Der große Pflegebonus-Überblick

Update 16. Juni 2020:

  • weitere Informationen zu den jeweiligen Bundesländern, ob einen Aufstockung des Pflegebonus vorgenommen wird
  • Informationen für Arbeitgeber wie die Antragstellung abläuft und Vorstellung der angebotene Dienstleistungen von carewelt

Jetzt hat es auch die Pflege erwischt. Erst kam es zu einer Infodemie über das Coronavirus und jetzt passiert das gleiche im Bezug auf den Pflegebonus. Da selbst wir uns langsam schwer tun, den Überblick zu behalten, haben wir für Euch jetzt die bundesweite, sowie länderspezifische Gesetzgebung unter die Lupe genommen. Raus gekommen ist der Pflegebonus-Überblick. Eine Übersicht über alle Boni die an Pflegekräfte in ganz Deutschland teilweise ausgezahlt werden und teilweise leider nicht. Uns ist bewusst, dass der Coronabonus für die Pflege sogar manchen Spalt in die deutsche Pflege getrieben hat, jedoch finden wir von carewelt es trotzdem wichtig und richtig darüber informativ zu berichten. Wir werden kein Wertung zu den Coronaboni abgeben.

Coronabonus für Pflegekräfte – Gesetzgebung Bundestag

Hier gibt es ganz aktuelle Entwicklungen. Nach langem Hin und Her hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, der auch durch die Mehrheit der Regierungskoalition den Bundestag passiert hat. Aufgeführt werden die Informationen und Paragraphen im zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite. Neben vielen Änderungen zum Beispiel in der Krankenhausfinanzierung oder den Leistungen der Pflegekassen ist dort auch der §150a im 11. Sozialgesetzbuch neu geregelt. Dazu einmal den Wortlaut für Euch – PS: Wer nicht den gesamten Rechtstext lesen möchte, kann die Box auch einfach überspringen und hier direkt zu Übersicht kommen.

Sonderleistung während der Coronavirus-SARS-CoV-2-Pandemie

(1) Die zugelassenen Pflegeeinrichtungen werden verpflichtet, ihren Beschäftigten im Jahr 2020 zum Zweck der Wertschätzung für die besonderen Anforderungen während der Coronavirus-SARS-CoV-2-Pan-demie eine für jeden Beschäftigten einmalige Sonderleistung nach Maßgabe der Absätze 2 bis 6 und 8 zu zahlen (Corona-Prämie). Gleiches gilt für Arbeitgeber, deren Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer in Einrichtungen nach Satz 1 im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung oder eines Werk- oder Dienstleistungsvertrags eingesetzt werden.

(2) Die Corona-Prämie ist für Vollzeitbeschäftigte, die in dem Zeitraum vom 1. März 2020 bis ein-schließlich zum 31. Oktober 2020 (Bemessungszeitraum) mindestens drei Monate in einer zugelassenen oder für eine zugelassene Pflegeeinrichtung tätig waren, in folgender Höhe auszuzahlen:

  1. in Höhe von 1 000 Euro für Beschäftigte, die Leistungen nach diesem Buch oder im ambulanten Bereich nach dem Fünften Buch durch die direkte Pflege und Betreuung von Pflegebedürftigen erbringen,
  2. in Höhe von 667 Euro für andere Beschäftigte, die in einem Umfang von mindestens 25 Prozent ihrer Arbeitszeit gemeinsam mit Pflegebedürftigen tagesstrukturierend, aktivierend, betreuend oder pflegend tätig sind,
  3. in Höhe von 334 Euro für alle übrigen Beschäftigten. Freiwillige im Sinne des § 2 des Bundesfreiwilligendienstgesetzes und Freiwillige im Sinne des § 2 des Jugendfreiwilligendienstgesetzes im freiwilligen sozialen Jahr erhalten eine Corona-Prämie in Höhe von 100 Euro.

(3) Den folgenden Auszubildenden, die mit einer zugelassenen Pflegeeinrichtung einen Ausbildungsvertrag geschlossen haben oder im Bemessungszeitraum mindestens drei Monate in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung zur Durchführung der praktischen Ausbildung tätig waren, ist eine Corona-Prämie in Höhe von 600 Euro zu zahlen:

  1. Auszubildenden zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger nach § 58 Absatz 2 des Pflegeberufegesetzes,
  2. Auszubildenden zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger nach § 66 Absatz 2 des Pflegeberufegesetzes,
  3. Auszubildenden zur Gesundheits- und Krankenpflegerin oder zum Gesundheits- und Krankenpfleger nach § 66 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 des Pflegeberufegesetzes,
  4. Auszubildenden zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin oder zum Gesundheits- und Kinderkran-kenpfleger nach § 58 Absatz 1 des Pflegeberufegesetzes,
  5. Auszubildenden zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin oder zum Gesundheits- und Kinderkran-kenpfleger nach § 66 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 des Pflegeberufegesetzes oder
  6. Auszubildenden zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann nach dem Pflegeberufegesetz. Satz 1 gilt entsprechend für Auszubildende in landesrechtlich geregelten Assistenz- oder Helferausbildungen in der Pflege von mindestens einjähriger Dauer.

(4) An Beschäftigte, die im Bemessungszeitraum mindestens drei Monate in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung tätig waren und in dieser Zeit ganz oder teilweise in Teilzeit gearbeitet haben, ist die Corona-Prämie anteilig im Verhältnis zu den in Absatz 2 Satz 1 genannten Höhen zu zahlen. Der jeweilige Anteil entspricht dem Anteil der von ihnen wöchentlich durchschnittlich in dem Bemessungszeitraum tatsächlich geleisteten Stunden im Verhältnis zur regelmäßigen Wochenarbeitszeit der bei derselben Pflegeeinrichtung Vollzeitbeschäftigten; mindestens jedoch dem Anteil der mit ihnen vertraglich vereinbarten durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im Verhältnis zur regelmäßigen Wochenarbeitszeit der bei der Pflegeeinrichtung Vollzeitbeschäftigen.

Abweichend von Satz 1 ist die Corona-Prämie nach Absatz 2 ungekürzt an Teilzeitbeschäftigte zu zahlen, wenn sie im Bemessungszeitraum mindestens drei Monate in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung tätig waren und ihre wöchentliche tatsächliche oder vertragliche Arbeitszeit in diesem Zeitraum 35 Stunden oder mehr betrug.

(5) Die folgenden Unterbrechungen der Tätigkeit im Bemessungszeitraum sind für die Berechnung des dreimonatigen Zeitraums, in dem die Beschäftigten im Bemessungszeitraum mindestens in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung tätig sein müssen, unbeachtlich:

  1. Unterbrechungen von bis zu 14 Kalendertagen,
  2. Unterbrechungen auf Grund einer COVID-19-Erkrankung,
  3. Unterbrechungen auf Grund von Quarantänemaßnahmen,
  4. Unterbrechungen auf Grund eines Arbeitsunfalls oder
  5. Unterbrechungen wegen Erholungsurlaubs.

(6) Soweit Beschäftigte einer Pflegeeinrichtung im Bemessungszeitraum ganz oder teilweise in Kurzarbeit gearbeitet haben, sind für die Bemessung der diesen Beschäftigten jeweils zustehenden Corona-Prämie die von ihnen wöchentlich durchschnittlich im Bemessungszeitraum tatsächlich geleisteten Stunden maßgeblich. Absatz 4 gilt im Übrigen entsprechend.

(7) Die zugelassenen Pflegeeinrichtungen erhalten im Wege der Vorauszahlung von der sozialen Pflegeversicherung den Betrag, den sie für die Auszahlung der in den Absätzen 2 bis 4 und 6 genannten Corona-Prämien benötigen, erstattet. Gleiches gilt für Arbeitgeber nach Absatz 1 Satz 2. Die in den Absätzen 2 bis 4 und 6 genannten Corona-Prämien sowie weitere von den zugelassenen Pflegeeinrichtungen an ihre Beschäftigten gezahlte, vergleichbare Sonderleistungen können nicht nach § 150 Absatz 2 erstattet werden und dürfen auch nicht zu finanziellen Belastungen der Pflegebedürftigen führen.

Bei ambulanten Pflegeeinrichtungen tragen die gesetzlichen Krankenkassen und die soziale Pflegeversicherung die nach Satz 1 entstehen-den Erstattungen entsprechend dem Verhältnis, das dem Verhältnis zwischen den Ausgaben der Krankenkassen für die häusliche Krankenpflege und den Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung für Pflegesachleistungen im vorangegangenen Kalenderjahr entspricht. Zur Finanzierung der den Krankenkassen nach Satz 4 entstehenden Kosten erhebt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen von den Krankenkassen eine Umlage gemäß dem Anteil der Versicherten der Krankenkassen an der Gesamtzahl der Versicherten aller Krankenkassen.

Das Nähere zum Umlageverfahren und zur Zahlung an die Pflegeversicherung bestimmt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen. Die Pflegekassen stellen sicher, dass alle Pflegeeinrichtungen und alle Arbeitgeber im Sinne von Absatz 1 Satz 2 den Betrag, den sie für die Auszahlung der in den Absätzen 2 bis 4 und 6 genannten Corona-Prämien benötigen und den sie an die Pflegekassen gemeldet haben, von der sozialen Pflegeversicherung zu den folgenden Zeitpunkten erhalten:

  1. bis spätestens 15. Juli 2020 für die Beschäftigten und Arbeitnehmer nach Absatz 1 Satz 2, die bis zum 1. Juni 2020 die Voraussetzungen erfüllen, und
  2. bis spätestens 15. Dezember 2020 für die Beschäftigten und Arbeitnehmer nach Absatz 1 Satz 2, die die Voraussetzungen bis zum 1. Juni 2020 noch nicht erfüllen, aber diese bis zum 31. Oktober 2020 erfüllen.

Die Pflegeeinrichtungen und die Arbeitgeber im Sinne von Absatz 1 Satz 2 haben den Pflegekassen bis spätestens 15. Februar 2021 die tatsächliche Auszahlung der Corona-Prämien anzuzeigen. Der Spitzenverband Bund der Pflegekassen legt im Benehmen mit den Bundesvereinigungen der Träger stationärer und ambulanter Pflegeeinrichtungen und geeigneten Verbänden der Arbeitgeber nach Absatz 1 Satz 2 auf Bundes-ebene unverzüglich das Nähere für das Verfahren einschließlich der Information der Beschäftigten und Arbeitnehmer nach Absatz 1 Satz 2 über ihren Anspruch fest. Die Verfahrensregelungen bedürfen der Zustimmung des Bundesministeriums für Gesundheit.

(8) Die Auszahlung der jeweiligen Corona-Prämie durch die jeweilige zugelassene Pflegeeinrichtung oder die Arbeitgeber nach Absatz 1 Satz 2 an ihre Beschäftigten hat unverzüglich nach Erhalt der Vorauszahlung nach Absatz 7, spätestens mit der nächstmöglichen regelmäßigen Entgeltauszahlung zu erfolgen. Sie ist den Beschäftigten in der gesamten ihnen nach den Absätzen 2 bis 4 und 6 zustehenden Höhe in Geld über das Arbeitsentgelt und sonstige Bezüge hinaus auszuzahlen. Eine Aufrechnung mit Ansprüchen der Pflegeeinrichtung oder der Arbeitgeber nach Absatz 1 Satz 2 gegen den Beschäftigten oder Arbeitnehmer nach Absatz 1 Satz 2 ist ausgeschlossen. Die Corona-Prämie ist unpfändbar. Die Sätze 1 bis 4 gelten entsprechend für die Ausbildungsvergütung sowie für das Taschengeld für Freiwillige im Sinne des § 2 des Bundesfreiwilligendienstgesetzes und für Freiwillige im Sinne des § 2 des Jugendfreiwilligendienstgesetzes im freiwilligen sozialen Jahr.

(9) Die Corona-Prämie kann durch die Länder oder die zugelassenen Pflegeeinrichtungen unter Berücksichtigung der Bemessungsgrundlagen der Absätze 1 bis 6 über die dort genannten Höchstbeträge hinaus auf folgende Beträge erhöht werden:

  1. auf bis zu 1 500 Euro für Vollzeit-, Teilzeit- oder in Kurzarbeit Beschäftige, die die in Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 genannten Voraussetzungen erfüllen,
  2. auf bis zu 1 000 Euro Vollzeit-, Teilzeit- oder in Kurzarbeit Beschäftige, die die in Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 genannten Voraussetzungen erfüllen,
  3. auf bis zu 500 Euro alle übrigen Vollzeit-, Teilzeit- oder in Kurzarbeit Beschäftigen einer zugelassenen Pflegeeinrichtung,
  4. auf bis zu 150 Euro für die in Absatz 2 Satz 2 genannten Personen sowie
  5. auf bis zu 900 Euro für die in nach Absatz 3 genannten Auszubildenden.

Gleiches gilt für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach Absatz 1 Satz 2. Die Länder regeln ihr Verfahren. Sie können sich dabei an den Verfahrensregelungen dieser Vorschrift, insbesondere an den genannten Fristen, orientieren.

Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/C/COVID-19-Bevoelkerungsschutz-2_BT.pdf

Ach ja, Sozialgesetzgebung ist etwas herrliches. Besonders die dazu gehörigen Rechtstexte. Dann bringen wir mal etwas Licht ins Dunkel für Euch:

Wer bekommt den bundesweiten Coronabonus Pflege?

  • Die bundesweite Corona-Prämie wird an Beschäftigte in zugelassenen Pflegeeinrichtungen nach dem elften Sozialgesetzbuch ausgezahlt.
  • Ebenfalls an Beschäftigte die im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung oder im Rahmen eines Werk- oder Dienstleistungsvertrages in einer solchen Einrichtung beschäftigt sind.
  • Außerdem erhalten Beschäftigte den bundesweiten Coronabonus, die in der ambulanten Bereich nach dem Fünften Buch direkte Pflege- oder Betreuungsleistungen erbringen.

Wann muss die Arbeit in der Pflegeeinrichtung erbracht worden sein für die Corona-Prämie?

  • Beschäftigte müssen im Zeitraum vom 1. März 2020 bis zum 31. Oktober 2020 mindestens drei Monate in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung tätig gewesen sein. (Bemessungszeitraum)

Beispiel: Eine Altenpflegerin war vom 01.01.2020 im Pflegeheim „Schön altern“ bis zum 15.05.2020 angestellt. Dann hat Sie gekündigt und arbeitet wieder ab dem 1. August 2020 beim ambulanten Pflegedienst „mobile Pflege“. Dadurch ergeben sich folgende Beschäftigungszeiten im Bemessungszeitraum:

  • 1. März 2020 bis 15. Mai 2020: 2 Monate und 15 Tage im Pflegeheim „Schön altern“, sowie
  • 1. August 2020 bis 31. Oktober 2020 (Ende Bemessungszeitraum): 3 Monate

Die zusammengerechneten Zeiten erfüllen die  Maßgaben nach dem Gesetz und die Altenpflegerin hat einen Anspruch auf den Pflegebonus für die Altenpflege.

Wie hoch ist der bundesweite Pflegebonus (Altenpflege)?

Vorab-Info: Es hat tatsächlich jede und jeder Beschäftigte in einer zugelassenen Einrichtung ein Anrecht auf einen Bonus, egal ob examinierte Fachkraft mit dreijähriger Ausbildung oder Freiwillige des Bundesfreiwilligendienstes. Aber schauen wir uns die Staffelung mal im Überblick an:

Pflegefachkräfte, Pflegehelfer oder Betreuungskräfte, die direkte Pflege oder Betreuungsleistungen nach dem elften Sozialgesetzbuch erbringen erhalten einen einmaligen Coronabonus von 1000 €. Ebenfalls erhalten Pflegefachkräfte, Pflegehelfer und Betreuungskräfte die 1000 € Corona-Prämie, wenn Sie nach dem fünften Buch im ambulanten Bereich Leistungen der Pflege oder Betreuung direkt am Pflegebedürftigen erbringen.

Beschäftigte die in einem Umfang von mindestens 25 Prozent ihrer Arbeitszeit gemeinsam mit Pflegebedürftigen tagesstrukturierende, aktivierende, betreuende oder pflegende Aufgaben übernehmen erhalten einen Coronabonus in Höhe von 667 €.

Auch die Arbeit von allen anderen Beschäftigten in den zugelassenen Pflegeeinrichtungen wird durch eine Corona-Prämie honoriert. Diese Beschäftigten erhalten einen Coronabonus von 334 €.

Beschäftigte die einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren oder ein freiwilliges soziales Jahr erhalten eine Corona-Prämie von 100 €, wenn Sie ihren Dienst in einer der zugelassenen Einrichtungen ableisten.

Coronabonus für Auszubildende in der Pflege

Neben den ausgelernten Kräften bekommen aber auch die Auszubildenden aus Pflegeberufen einen Bonus ausbezahlt. Hier sieht die Staffelung wie folgt aus:

Außerdem haben Auszubildende in den landesrechtlich geregelten Assistenz- oder Helferausbildungen in der Pflege ebenfalls einen Anspruch auf die 600 € Corona-Prämie, wenn die Ausbildung mindestens eine einjährige Dauer hat.

Regelung bei Teilzeitbeschäftigung

Alle Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen, die in Teilzeit dort arbeiten haben auch einen Anspruch auf den bundesweiten Pflegebonus-Corona. Dieser wird je nach wöchentlicher Arbeitszeit gestaffelt. Dabei orientiert sich die Staffelung an der sonst üblichen Wochenarbeitszeit von den in der Einrichtung beschäftigten Vollzeitbeschäftigen. Da das ganze ein wenig verwirrend klingt erklären wir Euch das ganze mal schnell an einem Beispiel:

Im Pflegeheim „Schön altern“ arbeiten Vollzeitbeschäftigte in der Woche 38,5 Stunden. Das heißt die Wochenarbeitszeit zur Bemessung beträgt 38,5 Stunden. Pflegekraft „Ursula“ hat eine vertraglich festgelegte Wochenarbeitszeit von 27 Stunden.

  • 38,5 Stunden entsprechen also 100%
  • 27 Stunden demnach also 70,13 %

Also hat Pflegekraft Ursula einen Anspruch auf 70,13% von 1000€ – Sie bekommt 701,30 € Corona-Bonus ausbezahlt.

Der Arbeitgeber von Pflegeeinrichtungen darf jedoch keine Staffelung vornehmen, wenn die wöchentliche tatsächliche oder vertragliche Arbeitszeit im Bemessungszeitraum 35 Stunden oder mehr betrug. Also sind Beschäftigte, die vielleicht einen Vertrag über eine wöchentliche Arbeitszeit von 35€ geschlossen haben nicht betroffen von etwaigen Kürzungen beim Coronabonus für Pflegekräfte.

Ausfallzeiten während des Bemessungszeitraum für den bundesweiten Pflegebonus-Corona

Es kann immer wieder mal vorkommen, dass einen eine schwere Krankheit erwischt oder im deutlich glücklicheren Fall, die Elternzeit ruft. Aber werden diese Ausfallzeiten dann angerechnet in dem Bemessungszeitraum für die bundesweite Corona-Prämie? Hier hat die Bundesregierung folgende Regeln im Gesetz ausgestellt:

Folgende Fehlzeiten dürfen nicht bei der Berechnung beachtet werden:

  • Unterbrechungen von bis zu 14 Kalendertagen (zum Beispiel Krankheit oder Pflegezeit)
  • Ausfallzeiten auf Grund einer Covid-19 Erkrankung
  • Arbeitsausfall auf Grund von Quarantänemaßnahmen
  • Krankheit wegen eines Arbeitsunfalles
  • Zeiträume des Erholungsurlaubs

Sonderfall: Kurzarbeit

Beim bundesweiten Coronabonus für Pflegekräfte hat der Gesetzgeber auch die Möglichkeit von Kurzarbeit aufgenommen. Denn so paradox wie es auch klingen mag, kam und kommt es immer wieder zu Kurzarbeit in Pflegeeinrichtungen. Auf die Gründe möchten wir an dieser Stelle verzichten. Das ist ein anderes Thema.

Also im Falle der Kurzarbeit werden im Bemessungszeitraum die tatsächlich geleisteten Stunden als Richtgröße für die Höhe des Coronabonus angewendet. Also wenn eine Vollzeitkraft in Folge der Kurzarbeit nur 50% der vertraglich festgelegten Wochenarbeitszeit gearbeitet hat, ist dementsprechend der Anspruch auf die Corona-Prämie anzupassen.

Wann und wie wird der Coronabonus für die Altenpflege ausbezahlt?

Der Coronabonus für Altenpflege (bundesweit) wird durch die jeweiligen Arbeitgeber ausbezahlt. Das hat die Bundesregierung in ihrem Gesetz festgelegt. Ursache hierfür ist, dass die Arbeitgeber der Pflegeeinrichtungen eine Vorauszahlung der Kostenträger (Pflegekassen und Krankenkassen) ausbezahlt bekommen und diese Gelder dann an ihre Beschäftigten weitergeben. Also müssen aktuell die Arbeitgeber Aufstellungen anfertigen, wie viele finanzielle Mittel sie benötigen, um jedem Beschäftigen die Corona-Prämie auszahlen zu können. In manchen Bundesländern wird der Coronabonus für die Altenpflege noch aufgestockt. Dazu kommt aber weiter unten noch eine detaillierte Übersicht.

Eure Arbeitgeber erhalten Ihre Vorauszahlung in den folgenden Zeiträumen:

  • Einrichtungen erhalten die Vorauszahlung für ihre Beschäftigten spätestens zum 15. Juli, wenn die Beschäftigten die Voraussetzungen (Stichwort: Bemessungszeitraum) bis zum 1. Juni 2020 erfüllen, und
  • Einrichtungen erhalten die Vorauszahlung für ihre Beschäftigten spätestens zum 15. Dezember, wenn die Beschäftigten die Voraussetzungen (Stichwort: Bemessungszeitraum) bis zum 1. Juni 2020 noch nicht erfüllen, dieser aber bis zum 31. Oktober 2020 erfüllen werden.

Ihr bekommt dann die Corona-Prämie unverzüglich nachdem die Einrichtung oder Arbeitgeber die Vorauszahlung erhalten hat. Wenn dies nicht möglich ist, muss der Coronabonus spätestens mit der nächstmöglichen Entgeltauszahlung erfolgen.

Die Auszahlung der Gelder wird durch die Pflegekassen überwacht. Deshalb haben die Pflegeeinrichtungen einen Nachweis bis zum 15. Februar 2021 abzulegen, dass die Bonuszahlungen tatsächlich getätigt wurden. So soll einer Zweckentfremdung der finanziellen Mittel entgegen gewirkt werden.

Antragstellung Pflegebonus durch Arbeitgeber

Stand: 12.06.2020

Nach einer langen Zeit der Ungewissheit hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) nun zusammen mit Vertretern der Landespflegekassen und des Gesundheitsministeriums eine Verfahrensanweisung herausgegeben. Diese soll den Arbeitgebern die Antragstellung erleichtern und eine transparente Informationspolitik ermöglichen.

Pflegekasse für Pflegebonus finden

Neben Musterformularen und der Festlegung der Antragstellung hat der GKV-SV auch eine Liste veröffentlicht, aus der sich die zuständigen Pflegekassen herauslesen lassen. Somit kann jeder Arbeitgeber den richtigen Ansprechpartner finden.

Berechnung muss selbst gemacht werden

Zwar stellt der GKV-SV einige Formulare und Muster zur Verfügung, dennoch muss jeder Betrieb noch selbst aktiv werden und eine dezidierte Aufstellung der Beschäftigten anfertigen, damit jeder auch die richtige Höhe des Pflegebonus erhält.

Aufstockung des Coronabonus für die Pflege durch die Bundesländer

Die Bundesländer dürfen die Höhe des Pflegebonus noch aufstocken. Jedoch sind dort aus Gründen der Gerechtigkeit Höchstgrenzen festgelegt worden. Im Detail sieht die Gesetzesänderung folgende Aufstockungen vor:

  • Pflegefachkräfte, Pflegehelfer und Betreuungskräfte können bis zu 1500 € erhalten (Teilzeit- und Kurzarbeitsregelung haben Bestand)
  • andere Betreuungskräfte (25 % Regel) können eine Aufstockung bis zu 1000 € erhalten (Teilzeit- und Kurzarbeitsregelung haben Bestand)
  • andere Beschäftigte in einer zugelassenen Pflegeeinrichtung können bis zu 500 € erhalten (Teilzeit- und Kurzarbeitsregelung haben Bestand)
  • Bundesfreiwilligendienst und freiwilliges soziales Jahr: Aufstockung auf bis zu 150 € möglich
  • Auszubildende können nach der Aufstockung maximal einen Coronabonus bis zu 900 € erhalten.

Überblick Pflegebonus Bundesländer

In den sozialen Medien ist die Verunsicherung fast täglich sichtbar. Hier werden Bonuszahlungen für Pflegekräfte immer wieder verwechselt, weil jedes Bundesland ein eigenes Süppchen kocht. Deshalb haben wir uns die schon bestehende oder geplante Rechtsprechung alle Bundesländer angeschaut um Euch bestmöglich zu informieren. Zur besseren Struktur haben wir die Bundesländer alphabetisch sortiert.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Den Beschäftigten in der Altenpflege, die derzeit besonders stark belastet sind, wollen wir in dieser Form nicht nur unseren Dank aussprechen, sondern ein klares Zeichen setzen: Gute Pflege ist uns mehr wert. Dieses Bekenntnis muss auch nach der Corona-Krise weiter gelten“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz.¹

Es wurde zwar noch kein Gesetz der Landesregierung von Baden-Württemberg verabschiedet, jedoch hat die Landtagsfraktion der Grünen öffentlich signalisiert, dass die den Bonus im Rahmen des Bundesgesetzes aufstocken werden. Sobald es dazu Neuigkeiten gibt, findet Ihr dieser hier.

Neben der oben erwähnten Corona-Prämie gibt es in Baden-Württemberg nur vereinzelte Bonuszahlungen an Pflegekräfte. Ein landesweites Programm besteht aktuell nicht.

Update: Aufstockung der Corona-Prämie wird in Baden-Württemberg durch den Landtag zugestimmt. damit dürfen sich die Beschäftigten auf maximal 1500 € freuen.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

In Bayern wird es keine Aufstockung des im Bund beschlossenen Altenpflegebonus geben. Das hat das zuständige Ministerium öffentlich bekräftigt.

bayerischer Coronabonus für Pflegekräfte

In Bayern gab es aber schon lange vor der im Bundestag beschlossenen Sonderzahlung einen Bonus für Pflegekräfte und Rettungsdienst. Diese konnte und kann über das Landesamt für Pflege in Bayern online beantragt werden. Dieser Bonus für Pflegekräfte und Rettungsdienst in Bayern beträgt 500 € oder 300 € und ist ebenfalls steuerfrei. Wenn Du mehr zum bayerischen Pflegebonus für die Pflege erfahren möchtest kannst Du hier klicken.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Das Berliner Parlament, sowie deren politischen Vertreter habe sich noch nicht zu einer potentiellen Aufstockung des Coronabonus in der Altenpflege geäußert. Falls es hier zu Veränderungen oder aktuellen Entwicklungen kommt werden wir diesen Artikel aktualisieren.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Nachdem der Bundesrat dem Gesetz inklusive der Corona-Prämie zugestimmt hat, hat der Landtag von Brandenburg mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen am Freitag (15.05.2020) einen Entschließungsantrag zur Anerkennungsprämie für Pflegebeschäftigte beschlossen.² Damit soll der Pflegebonus des Bundes für die Altenpflege noch auf bis zu 1500€ aufgestockt werden. Die Staffelung der Arbeitszeit, sowie Qualifikation/Ausbildung bleiben davon unberührt.

Update: Der Entschließungsantrag der Landesregierung von Brandenburg hatte Erfolg. Somit wird der Pflegebonus für die Altenpflege durch das Land Brandenburg auf das Maximum von 1500 € angehoben.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Einen konkreten Beschluss des Bremer Senats gibt es zu diesem Thema noch nicht. Jedoch wurde bei einem Beschluss vom 12.05.2020 im Bremer Senat folgendes festgehalten: Wenn auf Bundesebene die Zahlung des Corona-Pflegebonus in Höhe von 1.500 Euro für Beschäftigte in der Altenpflege beschlossen wird, will das Land Bremen ein Drittel der Kosten übernehmen. Das hat der Senat in seiner Sitzung (12. Mai 2020) beschlossen.³

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Der Hamburger Senat hat sich schon vor der Verabschiedung des Bundesgesetzes geäußert und eine Aufstockung auf die maximalen 1500 € angekündigt. Eine entsprechende Verordnung ist in den nächsten Wochen zu Erwarten.

Den Bonus erhalten in Hamburg insgesamt rund 25.400 Beschäftigte in der ambulanten und stationären Altenpflege. Insgesamt wird sich Hamburg mit rund 8,2 Millionen Euro an den Bonuszahlungen beteiligen, die aus den Corona-Mitteln des Haushalts zur Verfügung gestellt werden sollen.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Gesundheitsminister Kai Klose: „Altenpflegerinnen und Altenpfleger stehen seit Wochen unter einem besonderen Druck“. Deshalb hat die Landesregierung von Hessen entschieden den Pflegebonus für die Altenpflege auf die 1500 € aufzustocken.

„Wir wollen, dass die Beschäftigten der Altenpflegeheime in Hessen von dem Bonus profitieren. Deshalb werden wir das auch in Hessen umsetzen. 1000 Euro werden, laut Bund, von der Pflegekasse getragen. Wir haben die Möglichkeit bis zu 500 Euro hinzuzugeben. Das wollen wir auch tun und auch mit den Arbeitgebern über ihre Beteiligung sprechen“,

so der Minister. Die Kosten für diese Aufstockung belaufen sich nach ersten Schätzungen auf 35 bis 40 Millionen Euro.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern hat angekündigt den vom Bund verabschiedeten Pflegebonus aufzustocken. Somit dürfen sich die Beschäftigten in den Pflegeeinrichtungen auf eine höhere Corona-Prämie freuen.

Laut Sozialministerium sollen die Boni gestaffelt nach Ausbildungsstand und Arbeitszeit ausgereicht werden. Bei rund 26 000 Pflegekräften in stationären und ambulanten Einrichtungen sei mit Extraausgaben für das Land in Höhe von etwa 13 Millionen Euro zu rechnen, hieß es. – Quelle: https://www.svz.de/28319142 ©2020

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Die Gesundheitsministerin von Niedersachsen, Frau Carola Reimann (SPD) hat angekündigt, dass das Land den Bundespflegebonus von maximal 1000 € auf die möglichen 1500 € aufstocken möchte. Ihr Ministerium stehe in Kontakt mit dem Finanzministerium um die Mehrausgaben im Nachtragshaushalt festhalten zu lassen. Eine rechtliche Verordnung oder einen Gesetzesentwurf gibt es aktuell noch nicht (Stand 21.05.2020)

Update: Der Nachtragshaushalt ist beschlossen. Demnach wird auch die Corona-Prämie für Pflegekräfte in Niedersachsen aufgestockt.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Die Landesregierung hat sich noch nicht entschieden, ob eine Aufstockung der Corona-Prämie auch in Nordrhein-Westfalen stattfinden wird. Im Laufe der nächsten Woche wird sich die Regierung wohl mit dem Thema befassen. Gesundheitsminister Laumann hat betont er wolle keine einmalige Sonderzahlung, sondern lieber flächendeckende Tariflöhne.

Falls die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen noch bei Thema Pflegebonus nachzieht, werden wir Euch hier zeitnah darüber informieren.

Update: Der Pflegebonus wird im Bundesland Nordrhein-Westfalen durch das Land auf maximal 1500 € pro Person aufgestockt. Dafür nimmt die Landeskasse rund 106 Millionen Euro in die Hand. Minister Laumann zeigte sich erleichtert über die schnelle Einigung.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

„Rheinland-Pfalz wird den nicht vom Bund finanzierten Teil der Corona-Prämie für die Beschäftigten in der Altenpflege im Land aus Landesmitteln aufstocken. Dies ist ein Zeichen der besonderen gesellschaftlichen Wertschätzung der Menschen, die in Rheinland-Pfalz in den Einrichtungen der Altenhilfe während der Corona-Krise Großes leisten“, sagten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Arbeits- und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler im Anschluss an die heutige (19.05.2020) Sitzung des Ministerrates. (Quelle: https://corona.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/News/detail/rheinland-pfalz-beschliesst-aufstockung-des-pflegebonus-auf-bis-zu-1500-euro-1/ )

Damit ist der Weg frei für Beschäftigte in den zugelassenen Einrichtungen der Altenpflege, dass diese sich über einen erhöhten Bonus von maximal 1500 € freuen dürfen.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Die Corona-Pandemie hat uns alle vor neue Herausforderungen gestellt, insbesondere die Pflegekräfte. Obwohl es in den letzten Monaten nicht immer einfach war, trugen die Pflegerinnen und Pfleger in den Pflegeeinrichtungen mit großem Engagement dazu bei, für die Sicherheit und das Wohlergehen der Bewohnerinnen und Bewohner zu sorgen. Solch eine Leistung verdient Anerkennung. Wir wollen unseren Beitrag leisten. Deshalb hat sich die saarländische Landesregierung dazu entschieden, zusätzlich zu den vom Bund beschlossenen 1.000 Euro zusätzlich 500 Euro an Beschäftigte in der Altenpflege im Saarland zu zahlen“, so Ministerin Monika Bachmann. (Quelle: https://www.regio-journal.info/saar-pflegekraefte-bekommen-1500-euro-pflegebonus/)

Zwar gibt es im Saarland, wie auch in einigen anderen Bundesländern, noch kein offizielles Dokument (Gesetz/Verordnung), das die angekündigte Erhöhung in Stein gemeißelt hat, jedoch ist ein Zurückrudern nach einem solchen öffentlichen Statement zur Aufstockung des Altenpflege-Bonus nicht zu erwarten.

Update: Im Saarland haben Pflegekräfte auch die Möglichkeit eine Aufstockung des Pflegebonus zu bekommen. Hier ist jedoch die Antragstellung eine etwas andere, als in anderen Bundesländer. Im Saarland müssen Pflegekräfte die Aufstockung selbst beantragen. Hier geht’s zum Webseite.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Die sächsische Landesregierung hat noch keine öffentlichen Äußerungen dazu getan, ob eine Aufstockung der bundesweiten Pflegeprämie auch die Beschäftigten in Sachsen erwarten darf.

Zwar haben schon vereinzelte Geschäftsführungen von Kliniken und Altenheimen, ihren Beschäftigten Prämien ausbezahlt, jedoch gibt es kein flächendeckendes Konzept wie in Bayern oder auf Bundesebene.

Update: Auch in Sachsen wird der Pflegebonus Altenpflege für die Beschäftigten auf maximal 1500 € aufgestockt. Das hat die Landesregierung vor wenigen Tagen entschieden. Kosten wird die Aufstockung das Land Sachsen circa 50 Millionen Euro.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

In Sachsen-Anhalt ist die Frage nach der Aufstockung noch nicht im Parlament geklärt worden. Öffentlich aufmerksam hat sich die SPD-Fraktion geäußert: Der Landesvorstand sprach sich dafür aus, dass das Land Sachsen-Anhalt die im Gesetz vorgesehene Möglichkeit nutze, die Prämie aus Landesmitteln aufzustocken. Demnach würde die einmalige, steuerfreie Zahlung für Vollzeitbeschäftigte von 1000 auf 1500 Euro steigen.

Wenn eine Gesetzgebung dementsprechend auf den Weg gebracht wird, werden wir Euch hier rechtzeitig und umfassend informieren.

Update: Gesetzgebung für die Aufstockung in Sachsen-Anhalt abgeschlossen. Beschäftigte in der Altenpflege können sich auf bis zu 1500 € freuen.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Hier kommt es leider zu größeren Irritationen durch sehr „abwechslungsreiche“ Berichterstattungen von anderen Medien. So wird in einigen Artikeln nicht zwischen der Altenpflege und Krankenpflege unterschieden. Schleswig-Holstein hat für Sonderzahlungen an Pflegekräfte 40 Millionen Euro reserviert laut der Süddeutschen Zeitung. Jedoch ist hier nicht endgültig zu klären, ob diese Summe nur zum Aufstocken des Altenpflege-Bonus genutzt wird oder auch die Beschäftigten in den Krankenhäusern davon profitieren.

Die Signale für eine Aufstockung des Pflegebonus des Bundes für die Beschäftigten in Schleswig-Holtstein stehen aber auf grün. Auch hier wird es ein ausführliches Update geben, sobald von der Landesregierung genaueres kommuniziert wird.

Aufstockung Coronabonus Altenpflege

Die Landesregierung von Thüringen hat noch keine Planungen zum Aufstocken des bundesweiten Pflegebonus Corona veröffentlicht. Sozialverbände und Arbeitnehmerverbände aus der Pflege erzeugen jedoch schon öffentlichen Druck, dass das Land Thüringen den Bonus aufstocken soll.

Weitere Informationen folgen in Kürze.

Update: Nach dem öffentlichen Druck wird die Landesregierung den Pflegebonus aufstocken. Noch sind die finanziellen Mittel nicht im Nachtragshaushalt verankert, jedoch gibt es öffentliche Bekenntnisse der Regierungsparteien, dass eine Aufstockung kommen wird.

Ist ein spezieller Antrag nötig?

Nein, für den bundesweiten Altenpflege-Coronabonus müssen die berechtigten Personen keinen eigenen Antrag einreichen und ausfüllen. Die komplette Antragstellung, sowie Berechnung der Höhe übernimmt der Arbeitgeber.

Beantragung bayerischer Coronabonus für Pflege und Rettungsdienst

Für den bayerischen Coronabonus müssen die Pflegekräfte und Rettungsdienst einen Online-Antrag auf der Seite des bayerischen Landesamtes für Pflege ausfüllen. Außerdem wird eine Bescheinigung der Tätigkeit benötigt, die zusätzlich einen Nachweis darüber gibt, wie viele Stunden wöchentlich beim Arbeitgeber geleistet werden. Zum Antrag geht es hier lang.

Praxistipp:

Beim bundesweiten Altenpflegebonus solltet Ihr trotzdem die Höhe des Pflegebonus selber nachrechnen. Natürlich möchte hier kein Arbeitgeber seine Mitarbeiter über den Tisch ziehen, aber Rechenfehler passieren immer wieder. Wenn Ihr Fragen habt, ob die Corona-Prämie stimmt schreibt uns einfach eine E-Mail und wir rechnen mit Euch zusammen mal nach.

Hilfe beim Pflegebonus?

Quellen und Literatur

¹https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.finanzierung-steht-bonus-fuer-altenpfleger-gesichert.ad6d04c7-aa09-4f62-9d7a-9efd07dd2889.html

²https://msgiv.brandenburg.de/msgiv/de/presse/pressemitteilungen/detail/~15-05-2020-pflegebonus-altenpflege-aufgestockt

³https://www.senatspressestelle.bremen.de/detail.php?gsid=bremen146.c.335022.de&asl=bremen02.c.730.de

Gewalt in der Pflege

Gewalt in der Pflege

Du kennst sie sicher auch, die Schlagzeilen über die Pflegefachkraft, welche in einem Pflegeheim zahlreiche ältere Menschen auf dem Gewissen hat. Oder die Fernsehreportagen über die miserable Situation in der stationären und ambulanten Pflege. Und wenn du selbst professionelle Pflegekraft bist, dann kennst du sicherlich auch die Geschichten über schlagende Patienten oder musstest es leider schon selbst erleben. Das alles ist Gewalt in der Pflege und hier erfährst du alles Wichtige darüber.

Diese Artikel und Erfahrungsberichte erzählen von älteren Menschen, die in einem stationären Pflegeheim oder durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt und gepflegt werden. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Teil der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland, über die dort berichtet wird. Denn der größte Pflegedienst Deutschlands sind die Familien. Der Großteil aller Pflegebedürftigen wird im Rahmen der häuslichen Pflege versorgt. Aber auch dort kommt es leider immer wieder zu körperlichen oder psychischen Übergriffen.
Denn auch hier, in den „eigenen vier Wänden“, finden all die Dinge, von denen in Reportagen, Artikeln und Berichten erzählt wird, ebenso statt. Nur wird dieses von außen kaum wahrgenommen.

Anzeige

 

Ganz eindeutig zählen Schläge, Tritte und sonstiges eindeutig zu Gewalt in der Pflege und haben dort absolut nichts verloren. Auch eine gewaltsame Reaktion auf eine Gewalthandlung des Pflegeempfängers darf niemals legitimiert werden. Selbstbeherrschung und der Umgang mit solche brenzligen Situation müssen jedoch gerade im Berufsbild der Krankenpflege erlernt werden.

Studien zu Gewalt in der Pflege

Durch die hohe Dunkelziffer und das jahrelange Wegsehen bei dieser brisanten Thematik, ist die Studienlage bei der Gewalt in der Pflege noch relativ dünn. Eine interessante Übersicht zum Thema hat das DIP (deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung) veröffentlicht. Dabei wurden Pflegefachpersonen und Auszubildende zu verschiedenen Gewaltbereichen befragt.
Das ZQP (Zentrum für Qualität in der Pflege) hat ebenfalls ein aktuelle Studie veröffentlicht, die die Laien-Pflegebeziehung näher untersucht hat. Also mögliche Konflikte zwischen dem Pflegeempfänger und der Privatperson, zum Beispiel den Kindern.

Die Links zu den beiden Studien findet ihr hier:

Gewalt in der Pflege gegen Personal

Als Pflegekraft hat man eh schon kein leichtes Arbeitsleben. Für viele ist es ohnehin unerträglich und sie wählen den „Pflexit„. Andere haben nach der Gewalt an der eigenen Person dann endgültig die „Schnauze voll.“
Doch woher kommen diese Gewaltausbrüche? Ist es eine Schutzreaktion aus Angst oder die Unfähigkeit einzusehen, dass man nun an externe Hilfe angewiesen ist.
Wir haben mit betroffenen Pflegekräften gesprochen und gefragt was sie glauben, warum es zu Gewaltausbrüchen bei der Pflege kommt?

Amelie S.: Geschlagen wurde ich zum Glück nur während der Ausbildung. Am Anfang wollte ich immer das komplette Programm durchziehen, auch wenn mein Patient davon nicht begeistert war. Gerade bei dementen oder uneinsichtigen Patienten habe ich dann die Rechnung tragen müssen. Zweimal wurden sie sogar handgreiflich und ich hatte dann blaue Flecken an den Unterarmen. […] Im Nachhinein betrachtet hätte ich wohl eher von meiner Pflegeplanung abweichen müssen, und so die Eskalation vermieden. Aber als Schüler will man einfach keine Fehler machen oder als faul gelten. Dann lieber mit aller Gewalt das eigene Programm durchziehen…

Stephan P.: Ich habe viele Jahre in der Akut-Psychiatrie gearbeitet. Um eines gleich vorneweg zu sagen: Gewalt ist nicht normal in der Psychiatrie. Aber gerade in diesen Einrichtungen ist die Gefahr eines Gewaltausbruches natürlich deutlich größer als zum Beispiel bei einem ambulanten Pflegedienst. […] Was die Auslöser für die Gewalt war? Da gibt es glaub sehr viele unterschiedlicher Auslöser. Einerseits die Grunderkrankungen. Pathologische Angstzustände oder Erregungszustände können natürlich zu Gewalt führen, wenn der Patient keinen anderen Ausweg aus der Situation mehr erkennen kann. Aber auch fehlende Substanzen, also Drogen, haben natürlich ein erhöhtes Gewaltpotential zur Folge.

Anzeige



Bärbel P.: Ich bin mal ganz ehrlich. Ich denke wer als alter Mensch im Krankenhaus oder Altenheim um sich schlägt, der hat das auch schon in jungen Jahren gemacht. Du glaubst gar nicht, was mir schon alles passiert ist. Beleidigungen und Beschimpfungen sind da noch harmlos. Gerade bei Männern, die sich nichts von einer Frau sagen lassen wollen, fliegen schnell mal die Fäuste.

Was haltet ihr von den Aussagen? Könnt ihr diese unterstützen oder habt ihr andere Erfahrungen gemacht? Gerne könnt ihr uns diese mitteilen und wenn ihr wollt veröffentlichen wir diese dann auch. Wir sind gespannt auf euer Feedback.

Gewalt in der Pflege bei Demenz

Wer Gewalt anwendet kann dadurch auch strafrechtlich Verfolgt werden. Diese Möglichkeit der Sanktion fällt bei einer bekannten und bestehenden Demenz weg, da die gewalttätige Person die Handlung nicht bewusst durchgeführt hat.
Wer jedoch eine gewaltsame Handlung an einer Person mit Demenz ausübt, der muss damit rechnen, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Denn gerade bei dieser vulnerablen (verletzlichen) Personengruppe ist eine Gewaltanwendung das absolute No-Go.
Sich in die Situation eines demenzkranken Menschen zu versetzen ist ganz schwierig. Dennoch möchte ich euch bitten, dies kurz zu versuchen. Stellt euch vor ihr könnt keinen eigenen Willen mehr bilden und formulieren. Doch in eurem „früheren“ Leben seid ihr Werten und Normen gefolgt und habt diese auch gelebt. Nun liegt ihr in einem Altenheim und seid zum Beispiel durch die Wegnahme eurer Freiheit in einen Stuhl gesperrt. Die Pflegekraft ignoriert eure Bitte nach der Öffnung des Stuhls, weil sie Angst habt, dass ihr weglaufen könntet oder stürzt. Es kommt zur Gewaltanwendung. Doch wo liegen die Gründe? Eure Meinung wo die Gründe liegen könnten interessieren uns brennend. Lasst uns einfach einen Kommentar da oder schreibt uns eine Mail.

Sonderform: verbale Gewalt in der Pflege

Hier betreten wir mit euch eine Grauzone. Klar kann man unter Freunden mal eine lapidare Bemerkung “ablassen”, die im schlimmsten Fall euren Gegenüber ein wenig verletzt. Aber wie sieht es aus, wenn eine witzig gemeinte Äußerung über oder direkt an einen Pflegebedürftigen, diesen verletzt?

Dort kommt es sicherlich auf das nötige Fingerspitzengefühl an. Ich als Pflegekraft muss die Situation und den Pflegeempfänger einschätzen können. Auch gegebenenfalls anwesende Angehörige können eine unsachliche Formulierung schon als Beleidigung oder ähnliches ansehen.

Anzeige



Floskeln wie: “Jetzt stellen Sie sich nicht so an, Stehen muss drin sein” oder “Sie hängen drin wie ein Schluck Wasser in der Kurve” können durchaus bei manchen Menschen verletzend wirken.
Kraftausdrücke und Beschimpfungen haben jedoch ganz klar bei der pflegerischen Kommunikation keinen Platz. Sie sind immer potentiell als eine Gewalttat in der Pflege anzusehen. Auch in der häuslichen, familiären Pflege sollte vom Gebrauch solcher Ausdrücke abgesehen werden, egal ob eine Demenz vorliegt oder nicht. Wir wissen nie, was solche Wörter für einen Schaden bei unserem Gegenüber anrichten.

Maßnahmen gegen Gewalt in der Pflege

Die Lösungsansätze um gegen die Gewalt in der Pflege agieren zu können, sind sehr vielfältig. Am gängigsten sind die Schulungen für Pflegekräfte um in solchen Ausnahmesituationen nicht mit Gewalt reagieren zu müssen.

Um Überforderung und Überlastung in allen Formen der Pflege zu verhindern, müssen, egal ob Laienpflegekraft oder examinierte Pflegekraft, versuchen, ihre Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Sie müssen offen darüber sprechen, was sie konkret leisten können und was nicht, damit diese Grenzen beachtet werden. Auch eine deutliche Forderung gegenüber dem Arbeitgeber nach Schulungen zur Vermeidung von Gewalt in der Pflege müssen gestellt werden. Auch pflegende Angehörige sollten solche Schulungen erhalten. Dabei kann das Schulungsangebot sehr breit gefächert sein. Kurse zur Stressbewältigung, Pflegekurse mit nützlichen Handgriffen und eine gute Wissensvermittlung, welche Unterstützungsangebote es für pflegende Angehörige es gibt, sind flächendeckend oder online anzubieten.

Was tun bei Gewalt in der Pflege?

Meldestelle für Gewalt in der Pflege

Stück für Stück wird das Thema Gewalt aus der Tabuzone geholt. Ganz deutlich könnt ihr das sehen an der stetig steigenden Anzahl von Anlaufstellen für Betroffene oder Zeugen von Gewalt in der Pflege. In der nachfolgenden Auflistung haben wir für euch die wichtigsten regionalen und deutschlandweiten Meldestellen für Gewalt in der Pflege aufgelistet:

Baden-Württemberg

Krisentelefon „GEWALTig überfordert“- Wenn Pflege an Grenzen stößt
Landratsamt Böblingen – Kreisseniorenrat
Parkstraße 16 – 71034 Böblingen
Telefon: (07031) 663-3000
Mail: info@krisentelefon-bb.de
http://www.krisentelefon-bb.de

Beschwerde- u. Beratungsstelle für Probleme der Altenpflege in Stuttgart
StadtSeniorenRat Stuttgart e.V.
Christophstr.11 – 70178 Stuttgart
Telefon: (0711) 61 59 92 3
Mail: stadtseniorenrat-stuttgart@t-online.de
http://www.stadtseniorenrat-stuttgart.de


Bayern

Städtische Beschwerdestelle für Probleme in der Altenpflege der Landeshauptstadt München
Burgstr. 4 – 80331 München
Telefon: (089) 233 96 9 66
Mail: staedtische_beschwerdestelle.altenpflege@muenchen.de
http://www.muenchen.de/beschwerdestelle-altenpflege

Krisendienst Mittelfranken
 – Hilfe für Menschen in Notlagen
Hessestr. 10
 – 90443 Nürnberg
Telefon: 0911 / 42 48 55-0
Mail: info@krisendienst-mittelfranken.de


Berlin

Pflege in Not – Ein Angebot der Diakonie für Beratung und Beschwerden
Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V.
Bergmannstraße 44 – 10961 Berlin
Telefon: (030) 69 59 89 89
Mail: pflege-in-not@diakonie-stadtmitte.de
http://www.pflege-in-not.de

Berliner Seniorentelefon – Partner des humanistischen Vorsorgenetzes
Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg e.V.
Wallstrasse 61-65 – 10179 Berlin
Telefon: (030) 2796444
http://www.berliner-seniorentelefon.de

Anzeige

Der Berliner Krisendienst
Hilfe bei Krisen und akuten psychiatrischen Notsituationen. Kostenlos. 24 Stunden am Tag. Auf Wunsch anonym. Telefonisch, persönlich und in zugespitzten Situationen auch vor Ort.
https://www.berliner-krisendienst.de/


Brandenburg

Pflege in Not Brandenburg
Beratungs- und Beschwerdestelle bei Konflikt und Gewalt in der Pflege älterer Menschen
Gutenbergstraße 96 – 14467 Potsdam
Telefon: 0800 – 265 55 66
Mail: pin@dwpotsdam.de
http://pflege-in-not-brandenburg.jimdo.com


Bremen

Help-Line für pflegende Angehörige und ältere Menschen
DIKS Demenz Informations- und Koordinierungsstelle Bremen
Telefon: (0421) 79 484 98
Mail: helpline@sozialag.de
http://www.helpline-bremen.de/


Hamburg

Beschwerdetelefon Pflege
Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz
Besenbinderhof 41 – 20097 Hamburg
Telefon: 040 – 28 05 38 22 oder 040 – 428 54 31 91
Mail: beschwerdetelefon-pflege@hamburg-mitte.hamburg.de
Internetseite des Beschwerdetelefon Pflege


Hessen

HsM – Frankfurter Initiative gegen Gewalt im Alter e.V. (Peter Basel)
Geibelstraße 34 – 60385 Frankfurt a.M.
Telefon: (069) 20 28 25 30
Mail: hsm-frankfurt@t-online.de
http://www.hsm-frankfurt.de


Niedersachsen

Pflege-Notruftelefon Niedersachsen – unabhängige Stelle
Meike Janßen M.A. (Sozialpsychologin und Juristin)
Tel.: 0180/2000 872 (pro Anruf 6 Cent)
http://www.sovd-nds.de/pflegenotruf.0.html


Nordrhein-Westfalen

Handeln statt Misshandeln (HsM) (auch auf Facebook)
Siegener Initiative gegen Gewalt im Alter e.V.
St.-Johan-Str. 7 – 57074 Siegen
Telefon: (0271) 6 60 97 87
Mail: hsm-siegen@arcor.de
http://www.hsm-siegen.de

Notruftelefon für Fälle von Gewalt in der Pflege der Stadt Essen
Amt für Soziales und Wohnen
Telefon 0201 / 88-50088
Montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr
https://www.essen.de/leben/hilfe/StartHilfe.de.html

„Not-Telefon“ im Pflegealltag des Kreises Paderborn
Telefon: 05251 308 – 900
Mail: hilfenetz@kreis-paderborn.de
https://www.kreis-paderborn.de/kreis_paderborn/buergerservice/pflegeportal/Hilfen-und-Angebote/beratung/Hilfenetz.php


Rheinland-Pfalz

Informations- und Beschwerdetelefon Pflege und Wohnen in Einrichtungen in Rheinland-Pfalz
Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.
Telefon: (06131) 28 48 41
Mail: pflege@vz-rip.de
Beratung nur schriftlich oder telefonisch


Sachsen

Pflegekonfliktberatung
INTEGRA 2000 e.V. / Pflegebegleiterstützpunkt Chemnitz
Helmholtzstr. 9
09131 Chemnitz
Tel 0371 450 4981
Finanzierung durch Spenden
Mail: info@assistance-sachsen.de
Web: www.pflegekonflikt-sachsen.de


Sachsen-Anhalt

Beratungsstelle für Probleme in der Altenpflege
Zentrales Informationsbüro Pflege |Sozial- und Wohnungsamt – Zimmer 305
Wilhelm-Höpfner-Ring 4, 39116 Magdeburg
Telefon: (0391) 540 24 30
Mail: martin.lehwald@soz.magdeburg.de
http://magdeburg.de/Bürger/Soziales_Gesundheit/Pflegewegweiser/


Schleswig-Holstein

PflegeNotTelefon | Schleswig-Holstein – ein Beratungs-, Krisen- und Beschwerdetelefon
Sibeliusweg 4 – 24109 Kiel-Mettenhof
Telefon: (018 02) 49 48 47
post@pflege-not-telefon.de
http://www.pflege-not-telefon.de/


Neben den regionalen Angeboten besteht in Deutschland auch ein Netz der Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone. Dort können auch noch weitere Meldestellen eingesehen werden, die deutschlandweit koordiniert sind.

Gewalt in der Pflege – Was kann ich tun?

Maßnahmen gegen Gewalt in der Pflege

Jetzt habt ihr einiges über die Gewalt in der Pflege erfahren. Aber was kann ich persönlich tun, dass die Vorkommnisse von Gewalt in der Pflege weniger werden. Dafür haben wir für euch eine 5-Punkte-Plan aufgestellt, den jedermann umsetzen kann und sollte:

  1. Augen auf! Wenn ihr Gewalt mitbekommt, dann schaut nicht weg. Sucht das Gespräch mit den Kollegen oder Familienmitgliedern.
  2. Handelt so, dass euer Handeln ein gültiges Gesetz werden könnte! Schon Immanuel Kant hat bei der Entwicklung seiner Ethik, diese Aussage getroffen.
  3. Nehmt die Hilfe an, die euch angeboten wird! Und wenn sie nicht angeboten wird, dann sucht danach. Am Ende werden wir euch noch eine Liste zusammenstellen, wo ihr Hilfe bekommt.
  4. Hört in euch hinein und bekämpft den Stress! Ich weiß, die Zeit ist immer knapp, aber diese Investition wird sich auszahlen.
  5. Schafft eine Atmosphäre des Vertrauens! Jeder stößt an seine Grenzen. Diese anzusprechen ist keine Beinbruch.

Eure Erfahrungsberichte über die Gewalt in der Pflege

Ich selber möchte euch nun am Ende noch einmal ermutigen über die Gewalt im Pflegealltag zu sprechen. Der Austausch ,wenn du Gewaltanwendungen beobachtet hast oder sie selbst erlitten hast, ist sehr wichtig. Bei uns bekommst du diese Möglichkeit. Bei Fragen oder Erfahrungen zum Thema “Gewalt in der Pflege” könnt ihr uns gerne eine E-Mail schreiben oder uns bei Facebook kontaktieren und wir beantworten euch eure Fragen und haben ein offenes Ohr.

 

Konzertierte Aktion Pflege

Symbolik Konzertierte Aktion Pflege

Was ist die Konzertierte Aktion Pflege?

Bei der Konzertierten Aktion Pflege (KAP) handelt es sich um eine gemeinsame Initiative zur Stärkung der Pflege in Deutschland. Man möchte mehr Menschen für die Pflege begeistern. Dafür haben vergangenes Jahr 2018 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Franziska Giffey und Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, die Konzertierte Aktion Pflege ins Leben gerufen. Sie ist sozusagen ein Projekt der drei Bundesministerien.

Mit fünf Arbeitsgruppen zu einer besseren Pflege

Um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, wurden im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege fünf Arbeitsgruppen (AG) gebildet.

  • Arbeitsgruppe 1: Ausbildung und Qualifizierung
  • Arbeitsgruppe 2: Personalmanagement, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung
  • Arbeitsgruppe 3: innovative Versorgungsansätze und Digitalisierung
  • Arbeitsgruppe 4: Pflegekräfte aus dem Ausland
  • Arbeitsgruppe 5: Entlohnungsbedingungen in der Pflege

Ergebnisse der Konzertierten Aktion Pflege

Mehr Personal durch die KAP

Zukünftig sollen für die Besetzung von Pflegeheimen und Krankenhäusern mit Pflegenden verbindlichere Regeln eingeführt werden. Dafür entwickelt und erprobt man bis Juni 2020 ein Personalbemessungsverfahren, um es dann in Pflegeeinrichtungen zu implementieren. Ein entsprechendes Konzept für die deutschen Krankenhäuser wird von den Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem Verband der privaten Krankenversicherungen, dem deutschen Pflegerad (DPR) sowie den Gewerkschaften und Arbeitgebern entwickelt. Bis zum Ende dieses Jahres legen der DPR, die DKG und Verdi einen Interims-Vorschlag dazu vor. Eine zentrale Servicestelle für berufliche Anerkennung soll die Gewinnung von Pflegekräften aus dem Ausland erleichtern. Zusätzlich soll es künftig für private Vermittler ausländische Pflegekräfte ein Gütesiegel geben. Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser werden u.a. dazu aufgefordert verlässliche Dienstpläne sowie eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu schaffen, um dadurch die Arbeitsbedingungen von Pflegenden zu verbessern.

Mehr Geld durch die KAP

Bisher werden Pflegekräfte sehr unterschiedlich und häufig auch zu niedrig entlohnt. Auch die Entlohnungsbedingungen in der Altenpflege sollen sich über Mindestlöhne und Tarifverträge verbessern. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland in Bezug auf den Pflegemindestlohn sollen künftig entfallen. Um diese Ziele umsetzen zu können, kommen nach Auffassung der AG nur zwei unterschiedliche Wege in Frage.

  • Die Mindestlöhne werden auf Vorschlag der Pflegekommission festgesetzt.
  • Ein Tarifvertrag, der auf der Grundlage des Arbeitnehmer–Entsendegesetzes unter Berücksichtigung des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts flächendeckend erstreckt werden kann.

Die gesetzlichen Änderungen, die dafür erforderlich sind, werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom Bundesministerium für Gesundheit auf den Weg gebracht. In Sachen Finanzen einigte man sich auch darüber, dass eine Verbesserung der Entlohnung eine optimierte Finanzausstattung der Pflegeversicherung erforderlich macht. Pflegebedürftige möchte man vor einer finanziellen Überbelastung durch steigende Eigenanteile schützen.

Mehr Ausbildung durch die KAP

Ziel ist es, die Zahlen der Auszubildenden und der ausbildenden Einrichtungen bis 2023 im Bundesdurchschnitt um jeweils 10 % zu steigern. Des Weiteren will man mindestens 5000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelferinnen und Pflegehelfern schaffen. Zum 1. Januar 2020 starten die neuen Pflegeausbildungen, welche durch die „Ausbildungsoffensive Pflege“ (2019 – 2023) begleitet werden.

Mehr Verantwortung durch die KAP

Deutsche Pflegefachkräfte sollen mehr Entscheidungsbefugnisse bekommen, indem man den Verantwortungsbereich ausweitet. Noch in diesem Jahr entwickelt man Standards zur Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen wie z.B. Ärzten. Die bestehenden Möglichkeiten in Bezug auf delegationsfähige Tätigkeiten sollen besser genutzt werden, um bestehende Hürden effizienter bewältigen zu können.

Mehr Digitalisierung durch die Konzertierte Aktion Pflege

Der hohe Dokumentationsaufwand in der Pflege soll endlich abgeschafft und mittelfristig komplett auf elektronische Datenverarbeitung umgestellt werden (Elektronische Pflegeakte bzw. Patientenkurve, Entlassmanagement, Verordnungen). Ambulante Pflegedienste sollen ab 1. Oktober 2022 Leistungen der Pflegeversicherung nur noch auf elektronischem Weg mit den Kassen abrechnen. Ab dem 1. April 2023 soll dies auch für Leistungen der häuslichen Krankenpflege gelten. Auch der Bereich der Telepflege, um Pflegebedürftige und Angehörige zu beraten, soll weiterentwickelt werden. Technische Systeme zu Kontroll-, Routine- und logistischen Tätigkeiten sollen vermehrt als Unterstützung eingesetzt werden. Damit sind speziell robotische Systeme zum Transport, zur Lagerung und zur Mobilisierung von Personen, intelligente Pflegewägen sowie Systeme zur Risikovermeidung wie Tür-auf-Sensoren, Aufstehmelder, Sturzerkennung und Orientierungslichter gemeint. Dabei ist die Einbindung der Pflegekräfte bei Einführung digitale Techniken von Beginn an essenziell. Nur so kann man die Akzeptanz und den alltäglichen Nutzen der digitalen Hilfsmittel fördern bzw. transparent machen.

Die neue Datenbank für Pflegeberatung im Praxis-Check

Datenbank für Pflegeberatung

Sie pflegen einen Angehörigen zu Hause – Sie haben Fragen zu Wohnangeboten in Ihrer Nähe oder benötigen Beratung bei der Bewältigung von Demenz – Sie wollen sich über Missstände beschweren oder Ihr Recht auf Leistungen mit einem Partner durchsetzen?

Dann finden Sie die richtigen Ansprechpartner in der neuen Datenbank der Stiftung ZQP.

Über das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)

Das ZQP ist eine gemeinnützige Stiftung, mit dem Ziel die Versorgungsqualität der Pflege durch Wissen und Wissenschaft zu verbessern. Da Pflege aber ein so weites Themengebiet ist, hat das ZQP sich einige Schwerpunkte gesetzt, die besonders intensiv bearbeitet werden:

  • Prävention und Reha im Kontext Pflege
  • Patientensicherheit und Gewaltprävention
  • Stärkung von Pflegekompetenz und Pflegewissen
  • Qualitätsdarstellung und -entwicklung von Pflege
  • Pflegeberatung

Auf den dritten und fünften Punkt dieser Liste zielt das neue Projekt der Stiftung ab. Sie wollen Kompetenzen und Wissen in die Breite liefern. Erfolgen soll dies Großteils durch die Pflegeberatungen vor Ort. Und genau bei der Suche der örtlichen Angebote wird die Datenbank nun in Zukunft helfen.

Funktionen der Pflegeberatung Datenbank

Die Suchmaske ist sehr einfach und verständlich aufgebaut. Zu Beginn muss der Nutzer das Umfeld eingrenzen, in welchem er nach Angeboten sucht, damit die regional passenden Suchergebnisse angeboten werden können. Dazu wird eine Postleitzahl, Adresse oder Ort benötigt. Auch eine Standortbestimmung durch das ZQP selbst ist möglich, wenn eine Einwilligung vorliegt, die Standortdaten zu übermitteln.

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Unter dem Eingabefeld können anschließend Schwerpunkte gesetzt werden, in welchen Bereichen der Nutzer nun Hilfsangebote benötigt. Die Einträge in der Datenbank werden dann nach den Kategorien Pflege, Demenz, Wohnen, Betreuungsrecht, Selbsthilfe und Beschwerden gefiltert.

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Suchergebnisse der Datenbank für Pflegeberatung

Je nach Region kann die Liste der Ergebnisse unterschiedlich lang sein. Auch die Entfernungen zur nächstgelegenen Beratungsstelle, können im ländlichen Raum gut und gerne mal über 50 km betragen. Da das ZQP jedoch keinerlei Einfluss auf die Infrastruktur der Beratungsangebote in der Pflege hat, kann man ihm dort keinen Vorwurf machen. Viel mehr begeistert die übersichtliche Anzeige der Suchergebnisse.

Alleine die interaktive Karte, die von Google zur Verfügung gestellt wird, überzeugt im Praxistest. Eine intuitive Bedienung und schnelle Ladezeiten (abhängig von der eigenen Internetverbindung) lassen so schnell einen geeigneten, örtlichen Ansprechpartner finden.

Unter der Karte wird dann der erste Treffer der Suche in einer Art Detailansicht dargestellt. Dort finden sich Kontaktinformationen, ein Überblick über die angebotenen Leistungen und den Träger. Außerdem ist direkt einsehbar, ob Hausbesuche geleistet werden oder die Beratung in einer anderen Form erfolgt (z.B. telefonisch, im eigenen Haus, etc.).

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Unter dem ersten Treffer werden die anderen Ergebnisse in einer schlichten Reihung ohne die Detailansicht dargestellt. Durch eine simplen Klick auf das „PLUS“ kann man als Nutzer aber auch sofort die Details der unteren Suchtreffer aufrufen und durchlesen.

Bildschirmfoto von https://www.zqp.de/beratung-pflege/ mit freundlicher Genehmigung des ZQP

Wenn man keinen passenden Treffer gefunden hat, kann man als Nutzer als durch einen Klick auf „Suche ändern“ zur Suchmaske zurückkehren und dort eine neue Suche mit anderen Parametern starten.

Feedback zur neuen Pflegeberatung-Datenbank

Wir finden das ZQP hat tolle Arbeit geleistet. Der schlichte Aufbau und die intuitive Bedienung überzeugen. Die angesprochene Zielgruppe wird sich unserer Meinung nach gut zurecht finden. Auch die Menge an Daten und Einträgen ist erstaunlich. Bei unserer Stichprobe (10 große Städte und 10 Städte mittlerer Größe) haben wir bei jeder Suche ein passenden Angebot gefunden. Da die Datenbank noch weiter wachsen wird, wird das Angebot der Ergebnisse aller Voraussicht nach noch weiter steigen.

Also egal, ob Sie zum Thema Demenz Hilfe brauchen oder eine Auskunft über Wohnangebote suchen, bei der Datenbank für Pflegeberatung des ZQP werden Sie bestimmt fündig.

Pflegegutachten – Pflegegrad beantragen

Pflegegutachten | Der Weg zum Pflegegrad

Leistungen bei Pflegebedürftigkeit werden nur ausgezahlt wenn vorher ein Pflegegrad festgestellt worden ist. Ein solches Pflegegutachten wird bei der gesetzliche Pflegeversicherung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen erstellt. Bei Menschen, die privat versichert sind, kommt zur Prüfung medicproof, der medizinische Dienst der Privaten.

Der Weg zum Pflegegrad

Wenn ein Mensch durch eine Behinderung, Krankheit oder Alter abhängig wird von Pflege, dann kann es ganz schnell ganz teuer werden. Um die finanziellen Belastungen für die Angehörigen und die Pflegeempfänger im Rahmen zu halten, gibt es Leistungen aus dem 11. Sozialgesetzbuch. Um diese Leistung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit gestellt werden. Dieser wird dann je nach Versichertenkreis vom MDK (medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder von medicproof bearbeitet. Anschließend wird dann ein Gutachten erstellt, welches bei privaten und gesetzlich Versicherten gleich abläuft.

Bewertungsmerkmale im Pflegegutachten

Die Bewertung erfolgt beim Pflegegutachten in 6 Modulen.

Modul 1: Mobilität

In diesem Modul wird gemessen wie weit sich der pflegebedürftige Mensch selbst bewegen kann. Neben der „normalen“ Mobilität wird auch bewertet, welche Positionswechsel selbstständig möglich sind oder ob die betroffene Person Treppen steigen kann.

Modul 2: kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Dementielle Erkrankungen oder ein Schlaganfall können diese Fähigkeiten besonders beeinflussen. Deshalb wird in diesem Modul genau geschaut in wie weit sich der Pflegebedürftige orientieren und ausdrücken kann. Auch das Thema Selbstbestimmung wird hier geprüft. Können Entscheidungen selbst gefällt und formuliert werden?

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Probleme

Leidet ein Mensch an Angstzuständen oder zeigt ein aggressives Verhalten, dann wird dies im Modul 3 festgehalten. Denn auch diese Beeinträchtigungen können einen höhere Pflegebedürftigkeit verursachen. Exkurs: neue Fixierungsrichtlinien

Modul 4: Selbstversorgung

Hier wird bewertet, wie gut sich der Betroffene selbst versorgen kann. Schwerpunkte hier sind folgende Tätigkeiten: Körperpflege, Essen und Trinken, An- und Auskleiden.

Modul 5: Bewältigung von krankheitsbedingten Herausforderungen

Dort wird gefragt nach dem Unterstützungsbedarf, welcher durch Krankheiten oder Behinderung besteht? Zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel:

Der Betroffene leidet an einer Demenz und ist ansonsten körperlich fit. Neben der Demenz besteht auch ein insulinpflichtiger Diabetes. Durch die Demenz werden die regelmäßige Injektionen von Insulin vergessen. Also kann der Betroffene die Bewältigung nicht selbst sicherstellen. Eine zusätzliche Pflegebedürftigkeit ist damit festgestellt.

Modul 6: Gestaltung des Alltags und der sozialen Interaktionen

Das Pflegegutachten fragt auch nach, wie weit die soziale Integration selbstständig erfolgen kann. Neben den sozialen Interaktionen wird auch die Bewältigung des Alltags bewertet. Zum Beispiel könnte eine Betroffene sich nicht mehr selbstständig bewegen aber das Telefon bedienen und sich so verabreden. Somit sind dort noch Ressourcen vorhanden, die dann gefördert werden können.

Punktesystem beim Pflegegutachten

Jedes Modul hat bei der Bewertung eine eigene Gewichtung. So fallen die Punkte der Selbstversorgung besonders stark ins Gewicht.

Der maximale Punktwert, der erreicht werden kann ist 100. Die Staffelung der Pflegegrade sieht wie folgt aus:

  • 12,5 bis 27 Punkte: es liegt eine geringe Beeinträchtigung vor und der Pflegegrad 1 wird attestiert.
  • 27 bis 47,5  Punkte: es liegt eine erhebliche Beeinträchtigung vor und der Pflegegrad 2 wird attestiert.
  • 47,4 bis 70 Punkte: es liegt eine schwere Beeinträchtigung vor und der Pflegegrad 3 wird attestiert.
  • 70 bis 90 Punkte: es liegt eine schwerste Beeinträchtigung vor und der Pflegegrad 4 wird attestiert.
  • 90 bis 100 Punkte: es liegt eine schwerste Beeinträchtigung vor, die besondere Anforderungen an die Pflege stellt. Der Pflegegrad 5 wird attestiert.

Vorbereitung auf das Pflegegutachten

Als Angehöriger einer pflegebedürftigen Person sollten Sie sich einige Gedanken machen, bevor das Pflegegutachten erstellt wird.

Scham und Angst sind kein guter Begleiter. Deshalb sollten Sie ihren Angehörigen auf den Besuch des Gutachters so gut wie möglich vorbereiten und einstellen. Versuchen Sie selbst ein Gefühl der Normalität auszustrahlen um die Verunsicherung möglichst gering zu halten.

Ihre Erfahrungen haben auch ein gewisse Relevanz. Denn meistens dauert es ein paar Wochen bis der Gutachter kommt. Bis dahin haben Sie schon einige Erfahrung gemacht und eventuell spezielle Probleme identifiziert. Schreiben Sie diese Punkte auf und präsentieren die Probleme dem Gutachter. Er wird es in das Pflegegutachten mit aufnehmen.

Sammeln Sie Befunden, Dokumentationen und Arztbriefe. Diese Informationen helfen dem Gutachter sich ein umfassendes Bild über Ihren Angehörigen zu machen.

Was ist der Pflexit?

Pflexit

In den sozialen Netzwerken und diversen Fachzeitschriften liest man immer öfter über den sogenannten Pflexit. Aber was ist das überhaupt? In der Diskussion muss unbedingt zwischen den zwei Arten des Pflexits unterschieden werden.

Der persönliche Pflexit

Darunter versteht man, dass Pflegekräfte aus persönlichen Gründen dem Pflegeberuf den Rücken zu kehren. Ursachen dafür sind äußerst vielseitig und vielschichtig. In der wissenschaftlichen Literatur lassen sich zwei Ursachengruppen identifizieren.

Rahmenbedingungen als Pflexit-Ursache

Zunehmende Arbeitsverdichtung, mangelnde Anerkennung durch die Öffentlichkeit und/oder den Arbeitgeber, schlechte Bezahlung und fehlende Freizeit sind die federführenden Gründe, weshalb Pflegekräfte aus dem Beruf aussteigen. Also ihren persönlichen Pflexit vollziehen.

Die Belastungen und die fehlende Anerkennung führen schnell zu einer „inneren“ Kündigung. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer sich nicht mehr mit seinem Arbeitgeber verbunden fühlt und nur noch seinen „Dienst nach Vorschrift“ ableistet. Das ist nicht nur gefährlich für die Organisation selbst, sondern kann negative Folgen für Patienten/Bewohner mit sich bringen. Denn durch diese innere Einstellung kann auch schnell die Qualität der Versorgung sinken. In der Betriebswirtschaft ist in diesem Zusammenhang immer wieder die Rede von Engagement und Commitment von Angestellten. Aber was ist das genau und wie können Arbeitgeber durch diese Attribute ihre Mitarbeiter besser binden?

Anzeige


Wenn Mitarbeiter Engagement und Commitment in ihrer Verhaltensbereitschaft zeigen, dann führt das zu Produktivität, Effizienz und einer hochwertigen pflegerischen Versorgung. Jedoch kann der Angestellte das nicht alleine aus seiner persönlichen Position heraus. Dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Auch diese Faktoren sind wissenschaftlich sehr gut untersucht:

Ein Arbeitgeber muss seinem Arbeitnehmer gegenüber:

  • Informationen weitergeben,
  • die Arbeitstätigkeit attraktiv und angemessen gestalten,
  • ein kooperatives Führungsverhalten zeigen,
  • Entwicklungsmöglichkeiten schaffen,
  • das persönliche Wohlbefinden fördern.

Neben diesen Kernelementen, die in Studien als besonders wichtig eingestuft worden sind, sind auch Faktoren wie Kollegen und Entlohnung ebenfalls relevante Faktoren.

Rahmenbedingungen-Fazit

Rahmenbedingungen sind natürlich abhängig von politischen Entscheidungen und von Tarifverhandlungen. Jedoch hat auch jede Führungskraft im Gesundheitswesen und in der Pflege die Möglichkeit durch eigene Maßnahmen die Ursachen für den persönlichen Pflexit zu verhindern.

psychische und physische Auslöser

Im oberen Abschnitt wurde schon das Wohlbefinden von Mitarbeitern angesprochen. Darauf möchten wir jetzt noch genauer eingehen.

Anzeige


Für manche Pflegefachkräfte sind die schlechten Rahmenbedingungen vermeintlich gut ertragbar. Doch die Zahlen bezüglich Krankenstand und psychischen Erkrankungen im Bereich der Pflege sprechen eine andere Sprache. Ich denke viele von euch kennen Kollegen oder Kolleginnen, die sich aufopfern. Dieses „Aufopfern“ kann aber auch wieder verschiedene Möglichkeiten haben. Manchen tun dies aus falscher Dankbarkeit dem Arbeitgeber gegenüber. Sie haben das Gefühl, dass sie ihm (dem Arbeitgeber) etwas schuldig sind und setzen dann die eigene Gesundheit auf’s Spiel. Andere fühlen sich dem Team auf der Station oder dem Wohnbereich so verbunden, dass für sie der Gedanke unerträglich ist, wenn sie jetzt nicht Einspringen oder zu Hause bleiben, weil sie selber krank sind. Beides ist verheerend für diese „Gut-Menschen“. Denn ein solches Verhalten verursacht in vielen Fällen Krankheiten, die dann gegebenenfalls sogar in einer Berufsunfähigkeit münden oder vorher dann doch irgendwann einen persönlichen Pflexit aus gesundheitlichen Gründen auslöst.

Einflüsse der Rahmenbedingungen sind hier natürlich nicht von der Hand zu weisen. So ist die Arbeitsverdichtung einer der Hauptgründe für Erkrankungen am Bewegungsapparat. Oder die Tatsache, das man heute als Pflegekraft einen Patienten alleine mobilisieren muss, wo früher noch ein weitere Paar Arme zur Verfügung gestanden sind.

Belastungen-Fazit

Jeder ist sich selbst der Nächste! Ich möchte an dieser Stelle nicht zum absoluten Egoismus aufrufen. Aber wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Wenn man krank ist, dann bleibt man zu Hause. Wenn man einen Patienten hat, der einfach zu schwer ist und man ihn alleine aus dem Bett heben müsste, dann geht das halt nicht. Und wer mit dem Stress nicht umgehen kann, sollte sich Gedanken machen vielleicht ein Seminar zur Stressbewältigung zu besuchen. Verantwortung für das eigene Wohlbefinden liegt in erster Linie bei einem selbst, auch wenn der Arbeitgeber natürlich auch Bestrebung anstellen sollte, um das Wohlbefinden zu steigern. Zum Beispiel im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Der System-Pflexit

Dieser Pflexit wird in der Zukunft stattfinden, jedoch nicht die gesamte Pflegebranche beeinflussen, sondern nur die Pflege in Krankenhäusern. Aktuell werden pflegerische Tätigkeiten über die DRGs abgerechnet.

DRGs gruppieren Fälle ein. In diesen Fall fließen dann verschiedene Parameter ein. Aus den ganzen Daten wird dann am Ende ein Fallwert erzeugt. Dieser stellt dann die Vergütung für das Krankenhaus dar, welches es für den Patienten XY mit der Diagnose AB bekommt. Seit der Einführung der DRGs werden in diesen Geldern auch die jeweiligen Pflegetätigkeiten am Patienten mehr oder weniger vergütet. Also: Es gab keine eigenes Abrechnungssystem der Pflegetätigkeiten in Krankenhäusern. Das soll sich jetzt ab dem 01.01.2020 ändern. Die Öffentlichkeit verwendet dafür den Begriff des „Pflexits“. Angelehnt an den Brexit von Großbritannien aus der EU.

Wie wird die neue Rechnung aussehen?

Das Abrechnungssystem im Krankenhaus war und wird für Laien immer etwas verworren bleiben. Die DRGs haben wir versucht mal kurz und knapp zu erklären. Aber wie ist das jetzt mit der neuen Pflegepersonalkostenvergütung ab 2020, die im PpSG §6 KHEntgG und anderen Gesetzen festgeschrieben worden ist?

Anzeige


Also die DRGs bleiben erhalten. So viel steht man fest. Dazu kommen wird jedoch eine neue Pflegeerlösabrechnung. Diese soll dann die Pflegekosten realistisch darstellen.

Der Erlös, welcher in Zukunft aus der Pflege abgebildet wird, besteht aus drei Faktoren. Multipliziert wird eine Bewertungsrelation mit der Verweildauer und einem individuellen Pflegeentgeltwert. Der Pflegeentgeltwert setzt sich aus der Relation zwischen den Pflegekosten und dem Pflege-Daymix zusammen. Wenn dann am Ende der Erlös nicht die Pflegekosten decken kann, würden die Pflegekosten ausgeglichen werden. Also werden die Mehrkosten zu 100 %  weitergeleitet. Die damit verbundene Selbstkostendeckung hat aber nicht nur positive Folgen, was den GKV schon auf den Plan gerufen hat. In einer Stellungnahme zu den Plänen heißt es:

„Die vorgeschlagene Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den DRG-Fallpauschalen auf Basis einer Selbstkostendeckung löst zwar das Problem der zweckgebundenen Finanzierung in der Pflege, da mit der Vereinbarung des Pflegebudgets auch nur tatsächlich belegte Pflegepersonalkosten finanziert werden. Die mit der Selbstkostendeckung verbundenen Fehlanreize wiegen allerdings schwer (Unwirtschaftlichkeit und Intransparenz). Vor diesem Hintergrund sollten die möglichen und in der Vergangenheit zu beobachtenden Fehlanreize der Selbstkostendeckung bei der Ausgestaltung der künftigen Pflegefinanzierung weitestgehend ausgeschlossen werden. Ein System, das keinerlei Bedarfsrahmen setzt, umfangreiche Nachweis-und Kontrollpflichten bedingt und keine Transparenz über die Mittelverwendung kennt, kann keine Dauerlösung sein.“

System-Pflexit Fazit:

Neben den Ängsten der gesetzlichen Krankenversicherungen, dass Gelder im System falsch verwendet werden und es noch Unwirtschaftlicher wird, haben auch viele Pflegekräfte Angst davor, dass sie in Zukunft Tätigkeiten ausführen müssen, die eigentlich nicht Bestandteil der Pflegeausbildung waren. Das Problem dahinter ist die fehlende Definition im Gesetz, was den Pflege überhaupt im Krankenhaus zu tun hat und tun darf. Daher könnte eine weitere Arbeitsverdichtung der Pflege bevorstehen, wenn die neuen Stellen zwar zu 100% Refinanziert werden, aber nicht ganz klar geklärt ist, was die Pflegekräfte überhaupt machen müssen. Denn eins ist mal klar. Ein Geschäftsführer, der die Ausgaben für eine Pflegestelle komplett zurück bekommt, aber keine Vorgaben bekommt wie er diese Pflegekraft überhaupt einsetzen muss. Der wird sicherlich mit dem Gedanken spielen, ob man Pflegekräfte nicht auch zur Bettenaufbereitung oder Zimmerreinigung einsetzten könnte. Denn die Stellen für Reinigungspersonal werden natürlich in der näheren Zukunft nicht refinanziert.

Anzeige


Patientenlotsen vs. Community Health Nursing

Ganz aktuell ist nun ein relativ unbekannter Begriff in der Gesundheitspolitik auf den Tisch gekommen. Es geht um sogenannte Patientenlotsen. In den Fokus gerückt wurde dieses Thema durch zwei starke Frauen aus dem Gesundheitswesen. Grit Braeseke (Berliner IGES Institut) und Claudia Schmidtke (Patientenbeauftragte der Bundesregierung).

Was sind Patientenlotsen?

Patientenlotsen sollen, einfach gesprochen, Menschen helfen sich im Gesundheitssystem zurecht zu finden. Genauer geht es um die Orientierung im SGB V. Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch V zielen auf die medizinische Versorgung ab. Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Rezepte oder Fragen der Kostenübernahme sind nur einige Bereiche, die von einem Patientenlotsen abgedeckt werden könnten. Dabei ist jedoch noch recht offen, welche Qualifikationen oder Ausbildungen solche mitbringen müssen. Die Ungewissheit liegt auch daran, dass es bis jetzt nur einzelne Modellversuche zu Projekt „Patientenlotsen“ gibt.

Wer kann von den Lotsen profitieren?

Der Zugang zu den Lotsen soll zu Beginn des Projektes stark beschränkt werden. Alte Menschen, die grundsätzlich als gesund gelten, können zum Beispiel keinen Anspruch auf einen Termin beim Patientenlotsen haben. Das IGES-Institut sagt zu der angepeilten Zielgruppe folgendes:

…Patientenlotsen für schwer, chronisch oder mehrfach erkrankte Menschen einzuführen, die ihre Versorgung nicht selbst oder mithilfe ihres Umfeldes organisieren können.

Kritik am Patientenlotsen-Modell

Die Sozialgesetzbücher Deutschlands sind alles andere als einfach zu verstehen. Unzählige Jahrgänge von Studenten der verschiedensten Fachrichtungen haben sich damit schon auseinander geschlagen und sich durch die Prüfung gekämpft. Da stellt sich doch die Frage, wie dann Einzelpersonen, die kein rechtliches Hintergrundwissen haben, durch diesen Irrgarten gelangen sollen. Ganz abgesehen davon, dass eventuell Leistungen, die einem Menschen zustehen dann nicht in Anspruch genommen werden können.

Anzeige


Außerdem regt sich Widerstand von den Hausärzten und Fachärzten für Allgemeinmedizin. Denn bis jetzt erfolgt eine solche Beratung meistens durch die Ärzte oder die medizinischen Fachangestellten. So schreibt zum Beispiel ein Leser auf der Webseite des deutschen Ärzteblattes:

Der vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ins Spiel gebrachte Patientenlotse soll die bio-psycho-soziale, medizinische Steuerungsfunktion der Hausärztinnen und Hausärzte und ihre Mitarbeiter/-innen in Deutschland ganz offensichtlich untergraben, für bisher unzureichend, unqualifiziert, ungenügend und nicht zertifiziert erklären: Die vertragsärztliche Kernkompetenz der hausärztlich-allgemeinärztlich-internistischen Versorgung ersetzen oder überflüssig machen.

Zudem wird in einigen Kommentaren die Angst formuliert, dass durch die neuen Patientenlotsen, noch weniger Absolventen den Weg in die ländliche Hausarztpraxis suchen werden, und somit die Versorgung im ländlich Raum noch schlechter gewährleistet werden kann.

Uns von carewelt stellt sich jedoch eine ganz andere Frage: Warum brauchen wir dieses Modell überhaupt? Es gibt nämlich schon ein Modell, was sich in anderen Ländern schon längst bewahrt hat. Community Health Nursing ist die Versorgungsstruktur der Zukunft, jedoch sucht Deutschland wieder nach einem eigenem Weg, der dann wie so oft wieder scheitern wird.

Was genau ist Community Health Nursing (kurz: CHN) ?

Community Health Nursing ist Teil der primären Gesundheitsversorgung. Dabei soll und wird es nicht die Beziehung zum Hausarzt ersetzen, sondern diese stärken und verbessern. Aber wie ist das möglich?

Ganz einfach: Ziel ist es immer einen Mehrwert für den Patienten oder potentiell zukünftigen Patienten oder die pflegebedürftige Person zu verschaffen. Und jetzt möchte ich Euch und Sie auffordern mal in die Vergangenheit zu reisen, und sich an die letzten fünf Arztbesuche zu erinnern. Und jetzt rechnen Sie mal bitte aus, auf wie viele Minuten Sie insgesamt kommen, in denen Sie tatsächlich Kontakt mit dem behandelnden Arzt hatten. Zu wenig Ihrer Meinung nach? Keine Angst: Ihre Meinung täuscht Sie nicht. Es ist zu wenig Zeit.

Eine Studie die im Fachjournal „BMJ Open“ veröffentlicht worden ist, zeigt die erschreckenden Zahlen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Gesprächszeit bei ungefähr 7,5 Minuten. Und unsere europäischen Nachbarn? Haben dort die Patienten mehr Zeit mit ihrem Arzt? In der Tat, und die Unterschiede sind wirklich signifikant. In Frankreich beträgt die Zeitspanne 16 Minuten, die Schweizer Patienten bekommen 17 Minuten Zeit zum Reden eingeräumt. Spitzenreiter ist Schweden mit atemberaubenden 22,5 Minuten.

Wie kommen solche Zahlen denn zustande?

Wenn ein Patient zum Beispiel zum Arzt geht ohne vorher sich informiert zu haben oder vorbereitet worden zu sein muss der Arzt versuchen alle Information in kürzester Zeit zusammen zupacken und dem Patienten verständlich wiederzugeben. Dieses Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Denn wenn ein Patient multimorbide oder chronisch krank ist,  dann hat er viele Fragen und viele Baustellen die es zu Beachten und zu Bearbeiten gilt. Solche Baustellen könnten zum Beispiel durch Community Health Nurses bearbeitet werden. Durch extra ausgebildetes (akademisiertes) Pflegepersonal, welches sich mit chronischen Krankheiten und multimorbiden Erkrankten gut auskennt, können Beratungsprozesse beschleunigt werden und die Sprechzeit mit dem Arzt verlängert werden.

Anzeige


Welche Einsatzgebiete gibt es beim CHN?

Ja nach Setting kommt es zu verschiedenen Tätigkeiten die, die Community Health Nurse durchführen kann. Dabei geht es um die Beratung der Patienten und Patientinnen, das klinische Assessment, die Befähigung von Patienten und Patientinnen. Gerade der Punkt, dass man Patienten und Patientinnen befähigt zu einer eigenen Meinung über die eigene Gesundheit ist essentiell. Denn daraus erfolgt ein tatsächliches Mitsprachrecht. Aktuell sind die Patienten äußerst abhängig davon, welche Informationen ihnen durch den Arzt zur Verfügung gestellt werden. Das liegt jedoch nicht an der Willkür der Ärzte, sondern an dem herrschendem Zeitmangel, und den Druck jeden Patienten sehen zu müssen.

Darüber hinaus ist ein großer Schwerpunkt die Gesundheitsförderung oder die Gesundheitserhaltung. Dabei liegt der liegt das Augenmerk auf den verschiedenen Präventionsarten. Also der primär-, sekundär-, und Tertiärprävention. Zudem können Community Health Nurses bei der Vermittlung von Gesundheitskompetenz helfen und auch die Koordination und Kooperation von verschiedenen Anbietern und Dienstleistungen aus dem Gesundheits- und Pflegewesen stärken.

Die Zielgruppen beim Community Health Nursing

Im Gegensatz zu den Patientenlotsen ist bei dem Community Health Nursing-Ansatz die Zielgruppe deutlich größer und weit gefächert. Es gibt Menschen mit chronischen Erkrankungen Menschen mit Unterstützungsbedarf oder pflegebedürftige Menschen. Zudem würden auch alte Menschen oder alleinstehende Menschen die Beratung benötigen die Ansprüche erfüllen, um Teil der Zielgruppe vom CHN zu werden. Ebenso könnten Menschen mit speziellen Problemen oder Problemen die mit ihrer Herkunft zusammenhängen beraten werden. So zum Beispiel geflüchtete Menschen oder Asylbewerber denen das nötige Grundwissen der deutschen Versorgungsstrukturen und der deutschen Gesetzgebung fehlt. Ein weiteres Setting wäre beispielsweise die Gesundheitserziehung in Schulen zu fördern. Dort könnten auch Community Health Nurses helfen, dass z. B. Kinder mit Über-, Unter-, oder Fehlernährung ihre Probleme zusammen mit den Eltern oder Lehrern bewältigen und somit spätere Folgeerkrankungen vermeiden können. Dadurch würde auch eine finanzielle Entlastung des deutschen Gesundheitssystems einhergehen.

Neben der individuellen Gesundheitsberatung kann auch das Versorgungsmanagement das sogenannte Casemanagement dadurch verbessert werden. So sind z. B. Prozesse der Überweisung oder Überleitungen in stationäre Altenheime oder Reha-Einrichtungen durch Community Health Nurses möglich und erleichtern somit den Arbeitsaufwand von Hausärzten oder den Sozialarbeitern in Krankenhäusern. Dabei ist wiederum hervorzuheben ,dass das Projekt „Community Health Nursing“ nicht die kommunale Gesundheitseinrichtungen (MVZ) oder die Hausärzte ersetzen soll, sondern als Bindeglied zwischen diesen in Zukunft etabliert wird. Darin liegt auch der Mehrwert für die Patienten. Denn wenn sie dann mehr Zeit bei schwierigen oder schweren Erkrankungen mit dem Arzt verbringen können, sind sie besser auf die Zukunft vorbereitet und fühlen sich gut und ausreichend betreut und beraten. Denken Sie einfach nochmal an die Minutenwerten, die Sie sonst mit Ihrem Arzt des Vertrauens verbringen.

Quelle: pixabay.com

Warum hätte dann der Hausarzt mehr Zeit für den Patienten?

Aktuell ist es so ,das jeder Patient der beim Hausarzt anruft und einen Termin benötigt auch einen Termin bekommt und ein Anrecht auf ein Gespräch mit dem Hausarzt hat. Dieser Erstkontakt könnte jedoch auch durch eine Community Health Nurse geschehen. Bei diesem Erstkontakt würde eine erste Einschätzung des Bedarfes abgesteckt werden. Daraus resultieren können dann ganz verschiedene Patientenpfade. Eine direkte Überweisung zum Facharzt ist genauso denkbar, wie ein ausführliches Gespräch mit dem Hausarzt. Sogar die eigenständige Behandlung von Bagatellerkrankungen, wie eine normale Erkältung könnte durch eine CHN durchgeführt werden. Ebenso wäre die Ausstellung von Folgerezepten für chronisch kranke Menschen eine mögliche Tätigkeit. Das würde wiederum erneut mehr Raum für Patienten-Arzt-Gespräche schaffen.

Welche Kompetenzen kann eine Community Health Nurse nicht aufbringen?

Bei diesem Punkt steht an oberster Stelle die Diagnostik von komplexen Erkrankungen.  vorrangig dem Arzt zu. Auch die Verschreibung von Arzneimitteln, die weitreichende Folgen im menschlichen Organismus auslösen sollten nur durch einen qualifizierten Arzt ausgestellt werden. Denn das Motto vom Community Health Nursing lautet nicht „being a little doctor“.

Anzeige


Konfliktpotential durch Patientenlotsen

Schon allein die Einschränkung, dass die Patientenlotsen in Zukunft nur die Belangen aus dem SGB V behandeln sollen, sorgt für reichlich Potential für Konflikte und Missverständnisse. Dafür wieder ein kleines Gedankenspiel:

Sie haben Fragen, ob Ihre Angehörigen nun lieber eine geriatrische Reha beantragen sollen, oder vielleicht eine Kurzzeitpflege auch in Betracht kommt. Die Kostenfrage bei diesen zwei Varianten wird jedoch von zwei verschiedenen Sozialgesetzbüchern geregelt. So fällt die Kurzzeitpflege in des SGB XI und Reha-Maßnahmen in die Zuständigkeit des SGB V. Sogar die häusliche Krankenpflege wird nicht im SGB XI geregelt, sondern findet sich im SGB V wieder. Jetzt haben Sie vielleicht Vorstellungen im Kopf und machen einen Termin bei einem Patientenlotsen aus. Doch Ihre Zielvorstellungen liegen in der Zuständigkeit des SGB XI. Schickt Sie dann der Patientenlotse einfach wieder weg und Sie haben sich umsonst auf den Weg gemacht oder vielleicht lange auf diesen Termin gewartet? Konflikte und Kritik wären die Folge. Also wie sieht die Lösung aus?

Die Lösung: Community Health Nursing mit den nötigen Kompetenzen

Patienten und Angehörige wollen nicht von einer Beratungsstelle an eine andere Verwiesen werden. Man möchte eine zentrale Stelle, an denen man alle Informationen bekommt um sich selber oder seine Lieben bestmöglich versorgen zu können. Und genau so etwas wäre ein Zentrum der primären Gesundheitsversorgung, an dem dann auch hochqualifizierte Community Health Nurses arbeiten. Diese könnten dann alle Belange der Patienten und Angehörigen berücksichtigen. Also nicht nur ein Sozialgesetzbuch abdecken, sondern eine tatsächlich ganzheitliche Beratung anbieten. Also gesundheitliche Versorgung sicherstellen und verbessern und darüber hinaus auch die administrativen Herausforderungen zusammen mit dem Kunden/Patienten meistern. Nur so kann ein tatsächlicher Mehrwert für die Menschen in Deutschland geschaffen, und auch die nötige Kommunikation mit dem Arzt in Zukunft sichergestellt werden. Denn der demografische Wandel wird sich nicht in Luft auflösen.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aerzte-haben-laut-weltweiter-analyse-nur-wenige-minuten-pro-patient-a-1176897.html

https://bmjopen.bmj.com/content/7/10/e017902

https://www.dbfk.de/media/docs/Bundesverband/CHN-Veroeffentlichung/chn_broschuere_kurz.pdf

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/101506/Regierungsbeauftragte-befuerwortet-Patientenlotsen

Quo vadis deutsches Pflegesystem? Aus dem Ausland lernen!

„Weiter so“, das ist nun endlich vorbei und wissenschaftlich belegt!

Mit der zunehmenden Unzufriedenheit und der Verschärfung der Krise in der Pflege in Deutschland wurde klar, dass man neue Konzepte oder Ausrichtungen dringend benötigt. Deutschland war lange stolz auf die Pflege und die Pflegepolitik. Der „deutsche Weg“ in den Bereichen der Ausbildung und Akademisierung wurde oft von Politikern als der beste Weg in Europa angepriesen. Doch selbst Laien konnten diesen Aussagen irgendwann keinen Glauben mehr schenken. So haben viele Laien in der Vergangenheit behauptet, dass andere Länder wie z.B. Schweden oder die Niederlanden es viel besser machen würden.

Jetzt gibt es nun endlich eine Studie die dieses Laienwissen auch wissenschaftlich belegen kann. Denn nach der Suche nach neuen Lösungswegen für Verbesserungen im Bereich der Pflege muss man auch mal über die Landesgrenzen hinaus schauen. So geschehen nun in der aktuellen Studie die im medhochzwei Verlag veröffentlicht worden ist und von der Stiftung Münch durchgeführt worden ist. Im Fokus lagen andere Länder wie Großbritannien, Schweden, die Niederlanden und Kanada. Aus Erkenntnissen aus diesen Ländern wurden Handlungsempfehlungen für die eigenen, deutsche Pflegepolitik ausgesprochen.

Aufbau der Studie

Der Fokus lag insbesondere auf drei Kernproblemen: die Akademisierung von Pflegekräften, die Verantwortung bei der Patientenversorgung und allgemein die Ausbildung von Pflegekräften. Die Vergleichbarkeit der Studie wird dadurch gewährleistet, da die anderen Vergleichsländer ebenfalls ähnliche Probleme wie die Bundesrepublik Deutschland haben. Die Wege zur Verbesserung sehen ganz unterschiedlich aus, je nachdem welches Land man begutachtet. Dennoch ließ sich auch in dieser Studie ein Grundkonsens abbilden: andere Länder investieren deutlich mehr in hochschulische Aus-und Weiterbildung von Pflegefachpersonen und sie ergreifen Maßnahmen die, die Selbstorganisation und Selbstverantwortung steigern sollen. Ebenso werden die Aufgabenbereiche und die Verantwortungsbereiche erweitert. Dies steigert dann wiederum das Engament und Commitment von Pflegefachpersonen.

Dazu Stephan Holzinger der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Münch (Quelle: Website von medhochzwei):

Wir sind uns in Deutschland alle einig, dass wir den Pflegeberuf attraktiver machen müssen, nur so können wir Personal binden und finden. Ein Weg dahin ist es, Pflege hochwertigere Aufgaben erledigen zu lassen. Damit einher geht aber auch mehr Verantwortung, das ist vielen Diskussionsteilnehmern in der Pflegebranche noch nicht hinreichend klar. Die Politik verhält sich widersprüchlich: sie will einerseits auch die Pflege aufwerten, setzt aber mit neuen Regulierungen, unter anderem der Herauslösung der Pflege aus dem DRG Vergütungssystem, den wirtschaftlichen Anreiz, dass Pflegefachkräfte demnächst wieder zur Essensausgabe und so Zimmerreinigung mit eingesetzt werden.

Ein Dolch in jedem Herzen, das für für die Professionalisierung der Pflege schlägt.

Das Buch ist in allen bekannten Verkaufsstellen zu erwerben und sicherlich eine Must-Have-Lektüre für Entscheider und Lenker aus der Pflege.

Amazon-Link* zum Buch:

Die Evolution des Pflegebettes

Tagtäglich werden sie von unzähligen Menschen genutzt, die Pflegebetten. Für Patienten, Bewohner, Alten- und Krankenpflegekräfte ist es ein ständiger Begleiter. Auch bei Pflegebett kann man zwischen der Hardware und Software unterscheiden. In diesem Bericht verstehen wir unter Hardware: eigentlich alles außer der Matratze, der Decke, den Kissen und sonstigen aus Stoff gefertigten Produkten. Mit der Software kann wohl jeder Laie etwas mit anfangen, denn wir kaufen ja alle selber unsere Kissen, Decken und Bezüge. Aber was hat es mit der Hardware auf sich und wie hat sich diese in den letzten Jahrzehnten verändert?

Die Geschichte der Pflegebetten

Viele kennen vielleicht den historischen Mehrteiler Charite aus dem Fernsehen. Manche können sich sogar noch an die abgebildeten „Pflegebetten“ erinnern. Machen wir uns nichts vor, nach dem heutigen Verständnis von einem Pflegebett, war das damals höchstens eine gehobene Liege, bestehend aus ein paar Holzleisten oder Eisenstangen.

Symbolbild: Pflegebett

Durch Pflegeforschung, unterstützt durch die Medizin, wurden dann erste kleinere Änderungen vorgenommen. Zum Beispiel wurden mobilen Bettgitter entwickelt, um die Sturzgefahr minimieren zu können. Oder es wurden mechanische Vorrichtungen eingebaut, mit denen man dann den Oberkörper leicht aufrichten konnte. Lagerung von Extremitäten (Arme und Beine) erfolgte damals durch eine Art Seilzug-System. Das Resultat daraus waren freischwebende Gelenke, wie zum Beispiel Knie und Ellbogen. Nach heutigen Standards der Pflegeforschung unvorstellbar.

Anzeige


 

Was hat die Entwicklung zum high-end-Bett angestoßen?

Bedanken dürfen wir uns bei vielen Forschungsdisziplinen. Neben den medizinischen Einflüssen, spielten hauptsächlich die Ideen und Vorschläge der Pflegekräfte eine tragende Rolle. Dies lässt sich ganz einfach damit begründen, dass die Pflegekräfte damals wie heute einfach deutlich mehr Zeit mit dem Arbeitsgerät „Pflegebett“ verbringen als die Ärzteschaft. Um jetzt natürlich auch der Kundenperspektive gerecht zu werden, haben auch Patienten und Bewohner, die sehr viele Stunden ihres Lebens in einem solchen Pflegebett liegen mussten, ihre Ideen formuliert. Aber hat sich heute eine Feedback-Kultur entwickelt, wenn es um die materielle Ausrüstung von Krankenhäusern und Altenheimen geht? Eher nein, denn kaum eine Pflegekraft wird sich in Zeiten des akuten Pflegefachkräftemangels über einen fehlenden Lifter beschweren, da die Gefahr zu groß ist, dass an einer anderen Stelle – beim Personal – gespart werden sollte.

Autonomie im Pflegebett, das geht!

Jetzt kommt eine Fachrichtung der Pflegewissenschaft zur Sprache, die vermutlich vielen Pflegekräften gänzlich fremd ist. Es geht um die Phänomenologie in der Pflege. Platt ausgedruckt: Wie kann ich Phänomene und Ereignisse aus dem Pflegealltag erklären und wie können daraus Lösungsstrategien entwickelt werden?

What?

Ja was hat das mit dem Pflegebett zu tun? So einiges!

Um das verstehen zu können, muss man mit den Insidern reden, also mit den Menschen die schon seit Jahren in einem Pflegebett liegen und leben. Eine junge fitte Pflegewissenschaftlerin kann sich niemals die Gefühle und Emotionen ausmalen, die der Bewohner/Patient tatsächlich im Bezug zu seinem Pflegebett durchlebt. Das Pflegebett ist das Ort an dem die Menschen, die es benötigen, am meisten Zeit verbringen. Erstaunlich, das ein Bett im Setting Krankenhaus oder stationäre Altenpflege nur begrenzt Möglichkeit zum Rückzug bietet. An der Stellschraube „Rückzugsmöglichkeiten“ im Pflegefall ist sicherlich extrem schwierig. Genau so kompliziert wird es, wenn man versucht ein Stück Autonomie dem bettlägrige Patienten zurück zu geben. Aber mit dem Pflegebett ist es möglich. Zumindest mit der moderne Ausführung von heute. Denn dabei kann der Pflegeempfänger Position und Lagewechsel zum Teil komplett autonom steuern. Fernbedienungen und Motoren unter der Matratze ermöglichen dieses. Das Gefühl ein Teil der eigenen Autonomie zurückzugewinnen wurde auch schon in einigen Studien bestätigt und den von den Teilnehmer/innen als positiv bewertet.

Anzeige


Das Phänomen „Alexander Jorde“

Als im Jahr 2017 Frau Merkel in der Wahlarena stand und sich die Fragen und Kritik von Alexander Jorde anhören musste, wusste noch niemand wie gut sich dieser junge Mann vermarkten kann. Für Pflegekräfte in Deutschland ist Alexander Jorde in den letzten zwei Jahren ein Sprachrohr geworden. Nun hat er ein Buch geschrieben mit dem Titel „Kranke Pflege“, welches im Klett-Cotta Verlag am 28.02.2019 erscheinen wird. Aber wieso erhält eine Auszubildender der Gesundheits- und Krankenpflege mehr Aufmerksamkeit als zum Beispiel ein Herr Westerfellhaus, seines Zeichen der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung. Der Westfale Andreas Westerfellhaus ist gelernter Krankenpfleger, Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie sowie Betriebswirt und leitete eine Akademie für Berufe im Gesundheitswesen in Gütersloh. Von 2009 bis 2017 war Andreas Westerfellhaus Präsident des Deutschen Pflegerates. Trotz seiner langjährige Tätigkeit in der Pflege und Berufspolitik hat er nie die Aufmerksamkeit in den vielen Jahren erreichen können, die nun Herrn Jorde zu Teil wird.

Zahlen, Daten, Fakten zu Alexander Jorde

Alexander Jorde ist im Jahr 1996 geboren und hat 2016 mit der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger begonnen. Seinen ersten medienwirksamen Auftritt hatte er in der oben erwähnten Wahlarena im Jahr 2017.

Anzeige


Wenn man nun nach Alexander Jorde googelt, bekommt ungefähr 266000 Treffer angezeigt. Als Vergleich dient erneut Herr Andreas Westerfellhaus. Bei seiner Google-Suche werden lediglich 34500 Suchergebnisse präsentiert. Auch bei Twitter herrschen bei diesen zwei Pflege-Persönlichkeiten signifikante Unterschiede. Jorde hat 3477 Follower (Stand 18.02.2019) und Westerfellhaus erreicht über Twitter nur 2057 (Stand 18.02.2019) andere Nutzer. Aber wie ist es zu diesen Daten gekommen? Wie konnte ein Auszubildender mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken als renommierte Pflegeexperten und Pflegewissenschaftler?

Emotionen als Schlüssel zum Erfolg

Herr Jorde spricht sehr emotional. Nicht nur in der Wahlarena aus dem Jahr 2017, sondern auch in seinen folgenden Auftritten. Diese Emotionalität trifft den Nerv der Menschen. Die Wählerinnen und Wähler wünschen sich richtige Persönlichkeiten in der Politik und der Öffentlichkeit. Daher kann man den Schritt der SPD nur nachvollziehen, dass sie sich auf die Pilgerfahrt gemacht hat um Herrn Jorde zu akquirieren. Und das ganze mit Erfolg. Zur Zeit ist Alexander Jorde Mitglied in der SPD. Der Beitritt war ein mutiger Schritt. Denn gerade in Zeiten der Unsicherheit in der SPD hätte so ein Schritt auch negative Folgen für Alexander haben können. Neben seiner politischen Gesinnung vertritt er jedoch weiterhin lautstark die vermeintlichen Meinungen von Pflegekräfte.

Daher verwundert es tatsächlich, dass Herr Jorde mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt als Herr Westerfellhaus. Diese Verwunderung resultiert aus der nicht immer sachlichen Argumentationsweise von Herrn Jorde. In seinen Fernsehauftritten und Online-Videos sticht oft die Emotionalität ins Auge. Diese Emotionalität kommt jedoch auf Kosten der Sachlichkeit und der Evidenz zustande. Denn oftmals sind seine Ausführungen nicht wirklich wissenschaftlich hinterlegt und einfach nur sehr kritisch formuliert um natürlich Fragen aufzuwerfen, die dann beantwortet werden müssen. Eine intelligente Methode um Aufmerksamkeit zu produzieren.

Warum funktioniert die Methode von Alexander Jorde?

Sie funktioniert weil unsere Politiker in Deutschland das Thema Pflege entdeckt haben und nun damit Hausieren gehen, um Stimmen zu erlangen. Mit ihrer Entdeckung behaupten die Politiker in Deutschland auch häufig, dass sie nun die Pflege verstehen und zuhören. Durch das Versprechen der Politik öffnet sich nun die Tür zu emotionalen und unsachlichen Debatten. Denn wer verspricht zuzuhören und zu verstehen, der kann eben nicht nur Studien zur aktuellen Situation der Pflege in Deutschland lesen, sondern muss sich auch mit den emotionalen und bewegenden Berichten von Betroffenen auseinandersetzen. Diese Tür nimmt Alexander Jorde dankend an. Zu Beginn hat er dieses sicherlich unbewusst getan, jedoch nun geht er gewollt diesen Schritt. Durch diesen Weg erlangt er eine große mediale Aufmerksamkeit und könnte somit auch erwartungsgemäß hohe Verkaufszahlen für sein neues Buch erzielen. Sicherlich ist es wichtig die Missstände in der Pflege klar anzusprechen Doch die Lösungen bedürfen einer sehr klugen und sachlichen Diskussion. Denn was die Pflege in Deutschland sicher nicht brauchen kann, ist noch so eine Schnellschuss wie die Personalbemessungsgrenzen in pflege-sensitiven Bereichen. Die Zahlen zum Pflege-Patienten-Schlüssel sind schlichtweg willkürlich gewählt. Dazu ein Zitat des Verbandes der Ersatzkassen:

Die derzeitige Fachkräftequote ist nicht nur ohne wissenschaftliche Grundlage festgelegt worden. Bei strikter Anwendung kommt es schnell zu Belegungsstopps, wenn die Quote unterschritten wird, während gleichzeitig eine Überschreitung als unwirtschaftlich gelten kann mit entsprechenden Konsequenzen für die Refinanzierung.

Dieser Schnellschuss wird übrigens von Herrn Jorde unterstützt. Ob diese Unterstützung von der SPD gefordert wird, oder ob er selbst diese Meinung vertritt ist aus seinem letzten Interview nicht heraus zu lesen. (Interview Märkische Allgemeine)

 

Anzeige