Wie soll die Pflegeberatung der Zukunft aussehen? – Deutscher Pflegetag 2019

Dieser Frage ist die Podiumsdiskussion heute auf dem Deutschen Pflegetag 2019 nachgegangen. Titel der Diskussion, an der am Ende auch Zuhörer zu Wort kommen durften, war „Sparkassen-Finanzgruppe – Gut beraten? Wie sollte eine kompetente 360 Grad – Pflegeberatung aussehen?

Redner:

  • Emmi Zeulner; MdB und Krankenschwester
  • Frank Schumann; wir pflege e.V.
  • Stefan Weller; Union Krankenversicherung
  • Prof. Frank Weidner; DIP

Zu Beginn wurde die aktuelle Situation der Pflegeberatung in Deutschland dargestellt. Aus den ausgeführten Informationen ließen sich zwei Kernaussagen ableiten. Die Erste ist, dass die Menschen in Deutschland das Beratungsangebot und die Beratungsmöglichkeiten in Deutschland nicht verstehen und nicht kennen (Barmer-Studie).

Die zweite Kernaussage beschreibt die aktuelle finanzielle Lage der Pflegeberatung. Nur 90 Millionen Euro werden jährlich aus dem Topf der Pflegeversicherung für Pflegeberatungen ausgegeben. Das ist der kleinste Anteil, der in der Buchführung der Pflegeversicherung geführt wird.

Probleme der Pflegeberatung

Diese stellt Herr Prof. Weidner in zwei Säulen dar. Zum einen gäbe es den Sicherstellungsauftrag der Krankenkassen der im SGB verankert ist. Zu anderen greift auch die kommunale Daseins-Fürsorge, die aus dem Grundgesetz hervorgeht. Aus diesen zwei Parellelwelten ergeben sich regional extrem unterschiedliche Ist-Zustände. So gibt es in Rheinland-Pfalz flächendeckende Pflegestützpunkte und in Sachsen keinen einzigen davon (Aussage Prof. Weidner). Außerdem ist die Vielschichtigkeit der verschiedenen Anbieter ein weiteres Problem. So können Pflegestützpunkte der Kassen, Wohlfahrtsverbände, freiberufliche Pflegeberater und viele mehr diese Leistungen nach SGB XI erbringen. Darunter leide auch die Qualität der Beratung.

Aktuelle Tendenzen bei der Pflegeberatung

Neben vielen Kontroversen in der Diskussion wurden aber auch einige Gemeinsamkeiten klar. So will die Politik die Kommunen mehr in die Verantwortung nehmen. Konkret könnten dann Pflegeberatungen an Landratsämter oder Rathäuser angeschlossen werden, um somit zentrale Ansprechpartner zu schaffen und im ganzen einen dezentrale flächendeckende Lösung bieten zu können. Das aktuelle Scheitern dieser Bestrebungen findet in zwei verschiedenen Lagern statt. Einerseits wollen die Krankenkassen/Pflegekassen für diese Leistungen keine Gelder an die Kommunen freistellen, da sie nicht die nötigen Kompetenzen in den Landkreisen und Städten sehen. Anderseits wollen die Kommunen keine Leistungen bezahlen, die nach dem SGB in die Budgets der Kranken/Pflegekassen fallen.

Fazit

Letztendlich geht es wie fast immer nur ums Geld und die Angehörigen und Pflegebedürftigen bleiben auf der Strecken, denn einen Masterplan-Pflegeberatung konnte auch niemand bei der heutigen Diskussion liefern.

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Top-Thema Pflegepersonal – Deutscher Pflegetag 2019

Andrea Lemke erfüllt den ersten Slot des Tages. Die Halle 3 ist gut gefüllt. Das Thema Personal berührt viele Besucher emotional und sachlich. Zudem sind die Änderungen die 2020 kommen werden, ein signifikanter Richtungswechsel. Auch das formuliert Frau Lemke zur Einführung in den Vortrag.

Der erste Appell des Tages lässt nicht lange auf sich warten:

„Gebt uns doch einfach mehr Zeit“

als Antwort auf den straffen Zeitplan der Politik zur Umsetzung der neuen Gesetze.

Pflegepersonalkostenvergütung ab 2020

Wolfang Fiori als erster Redner nach Frau Lemke, die durch den Vortrag führen wird und die Moderation inne hat. Sein Thema ist die Ausgliederung der Pflegekosten aus den DRG’s. Er betont, dass die Ausgliederung ein echter Paradigmenwechsel werden wird. Denn ganz neu ist die Selbstkostendeckung. Ein System mit völlig neuen Anreiz wird geschaffen. Budget wird nicht gedeckelt sein. Abrechnung wird einen Tagesbezug haben und keine Fallpauschalisierung mehr. Fiori prophezeit Verwerfungen.

Grafik Pflegekosten von Wolfgang Fiori Bild: Oliver Weymann

Erläuterungen zur Grafik:

Der Erlös, welcher in Zukunft aus der Pflege abgebildet wird, besteht aus drei Faktoren. Multipliziert wird eine Bewertungsrelation mit der Verweildauer und einem individuellen Pflegeentgeltwert. Der Pflegeentgeltwert setzt sich aus der Relation zwischen den Pflegekosten und dem Pflege-Daymix zusammen. Wenn dann am Ende der Erlös nicht die Pflegekosten decken kann, würden die Pflegekosten ausgeglichen werden. Also werden die Mehrkosten zu 100 %  weitergeleitet. Das wird ganz sicher Diskussionen mit den Kassen mit sich bringen, wenn die weitergeleiteten Kosten an die Kassen gehen und diese dann signifikante Einbrüche bei den Gewinnen/Rücklagen verzeichnen.

Kernfrage: Was ist Pflege in dieser Rechnung?

Durch die fehlende Definition was die „Pflege“ in der neuen Abrechnung macht, und wer die Leistungen erfüllen wird, zeigt Herr Fiori zwei mögliche Szenarien auf. Variante 1 stellt die Abrechnung mit Pflege und Hilfsberufe dar. Folglich wären alle Arbeitskräfte, die Pflegetätigkeiten ausführen über des neue Abrechnungssystem finanzierbar.

Pflege ist umsonst…

Bei Variante 2 wir die Pflege ohne Hilfskräfte verrichtet. Also müssen Hilfskräfte weiter über das DRG-System finanziert werden. Folglich würden Mehrkosten für die Träger entstehen, die dann einen erhöhten Kostendruck mitbringen. So könnten zum Beispiel die Hilfskräfte wieder aus der Organisation entfernt werden und die Fachkräfte wären noch begehrter, da diese ja voll finanzierbar sind. Diese Variante würde wohl eine Verschärfung des Personalmangels auslösen.

Sein Fazit:

  • Selbstkostendeckung ohne weitere Steuerungselemente kann nur temporär aufrechterhalten werden
  • Parallelität zweiter Vergütungssysteme mit unterschiedlichen Anreizen ist wenig sinnvoll
  • Zukunft des Plexits ist ungewiss
  • Die Pflege könnte diese Phase aber nutzen
  • An der Notwendigkeit für Krankenhäuser Deckungsbeiträge erwirtschaften zu müssen, ändert sich im Prinzip nichts – die finanzielle Belastungen nehmen parallel zu (Wolgang Fiori am Deutschten Pflegetag 15.3.2019)

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Podiumsdiskussion zum Thema Personaluntergrenzen – Deutscher Pflegetag 2019

Ein Thema was viele Pflegekräfte in Deutschland bewegt und auch die Entscheider im Gesundheitssystem sind die neuen Personaluntergrenzen, die seit dem 1.1.2019 Anwendung finden. Neben diesem Thema wird auch die Thematik, dass die Pflegevergütung ab dem 1.1.2020 aus den DRG’s ausgelöst werden sollen. An der Diskussion über die neuen Personaluntergrenzen nehmen teil:

  • Dr. Jens Schick; Vorstand der SANA Kliniken AG
  • Andreas Westerfellhaus; Staatssekretär und Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung
  • Andrea Lemke; Deutscher Pflegerat e.V.
  • Moderation durch Mario Czaja

Die zentrale Frage der Podiumsdiskussion ist, ob die Personaluntergrenzen längst überfällig waren oder eher für eine Überforderung sorgen. Diese Frage stellt Moderator Mario Czaja allen seinen Gesprächspartnern:

Die Statements im Überblick:

Andrea Lemke

meint die Personaluntergrenzen seien nötig und überfällig aber zu bürokratisch. Zudem stellt sie eine Verteilungsstörung fest. Denn ihrer Meinung nach gibt es mehr Häuptlinge als Indianer in den Kliniken und die Pyramide steht zur Zeit auf dem Kopf. Darin sieht Frau Lemke ein zentrales Problem.

Zu der Ausgliederung der Pflegekosten aus den DRG’s, kann und will sie keine Prognose abgeben, da niemand absehen kann, was die Ausgliederung an konkreten Folgen für die Krankenhausfinanzierung mitbringen wird.

Viele Krankenhäuser sind durch die neuen Regelung der Mindestbesetzung gezwungen eine Leasing-Firma für Pflegekräfte zu engagieren. Lemke’s Stellung zu diesem Thema:

„Wenn ich n‘ Leasing Firma hätte, hätte ich mir an dem Tag an dem das Personaluntergrenzengesetz gekommen ist eine Kiste Champagner gekauft“ (Andrea Lemke am deutschen Pflegetag 2019)

Dieses Zitat fasst sehr schön ihre Kritik an der Finanzierung der Leasing-Stellen in Krankenhäusern zusammen. Eine weitere Schlussfolgerung ihrerseits ist, dass sich Mitarbeiter verprellt fühlen werden, da sie weniger verdienen werden als die Leasing-Pflegefachkräfte.

Dr. Jens Schick

kritisiert die fehlende Evidenz der neuen Personaluntergrenzen in der Pflege. Anschließend legt er ein mutiges Geständnis ab, und das als Vorstand der Aktiengesellschaft SANA Kliniken:

„Kliniken haben auf Kosten der Pflege gespart.“

Im Publikum ist bei dieser Formulierung kollektives Kopf-Nicken wahrzunehmen. Neben den Personaluntergrenzen wurde aber auch die Auslagerung der Pflege aus des DRG’s für den  1.1.2020 festgelegt. Herr Dr. Schick schätzt dies als das kommende:

„Ende der DRG’s“

ein.

Bild: Oliver Weymann

In der Vergangenheit haben Vertreter der Politik  und der Selbstverwaltung in unregelmäßigen Abständen geäußert, dass es in Deutschland zu Krankenhäuser gäbe. Dieser Aussage schließt sich Herr Schick an. Er formuliert es sogar noch drastischer und bezeichnet das Zielfoto der neuen Personaluntergrenzen, ist die Schließung von (kleineren) Krankenhäusern. Darüber hinaus hält er das Selbstkostendeckungsprinzip der Pflege für falsch.

Danach wird Herr Schick, als Praktiker; gefragt welche konkreten Maßnahmen er für sinnvoll hält in der Zukunft. Vorbereiten müssen sich, laut ihm, die Krankenhäuser auf eine gesteigerte Dokumentationslast. Diese wird auch ganz spezielle die Pflegekräfte treffen. Eine weitere düstere Prophezeiung von Herrn Schick lautet, es werde überwiegend Verlierer aus diesen Reformen hervorgehen. Zudem wird der Wettbewerb um die Pflegekräfte noch härter unter den verschiedenen Trägern werden.

Andreas Westerfellhaus

weicht der Frage gekonnt aus. Auch im weiteren Verlauf der Diskussion bleibt er dem Moderator und dem Publikum eine Antwort auf die Frage schuldig. Nachvollziehbar oder nicht, auf jeden Fall kann festgestellt werden, dass Herr Westerfellhaus im politischen Berlin angekommen ist. Zwischen den Zeilen lesen und ganz genau zuhören ist bei seinen Ausführungen essentiell. Konkret zum Gesetz der Personaluntergrenzen sagt Westerfellhaus nur wenige kritische Worte:

„Entscheidungen sind auf den Weg gebracht worden, die jetzt nicht zufriedenstellend sind“ (Andreas Westerfellhaus am deutschen Pflegetag 14. März 2019)

Ganz klar fordert Herr Westerfellhaus für die Zukunft ein valides Instrument, welches den tatsächlichen Personalbedarf auf jeder Station in einem Krankenhaus ausrechnen kann. Was er jedoch nicht erwähnt, ist das es solche Instrumente schon gibt, sie jedoch Geld kosten, welches die meisten Krankenhausträger nicht ausgeben wollen. Müssen sie ja jetzt auch nicht mehr, da die Bundesregierung ja nun einen Patienten-Pflegekraft-Schlüssel im neuen Personaluntergrenzen-Gesetz festgelegt hat. Evident oder nicht, er steht und es drohen Sanktionen, für diejenigen die den Schlüssel nicht einhalten.

Andreas Westerfellhaus; Bild: Oliver Weymann

Zum Abschluss der Diskussion greift Herr Czaja die Äußerung von Herrn Dr. Schick auf und stellt Herrn Westerfellhaus folgende Frage: Was ist das Ziel der Politik bei Einführung der Personaluntergrenzen? Qualität oder Krankenhäuser schließen?

Ich spreche für mich […] Die Vermutungen schießen ins Kraut […] ich habe keinerlei Kenntnis darüber […], keinen einzigen Anhalt (,dass das Ziel Klinikschließungen sind – Annahme der Redaktion)

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Berufspolitische Grundsatzrede – Deutscher Pflegetag 2019

Wo klemmt es in der Pflege? Wie sieht die Professionalisierung in der Zukunft aus? Werden die angebotenen Lösungen der Politik die Probleme im Pflegesektor lösen? Diese und weitere Fragen wird Herr Franz Wagner vom deutschen Pflegerat e.V. in seiner berufspolitischen Grundsatzrede beantworten.

Bevor es explizit um die Pflege in Deutschland geht, spannt Herr Wagner einen globalen Bogen. Einen Bogen, der Menschenrechte, den Klimawandel und die Flüchtlingsproblematik umspannt. Denn dies sind alles Ecken in einem Polygon in denen sich die Pflege bewegt.

Ein weiterer Bereich der auch mittelbar mit der Pflege verknüpft ist, laut Franz Wagner, ist die Gleichstellung von Frauen und Mädchen. Denn die Pflege in Deutschland ist nach wie vor ein Frauenberuf. Deshalb ist diese Stellschraube auch eine Möglichkeit Einfluss auf die Pflege zu nehmen.

Verteilungsproblematik in Deutschland

Herr Wagner beschreibt ein Verteilungsproblem bei den Ärztinnen und Ärzten in Deutschland. Denn eigentlich gebe es genügend Mediziner, sie sind jedoch an den falsche Stellen gehäuft oder eingesetzt. Dieser Problematik muss sich die Pflege auch bewusst werden. Denn bei der Anzahl der Pflegefachpersonen ist Deutschland gut aufgestellt. Dort liegt Deutschland bei einer OECD Studie auf einem gutem Platz, wenn man diese Zahl aber in Relation zu den Krankenhausbetten setzt, dann hat Deutschland plötzlich einen katastrophal schlechten Platz im Vergleich zu anderen Ländern. Liegt es nun an der Masse der Krankenhausbetten oder sind die Pflegefachkräfte an den falschen Orten eingesetzt?

Akademisierung jetzt!

Franz Wagner schließt sich der WHO bei diesem Thema an. Die WHO fordert die Ausbildung in der Pflege in die Hochschulen und Universitäten zu verlagern. In Deutschland hat diese Empfehlung noch keinen Einhalt in die Pläne der aktuellen Bundesregierung erreicht. Obwohl sich der Wissenschaftsrat in Deutschland auch für eine Quote von akademischen Pflegekräften ausgesprochen hat, ist dieser Aspekt nicht in der Konzentrierten Aktion Pflege nicht berücksichtigt.

Personalmangel in der Pflege

Ich erwarte eine Zusage für 100000 Stellen mehr.

Franz Wagner ist mit den 40000 neuen Stellen, die aktuelle finanziert werden, nicht zufrieden. Er fordert 100000 neue Stellen, die auch durch den Bund und die Kassen finanziert werden. Ein starkes Statement. Eine weitere Forderung ist die es zu schaffen, dass „die Arbeitsplätze in der Pflege so zu gestalten, dass es wieder attraktiv wird, den Beruf auszuüben.“ (Statement des Präsidenten des Deutschen Pflegerates DPR, Franz Wagner)

Zusammenfassend hat der deutsche Pflegerat folgende Punkte formuliert und in seinem Statement veröffentlicht:

  • Die Versorgung muss sich strukturell und inhaltlich den veränderten Anforderungen anpassen
  • Dazu müssen Aufgabenverteilung und Rollen der Akteure neu geregelt werden
  • Es ist eine Investition in die Ausbildung erforderlich, wobei die hochschulische Ausbildung eine wichtige Rolle spielt
  • Ganz dringend müssen die Arbeitsplätze in der Pflege attraktiver werden durch mehr Personal, bessere Organisation der Arbeit, qualifizierte Fortbildung und eine angemessene Bezahlung.

Ein Masterplan Pflegeberufe, der auf der Konzentrierten Aktion Pflege aufbaut, diese weiterentwickelt und damit den Anforderungen Rechnung trägt, muss unverzüglich in Angriff genommen und dann auch umgesetzt werden.

 

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Konzentrierte Aktion Pflege – Deutscher Pflegetag 2019

Mit Verspätung und mit Spannung erwartet, sind die Gäste aus der Politik, Jenas Spahn, Dr. Franziska Giffey und Björn Böhning, nun eingetroffen. In Form einer Podiumsdiskussion werden die Errungenschaften und Pläne der „Konzentrierten Aktion Pflege“ thematisiert. Die Moderation der Diskussion übernimmt Sascha Hingst.

Bild: Oliver Weymann

Am Anfang wendet sich Herr Hingst an den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Thematisiert werden vor allem die mangelnden Arbeitskräfte im Pflegesektor. Leider wie immer in dieser Debatte, werden Zahlen zur Hand genommen, die viel zu viel Spielraum lassen. So spricht Herr Spahn von 40.000 bis 100.000 fehlenden Pflegefachkräften in Deutschland. Er davon überzeugt, dass

„es ohne Fachkräfte aus dem Ausland nicht gehen wird.“

Eine Offenbarung, dass endlich belastbare Zahlen ermittelt werden müssen. Eine der fünf Arbeitsgruppen der „Konzentrierten Aktion Pflege“ hat dies zur Aufgabe: Wie können Pflegefachkräfte aus dem Ausland rekrutiert werden, um den nationalen Mangel zu beheben? Bis Ende Juni sollen hier erste Ergebnisse dem Gesundheitsminister vorgelegt werden. Anhand dieser Ergebnisse werden dann für jeden Bereich konkrete Arbeitsaufträge entwickelt. Jens Spahn betont nochmals, dass es sich hier nicht um ein Projekt handle, welches nach ein oder zwei Jahren beendet sei, sondern mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.

Als nächstes spricht Frau Giffey und betont vorab, dass der Schritt der Abschaffung des Schulgeldes ein sehr großer Schritt sei, wieder mehr junge Menschen für die Pflege begeistern zu können. Resonanz im Publikum: kollektives Hochziehen der Augenbraue und fragende Gesichter. Weiter erläutert Frau Dr. Giffey, dass durch die generalistische Ausbildung, die am 1.1.2020 flächendeckend starten soll, ebenfalls Verbesserungen erwartete werden und somit ebenfalls wieder mehr Menschen der Pflegeberuf schmackhaft gemacht werden soll. Unterstützung für die Pflegefachschulen kommt auch aus den Ministerien. So sind zum Beispiel die Pflegefachschulen an den „Digitalpakt Schule“ angegliedert, und können auch von den zur Verfügung stehenden Geldern profitieren. Die prognostizierte Verbesserung tritt jedoch in vielen Schulen, wenn überhaupt dann mit Verspätungen ein, da viele Berufsschulen noch nicht mit Ihrem Curriculum für eine generalistische Ausbildung fertig sind, und es deshalb zu merkbaren zeitlichen Verschiebungen kommen wird. Ein Aspekt der von der Ministerin bei Ihren Ausführungen nicht aufgegriffen wird.

Bild: Florian Croseck

Nach dem Vortrag von Frau Giffey wird sie von Herrn Björn Böhning, Beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, abgelöst. Er spricht die IST-Situation in der Pflege an. Studien zeigen, dass der Wunsch nach Technik in der Pflege kontinuierlich zunimmt. Es werden Beispiele aufgezäht wie Digitalisierung oder Assistenzsysteme, die beim Tragen und Heben helfen können. Hr. Böhning bezieht Stellung und stellt klar, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege schleunigst verbessert werden müssen. Außerdem spricht er das Problem der befristeten Arbeitsverhältnisse in der Pflege an. Er sieht die Bundesregierung hier in der Pflicht:

„Wir werden die Zahl der sachgrundlosen Befristungen massiv einschränken, weil das wichtig ist, auch für die Arbeitsbedingungen, nicht nur in der Pflege.“

Der dritte wichtige Punkt den Herr Böhning anspricht, ist die Entlohnung in der Pflege. Die Regierung hat sich in den vergangen Monaten die deutschen Durchschnittsbruttolöhne in der Pflege näher angeschaut. In der Vollzeitpflege liegt der Wert bei ca. 2.880€ monatlich. Im Osten sind es 500€ weniger. Die Werte für die Teilzeitstellen in der Pflege können nur schlecht erfasst werden und wurden deshalb nicht vorgestellt.

„Das sind Löhne, die so für die Pflege aus unserer Sicht nicht akzeptabel sind.“

Lautstarker Applaus geht aus dem Plenum hervor. Beim Thema Lohn spricht Böhning auch die Problematik der Tarifverträge an. Auch hier muss eine einheitliche Lösung geschaffen werden. Er appelliert hier an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsgruppen der „Konzentrierten Aktion Pflege“.

„Wir reden hier über eine „Konzentrierte Aktion Pflege“ und keine „kleinkarierte Aktion Pflege!“

Auch für dieses Statement erntet Hr. Björn Böhning starken Applaus aus dem Publikum.

 

 

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offizielle Eröffnung Deutscher Pflegetag 2019

Frau Christine Vogler, die Vizepräsidentin des deutschen Pflegerates, richtet nun die ersten Wörter an die Besucherinnen und Besucher. Nach den obligatorischen einleitenden Sätzen wird die Stimmung ein bisschen aufgelockert. Frau Vogler nimmt das Publikum mit und macht ein wenig Stimmung mit einem kleinem Spiel, indem das Publikum befragt wird, wer denn schon wie lange in der Pflege tätig sei. Bei der Frage wer von den Anwesenden denn vor hat, den Pflegeberuf bis zur Rente ausüben zu wollen, kommt als Feedback ein ganz ordentlicher Applaus Richtung Bühne. Dann schließt sie diese Frage mit der klaren Botschaft Richtung Politik:

An uns liegt es nicht!

Als nächstes spricht nun Lutz Bandte. Er verkündet einen neuen Besucherrekord. Es werden ungefähr 10000 Besucherinnen und Besucher erwartet für die folgenden drei Tage in der STATION Berlin. Besonders erwähnt wird außerdem von ihm die politische Präsenz dieses Jahr, die deutlich größer geworden ist, als in den Jahren zuvor. Dankbar für diese entgegengebrachte Aufmerksamkeit nimmt er auch die Pflegenden in Deutschland mit ins Boot. Ohne diese, wäre die aktuelle Aufmerksamkeit niemals erreichbar gewesen.

Danach wurde Jens Wackerhagen von Herrn Bantke auf die Bühne geholt.

Jens hat die Aktion „Jensrennt“ ins Leben gerufen, die Kindern in Krisengebieten wichtige Operationen ermöglichen sollen. Neben der wohltätigen Arbeit die Jens Wackerhagen mit seinem Ultraläufen leistet, hat er auch starke Statements für die anwesenden Pflegekräfte und Politiker mitgebracht. So mahnt er die Politiker, dass:

Die Zeit läuft uns weg

es ist höchste Zeit zu Handeln. Er liefert auch konkrete Forderungen für Verbesserungen: Bezahlung, Qualifikationen, Professionalisierung. Den Pflegekräften in Deutschland ist bewusst, dass die Uhr auf 5 vor 12 steht, deshalb sein nächstes starkes Statement an die Politik:

Ihr solltet auch langsam mal aufwachen

Danach spricht er vielen Anwesenden aus der Seele:

ein Frei im Dienstplan soll auch ein Frei bleiben.

Gerade nach dieser Aussage gibt es einen besonders starken Applaus. Nach weiteren Ausführungen über seinen Lauf nach Hannover, bekommt er symbolisch einen Staffelstab überreicht, dann geht’s los für ihn und er beginnt seinen Ultralauf nach Hannover. (weitere Information in den sozialen Netzwerken unter jensrennt; #jensrennt)

Als nächstes betritt Franz Wagner (Präsident Deutscher Pflegerat) des Podium.

Neben weiteren Begrüßungen, erfolgt die Vorstellung der Gewinner des deutschen Pflegepreises. Danach wird das Motto vorgestellt und die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Hause vor den Fernsehern, Laptops und Smartphones sitzen um den Deutschen Pflegetag mitverfolgen zu können.

Dann wird es politisch. Reformdruck und Pflegeberufe in der Krise sind nur wenige der Problemzonen der Pflege, die von Herrn Wagner angesprochen werden. Außerdem stellt er klar die Folgen des Personalmangels dar: Wartezeiten, gesperrte Betten, verschobene Operationen und die Gefahr des Qualitätsverlustes in der Pflege durch den Personalmangel.

Es kommt zu Verzögerungen, da Herr Spahn etwas Verspätung hat. Zur Überbrückung springt Eckart von Hirschhausen ein. Es lockert die Stimmung super auf. Außerdem gibt er ein starkes Versprechen. Er wird die gesammelten Spenden die #jensrennt einbringt, nochmals verdoppeln, da er diese Aktion sehr gut findet und unterstützen möchte.

Nach der humoristischen Einlage von Herrn von Hirschhausen folgen Zahlen, Daten und Fakten aus dem CARE Klima-Index. Die Zahlen stellen statistisch dar, dass die Stimmung in der Pflege schlechter geworden ist. Und das zwar in verschiedenen Bereichen: gesellschaftlich, qualitativ, politisch repräsentiert sind die Werte signifikant gesunken.

Herr Spahn ist eingetroffen:

 

Eröffnungsveranstaltung Deutscher Pflegetag 2019

Hallo liebe Leser und Leserinnen,

Carewelt.de ist angekommen für Euch beim Deutschen Pflegetag. Wir haben Position bezogen und bereiten uns jetzt noch ein wenig im Pressebereich vor. Ab 10:30 Uhr ist dann die Fachausstellung eröffnet und für alle Besucher zugänglich.

Bild: Oliver Weymann

Dann ab 11:30 wird der Deutsche Pflegetag 2019 offiziell eröffnet. Themen in der Eröffnung werden sein:

  • Staffelübergabe „Jens rennt“
  • Die offizielle Eröffnung durch den Präsidenten des deutschen Pflegerates Herrn Franz Wagner
  • Vorstellung CARE Klima-Index
  • Vortrag über die „Konzentrierte Aktion Pflege“ durch die Bundesminister Spahn, Giffey und Heil

Nach der Eröffnung in Halle 3 der STATION Berlin in der Luckenwalderstraße starten auch die anderen Hallen mit informativen Vorträgen, Workshops und Diskussionen.

Wir bleiben für Euch bis zum Ende live vor Ort und versorgen Euch mit frischen Informationen rund um den Deutschen Pflegetag 2019 aus Berlin.

Vorbericht zur Eröffnung des deutschen Pflegetages 2019

Am morgigen Donnerstag dem 14.März 2019 ist es wieder soweit. Der deutsche Pflegetag 2019 geht in die nächste Runde. Zur Eröffnung geben sich gleich drei Bundesminister und Bundesministerinnen die Ehre, die Besucher zu begrüßen. Herr Jens Span, der aktuelle Bundesgesundheitsminister, Herr Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, und Frau Franziska Giffey, die Bundesfamilienministerin, werden zur Eröffnung sprechen. Kern der Eröffnung werden die Fortschritte der „Konzentrierten Aktion Pflege“ sein.

Mischung aus Mutmachern und Kritik wird erwartet

Die Spannung steigt, wie die Ausführungen der Minister vom Plenum aufgenommen werden. Besonders Herr Spahn wird unter den Pflegenden sehr kritisch beurteilt. Seine Pläne zum Personalmangel oder die neuen Personaluntergrenzen werden auffällig kontrovers in den sozialen Netzwerken und den Talkshows diskutiert. Neben dem Auftritt der Politik wird auch der Geschäftsführer der Schlüterschen, Lutz Bandtke, eine Eröffnungsrede halten. Eine besondere Ehre wird Jens Wackerhagen zuteil. Seine gemeinnützige Aktion wird explizit bei der Eröffnung geehrt und bekommt dort die angemessene mediale Aufmerksamkeit. Mit der Aktion #jensrennt sammelt der Ultraläufer und OP-Fachkraft Jens Wackerhagen Spenden für einen guten Zweck. Genauer geht es darum, dass mit den gesammelten Spenden, Operationen für Kinder aus Krisenregionen ermöglicht werden sollen.

Nach den sicherlich positiven und freundlichen Begrüßungsworten wird es aber mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas ungemütlich werden. Jedoch nicht für die Besucher, sondern wohl eher für die anwesenden Persönlichkeiten aus der Politik. Der CARE Klima-Index, vorgestellt von Frau Stephanie Hollaus, wird mit Zahlen, Daten und Fakten die aktuelle Situation und Stimmung der Pflege veranschaulichen. So geht aus dem aktuellen CARE Klima-Index zum Beispiel hervor, dass sich die Pflegenden in Deutschland nicht ausreichend von der Politik vertreten fühlen. Auch das gesellschaftliche Ansehen hat, nach den subjektiven Einschätzungen, der Pflegenden nachgelassen. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, Deutschland steuert auf einen drastischen Pflegenotstand hin. Manch einer ist auch der Meinung, dass wir uns schon längst in einem Notstand befinden. Niemand aus der Pflege wünscht sich nun, Schnellschüsse und voreilige Entscheidungen zur vermeintlichen Verbesserung der Situation, a la Donald Trump. Aber die Entscheider und Politiker aus des Gesundheitswesen sollten beim deutschen Pflegetag gut zuhören und den Profis der Pflege vertrauen. Denn allein die Wertschätzung löst keine strukturellen Probleme.