hirntod die Organe entnommen werden). Was also ist Spahns Prämisse? Spahn erklärte, er verfolge mit seiner Widerspruchslösung im Gegensatz zur geltenden Entscheidungslösung einen „gesellschaftlich-moralischen Ansatz“ und nicht länger den „individuellen Ansatz“. (Quelle: faz.net – Artikel Der Staat als Firma)

Als ich den rot markierten Abschnitt gelesen hatte, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Die FAZ, eine Tageszeitung die von so vielen Menschen gelesen wird, untergräbt mit dieser Aussage die Hirntod-Diagnostik in Deutschland. Damit nicht genug, weit schlimmer wiegt die Tatsache, dass durch diese Äußerung der Eindruck bei Angehörigen entstehen könnte, das ein „Aufwachen“ oder „doch nicht Tod sein“ im Bereich des Möglichen liegt. Nein, das sind falsche Hoffnungen, die nicht geweckt werden dürfen. Wenn bei einem Menschen nach einem Unfall oder einer massiven Hirnblutung der Hirntod festgestellt wird, dann ist dieser Mensch unwiderruflich tot. Herz und Lunge arbeiten, wenn überhaupt nur noch temporär und ansonsten wird die Funktion durch Maschinen künstlich verlängert. Die Verlängerung findet statt um die potentiellen Spenderorgane weiter mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Hirntod-Diagnostik in Deutschland

In der Medizin ist der Hirntod gleichbedeutend mit dem Tode eines Menschen. Nur ist die Diagnose dieser Todesart weit aufwendiger als bei einem „normalen“ Ableben.

Die Diagnostik wird dabei von zwei erfahrenen Ärzten durchgeführt, die aus der Intensivmedizin stammen müssen und Experten bei Hirnschädigungen sind.

Der Hirntod wird mit Hilfe eines 3-Stufen-Modells diagnostiziert:

1. Es müssen Voraussetzungen vorliegen, die einen Hirnschaden verursachen können oder die umkehrbaren Ursachen einer Hirnschädigung (z.B. Vergiftung, Beruhigungsmitteleinnahme, Unterkühlung, Sauerstoff-Mangel, Hirnnervenentzündungen, Stoffwechselentgleisungen, Schock) müssen ausgeschlossen worden sein.

2. Anschließend werden die verschiedenen Ausfallsymptome des Gehirns diagnostiziert

  • Patient ist komatös: keine Augenöffnung; keine Reaktion auf äußere Schmerzreize – diese Tests finden regelmäßig statt und werden häufig wiederholt
  • Hirnstamm-Areflexie: die Pupillen sind lichtstarr und entrundet; fehlender Hornhautreflex (Schließen des Augenliedes bei Berührung); fehlende Augenbewegung beim Spülen des Gehörganges mit Eiswasser; fehlende Würde- und Hustenreflexe
  • Apnoe: Es tritt ein Atemstillstand nach Ausschalten der Beatmungsmaschine ein; Dauer der Wartezeit ist festgelegt

3. Unwiederbringlichkeitsnachweis: Hierbei wird die klinische Untersuchung nach vorgegebener Zeit wiederholt. Es können auch apparative Zusatzuntersuchungen durchgeführt werden, z.B. ein EEG (Ausfall der hirneigenen elektrischen Aktivität).

Hirntod = Tod

So hart es für die Angehörigen ist, ihre Liebste oder ihren Liebsten beatmet vor sich liegen zu sehen, er oder sie ist tot. Wärme, eine sich bewegende Brustwand und ein schlagendes Herz können an diesem finalen Zustand nichts ändern. Und so ist es für mich gänzlich erschreckend zu lesen, dass ein Redakteur der FAZ lieber von „Sterbenden“ spricht, als von „Toten“. Die Wahrheit ist schmerzhaft aber absolut alternativlos. Angehörige müssen verstehen, dass der Körper tot ist und nur mit Maschinen am „Laufen gehalten wird“. Wenn bei mir in der beruflichen Praxis ein Patient einen fulminanten Herzinfarkt erleidet oder eine große Lungenembolie, dann befindet er sich auf dem Weg des Sterbens. Dort wäre der Begriff „Sterbender“ angebracht. Doch durch Reanimationsmaßnahmen und andere therapeutische Eingriffe kann das Leben gerettet werden. Bei einem Menschen mit einem diagnostizierten Hirntod, weckt der Begriff „Sterbender“ falsche Hoffnungen. Es ist ein toter Mensch.

AOK sieht geplante Apothekenreform sehr kritisch

Der Entwurf zur Apothekenreform sendet aus Sicht des AOK-Bundesverbandes widersprüchliche Signale. „Es ist richtig, die Not- und Nachtdienste der Apotheken aufzuwerten, denn das stärkt das Engagement und die Versorgung in strukturschwachen Gebieten“, so Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Doch es sei völlig unklar, warum weitere 100 Millionen Euro für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen an die Apotheker gezahlt werden sollen. „Für diesen zusätzlichen Vergütungstopf steht die Höhe bereits fest. Auch, dass die Apotheker die Mittel selbst verteilen dürfen. Dagegen muss das zu lösende Versorgungsproblem erst noch erfunden werden“, so Litsch. Rückblickend auf die ersten Eckpunkte aus dem Dezember 2018 habe sich das Volumen der Extravergütung zwar deutlich reduziert, „aber es ist auch klar, dass sich die Koalition mit diesem Klientelgeschenk vom Versprechen des Versandhandelsverbots freikauft.“

Der Vorstandsvorsitzender verweist auf einige AOK-Projekte zum Medikationsmanagement, die auch die Apotheker mit einbeziehen. An oberster Stelle stehe hier die verbesserte Versorgung der Patienten. „In solchen, auf die regionalen Bedarfe abgestimmten Vereinbarungen kann es sinnvoll sein, ergänzende pharmazeutische Dienstleistungen festzulegen. Dagegen laufen die im Eckpunktepapier vorgesehenen Verhandlungen auf Bundesebene auf eine unspezifische und intransparente Gießkannenfinanzierung hinaus, mit der die Versorgung nicht verbessert wird.“

Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand haben Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand habe. Schwer vereinbar, in Bezug auf die europarechtlichen Vorgaben, sei der vorher für Versandhändler geplante Bonusdeckel von 2,50 Euro je abgegebener Packung gewesen. Litsch ergänzte: „Diese weitere Verschärfung ist auf Druck der Apothekerlobby zustande gekommen und aus europarechtlicher Perspektive noch anfälliger. Wir halten es für hochwahrscheinlich, dass die Regelung weitere Klagen und damit eine Neubefassung durch den Europäischen Gerichtshof provoziert. Durch die trickreiche Einbindung von Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung ins Sozialgesetzbuch wird sich das kaum verhindern lassen.“

Gegen den Versandhandel kämpfe die Apothekerschaft schon seit Jahrzehnten an, da sie dadurch ihr Geschäftsmodell bedroht sehe. Litsch stellt klar: „Alle Analysen und Statistiken zeigen, dass die Rede vom akuten Apothekensterben eine Chimäre ist. Und der Versandhandel ist auch nicht die Ursache dafür, dass es einige Apotheken schwerer haben als andere.“ Vielmehr gebe es Fehlanreize bei der Honorierung sowie ein Überangebot in den Städten.

Umfrage belegt Zufriedenheit mit Apotheken-Versorgung

Außerdem sind die Bürger in Deutschland mit der Apothekenversorgung derzeit sehr zufrieden. Dies belegt eine von der AOK beauftragte forsa-Umfrage aus dem Januar. Rund 2.000 Bundesbürger waren dafür unter anderem zur Zufriedenheit mit verschiedenen Infrastruktureinrichtungen befragt worden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen mit der Apotheken-Versorgung am zufriedensten sind – egal, ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Danach befragt, was ihnen am wichtigsten ist, rangieren Apotheken hinter Hausärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Internetversorgung, Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern.

Die Ergebnisse zu den Apotheken im Detail:

Bei der Bedeutung erreichen Apotheken mit 86 Prozent (sehr wichtig/wichtig) immerhin den sechsten Platz, hinter Hausärzten (95 Prozent), Einkaufsmöglichkeiten vor Ort (93 Prozent), Internetversorgung (90 Prozent), Schulen/Bildungseinrichtungen (87 Prozent) und Krankenhäusern (87 Prozent).

Bei der Zufriedenheit belegt die Apotheken-Versorgung deutlich den ersten Platz mit 93 Prozent (sehr zufrieden/zufrieden). Die Zufriedenheitsraten mit den Einkaufsmöglichkeiten (83 Prozent) und der hausärztlichen Versorgung (79 Prozent) sind zwar ebenfalls hoch, erreichen aber nicht ganz das Niveau der Apotheken. Betrachtet man die Zufriedenheitswerte für Apotheken abhängig von der Ortsgröße, variieren sie lediglich zwischen 89 Prozent in kleinen Ortschaften und 94 Prozent in Großstädten.

Gefragt wurde auch jeweils, ob sich die Versorgung in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert habe. Bei den Apotheken sehen 18 Prozent der Befragten eine Verbesserung. Dabei erleben die Bewohner kleinerer Gebietstypen sogar eine stärkere Verbesserung der Apothekenversorgung als die Bewohner in Städten. Und nur 7 Prozent sehen eine Verschlechterung. Die ärztliche Versorgung wird dagegen kritischer eingeschätzt. So sehen 23 Prozent bei den Fachärzten und 20 Prozent bei den Hausärzten eine Verschlechterung.

Trotz Zufriedenheit gibt es Anpassungsbedarf

Gleichwohl gibt es aus Sicht des AOK-Bundesverbandes Anpassungsbedarf. „Demographischer Wandel und Fachkräftemangel erfordern auch in der Arzneimittelversorgung strukturelle Veränderungen, damit die Zufriedenheit so hoch bleibt wie bisher“, betont der Verbands-Chef. Voraussetzung für die langfristige Sicherung einer gut erreichbaren Versorgung mit Arzneimitteln sei eine Weiterentwicklung und Flexibilisierung der Betriebsformen von Apotheken. Hierzu gehörten auch mobile Angebote, Apotheken ohne Vorhaltung eines eigenen Labors, Abgabeterminals für Arzneimittel mit Teleberatung und größere Filialverbünde mit Arbeitsbedingungen, die auch den Apothekernachwuchs ansprechen. Auch der Versandhandel zähle dazu. Litsch weiter: „Die Apothekenlandschaft kann eine Umstrukturierung vertragen. Es ist schade, dass die Koalition diese Chance zur Weiterentwicklung ein weiteres Mal verstreichen lässt.“

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/8697/4235488