DBfK spricht die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem an

Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April hat der DBfK ein Statement herausgegeben, welches die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen anspricht.

Forderungen der Präsidentin des DBfK

„Unser Gesundheitssystem gilt nach außen hin als umfassend, leistungsfähig und verlässlich. Und es kostet sehr viel Geld. Wer es allerdings in Anspruch nimmt, stellt in der Regel schnell fest, wo die Lücken und Qualitätsdefizite in der Versorgung liegen“, erklärt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein.

„Vom Fachkräftemangel über geringe Gesundheitskompetenz der Bevölkerung, Hygienemängel, ökonomische Fehlanreize, Versorgungsbrüche an Sektorengrenzen, Folgen ungesunder Lebensweise, Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen bis hin zu der Bedrohung durch multiresistente Erreger sind zentrale Herausforderungen ungelöst. Und die verfügbaren Human- und Finanzressourcen sind begrenzt, auch in Deutschland. Wir müssen deshalb endlich hin zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen, zu einer konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen, die Hilfe suchen, zur Neuausrichtung interprofessioneller Zusammenarbeit im System und zum Abbau von Sektorengrenzen und Doppelstrukturen. Gerade das Potenzial der Pflegeberufe und ihre hohe Kompetenz im Umgang mit kranken und pflegebedürftigen Menschen sind eine Chance, die besser als bisher genutzt werden muss. Andere Länder haben uns das längst vorgemacht – insbesondere in der Primärversorgung und im Sinne von erweiterten Rollen für die Pflegeberufe (Advanced Practice Nursing). Dieses Neuland sollten wir endlich betreten“, fordert die DBfK-Präsidentin.

deutsches Gesundheitssystem wird teurer

Nach einer Meldung des Statistischen Bundesamts vom 21. März 2019 beliefen sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland in 2017 auf 375,6 Milliarden Euro oder 4 544 Euro je Einwohnerin beziehungsweise Einwohner. Wie Destatis weiter mitteilt, entspricht dies einem Anstieg um 4,7 % oder 16,9 Milliarden Euro gegenüber 2016. Der Anteil der Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt lag somit bei 11,5 %. Die Gesundheitsausgaben überschritten damit erstmals die Marke von einer Milliarde Euro pro Tag. Für das Jahr 2018 wird ein weiterer Anstieg auf 387,2 Milliarden Euro geschätzt, das wären 3,1 % mehr als im Jahr 2017.

Was ist der DBfK?

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR).

 

Quelle: https://www.openpr.de/news/1044296/Neuorientierung-gute-Ideen-und-Mut-zu-echten-Innovationen-sind-noetig.html

AOK sieht geplante Apothekenreform sehr kritisch

Der Entwurf zur Apothekenreform sendet aus Sicht des AOK-Bundesverbandes widersprüchliche Signale. „Es ist richtig, die Not- und Nachtdienste der Apotheken aufzuwerten, denn das stärkt das Engagement und die Versorgung in strukturschwachen Gebieten“, so Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Doch es sei völlig unklar, warum weitere 100 Millionen Euro für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen an die Apotheker gezahlt werden sollen. „Für diesen zusätzlichen Vergütungstopf steht die Höhe bereits fest. Auch, dass die Apotheker die Mittel selbst verteilen dürfen. Dagegen muss das zu lösende Versorgungsproblem erst noch erfunden werden“, so Litsch. Rückblickend auf die ersten Eckpunkte aus dem Dezember 2018 habe sich das Volumen der Extravergütung zwar deutlich reduziert, „aber es ist auch klar, dass sich die Koalition mit diesem Klientelgeschenk vom Versprechen des Versandhandelsverbots freikauft.“

Der Vorstandsvorsitzender verweist auf einige AOK-Projekte zum Medikationsmanagement, die auch die Apotheker mit einbeziehen. An oberster Stelle stehe hier die verbesserte Versorgung der Patienten. „In solchen, auf die regionalen Bedarfe abgestimmten Vereinbarungen kann es sinnvoll sein, ergänzende pharmazeutische Dienstleistungen festzulegen. Dagegen laufen die im Eckpunktepapier vorgesehenen Verhandlungen auf Bundesebene auf eine unspezifische und intransparente Gießkannenfinanzierung hinaus, mit der die Versorgung nicht verbessert wird.“

Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand haben Fragwürdig ist auch, ob die jetzt vorgesehene Preisgleichheit zwischen den Versandhandel und der Apotheke vor Ort rechtlich Bestand habe. Schwer vereinbar, in Bezug auf die europarechtlichen Vorgaben, sei der vorher für Versandhändler geplante Bonusdeckel von 2,50 Euro je abgegebener Packung gewesen. Litsch ergänzte: „Diese weitere Verschärfung ist auf Druck der Apothekerlobby zustande gekommen und aus europarechtlicher Perspektive noch anfälliger. Wir halten es für hochwahrscheinlich, dass die Regelung weitere Klagen und damit eine Neubefassung durch den Europäischen Gerichtshof provoziert. Durch die trickreiche Einbindung von Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung ins Sozialgesetzbuch wird sich das kaum verhindern lassen.“

Gegen den Versandhandel kämpfe die Apothekerschaft schon seit Jahrzehnten an, da sie dadurch ihr Geschäftsmodell bedroht sehe. Litsch stellt klar: „Alle Analysen und Statistiken zeigen, dass die Rede vom akuten Apothekensterben eine Chimäre ist. Und der Versandhandel ist auch nicht die Ursache dafür, dass es einige Apotheken schwerer haben als andere.“ Vielmehr gebe es Fehlanreize bei der Honorierung sowie ein Überangebot in den Städten.

Umfrage belegt Zufriedenheit mit Apotheken-Versorgung

Außerdem sind die Bürger in Deutschland mit der Apothekenversorgung derzeit sehr zufrieden. Dies belegt eine von der AOK beauftragte forsa-Umfrage aus dem Januar. Rund 2.000 Bundesbürger waren dafür unter anderem zur Zufriedenheit mit verschiedenen Infrastruktureinrichtungen befragt worden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen mit der Apotheken-Versorgung am zufriedensten sind – egal, ob sie auf dem Land oder in der Stadt wohnen. Danach befragt, was ihnen am wichtigsten ist, rangieren Apotheken hinter Hausärzten, Einkaufsmöglichkeiten, Internetversorgung, Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern.

Die Ergebnisse zu den Apotheken im Detail:

Bei der Bedeutung erreichen Apotheken mit 86 Prozent (sehr wichtig/wichtig) immerhin den sechsten Platz, hinter Hausärzten (95 Prozent), Einkaufsmöglichkeiten vor Ort (93 Prozent), Internetversorgung (90 Prozent), Schulen/Bildungseinrichtungen (87 Prozent) und Krankenhäusern (87 Prozent).

Bei der Zufriedenheit belegt die Apotheken-Versorgung deutlich den ersten Platz mit 93 Prozent (sehr zufrieden/zufrieden). Die Zufriedenheitsraten mit den Einkaufsmöglichkeiten (83 Prozent) und der hausärztlichen Versorgung (79 Prozent) sind zwar ebenfalls hoch, erreichen aber nicht ganz das Niveau der Apotheken. Betrachtet man die Zufriedenheitswerte für Apotheken abhängig von der Ortsgröße, variieren sie lediglich zwischen 89 Prozent in kleinen Ortschaften und 94 Prozent in Großstädten.

Gefragt wurde auch jeweils, ob sich die Versorgung in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert habe. Bei den Apotheken sehen 18 Prozent der Befragten eine Verbesserung. Dabei erleben die Bewohner kleinerer Gebietstypen sogar eine stärkere Verbesserung der Apothekenversorgung als die Bewohner in Städten. Und nur 7 Prozent sehen eine Verschlechterung. Die ärztliche Versorgung wird dagegen kritischer eingeschätzt. So sehen 23 Prozent bei den Fachärzten und 20 Prozent bei den Hausärzten eine Verschlechterung.

Trotz Zufriedenheit gibt es Anpassungsbedarf

Gleichwohl gibt es aus Sicht des AOK-Bundesverbandes Anpassungsbedarf. „Demographischer Wandel und Fachkräftemangel erfordern auch in der Arzneimittelversorgung strukturelle Veränderungen, damit die Zufriedenheit so hoch bleibt wie bisher“, betont der Verbands-Chef. Voraussetzung für die langfristige Sicherung einer gut erreichbaren Versorgung mit Arzneimitteln sei eine Weiterentwicklung und Flexibilisierung der Betriebsformen von Apotheken. Hierzu gehörten auch mobile Angebote, Apotheken ohne Vorhaltung eines eigenen Labors, Abgabeterminals für Arzneimittel mit Teleberatung und größere Filialverbünde mit Arbeitsbedingungen, die auch den Apothekernachwuchs ansprechen. Auch der Versandhandel zähle dazu. Litsch weiter: „Die Apothekenlandschaft kann eine Umstrukturierung vertragen. Es ist schade, dass die Koalition diese Chance zur Weiterentwicklung ein weiteres Mal verstreichen lässt.“

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/8697/4235488

 

Gesundheitsreform: Österreich macht’s vor!

Zu einer überraschend schnellen Einigung kam es nun doch zwischen Bund und Länder im Zuge der Gesundheitsreform. Es werden nicht nur die Krankenkassen zusammengelegt, sondern das komplette Gesundheitssystem wird zukünftig aus einer Hand bezahlt.

„Das ist die einzige vernünftige Lösung, wir hatten das schon vor Jahrzehnten tun sollen“, äußerte Kanzler Kurz überzeugt und auch ein wenig selbstkritisch. Die Finanzierung im Österreichischen Gesundheitssystem ist ein undurchdringlicher Dschungel, in dem keiner so wirklich weiß, welche Maßnahme sich auf welchen Geldfluss wie auswirkt. In allen relevanten Punkten wurden bisher von Bund, Länder und Kassen unterschiedliche Interessen verfolgt. Also durchaus vergleichbar mit dem Deutschen Gesundheitssystem. Der Rechnungshof hat für eine Darstellung der gesamten Mittelflüsse im Gesundheitswesen 2017 mehr als 60 Akteure erfasst. Hier geht’s zum Bericht.

„Es waren eigentlich alle immer dafür, dieses Chaos zu beenden, es ist mir im Nachhinein ein totales Rätsel, wie dieser katastrophale Zustand so lange bestehen konnte“, rätselte Gesundheitsministerin Hartinger-Klein, zeigte aber dann doch mit dem Finger auf die zufällig gerade vorbeigehende SPÖ-Chefin. „Nach über 30 Jahren, in denen wir vollkommen machtlos in der Regierung gesessen haben, konnten wir hier jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen“, freute sich Gaby Schwarz, Gesundheitssprecherin der ÖVP über den Erfolg. Zukünftig werden Spitäler, Primärversorgungszentren (PVZ), der gesamte niedergelassene Bereich und sämtliche Gesundheitsberufe fair und transparent aus einer Kasse bezahlt.

Experten schätzen, dass die Umsetzung der Reform bereits in den nächsten Wochen erfolgen könnte. So auch Dr. Gottfried Haber, Univ.-Prof. MMag. von der Donau-Universität Krems: „Das neue System ist grob kalkuliert 4.812% einfacher und effektiver als die bisherige Lösung, das sollte eine rasche Umstellung ermöglichen.“

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Warum schimpfen manche auf die DRGs?

Kämpfen ums Überleben ist wohl zur Zeit eine der häufigsten strategischen Grundhaltungen von kleineren Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung. Die Gründe dafür sind vielschichtig und mehrdimensional. Krankenhäuser bewegen sich in einem Feld in dem sie starken Spannungen ausgesetzt sind. Das liegt daran, dass man mit sehr vielen Interessengemeinschaften, sog. Stakeholdern, zusammen arbeiten muss. Und viele Interessen der Stakeholder sind äußerst schwierig miteinander zu vereinbaren. Es wird viel im Zusammenhang mit Kliniksterben über Geburtshilfestationen geschrieben und berichtet. Ein Katastrophe für die werdenden Mütter und die ungeborenen Kinder. Aber wieso kommt es auch manchmal zur kompletten Schließung einer Klinik, und warum sind gerade kleinere Krankenhäuser vom Kliniksterben betroffen? Wir haben mal nachgefragt:

Was macht das Überleben der Organisation so schwierig?

Zuerst muss man sich die Organisation genau anschauen. Dabei muss geklärt werden, welche Trägerschaft vorliegt. Also handelt es sich zum Beispiel um ein Krankenhaus in privater Hand oder ist beispielsweise ein Eigenbetrieb eines Landkreises oder der Stadt. Denn diese Ausgangslage macht einen signifikanten Unterschied der Problementstehung aus. Bei privaten Anbietern liegt der Fokus auf Gewinnmaximierung und Rentabilitätssteigerung. Dadurch kommt noch eine Personengruppe schwer zum Tragen, die Shareholder. Das sind Personen oder Unternehmen, die Anteile an der Organisation halten, und deshalb natürlich einen Gewinn am Ende des Jahres einstreichen wollen. Denn niemand, egal ob Privatperson oder Unternehmen, will am Ende des Jahres die Rechnungen nicht zahlen können.

Bei Betrieben, die in öffentlicher Hand sind gibt es auch Shareholder. Und zwar die Steuerzahler. Denn Defizite werden bei diesen Häusern oft durch die Kommune, das Bundesland oder die Stadt ausgeglichen. Die Gelder, die von der öffentlichen Hand ausgegeben werden stammen sehr häufig aus Steuergeldern, daher gibt es natürlich noch eine Art Shareholder und zwar die Steuerzahler, deren Abgaben dann direkt zur Finanzierung von Krankenhäusern herhalten müssen, obwohl sie ja auch schon Beiträge an die Krankenkassen abführen. Damit wären jetzt mal die groben der möglichen Träger augeschlüsselt.

Bei der Finanzierung durch Erlöse sieht es bei allen Krankenhäusern gleich aus. Die Finanzierung erfolgt durch das DRG-System. Die Erlöser aus diesen Abrechnungen sollte dann für die laufenden Kosten des Krankenhausbetriebes genutzt werden. Investitionen sollten hauptsächlich durch öffentliche Gelder oder Rücklagen getätigt werden.

Mehr zum DRG-System

Welchen Anteil der Schuld trägt das DRG-System?

DRGs werden allgemein häufig als unfair bezeichnet. Außerdem haben sie den Ruf, dass sie die alternde Struktur der Bevölkerung nicht richtig abbilden können. Das stimmt indirekt. Denn das Kodieren von Fällen ist eine Wissenschaft für sich.

Die Grafik stellt den Algorithmus dar, welcher jeder Krankenhausfall durchlaufen muss, damit aus einem Patient auch Geld wird. Jede Pflegekraft kennt bestimmt eine sogenannte Nebendiagnose, die vielleicht für die behandelnden Ärzte keine Herausforderung darstellt, jedoch für das Pflegepersonal einen extremen Mehraufwand mit sich bringt. Als trauriges Paradebeispiel gilt die Diagnose Alzheimer-Demenz. Natürlich kann sich in die DRG eingerechnet werden, und auch bei gewissen Prozeduren auch gewichtet werden. Aber die tatsächliche Arbeit die, die Pflegekräfte leisten kann damit bei weitem nicht abgebildet werden.

Das Mysterium „mittlere Verweildauer“

Vorneweg, das Gesundheitssystem in Deutschland will eigentlich niemanden auf die Straße setzen. Aber warum werden dann plötzlich gegen Ende der Woche massenhaft Entlassung forciert, manchmal auch ohne Rücksicht auf die Patienten oder Angehörige. Ganz einfach, gegen Wochenende kontrollieren die Damen und Herren aus der Kodierung und dem Controlling mal die die aktuellen Fälle und entdecken dann, dass die Überschreitung der maximalen Verweildauer bald erreicht wird. Also schauen die Stationsärzte, die oft die ärmsten Hunde sind (Hunde ist hier nicht despektierlich gemeint), ob nicht der ein oder andere Patient noch schnell nach Hause geschickt werden kann. Für alle Laien sei an dieser Stelle kurz erklärt was die Verweildauer ist:

Als Verweildauer wird bei einer Krankenhausbehandlung die Zeitspanne zwischen dem Aufnahme- und dem Entlassungstag bezeichnet. Bis zur Einführung von Fallpauschalen in der Krankenhausvergütung, den Diagnosis Related Groups (DRG), war die Verweildauer in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hoch.

Das Fallpauschalensystem setzt daher für die Krankenhäuser einen wirtschaftlichen Anreiz, Patienten so früh wie möglich zu entlassen. Im Rahmen der Abrechnung wird zwischen der oberen und der unteren Grenzverweildauer unterschieden. Die obere Grenzverweildauer legt fest, bis zu welcher Verweildauer lediglich eine Pauschalvergütung erfolgt. Wird diese Dauer im Einzelfall überschritten, erhält das Krankenhaus zusätzliche Entgelte von den Krankenkassen. Die untere Grenzverweildauer bestimmt die Zeitspanne, die ein Patient mindestens im Krankenhaus verbringen sollte. Liegt die Verweildauer des Patienten darunter, erhält das Krankenhaus deutlich weniger als die sonst fällige Fallpauschale. Mit den Grenzverweildauern soll vermieden werden, dass Patienten zu früh entlassen werden beziehungsweise zu lang im Krankenhaus bleiben. (AOK-Bundesverband)

 

Fazit:

Ganz unschuldig sind die DRG-Pauschalen nicht an der Misere. Auch wenn man mit Ihnen relativ gute Prognosen für ein Geschäftsjahr erstellen kann, wenn man sich Fallzahlen und Case-Mix ansieht. Man weiß halt, was man bekommt am Ende des Jahres, außer dem MDK hat einen neuen Rot-Stift 😉

Alles in Allem haben die DRGs den Kostendruck auf die Krankenhäuser eher erhöht als reduziert. Wie sich das nach dem „Pflexit“ verhalten wird, wird uns die nähere Zukunft (ab 2020) zeigen.

 

 

 

Die DMEA in der Messe Berlin informiert wieder von IT bis KI

Wie kann Deep Learning und Künstliche Intelligenz (KI) zukünftig in der Gesundheitsversorgung eine Rolle spielen? Wie sehr ist das Thema Cloud-Computing im deutschen Gesundheitswesen verbreitet? Und wie ist eigentlich der aktuelle Stand bei dem Aufbau der Telematikinfrastruktur? Im Rahmen des inhaltlichen Gesamtprogamms bietet die DMEA 2019 für all diese Fragen eine Diskussions-Plattform. Veranstaltungsort ist wieder die Messe Berlin.

Die DMEA von 9. bis 11. April 2019

Im Fokus steht dieses Jahr die Telematikinfrastruktur (TI). Diese soll im ambulanten Bereich die verschiedenen Leistungserbringer miteinander vernetzen. Die aktuelle Situation schätzt Uwe Eibich, Vorstandsmitglied und Leiter des Segments Telematik und eHealth-Plattform von CompuGroup Medical SE, wie folgt, ein: „Aus unserer Sicht schreitet der Rollout gut voran. Wir verzeichneten zum Jahresende 2018 rund 40.000 Installationen oder Bestellungen für unseren Konnektor bzw. TI-Anschluss. Unsere Konnektoren sind zwischenzeitlich mit mehr als 100 verschiedenen Praxissoftwaresystemen im Einsatz. Die Frist für die Anbindung der Arztpraxen bis Ende Juni ist aus unserer Sicht kein Problem, sofern die Ärzte rechtzeitig bestellen. Die sichere Lieferung und die Ausbildung der Techniker sind allerdings schon eine gewisse Herausforderung. Hier hat die CGM die meiste Erfahrung. Wir installieren übrigens auch schon in rund 50 Krankenhäusern, bisher aber nur in Ambulanzen und Abteilungen mit KBV-Förderung.“

Neben der Telematik und neuen Formen von Datenverarbeitung und Speicherung (Cloud Computing) wird auch zunehmend kontrovers der Einsatz der künstlichen Intelligenz in der Medizin diskutiert. Dazu André Sander, Software- Entwicklungsleiter bei ID: „Künstliche Intelligenz wird aus der medizinischen Versorgung künftig nicht mehr wegzudenken sein. Aber bei den ganzen Erfolgsmeldungen, mit denen wir im Moment überhäuft werden, wird mitunter etwas sehr vereinfacht. Nicht alles lässt sich mit neuronalen Netzen und Deep Learning Algorithmen lösen. Ich denke schon, dass die KI bei der Mustererkennung mittlerweile den Menschen eingeholt hat. Das führt dazu, dass solche Algorithmen bei einigen Fragestellungen in der Bildgebung auf Facharztniveau agieren, teils sogar besser sind. Man muss aber auch die Grenzen kennen. Die Diversität der Sprache bleibt für die modernen Algorithmen ein Problem. Das gilt für die im Deutschen typischen, zusammengesetzten Substantive, aber genauso für die sprachlichen Eigenheiten unterschiedlicher medizinischer Einrichtungen, zum Beispiel unterschiedlich genutzte Abkürzungen. Auch Rechtschreibung und Grammatik können eine Herausforderung sein, zumindest bei Nicht-Muttersprachlern. Wer Analyse-Tools entwickeln will, sollte diese Grenzen kennen.“

Das komplette Programm der DMEA

Erster DMEA-Tag (09. April 2019):

· Kongress-Session: Standards und Interoperabilität für Patientensicherheit und innovative Diagnostik und Therapie (Zeit: 09:30 – 11:00 Uhr | Ort: Stage B, Halle 2.2)

· Kongress-Session: Zukunft der Gesundheitsversorgung (Zeit: 09:30 – 11:00 Uhr | Ort: Stage A, Halle 1.2)

· Messeführung: Tour 1: Digital Health Innovations (Zeit: 14:30 – 15:30 Uhr | Ort: Mittelfoyer, Halle 3.2 | 4.2)

· Talk: KI in der Gesundheitsversorgung – Teil 1: Data Knows Better (Zeit: 14:30 – 15:30 Uhr | Ort: Hub 4, Halle 4.2)

· Talk: Sprachverarbeitung und KI: Digitale Transformation beginnt bei der Informationserfassung (Zeit: 17:00 – 18:00 Uhr | Ort: Hub 2, Halle 2.2)

· Talk: TI-Finanzierung für Krankenhäuser steht: Was nun? (Zeit: 17:00 – 18:00 Uhr | Ort: Hub 1, Halle 2.2)

· Messeführung: Tour 9: Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen. Auf dem Weg in die Zukunft (Zeit: 17:00 – 18:00 Uhr | Ort: Mittelfoyer, Halle 3.2 | 4.2)

Zweiter DMEA-Tag (10. April 2019):

· (Akademie-)Seminar: Künstliche Intelligenz in der Medizin (Zeit: 09:30 – 13:15 Uhr | Ort: Raum Nightingale, Halle 1.2)

· Panel: VSDM, NFDM, eMedikationsplan…whats next? Anwendungen auf der Telematikinfrastruktur (Zeit: 13:15 – 14:15 Uhr | Ort: Hub 4, Halle 4.2)

· Messeführung: Tour 16: Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen (Zeit: 14:30 – 15:30 Uhr | Ort: Mittelfoyer, Halle 3.2 | 4.2)

· Talk: N³: Wie kann die Digitalisierung die Arbeit im Krankenhaus verbessern? (Zeit: 17:00 – 18:00 Uhr | Ort: Hub 2, Halle 2.2)

Dritter DMEA-Tag (11. April 2019):

· Kongress-Session: Precision Medicine zum Wohl des Patienten? (Zeit: 09:30 – 11:00 Uhr | Ort: Stage C, Halle 4.2)

· Kongress-Session: Künstliche Intelligenz für Ärzte und Patienten: Chancen und Herausforderungen für die praktische Anwendung (Zeit: 11:30 – 13:00 Uhr | Ort: Stage C, Halle 4.2)

· Workshop: Big Data und Künstliche Intelligenz aus Sicht der Systemmedizin (Zeit: 14:30 – 15:30 Uhr | Ort: Box, Halle 1.2)

 

Quelle: Pressemitteilung der DMEA / Link: https://www.dmea.de/Presse/Pressemitteilungen/News_62976.html?referrer=/de/Presse/Pressemitteilungen/#news-de-62976

AOK befürwortet Zentralisierung der Klinikstrukturen

Die aktuelle Pressemitteilung der AOK bezieht sich auf den Report der Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern, wir berichteten. Martin Litsch fordert darin, dass nicht zusätzliche Finanzmittel in den Krankenhaussektor geschüttet werden, um die Digitalisierung zu fördern. Er ist der Meinung, dass sich die Krankenhausstruktur ändern muss.

„Einfach nur mehr Geld in die bestehenden Strukturen zu schütten, die durch Überkapazitäten, Qualitätsdefizite und Fachkräftemangel gekennzeichnet sind, wird den Wandel nicht beschleunigen. Zwar spielen die unzureichende Investitionskostenfinanzierung der Länder und schlechte Rahmenbedingungen wie ein zögerlicher Breitbandausbau eine Rolle. Doch dem digitalen Wandel stehen auch eine ungenügend ausgeprägte Innovationskultur sowie unsere kleinteilige Versorgungslandschaft entgegen. So zeigt der internationale Vergleich, dass in stärker zentralisierten Klinikstrukturen der Digitalisierungsfortschritt deutlich größer ausfällt.“ , so der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.

Die AOK verfolgt diese Plänen nicht alleine. Auch die deutsche Krankenhausgesellschaft befürwortet den Weg der Zentralisierung. „Umso erfreulicher ist, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft die Notwendigkeit eines Strukturwandels endlich erkannt hat und diesen in Zukunft konstruktiv mit voranbringen möchte. Das ist deutlich sinnvoller als der schlichte Ruf nach mehr Geld“, so Martin Litsch.

 

Quelle: https://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2019/index_21936.html

Kassenwahlfreiheit: Sinnvoller Wettbewerb sieht anders aus!

Das Fazit von Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK – Bundesverbandes, zum vorgelegten Referentenentwurf ist eindeutig: „Das so genannte Faire–Kassenwahl-Gesetz wird seinem Anspruch nicht gerecht.“

Litsch äußerte außerdem: „Dieses Gesetz definiert mustergültig, wozu der Kassenwettbewerb gut sein soll, nämlich Leistungen und Qualität der Versorgung zu verbessern sowie Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Versorgung zu erhöhen. Das begrüßen wir ausdrücklich. Was dann aber an Umsetzungsvorschlägen präsentiert wird, läuft auf machtpolitischen Zentralismus und finanzielle Gleichmacherei hinaus. Die Vorschläge des Ministers werden nicht den Kassenwettbewerb um bestmögliche Versorgungsangebote fördern, sondern erhebliche Kollateralschäden bei der Gestaltung von Versorgung besonders im ländlichen Raum hinterlassen.“

RSA-Weiterentwicklung nur teilweise geglückt

Bereits im ersten Teil zur Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) zeige sich eine Schieflage des Gesetzes. Vom Ansatz her sei es vollkommen richtig, den RSA noch zielgenauer gestalten zu wollen und die Einführung des Vollmodells sowie die Stärkung der Manipulationsresistenz seien dafür geeignete Maßnahmen.

„Inkonsequent sind dann aber die geplanten Metropolzuschläge, die Gelder aus schwächeren ländlichen Regionen in überversorgte städtische Gebiete umleiten, um dort verkrustete Versorgungsstrukturen zu zementieren“, so Litsch. Die Einführung eines zusätzlichen Risikopools für kostenintensive Krankheiten sei ebenso fraglich. Denn solange die Auswirkungen anderer, an sich sinnvoller Maßnahmen wie etwa die Einführung eines Vollmodels oder von Altersaktionsthermen noch gar nicht abzuwägen sind, sollte man von solchen unwirtschaftlichen Ist-Ausgaben-Ausgleichen im Morbi-RSA absehen.

„Überhaupt müsste sich das Gesetz enger an die Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats halten. Stattdessen ignoriert der Minister vielfach den Expertenrat, und damit auch seinen eigenen Anspruch auf den Abbau von Risikoselektion zu Lasten von Versichertengruppen“, findet Litsch.

Nach Auffassung der AOK biegt das Gesetz im organisationsrechtlichen Teil dann komplett in die falsche Richtung ab. „Wer den Versorgungswettbewerb in der GKV stärken will, muss Kassen mehr Spielräume für regionale Vertragslösungen und Versorgungsoptionen mit Ärzten und Kliniken einräumen. Statt nun aber den lang anhaltenden Rückbau der vertragswettbewerblichen Handlungsoptionen von Krankenkassen und ihrer potenziellen Vertragspartner endlich zu stoppen, fällt dem Minister nur ein, regionale Krankenkassen als maßgebliche Player platt zu machen. Damit greift er nicht nur bewährte föderale Strukturen an, sondern schwächt auch massiv die Gesundheitsversorgung in der Fläche“, so Litsch weiter.

„Der Minister verkündet vollmundig, er wolle Lahnstein vollenden. Unter dem Deckmantel von Wahlfreiheit setzt dieses Gesetz aber nur einen einseitigen Fokus auf den Preiswettbewerb. Und jenseits des Morbi-RSA sollen über die Organisationsstrukturen alle Unterschiede in den Kassenfinanzen dauerhaft nivelliert werden.“ Letzten Endes müsse sich der Minister aber fragen lassen, welchen Mehrwert eine solche Reform für Versicherte und Patienten haben soll. Litsch: „Einfach nur mehr Wechselmöglichkeiten für diejenigen zu schaffen, die vor allem an den Zusatzbeitrag denken und in günstigere Kassen abwandern wollen, ist noch lange nicht fair. Vielmehr zeigt sich hier ein elitäres Wettbewerbsverständnis, das junge und gesunde Versicherte privilegiert. Was aber bietet das Gesetz Menschen in unterversorgten Regionen, die chronisch krank sind und eine Krankenkasse als Ansprechpartner vor Ort brauchen? Versorgung erfolgt nun mal in den Regionen und dafür fordern wir Handlungsspielräume. Statt regionale Player unter finanziellen Gesichtspunkten zu zentralisieren, sollten besser die bundesweiten Kassen regionale Zusatzbeiträge nehmen dürfen, um regionalen Finanzierungsbedürfnissen zu entsprechen. Das wäre konsequent im Sinne von Lahnstein.“

Quelle: https://www.presseportal.de/pm/131721/4227998

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Krankenhäuser hinken bei der Digitalisierung hinterher

Großer Nachholbedarf besteht bei den deutschen Krankenhäusern im Bereich der Digitalisierung. Zu diesem Schluss ist der Krankenhaus-Report 2019 vom wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) gekommen. So erreichten die deutschen Krankenhäuser 2017 in einem internationalen Vergleich auf einer Digitalisierungs-Skala von Stufe 0 bis 7 im Durchschnitt nur den Wert 2,3 und lagen damit unter dem EU-Durchschnitt von 3,6. Stufe 0 bedeutet, dass kaum digital gearbeitet wird, während Stufe 7 einem papierlosen Krankenhaus entspricht.

„Der Digitalisierungs-Rückstand in deutschen Krankenhäusern ist mehr als deutlich. Dies ist das klare Fazit, auch wenn für die Studie nur die zertifizierten Krankenhäuser ausgewertet wurden“, sagt Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WIdO.„Für die unzureichende Digitalisierung gibt es viele Ursachen. Dazu gehört neben der mangelhaften Investitionskostenfinanzierung durch die Bundesländer auch eine mangelnde Innovationskultur in den Häusern. Vollzieht man die aufgrund von Überkapazitäten und Qualitätsdefiziten zweifellos notwendige Strukturbereinigung, hätte dies auch positive Konsequenzen für den notwendigen Fortschritt bei der Digitalisierung. Digitale Systeme könnten dann deutlich leichter Einzug halten.“

Festgestellt wurden neben Unterschieden zwischen kleinen Krankenhäusern und großen Krankenhäusern, auch Unterschiede in den verschiedenen Abteilungen von Krankenhäusern. So zum Beispiel sind die Prozesse der Patientenaufnahme mit am wenigstens digitalisiert, während die Prozesse bei OP-Vorbereitung sehr gut digitalisiert sind.

Das Potential muss in Zukunft besser ausgeschöpft werden. Dazu Jürgen Klauber: „Dabei bietet eine stärkere Digitalisierung viele Vorteile. Durch die Veränderung interner Abläufe und institutionenübergreifender Prozesse lässt sich beispielsweise die Versorgungskette wirtschaftlicher gestalten. Zudem werden interne und externe Vernetzungen erleichtert und Informationsströme beschleunigt, was die Qualität der Patientenversorgung verbessert“.

Weitere Informationen und Download des Buches unter www.wido.de

Quelle: ots, https://www.presseportal.de/pm/32063/4230056

Klauber J, Geraedts M, Friedrich J, Wasem J (Hrsg.) 
Krankenhaus-Report 2019, Schwerpunkt: Das digitale Krankenhaus. 
Springer, Berlin Heidelberg 2019. 
ISBN Printausgabe: 978-3-662-88224-4, 376 Seiten; 53,49 EUR 
E-Book 978-3-662-58225-1; Open Access: 
https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-58225-1

Erster Cannabisblüten-Vollextrakt

Cannabisblüten-Vollextrakt

Einer der führenden Importeure und Großhändler von medizinischem Cannabis, Aurora Deutschland GmbH, hat ab sofort sein Produktportfolio um einen Cannabisblüten-Vollextrakt erweitert. Damit leitet die Aurora Deutschland die nächste Stufe der medizinischen Versorgung von Patienten mit Cannabis-Arzneimitteln (CAM) ein.

Der Cannabisblüten-Vollextrakt ist ab sofort erhältlich. Die Aurora Deutschland GmbH garantiert eine standardisierte und unter hoch kontrollierten Bedingungen stattfindende Herstellung, sowie eine gleichbleibende pharmazeutische Qualität. Gewährleistet wird diese durch – z.B. in Bezug auf Wirkstoffkonzentration und -zusammensetzung – durch die hochmoderne CO2-Extraktion. Sowohl der gesamte Herstellungsprozess als auch die Produktionsstätten unterliegen strengen GMP-Regularien („Good Manufacturing Practice“). Apothekern wird eine einfache Zubereitung der oral einzunehmenden Rezeptur und Ärzten eine genaue Dosierung sowie bessere Titration ermöglicht, indem der Cannabisblüten-Vollextrakt als Ausgangsstoff für ein Rezepturarzneimittel in die Apotheken geliefert wird. Hauptbestandteil der Cannabisblüten-Vollextrakte sind neben den Cannabinoiden Dronabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) auch weitere natürliche Pflanzenstoffe, wie beispielsweise Terpene, welche zusätzlich therapeutisch wirksam sein können. Dr. Sandra Bütow, Director Marketing & Medical Education bei Aurora Deutschland betont:

„Wir freuen uns, mit optimierten Produkten die Patientenversorgung in Deutschland verbessern zu können. Mit diesem nicht zu inhalierenden Cannabisprodukt bieten wir Arzt und Patient die Möglichkeit einer weiteren Therapieoption.“

Cannabisblüten-Vollextrakt: Neue Möglichkeiten durch Produkterweiterung

Der Cannabisblüten-Vollextrakt wurde in Kanada bereits als erweiterte Therapiemöglichkeit gut angenommen. Die kanadische Muttergesellschaft von Aurora Deutschland, Aurora Cannabis Inc., verzeichnete im Mai 2017, nach der Einführung des Cannabisblüten-Vollextrakts im April 2017, ein Umsatzplus von 38% gegenüber dem Januar 2017.

Dr. Florian Holzapfel, Geschäftsführer von Aurora Deutschland, ist folgender Ansicht: „Mit der Einführung des Vollextrakts rechnen wir mit einem deutlichen Zuwachs der Cannabis-Verordnungen. Durch die Produkterweiterung erwarten wir, unsere Führung im deutschen Markt deutlich ausbauen zu können.“

Die Einführung des Extraktes in den deutschen Markt ist Teil der Strategie. Ziel der Aurora Cannabis Inc. ist die Patientenversorgung zu verbessern. So sollen die GMP-zertifizierten Produktionskapazitäten schrittweise angehoben werden. Eine breitere Produktpalette in Europa und besonders in Deutschland soll auf lange Sicht Umsatzwachstumspotenziale nutzbar machen.

Die Heilpflanze Cannabis

Seit Jahrtausenden wird Cannabis als medizinische Heilpflanze angewendet und kann die Lebensqualität von schwer kranken Patienten verbessern. Seit einer Gesetzesänderung vom 10. März 2017 können in Deutschland medizinische Cannabisprodukte wie Cannabisextrakte auf Rezept verschrieben und von den Krankenkassen erstattet werden. Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich können diese Arzneimittel eingesetzt werden. Ist eine schwerwiegende Erkrankung diagnostiziert und andere Medikamente wirken nicht oder eine Anwendung ist ausgeschlossen, kann die Genehmigung zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen erfolgen. Die Einschätzung des jeweiligen Arztes ist dabei essentiell, ob durch Medizinal-Cannabis eine spürbare Symptomlinderung erreicht und/oder der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden kann. Bei verschiedenen Indikationen ist bereits in zahlreichen signifikanten Studien eine positive therapeutische Wirkung von medizinischem Cannabis belegt.

Mehr Informationen zum medizinischen Marihuana finden Sie hier.

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Faire-Kassenwahl-Gesetz: IKK e.V. positiv gestimmt

Berlin: Der Geschäftsführer der IKK e.V., Jürgen Hohnl, zum Referentenentwurfs eines“ Gesetz für eine faire Kassenwahl in der GKV“:

„Die Innungskrankenkassen begrüßen, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nun endlich einen Referentenentwurf mit wichtigen Punkten zur Morbi–RSA-Reform vorgelegt hat. Bei einer ersten Sichtung der Vorschläge sind folgende Veränderungen zum Finanzausgleich aus Sicht der Innungskrankenkassen gravierend:

Der Referentenentwurf sieht die Einführung eines Krankheits-Vollmodells vor. Dies lehnen die Innungskrankenkassen entschieden ab. Ein Vollmodell erhöht die Manipulationsanfälligkeit des Ausgleichs. Damit konterkariert das BMG seine zahlreichen und grundsätzlich positiv zu bewertenden Ansätze zur Absenkung der Manipulationsgefahr. Die Krankheitsauswahl sollte auf schwerwiegende Krankheiten beschränkt werden, um Manipulationen zu verringern und stattdessen Anreize zur Prävention zu setzen!

Die von den Innungskrankenkassen seit langem geforderten Präventionsanreize werden im aktuellen Entwurf nur halbherzig angepackt: Die lediglich auf die Sekundärprävention bezogen Vorschläge bedeuten in erster Linie ein mehr an Bürokratie.

Die Einführung einer Regionalkomponente ist mit Blick auf die in den Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des BVA diskutierten Weiterentwicklungsoptionen des Morbi-RSA konsequent. Die genannten Ziele, Marktkonzentrationsprozessen vorzubeugen, Wirtschaftlichkeitsanreize zu erhalten und keine Fehlanreize im Hinblick auf die Verstetigung von Über- und Unterversorgung zu setzen, werden von den Innungskrankenkassen unterstützt.

Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V.
Quelle: IKK e.V.; Jürgen Hohnl, Geschäftsführer des IKK e.V.

Erfreulich ist, dass der Referentenentwurf einen Risikopool für besonders aufwändige Leistungsfälle vorsieht. Einen vorgelagerten Ausgleich von 80 Prozent der Leistungsausgaben oberhalb von 100.000 Euro erachten wir für sinnvoll.

Die Regelungen zur Fortentwicklung des Organisationsrechts der Krankenkassen sind differenziert zu betrachten:

Grundsätzlich sehen wir den Weg der bundesweiten Öffnung aller Krankenkassen als konsequent an. Die fehlende einheitliche Aufsichtspraxis und die Sonderstellung der Ortskrankenkassen ist ein Hemmnis für einen fairen Wettbewerb. Bei aller Euphorie darf aber nicht aus den Augen verloren werden, dass ein Wettbewerb auch Anbietervielfalt voraussetzt. Die Innungskrankenkassen setzen sich explizit für ein gegliedertes, regionales Krankenkassensystem ein.

Ungläubig nehmen wir die Änderungsvorschläge der Erneuerung der Strukturen des GKV-Spitzenverbandes zur Kenntnis. Nachdem der Minister im Verwaltungsrat des GKV-SV vergangene Woche noch das hohe Lied der sozialen Selbstverwaltung gesungen hat, schafft er nun eben jene mit nur einem Federstrich ab. Mit dem Argument, die Anbindung an das operative Geschäft der Mitgliedskassen durch hauptamtliche Kassenvorstände im Verwaltungsrat des GKV-SV zu unterstützen, schafft das BMG die politische Klammer der Sozialpartner ab.“

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