Psychische Belastungen durch Covid-19

Gerade in den letzten Wochen und Monaten haben Ärzte und Pflegende in der Versorgung von Patienten mit Covid-19 einen herausragenden Beitrag geleistet. Doch auch sie sind dabei an ihre psychischen Belastungsgrenzen gekommen. Erste Ergebnisse von Befragungen aus den von der Pandemie zuerst betroffenen Gebieten in China zeigen, dass es einen Anstieg von psychischen Belastungen speziell bei Pflegenden gibt, welche sich in Form von Schlafstörungen sowie Symptomen von Depressionen und Angsterkrankungen äußern1.

Psychische Belastung durch Corona – Gesundheitssektor

Auch das medizinische Personal in Deutschland ist in der Behandlung von Patienten mit Covid-19 immensen psychischen Belastungen ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass die Verantwortlichen von Gesundheitseinrichtungen in der gegenwärtigen Krise auf einen höchstmöglichen Schutz ihrer Angestellten setzen. Das Bundesministerium für Gesundheit2 und die konzertierte Aktion Pflege3 haben bereits vielfältige Maßnahmen zum institutionellen Schutz von Pflegenden vorgestellt:

  • Die Arbeit mit angemessener Infektionsschützender Ausstattung (z.B. Mundschutz, Handschuhe, Arbeitskleidung, Desinfektionsmittel) ist sicherzustellen.
  • Es ist auf kontrollierte Arbeits – und Ruhezeiten zu achten, Überstunden sind zu vermeiden
  • Sinnvoll sind weitere unterstützende Angebote für die eigene Lebensführung wie z.B. Unterstützungsangebote im Bereich Arbeitsweg, Lebensmittelversorgung usw.)
  • Wenn möglich sollte eine kontinuierliche betriebliche Ärztliche Versorgung mit regelmäßigen Kontakten gegeben sein
  • Vor Ort sollte eine kontinuierliche betriebliche Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken eingerichtet werden
  • Massagen und Physiotherapeutische Maßnahmen vor Ort
  • Das Angebot von super Visionen, Gespräche zur individuellen Lage und Begleitung in Glaubensfragen vor Ort
  • Von Vorteil sind auch Ruhezonen und Ruheräume ggf. Auch Übernachtungsmöglichkeiten in den Kliniken, falls Pflegepersonal oder Ärzte ihre Angehörigen vor Infektionen schützen wollen
  • Besprechungs- und Reflektionsräume sind entsprechend einzurichten
  • Die Zusammenstellung eines psychologischen Teams, welche Strategien zur psychologischen Unterstützung der Mitarbeiter entwickelt und allgemeine und gezielte Hilfsangebote, wie z.B. Webinar zur Stressbewältigung, persönliche Beratung und Krisenintervention, zu Verfügung stellt4.

Was kann ich selbst tun?

Die eben vorgestellten Angebote gibt es bereits in einigen Gesundheitseinrichtungen. Aufgrund der aktuellen Situation ist es von besonderer Bedeutung, Schutzmaßnahmen schnellstmöglich in allen Einrichtungen anzuregen. Gleichzeitig muss eine nachhaltige finanzielle Absicherung bedacht werden. Das physische wie psychische Wohlbefinden der Pflegenden kann durch solche strukturellen Angebote gefördert werden. Nichts desto trotz sollten Pflegende auch neben den strukturellen Maßnahmen ihr eigenes Verhalten im Blick behalten. Außerdem muss beachtet werden, dass die aktuelle Lage eine berufliche wie private Ausnahmesituation darstellt und die Mehrheit der Betroffenen über keine persönlichen Erfahrungswerte verfügt. Somit ist es schwierig individuelle Bewältigungsstrategien zu finden.

Die Weltgesundheitsorganisation4 (WHO) hat im Rahmen einer „psychologischen Ersten Hilfe“ verschiedene Aspekte und Strategien entwickelt, die kurzfristig bei der Bewältigung der aktuellen Anforderungen hilfreich sein können. Zunächst ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass das starke Stressleben der aktuellen Situation geschuldet ist. Daraus sind keinerlei Rückschlüsse über die persönliche berufliche Eignung zu ziehen. Man sollte auf die eigene psychische Gesundheit genauso sehr achten wie auf die körperliche Gesundheit. Das Nutzen funktionaler Bewältigungsstrategien wie z.B. Ausreichende Ruhepausen und Erholungszeiten während der Arbeit und zwischen Arbeitseinsätzen, eine ausgewogene Ernährung sowie körperliche Aktivität. Dysfunktionale Bewältigungsstrategien, dazu zählen Rauchen, Alkohol– oder Drogenkonsum, sind gesundheitsschädlich und somit zu vermeiden. Regelmäßiger Kontakt zu Familien Angehörigen und Freunden wirkt sich positiv aus. Hierzu bietet sich die Kommunikation über die sozialen Medien an, falls das Risiko oder die Angst vor einer Ansteckung im sozialen Umfeld zu groß ist. Ein Austausch über Eindrücke und Erfahrungen bietet sich natürlich auch im beruflichen Umfeld an.

Resilienz stärken für psychische Belastungen durch Corona

Nachrichten über die Coronavirus-Krise sollten mit Augenmaß konsumiert werden4. Falschmeldungen oder Verschwörungstheorien führen bei vielen Menschen zu erhöhter Angst und Panik. Es ist vollkommen ausreichend, Informationen über aktuelle Veränderung der Situation maximal zweimal täglich zu festgelegten Tageszeiten, in festgelegter Dauer zu verfolgen. Wichtig ist dabei auf die Neutralität sowie Seriosität der Quellen bzw. Medien zu achten. Pflegende sollten sich ausschließlich an Fakten orientieren.

Für Menschen, die aktuell von der Arbeit freigestellt sind und sich in häuslicher Quarantäne befinden, empfiehlt es sich, die gewohnte Tagesstruktur einzuhalten. Damit sind z.B. die Wach– und Schlafzeiten gemeint. Neben diesen schnell umsetzbaren Notfallstrategien lassen sich aus der Literatur auch weitere, eher langfristige Bewältigungsstrategien ableiten. In diesem Zusammenhang liegt der Fokus auf der Stärkung der Resilienz, der Aufrechterhaltung der psychischen Gesundheit während oder nach widrigen Ereignissen5. In der wissenschaftlichen Literatur werden eine Vielzahl von Schutzfaktoren beschrieben6. In der nachfolgenden Tabelle ist eine zusammenfassende Aufstellung dieser so genannten Resilienzfaktoren mit Anregungen zur praktischen Umsetzung7.

Übersicht der Resilienzfaktoren

Proaktive Bewältigung, z.B. mittels Strategien zur Problemlösung – Beispiel: Strukturiertes Vorgehen: Analyse des Problems, Sammeln von Lösungsstrategien, Erstellen eines Handlungsplans

Fähigkeit, durch flexibles Denken und Handeln auf Veränderungen zu reagieren –

Beispiele:

  • Suche nach neutralen oder positiven Neubewertungen für eine aktuell schwierige oder zweideutige Situation.
  • Entspannung, z.B. durch Atemübungen
  • Achtsamkeitsübungen, z.B. achtsames Gehen

Positive Ursachenzuschreibung von Ereignissen, positive Zukunftserwartung. – Beispiel: Lenkung der Achtsamkeit auf positive Aspekte im Leben, z.B. Führen eines Tagebuchs, in das jeden Tag drei positive Dinge eingetragen werden.

Haltung, aktiv mitzuwirken und Situationen als kontrollierbar und Anforderungen als Herausforderung anzunehmen – Beispiel: Vorausnehmende Vorstellung von Stresssituationen und Sammeln von zielführenden Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten.

Erleben positiver Gefühle – Beispiele:

  • Achtsamkeitsübungen, z.B. Tagebuch positiver Ereignisse im Alltag
  • Schaffen von Genussmomenten, z.B. verzehr gutschmeckender Speisen, Musik hören usw.

Individuelle Überzeugung, dass das Leben trotz Unwägbarkeiten, Risiken und Belastungen verstehbar, bewältigbar und sinnhaft ist. – Beispiele:

  • Betrachtung der zur Verfügung stehenden (inneren und äußeren) Ressourcen, z.B. persönliche Stärken, Zugang zu materiellen und nichtmateriellen Ressourcen
  • Betrachtung, wie diese Ressourcen in der Zukunft häufiger genutzt werden können.

Positive Bewertung der eigenen Person – Beispiel: Erstellen einer Liste mit den persönlichen Stärken

Das Leben als sinnhaft erleben, z.B. durch Orientierung an den eigenen Werten – Beispiel: Betrachtung persönlich bedeutsamer Quellen für Sinn im Leben. Betrachtung und Priorisierung wichtiger persönlicher Werte

Zugriff auf soziale Netzwerke – Beispiele:

  • Ermittlung positiver sozialer Kontakte im persönlichen Umfeld
  • Ausbau positiver sozialer Kontakte
  • Aktivierung des sozialen Umfelds, z.B. durch aktive Bitte um Unterstützung

Erwartung, Anforderungen aufgrund eigener Fähigkeiten bewältigen zu können – Beispiele:

  • Erstellen: einer Liste mit bisher im Leben erreichten Erfolgen, einer Liste mit im Leben bereits erfolgreich bewältigten schwierigen Situationen
  • Übernahme von Verantwortung für benachteiligte oder ältere Menschen

Glauben an oder Identifikation mit religiösen Werten – Beispiele:

  • Spirituelle Übungen: Yoga, Meditation
  • Positives religiöses Bewältigungsverhalten, z.B. regelmäßiges Beten etc.

Auch für Pflegende ist es sinnvoll zu reflektieren, welche dieser Übungen für sie selbst praktizierbar und gesundheitsfördernd sind. Einige Übungen müssen erst häufiger angewendet werden, damit sich Wirkungen zeigen. Um ein positives Ergebnis bei der Umsetzung zu erzielen, ist eine zuverlässige Unterstützung durch das Führungspersonal ebenfalls Voraussetzung. Nur so können die Pflegenden einige dieser Übungen auch tatsächlich arbeitsplatznah erlernen und ausführen.

Achtsamkeit gegen psychische Belastung durch Corona

Auch das Thema Achtsamkeit spielt in der aktuellen Situation eine besondere Rolle. Sie wird als Lenkung der Aufmerksamkeit auf die im gegenwärtigen Moment vorhandenen Wahrnehmungen-bewusst, absichtsvoll und nicht wertend – verstanden8. Speziell in Belastungssituationen beschäftigt man sich häufig mit der Vergangenheit oder Zukunft (sorgenvolles Grübeln). Im Idealfall gelingt es, diese Art der Beschäftigung für eine begrenzte Zeit zugunsten der Wahrnehmung der aktuellen Situation zurückzustellen. Um seine Achtsamkeit zu fördern, bedarf es einem gewissen zeitlichen Aufwand.

Studien bei Pflegenden belegen die nachhaltige Wirksamkeit von Achtsamkeit bei Stressbelastung9. Da in der aktuellen Lage Gruppen-Programme aus zeitlichen Gründen nicht in Anspruch genommen werden können oder nicht verfügbar sind, sollten Einzelübungen durchgeführt werden. Diese mögen auf den ersten Blick sehr einfach erscheinen, erzielen aber eine hohe Wirksamkeit. Ein Beispiel ist „Achtsames Gehen“. Während des Gehens ist die eigene Aufmerksamkeit auf den Akt des Gehens zu lenken – selbst wenn es „nur“ die hektischen Schritte von der Station zum Patientenzimmer sind. Auch dem kollegialen Miteinander sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. In Zeiten hoher Anspannung kommt es häufig dazu, dass die Nerven „blank liegen“ und automatisierte Reaktionen schneller ausgelöst werden. Das kann sowohl im privaten wie auch im beruflichen Kontext zu nichthilfreichen Auseinandersetzungen führen. Achtsamkeit kann in diesen Situationen dazu beitragen, die emotionalen Reaktionen wahrzunehmen und nicht automatisiert zu reagieren.

Literatur:

1 Lai J, Ma S, Wang Y et al. Factors Associated With Mental Health Outcomes Among Health Care Workers Exposed to Coronavirus Disease 2019. JAMA Netw Open. 02 2020; 3(3): e203976

2 Bundesministerium für Gesundheit. Förderung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/betriebliche-gesundheitsfoerderung/gesundheit-und-wohlbefinden-am-arbeitsplatz.html, Zugriff: 14.05.2020

3 Konzertierte Aktion Pflege. Abschlussbericht 2019. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/K/Konzertierte_Aktion_Pflege/0619_KAP_Vereinbarungstexte_AG_1-5.pdf, Zugriff: 14.05.2020

4 World Health Organisation. Mental Health and psychosocial Considerations during the COVID-19 Outbreak. https://apps.who.int/iris/handle/10665/331490, Zugriff: 14.05.2020

 5 Bonanno GA, Westphal M, Mancini AD. Resilience to loss and potential trauma. Annu Rev Clin Psychol.2011; 7: 511-535

6 Bengel J, Lyssenko L. Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter [Resilience and protective psychological factors in adults]. 3.2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Herausgeber. Köln;2012

7 Gilan DA, Kunzler A, Lieb K. Gesundheitsförderung und Resilienz. PSYCH Up2date. März 2018; 12 (02): 155-169

8 Michalak J, Heidenreich T, Williams J. Achtsamkeit. Göttingen: Hogrefe; 2012

9 Spinelli C, Wisener M, Khoury B. Mindfulness training for healthcare professionals and trainees: A meta-analysis of randomized controlled trials. J Psychosom Res. 2019; 120: 29-38

Laufen im Frühling – Tipps und Tricks

Das Frühjahr naht, und damit auch die ersten Laufevents. Viele Hobbysportler wollen ihre Laufschuhe wieder zum Glühen bringen. Doch worauf ist zu achten, wenn man den Winter über pausiert oder das Laufen im Frühling erst neu für sich entdeckt hat? Unter physiotherapeutischer Sicht gibt es ein paar kleine Tipps um sich beim Laufen zu steigern und typische Überlastungsproblematiken zu vermeiden.

Trainingsmethoden

Ausdauertraining

Klassisch trainiert man beim Joggen die Ausdauer. Genauer gesagt das Herzkreislaufsystem, also die Sauerstoffbereitschaft für die Muskulatur, die durch die Pumpleistung des Herzens gewährleistet wird. Bei langen Läufen, über eine Stunde, handelt es sich zudem um ein Stoffwechseltraining. Der Körper stellt auf Fettverbrennung um. Dies geschieht aber erst, wenn die Kohlenhydratspeicher in Muskulatur und Leber geleert sind, und zur weiteren Energiebereitstellung die Reserven in Form von Fett mobilisiert werden müssen. Gerade beim Laufen im Frühling haben noch so Manche lästige Fettpolster aus den kalten Wintermonaten.

Intervalltraining

Um eine Steigerung in der Geschwindigkeit zu erreichen, empfiehlt sich das Intervalltraining. Hierbei wird eine bestimmte Strecke z.B. 400 Meter möglichst schnell gerannt. Danach erfolgt ein Abschnitt, in dem man die Geschwindigkeit stark reduziert und der Körper sich erholen kann. Dies wird vier bis fünf Mal wiederholt. Hierbei trainiert man die Kraftausdauer. Es erfolgt ein Wechsel zwischen anaerober (ohne Sauerstoffbereitstellung) und aerober (mit Sauerstoffbereitstellung) Verbrennung. Dies geschieht vor allem bei Intervallen die Sprinteinheiten enthalten. Das Beschleunigen benötigt mehr Energie, als eine Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten. Hierdurch wird sowohl der Stoffwechsel, das Herzkreislaufsystem, als auch die Muskulatur trainiert. Deshalb ist das Intervalltraining bei Anfängern eine sehr gute Methode um sich zu steigern. So könnte man zum Beispiel die Ausdauer beim Laufen im Frühling trainieren und dann im Frühsommer das Intervalltraining mit einbauen.

Symbolbild Intervalltraining; Quelle: pixabay.com

Krafttraining

Auch das Muskeltraining ist ein entscheidender Punkt bei Läufern. Krafttraining der Beinmuskulatur, aber auch der Rumpf und Armmuskulatur wirken sich entscheidend auf die Laufleistung aus. Die häufigsten Überlastungserscheinungen bei Läufern wie z.B. Achillissehnenreizungen oder Knieproblematiken entstehen durch ein Kraftdefizit. Grundvoraussetzung ist eine stabile Körpermitte. Eine aufrechte Haltung beim Laufen gewährleistet eine geringere Belastung der Gelenke.

Ein förderlicher Kraftfluss entsteht nur, wenn die Wirbelsäule in ihrer typischen S- Form aufrecht steht. Fallen die Schultern nach vorne und der Bauch sackt ein entsteht eine Art Buckel. Die Wirbelsäule ist nicht mehr aufrecht. Die  Stoßbelastung, die von den Beinen an die Wirbelsäule weitergegeben wird, kann sich nun nicht dynamisch entfalten und die Gelenke, vor allem die Knie, werden um ein vielfaches mehr an Gewicht belastet. Hierbei spielt auch die Kraft des Schultergürtels mit hinein, der die Schultern nach hinten halten kann. Bei fortgeschrittenen Läufern kann durch Armmuskeltraining ein effizienterer Laufstil erreicht werden, da der Armpendel eine wichtige Rolle spielt bei höheren Geschwindigkeiten.

Das Krafttraining der Beine darf zudem nicht vernachlässigt werden. Obwohl man vielleicht meinen könnte, dass beim Laufen die Beine ja trainiert werden. Nur wenn die Beinmuskulatur gut ausgeprägt ist, kann sie auch auf Dauer gefordert Leistung bringen. Damit sich Muskulatur aufbaut braucht es aber einen hohen Reiz und eine Steigerung. Der Reiz ist beim Laufen jedoch immer der selbe, und die Intensität zu gering. Deshalb ist ein Oberschenkeltraining durch Kniebeugen oder Beinpresse, sowie das Wadentraining durch Wadenheben wichtig um Problematiken zu vermeiden.

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Tipps zur Vermeidung von Überlastungen beim Laufen im Frühling

Häufig beginnen Anfänger sehr motiviert und haben nach kurzer Zeit Probleme mit den Gelenken oder Muskelbeschwerden. Schuld sind dabei auch die guten Vorsätze für das neue Jahr, wenn dann wieder mehr Sport oder Laufen im Frühling auf der Agenda steht. Woran kann dies liegen?

Ein Grund kann sein, dass man die Belastung zu schnell steigert. Dies kann passieren indem man eine zu weite Laufstrecke für den vorhandenen Trainingszustand wählt. Der Körper also noch nicht die Kraft im Rumpf und den Beinen hat, um die Strecke in einem gesundheitsfördernden Laufstil zu bewältigen. Deshalb sollte man zu Beginn eine nicht all zu weite Strecke wählen, und das Intervalltraining bevorzugen. Ein anderer Grund kann die ungenügende Regeneration sein. Genauso wichtig wie das Training ist die Pause und Regeneration danach. Knorpel, Sehnen, Muskeln, der ganze Bewegungsapparat muss sich erst an die neue Belastung gewöhnen. Und gerade beim Laufen im Frühling, wird vermehrt der Asphalt benutzt, da Waldstrecken und andere meist noch sehr matschig sein können. Kommt der Körper nicht hinterher, weil die Pause zu kurz war, können Gelenkbeschwerden entstehen. Zu Beginn empfehlen sich ca 2 Laufeinheiten pro Woche.

Soll ich mich aufwärmen oder dehnen vor dem Laufen?

 Eigentlich ist dies nicht notwendig. Beim Joggen ist ein geringes Bewegungsausmaß der Gelenke gegeben. Deshalb reicht es langsam los zu laufen und das Tempo dann zu steigern. Anders verhält sich dies beim Sprinten, hier ist das Bewegungsausmaß vor allem in der Hüfte größer. Deshalb sollte man nicht völlig kalt lossprinten. Auch bei anderen Sportarten, bei denen ein höheres Bewegungsausmaß gefordert ist, oder schnelle Antritte und Richtungswechsel vorkommen, ist dynamisches Dehnen sogar sehr sinnvoll. Es kommt daher auf die körperliche Anforderungen der Sportart an, ob aufwärmen und dehnen notwendig ist.

Quelle: Pixabay

Soll ich mich nach dem Laufen dehnen?

 Allgemein lässt sich sagen, dass Dehnung immer dann notwendig ist, wenn ein muskuläres Ungleichgewicht herrscht, oder man die Gelenke selten im kompletten Bewegungsausmaß bewegt oder trainiert. Beim Laufen haben wir ein geringes Bewegungsausmaß in Hüfte, Knie und Sprunggelenk. Die Muskulatur ist also nicht komplett angenähert und gestreckt sondern bewegt sich in mittlerem Ausmaß. Dies ist der Grund warum Dehnung Sinn macht. Um die Gelenke in vollem Ausmaß zu bewegen und mobil und flexibel zu bleiben. Einen ähnlichen Effekt hätte ein gezieltes Krafttraining von Spieler und Gegenspieler in voller Länge. Direkt nach dem Krafttraining einen Muskel zu dehnen ist nicht günstig, wenn man bedenkt, dass man in dem Muskel ein Mikrotrauma gesetzt hat (ein Muskelkater und Muskelzuwachs geschieht  durch eine Verletzung der Muskelfaser, welche danach durch Anreicherung „dicker“ zusammenwächst) . Hier direkt zu dehnen würde die Faser noch stärker Verletzen und den Erholungszeitraum verlängern.

Da es sich beim Laufen aber nicht um ein Krafttraining handelt, und die Muskelfasern in der Form weniger gereizt werden, ist ein Dehnen auch danach möglich. Muskelkater ist bei Laufanfängern natürlich möglich, da es sich um eine ungewohnte, neue Belastung handelt. Nach einiger Zeit und bei regelmäßigen Joggingeinheiten ist dies jedoch selten, da es sich um einen monotonen Bewegungsablauf handelt und die Intensität zu gering ist.

Am günstigsten jedoch ist Dehnung als eigene Sporteinheit zusätzlich zu sehen. Dem Körper intensiv wieder Länge zu geben. Je nach Berufsalltag neigen bestimmte Muskeln dazu zu verkürzen, welche beim Laufen ein dynamisches Laufbild eventuell erschweren. Die Empfehlung zur Dehnung ist jedoch sehr individuell vom körperlichen Fitness Level, der Grundbeweglichkeit und dem Vorliegen von beruflichen muskulären Anpassungen abhängig. Bei höherer Geschwindigkeit verändert sich der Laufstil. Es wird mehr über den Vorfuß gelaufen. Die Wadenmuskulatur ist dauerhaft genähert. Hier sollte die Wadenmuskulatur gezielt gedehnt werden, da sie eh zur Verkürzung neigt, weil der Gegenspieler (m. Tibialis anterior, Fußheber) wesentlich schwächer ist.

Fazit

Laufen, hat sehr viele positive Eigenschaften. Es senkt das Risiko an Herzkreislauferkrankungen zu erkranken, es schüttet das Glückshormon Serotonin aus, welches uns zufriedener macht und vieles mehr. Beachtet man die richtige Dosierung, das ausgleichende Krafttraining, die Dehnung und die richtige Wahl von Intervall und Ausdauereinheiten bleiben die Laufschuhe auch bis zum nächsten Jahr am glühen.

 

i.A. Black and white personal training, Natascha Bartel, Physiotherapeutin, Ernährungstrainerin

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Warum der Begriff Diät oft falsch verstanden wird

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Möglichkeiten Abzunehmen. Doch nicht jede Diät ist gleich. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg zur besseren bzw. idealen Ernährung finden. Der Ernährungsfachmann Harald Swatosch berät nicht nur die Augsburger Panther, sondern auch andere Spitzensportler. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen erklärt Swatosch, warum viele Menschen eine falsche Vorstellung vom Abnehmen haben und was es zu beachten gilt.

Herr Swatosch, was ist entscheidend, wenn ich abnehmen will?

Swatosch: Entscheidend ist die Frage an mich selbst: Warum will ich abnehmen? Warum bin ich unzufrieden mit mir? Ist es mein Selbstbild, fehlende Leistungsfähigkeit, meine Figur, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Allergien, Unverträglichkeiten oder der gesellschaftliche Druck? Wenn der Grund mächtig genug ist, dann ist es das Ziel, eine Ernährungsform zu finden, die wieder Spaß macht und der Funktion der Ernährung, also der richtigen Energiezufuhr, wieder gerecht wird.

Viele wissen vermutlich gar nicht, was es an Aufwand bedeutet, dauerhaft das sogenannte Idealgewicht zu erreichen?

Swatosch: Das stimmt. Wenn du eine Veränderung haben willst, musst du dir bewusst machen, was der Preis dafür ist. Oft ist das Problem, dass die Leute abnehmen wollen, und bei einer Analyse kommt heraus: Du solltest dieses und dieses und dieses in den Griff bekommen. Die Antwort ist dann oft: Ich kann doch am Samstag nicht auf meinen Kuchen verzichten. Oder ich kann doch nicht meine zwei Gläser Wein am Abend weglassen. Schauen wir uns unsere Handlungen genauer an, bemerken wir, dass 80 Prozent auf Autopilot laufen. Unser Gehirn liebt Routine, denn sie erfordert deutlich weniger Anstrengung. Wollen wir unser über Jahre gewohntes Verhalten plötzlich radikal ändern, fällt uns das schwer. Wichtig ist, dass wir Schritt für Schritt zielorientiert in Richtung der Veränderung gehen.

Mit einer Diät verbinden aber die Wenigsten positive Gedanken?

Swatosch: Für die meisten ist Diät eine kurzfristige Intervention mit einer radikalen Reduktion von vielem, was uns glücklich macht. Und danach wollen wir ein Ergebnis haben, das im Idealfall ein Leben lang hält. Aber: Die Intervention ist nach ein paar Wochen vorbei und wir ernähren uns wieder wie vor der Diät. Schon allein der Begriff Diät wird dabei von uns falsch verstanden. Diät kommt aus dem altgriechischen Diaita und bedeutet Lebensweise oder die Kunst der Lebensführung.

Das Problem ist doch aber, dass Dinge wie Zucker und Fett unserem Körper ja gut gefallen. Und auf einmal sollen wir sie weglassen?

Swatosch: Das Perfide ist, dass diese Lebensmittel in unserem Körper erst nach vielen Jahren eine Stoffwechselerkrankung auslösen können. Nur werden wir in diesen Jahren bei genauem Hinsehen feststellen, dass gewisse Nebenwirkungen und Unbehaglichkeiten schleichend zunehmen. Auf das Gewicht reduziert gibt es Statistiken, welche uns im Durchschnitt eine Gewichtszunahme von einem Kilo pro Jahr attestieren. Klingt erst mal nicht nach besonders viel, summiert sich aber.

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Aber was ist denn nun ungesund?

Swatosch: Das gegenwärtige Problem ist, dass uns die Ernährungswissenschaft Studien über Studien vorsetzt. Zu jeder Lebensmittelgruppe gibt’s positive und negative Studien. Neue Studien widersprechen alten Studien oft komplett. Der Grund für diese oft so widersprüchlichen Ansätze ist, dass wir Menschen nicht alle identisch sind. Wir haben uns durch Evolution, durch die diversen Ernährungsmöglichkeiten der verschiedenen Klimazonen und durch unsere unterschiedlichen kulturellen Entwicklungen auch individuell angepasst. Stoffwechselprozesse sind über die Kontinente und Bevölkerungsgruppen stark unterschiedlich. Einfach gesagt: Was den einen nährt, kann den anderen krank machen. Die einfachste Variante der Esskontrolle für den Einzelnen ist: Iss erst einmal, was du willst. Natürlich kann man ein paar Standards beachten, wie zum Beispiel Zucker und Alkohol zu reduzieren. Aber frage dich danach, wie es dir geht. Die Ernährungswissenschaft kennt diesen Ansatz nicht oder nur teilweise.

 Wie soll ich mich denn fühlen?

Swatosch: Von 100 Leuten, die zu mir kommen, sagen 90, dass sie nach dem Essen müde, unkonzentriert, träge sind oder einen Blähbauch haben. Fünf Minuten wäre dieser Zustand ja okay. Viele sind aber zwei Stunden lang platt. Leider stellen sich die wenigsten die Frage: Vielleicht war mein Mittagsessen nicht optimal für meinen Körper, obwohl ich doch den Regeln der Ernährung gesund gegessen habe.

 

Weiß also auch die Ernährungswissenschaft nicht, was gut und was schlecht ist für den menschlichen Körper?

Swatosch: Ich würde es so sagen: Wir wissen noch längst nicht alles, und Wissenschaft ist immer im Fluss. Sie entwickelt sich ständig und muss durch neue Erkenntnisse manches neu bewerten. Der Mensch ist hoch komplex und nicht wie ein Computer zu verstehen. Studien, Studiendesigns und Transfers auf die Allgemeinheit schränken uns im Ernährungsbereich oft ein. Wir sind mitten in einer Entwicklung und noch lange nicht am Ende. Menschen fühlen sich mit verschiedenen Lebensmitteln einfach unterschiedlich.

 Also sind Ernährungsrichtlinien überbewertet?

Swatosch: Dabei geht es darum: Wie schaffe ich es, dass 90 Millionen Deutsche eher gesund sind. Dazu kommt dann immer noch der Einfluss der Wirtschaft und Industrie. Da entscheidet nicht, was für den Einzelnen richtig wäre. Da entscheidet, was wäre für 90 Millionen Menschen eher gesund oder eher schädlich. Um die allgemeine Gesundheit zu erhöhen, ist es durchaus sinnvoll, mehr Kohlehydrate zu essen. Für die circa acht Millionen Diabeteskranken in Deutschland ist dieser Ansatz aber falsch.

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 Warum haben wir überhaupt Übergewicht, wenn es so ungesund ist?

Swatosch: Wenn wir uns nur Europa anschauen, dann war Hunger bis in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg allgegenwärtig. Hunger war für die breite Masse viel häufiger der Fall als Überfluss. Im Mittelalter galt ein Mensch mit Übergewicht als sensationell hübsch und wohlhabend. Unser Weltbild, dass wir dünn sein wollen, hat evolutionsbiologisch für den Menschen gar keinen Sinn.

Unser Körper legt lieber Fettreserven an…

Swatosch: Der Akku im Körper ist das Fett. Der Mensch war über Jahrzehntausende im Überlebenskampf und hat den Stoffwechsel optimiert, um kurzfristigen Überfluss einzuspeichern. Da es immer wieder Hungerphasen gab, waren die Fettverbrennung und die Fettspeicherung perfekt geschult. Aber warum soll ein Körper, der immer im Überfluss ist, noch Fett verbrennen? Fettverbrennung ist etwas extrem Kompliziertes, das der Körper sehr ungern macht. Sie geht viel langsamer als die Kohlehydratverbrennung. Wenn also jemand untrainiert ist und eine Stunde im bestmöglichen Puls Sport macht, kann er nur sehr wenig Fett verbrennen. Der Körper hat es verlernt. Ein Leistungssportler dagegen ist im Endeffekt der Bauer, der vor 500 Jahren den ganzen Tag auf dem Feld gearbeitet hat. Ein Profi-Triathlet schafft es, bis zu 90 Prozent seiner Energie aus dem Fettstoffwechsel zu ziehen. Das ist trainierbar – durch Sport.

Und parallel muss man auf vieles verzichten, was glücklich macht, wenn man dauerhaft abnehmen will?

Swatosch: Eine hochgesunde Ernährung kann so gut wie keiner über ein Jahr durchziehen. Selbst von 100 Profisportlern schafft es nur einer. Wer von seinem Plan abweicht, kann das machen. Nur muss sich jeder im Klaren sein, welche Konsequenzen das hat. Ernährung ist nicht nur Wissen, Ernährung ist auch Intuition. Intuitiv wissen wir, was unser Körper verträgt und was nicht. Wer es nicht weiß, soll es ausprobieren. Gehen Sie ins Restaurant und essen Sie drei Portionen Pommes mit Mayo oder 500 Gramm Spaghetti und trinken Sie einen Liter Limo. Dann schauen Sie, ob Sie danach zum Joggen gehen wollen oder aufs Sofa. Ich kann das Ergebnis nicht vorhersagen. Einer verträgt das fettige oder kohlehydratreiche Essen, der andere nicht.

Und wie soll das langfristig aussehen?

Swatosch:Wer etwas verändert, muss das langfristig machen. Zum Beispiel ein Jahr lang zuckerarm oder fettarm essen. Die Frage ist, welche Umstellung für den Einzelnen die richtige ist. Jeder Mensch ist individuell. Der eine kann hier in Deutschland essen, was er will, ohne zuzunehmen, der andere nicht. Der eine wird nach fettem Essen träge, der andere nicht. Der eine verträgt viel Obst, der andere nicht. Jeder muss das für sich herausfinden. Diesen Weg ein wenig abzukürzen haben wir uns in unserem beruflichen Feld als Ziel gesetzt.

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Das Smartphone und seine Gefahren! Teil 1

Die Augsburger Allgemeine hat den Ulmer Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer, der gleichzeitig auch ärztlicher Direktor der Uniklinik Ulm ist, zum Thema Smartphone und die Gefahren bei Kindern interviewt. Generell warnt Herr Spitzer vor Suchtgefahren, zu wenig Bewegung und Schlaf.

Ab wann ist man krampfhaft smartphonesüchtig, Herr Professor Spitzer?

Prof. Dr. Manfred Spitzer:Eine Sucht liegt prinzipiell vor, wenn man etwas nicht lassen kann, obgleich es einem schadet; wenn man mit Anspannung, Gereiztheit, Angst, Aggressivität reagiert, sobald man von einem Verhalten abgehalten wird. Und dieses Verhalten zerstört das Leben, indem es etwa die sozialen Kontakte kaputt macht, die Beziehung, den Job gefährdet. Zudem sind Veränderungen im Gehirn zu beobachten.

 Kann man nicht sagen, ab wie vielen Stunden am Tag es riskant wird?

Spitzer:Nein, entscheidend ist, wie beeinträchtigt das normale Leben ist.

 Aber kaum einer wird doch von sich behaupten: Ich bin smartphonesüchtig?

Spitzer:Das ist das Problem vieler Suchterkrankungen. Nur wenige Betroffene erkennen rechtzeitig, wie abhängig sie sind, und gehen zum Arzt. Die Computer und Internetsucht ist mittlerweile von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt. Viele Menschen geben zumindest selbst zu, Schwierigkeiten zu haben, das Smartphone wegzulegen. Selbst Kinder sind da schon ehrlich. So hat eine große Mannheimer Studie ergeben, dass von 500 befragten Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren acht Prozent im Risikobereich lagen oder bereits süchtig sind. Auf einem Suchtkongress kürzlich hat sich aber ein ganz anderes Problem ergeben: Während die Zahl der Internet- und Smartphonesüchtigen massiv steigt, haben wir in Deutschland nur etwa 200 Behandlungsplätze gerade für junge Patienten. Glaubt man der Suchtbeauftragten der Bundesregierung, so geht es um zehntausende Betroffene, sodass hier ein großes Missverhältnis herrscht, das dringend gelöst werden muss.

 Was richtet das Smartphone in uns an?

Spitzer: In der medizinischen Fachliteratur nachgewiesen sind Ängste, Aufmerksamkeitsstörungen, Depression, Bewegungsmangel, Übergewicht, Haltungsschäden, ein verstärktes Suchtverhalten – im Übrigen auch, was Tabak und Alkohol angeht. Durch die Nutzung von sogenannten Geosocial Networking Apps kommt es zudem zu mehr Gelegenheitssex, was die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten verstärkt. Smartphones sind zudem bei jüngeren Verkehrsteilnehmern Unfallursache Nummer eins!

Bewegungsmangel ist nachvollziehbar, aber Sie warnen auch davor, dass Smartphones Diabetes auslösen. Wie kann das denn überhaupt sein?

Spitzer: Es ist erwiesen, dass die Nutzung von Smartphones den Schlaf deutlich beeinträchtigen. Lehrer klagen, dass Schüler viel müder sind. Insbesondere schauen über 90 Prozent der jungen Leute abends kurz vor dem Schlafengehen auf ihr Handy und schlafen ein bis zwei Stunden weniger. Schlafmangel erhöht aber eindeutig das Diabetesrisiko, was man noch gar nicht so lange weiß. Auch den Mechanismus kennt man noch nicht vollständig. Fest steht aber: Diabetes erhöht wiederum das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

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 Sie warnen vor allem vor den digitalen Gefahren für Kindern?

Spitzer: Weil Kinder und Jugendliche von nahezu allen Risiken und Nebenwirkungen des Smartphones stärker betroffen sind als Erwachsene. Störungen der Sprachentwicklungen, der Aufmerksamkeit, des Lernens und der Motivation bis hin zur Willensbildung sind allesamt vor allem bei jungen Menschen anzutreffen. In diesem Alter befindet sich das Gehirn noch in der Entwicklung, und genau diese normale Gehirnentwicklung wird durch das Smartphone gestört. Manche Schäden sind irreparabel.

 Welche?

Spitzer:Kurzsichtigkeit zum Beispiel. Die Augen sind Teil des Gehirns. Sie wachsen, bis sie scharf sehen. Diese Entwicklung geht bis ins junge Erwachsenenalter hinein. Wenn man nun in jungen Jahren sehr viel in die Nähe schaut, werden die Augen angeregt, in die Länge zu wachsen – Folge ist Kurzsichtigkeit. Davon sind in Europa 30 Prozent aller jungen Menschen betroffen, in China 80 Prozent und in Südkorea über 90 Prozent.

 Es gibt aber auch viele Gesundheits-Apps, die zu mehr Bewegung anregen, und viele Krankheiten lassen sich digital unterstützt leichter behandeln.

Spitzer: Von über 25 000 überprüften Gesundheits-Apps geben über 90 Prozent die Daten der Nutzer ungefiltert weiter, ohne die Nutzer überhaupt zu fragen. Die Weltgesundheitsorganisation hat vor den Sicherheitslücken gewarnt. Wenn in der Medizin ein neues Medikament auf den Markt kommt, muss die Wirksamkeit nachgewiesen sein. Zu Recht. Für Gesundheits-Apps gilt dies aber nicht. Und auch in der Bildung muss dieser Nachweis aus unerfindlichen Gründen nicht erbracht werden.

 Sie kämpfen massiv gegen den Einzug digitaler Medien in den Schulen…

Spitzer: Ja, aus gutem Grund: Es gibt Studien, die deutlich zeigen, dass die Schüler durch den Einsatz digitaler Medien im Unterricht schlechter und unaufmerksamer werden. Zudem werden die Computer während des Unterrichts für fachfremde Tätigkeiten, etwa Video schauen oder chatten, genutzt. Einmal angenommen, man würde die Studien zu Computern im Unterricht bei der deutschen Gesundheitsbehörde als „Therapie gegen Dummheit“ einreichen, würde die Beurteilung der Datenlage ganz klar Folgendes ergeben: Die Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen, viele Nebenwirkungen dagegen treten ganz klar auf. Eine Ablehnung wäre die Folge. Warum sind wir in der Pädagogik so nachlässig? Sind unsere Kinder unwichtiger als unsere Gesundheit?

 Aber wo, wenn nicht in der Schule, ist ein besserer Ort, Medienkompetenzen zu erlernen?

Spitzer: Medienkompetenz gibt es nicht. Was heißt das überhaupt?

 Ein sorgsamer Umgang mit digitalen Medien.

Spitzer:Aber das wollen Kinder doch genau nicht.

 Daher müssen sie es unbedingt lernen.

Spitzer: Nein. Digitale Medien erzeugen Sucht und schaden der Gehirnentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Daraus zu folgern, dass wir ihnen so früh wie möglich den Umgang mit digitalen Medien beibringen müssen, ist falsch! Wir machen doch auch kein Alkoholkompetenztraining in Kindergärten und Grundschulen. Von Alkohol wissen wir auch, dass er der Gehirnentwicklung schadet und Sucht erzeugt. Daher halten wir Kinder und Jugendliche davon so lange fern, bis sie so weit stabil sind und sich in der Regel – das klappt nicht bei allen, das weiß ich als Psychiater – selbst kontrollieren können. Das ist ab dem 18. Lebensjahr.

Im zweiten Teil des Interviews berichtet Herr Spitzer über Methoden, die Eltern ergreifen können, um ihre Kinder möglichst lange vor den Gefahren der Smartphonenutzung zu schützen.

Stay tuned! 😉

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Betriebliches Gesundheitsmanagement im Gesundheitssektor

Der Krankenstandwert in der deutschen Gesundheitsbranche ist im Vergleich zum durchschnittlichem Krankenstand laut des DAK-Gesundheitsreportes 2017 um 0,6 % höher. Durch den demographischen Wandel und den mangelnden Nachwuchs in der Pflege, werden Arbeitsmodelle für ältere Mitarbeiter und das betriebliche Gesundheitsmanagement an Bedeutung gewinnen. Auch Arbeitszeitmodelle, welche zu einem unzureichenden Freizeitausgleich führen und im Pflegesektor die Regel sind, verursachen auf längere Zeit Beschwerden, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und psychische Erkrankungen. Diese Faktoren spiegeln sich auch in Bewertungen von Arbeitnehmerinnen in der Pflegebranche nieder. Im Vergleich zu schwedischen Angestellten in der Pflege bemängeln 67% der Arbeitnehmer in Deutschland einen zu hohen Arbeitsaufwand (vgl. Theobald/Szebehely/Preuß 2013, S. 75). Gesundheitsmanagement und -fürsorge sind keine Modeerscheinung, sondern gesetzlich verankert. Im Sozialgesetzbuch Ⅵ § 31, welches sich auf die gesetzlichen Rentenversicherungen bezieht. Dort „liegt der Fokus auf verhaltenspräventiven Angeboten für Beschäftige mit besonderen, berufsbedingten Gesundheitsrisiken“ (Elsner, Pernack, Deipenbrock 2016, S. 149).

Warum muss das betriebliche Gesundheitsmanagement untersucht werden?

Ziel dieses Artikels ist es, die Thematik des betrieblichen Gesundheitsmanagements von zwei verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Als erstes wird die Notwendigkeit einer Gesundheitsprävention für Mitglieder der Pflegebranche erörtert. Im nächsten Schritt wird der Wert von betrieblicher Gesundheitsprävention in Form von Nutzen für die Pflegekräfte und den Pflegesektor dargestellt. Die Frage, die nach der Gegenüberstellung der Fakten aus den zwei genannten Aspekten resultiert, ist, ob die betriebliche Gesundheitsprävention und -förderung einen betriebswirtschaftlichen Nutzen für Gesundheitsunternehmen ergibt. Darüber hinaus wird auch der Nutzen für die Arbeitnehmerinnen erarbeitet. Abschließend soll ein Ausblick gegeben werden, wie durch das betriebliche Gesundheitsmanagement die Volkswirtschaft in Deutschland entlastet werden kann.

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Wie wurde betriebliches Gesundheitsmanagement für Pflegekräfte untersucht?

Die Methode, welche diesem wissenschaftlichen Artikel zu Grunde liegt, ist die Literaturrecherche. Schlagwörter für die Suche nach relevanter Literatur sind Public Health, Gesundheitsprävention, Gesundheitsförderung, Personalmanagement, Stressmanagement, betriebliches Gesundheitsmanagement, Berufsausstieg, Krankenstand, Salutogenese und damit verwandte Begriffe. Die vorangegangen Suchterminologien sind zur Verkleinerung der Trefferanzahl auf den Bereich der Pflege und Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen eingeschränkt. Aus der gefunden Literatur sind nach „Schneeballprinzip“ weitere relevante Veröffentlichungen berücksichtigt. Hauptwerke zur Erstellung dieser Arbeit stammen aus dem Bestand der Bibliothek der katholischen Stiftungshochschule zu München und der bayerischen Staatsbibliothek zu München. Auch statistische Erhebungen von Fallzahlen sowie Ausfallquoten werden berücksichtigt. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Krankheitsausfall wird Aufgearbeitet und zur Demonstration sowie zur Festigung von Hypothesen verwendet.

Hat Deutschland ein Problem mit der Gesundheit?

Unabhängig vom ausgeübten Beruf zählen muskuloskelettale Erkrankungen und psychische Störungen mit zu den häufigsten Gründen für die Krankheitslast in Deutschland. Jedoch lässt sich feststellen, dass besonders in Berufen mit gesteigerter körperlicher Belastung eine signifikante Häufung solcher Beschwerden auftritt. Deutlich ist der Anstieg von Fehlzeiten und Frühverrentungen auf Grund von psychischen Belastungen und Erkrankungen (vgl. Robert-Koch-Institut Gesundheit in Deutschland 2015, S. 157). In Deutschland ist es noch die Regel, dass Pflegekräfte meistens keinen akademischen Grad erwerben, sondern eine dreijährige Ausbildung durchlaufen. Dies ist erwähnenswert, da es einen sichtbaren Unterschied in der Arbeitsbelastung gibt, wenn man zwischen Berufen mit Hochschulabschluss und Lehrberufen differenziert (vgl. Robert-Koch-Institut Gesundheit in Deutschland 2015, S. 161).

Pflegekräfte gehen häufig trotz Krankheit in die Arbeit

Ein weiterer Punkt, welcher die Notwendigkeit vom BGM (= betriebliches Gesundheitsmanagement) im Pflegesektor signalisiert, ist der Präsentismus. Arbeitnehmer/innen gehen trotz gesundheitlicher Beschwerden oder Erkrankungen in die Arbeit. Daraus resultiert eine verminderte Produktivität und die Gefahr Kollegen anzustecken. Zudem kann die Patientenzufriedenheit sinken und daraus resultierend eine schlechte öffentliche Darstellung die Folge sein. Die Quote ist abhängig von „organisationsbedingten Anwesenheitszwängen“ (Gerich 2015, S. 33). Man darf davon ausgehen, dass gerade Arbeitnehmer im Pflegesegment wegen unflexibler Organisationsabläufe eher Präsentismus zeigen und den individuellen Gesundheitszustand als ausreichend für den Arbeitsalltag einschätzen, als Arbeitnehmer die nicht im Sektor der personenbezogenen Dienstleistungen tätig sind. Dieses Verhalten kann durchaus einen Zusammenhang vermuten lassen, der mit dem Berufsausstieg aus der Pflege zusammen hängt. Dauerhafter Präsentismus begünstigt die Entstehung negativer Emotionen, welche mit dem Arbeitsort und der Anstellung verbunden werden können. Dies kann bei längerem Auftreten, auch zu einer allgemeinen Abneigung gegenüber dem gewählten Beruf beitragen. Dahingegen sind Arbeitnehmer, welche sich stark normativ an ihren Arbeitgeber oder an ihr „Team“ gebunden fühlen, eher bereit „Opfer“ für die Arbeit zu erbringen, als Angestellte, die eine reine Zweckverbindung mit ihrem Arbeitgeber führen. Zu diesem Punkt können folgende Ergebnisse präsentiert werden:

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Die international vergleichende NEXT-Studie fragte in zehn europäischen Ländern, wie häufig Pflegekräfte über einen Berufsausstieg nachdenken und verband dies mit einzelnen Aspekten der Arbeitssituation und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.[…] In der deutschen Stichprobe war mit einer Quote von 18,4% der Anteil unter den Befragten, die oft erwogen, den Beruf aufzugeben, vergleichsweise hoch“ (Theobald/Szebehely/Preuß 2013, S. 44-45).

Die drei Formen des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Präsentismus fördert nicht nur die Entstehung von persönlichen Aversionen gegenüber des Arbeitsplatzes, sondern schlägt sich auch in der Produktivität, Qualität und Kundenzufriedenheit im Sektor der personenbezogenen Dienstleistungen nieder. Um Präsentismus und Absentismus verhindern oder verringern zu können, ist ein komplexer Katalog an Maßnahmen erforderlich, welche betriebsintern und auf Ebene der Gesetzgebung erarbeitet werden muss. Solche Maßnahmenkataloge sind in vorliegenden Literatur fast immer in drei Blöcke aufgebaut. Jeder dieser Blöcke hat als Ziel die Bewahrung oder Wiederherstellung der Gesundheit von Mitarbeiterinnen. Daraus kann eine differenzierte Unterscheidung verschiedener Präventionen abgebildet werden. Die folgende Auflistung und Spezifikation bezieht sich auf den Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements sowie der betrieblichen Gesundheitsfürsorge.

Als primäre Prävention wird die Verhinderung von arbeitsbedingten Erkrankungen verstanden. Dies soll durch eine belastungsarme Arbeitsumgebung gefördert werden. Um im Rahmen der sekundäre Prävention effektiv sein zu können, wird ein Instrument benötigt, welches frühzeitig Erkrankungen erkennt und die weitere Verschlechterung oder Ausbreitung dieser verhindern soll. Beispielsweise durch Anreize des Arbeitgebers Vorsorgeuntersuchungen zu besuchen oder ein Arbeitsplatzmodell für gegebenenfalls beeinträchtigte Mitarbeiter zu schaffen. Nach durchlebter Erkrankung mit oder ohne Folgeschäden folgt die tertiäre Prävention. Ziel der tertiären Maßnahmen ist es, dem Mitarbeiter einen Wiedereintritt ins Berufsleben zu erleichtern. Darunter fällt auch die Koordination der Koexistenz von Berufsleben und notwendigen rehabilitativen und gesundheitsfördernden Maßnahmen. (vgl. Struhs 2017, S. 22) Die Notwenigkeit solcher Maßnahmen wird auch bei Uhle/Treier 2015 aufgeführt. Die Autoren bezeichnen Früheingliederung, bewegungsaktive Freizeitgestaltung, moderne Arbeitsplätze, Verbesserung der Rahmenbedingungen und Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes als essentiell für ein zukunftssicheres Unternehmen.

Der wirtschaftliche Mehrwert von betrieblichen Gesundheitsmanagement

Somit ist eine direkte Verbindung von der Notwendigkeit eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zum Nutzen von Prävention und Förderung abbildbar. In der aktuellen Literatur finden sich verschiedene Möglichkeiten den Nutzen vom BGM abzubilden. Je nach Rechenmethode ergeben sich schwankende Verhältnisse bezüglich des eingesetzten Ressourcen und dem Output für Unternehmen und Betriebe. Aus ökonomischer Sicht für Betriebe, die ein Gesundheitsmanagement implementiert haben, lässt sich eine positive Bilanz ziehen. Die sogenannten „harten“ Fakten aus verschiedenen Studien ergeben einen positiven „Return on Invest“ (ROI):

Zunächst wird dafür der Bruttogewinn aus den durchgeführten BGM-Maßnahmen errechnet, indem die Entgeltfortzahlungen nach der Einführung von Gesundheitsmaßnahmen in Vergleich zu den Entgeltfortzahlungen auf einen bestimmten Zeitraum gesetzt werden. Im zweiten Schritt ermittelt man die Aufwendungen für BGM-Maßnahmen. Wenn man den Bruttogewinn durch den Aufwand dividiert, erhält man den ROI für das jeweilige Unternehmen. (Hohnl/Wagner 2016, S. 262)

Die „harten“ Fakten sind insbesondere für Stakeholder interessant, welche im finanzwirtschaftlichen Verhältnis zum Gesundheitsunternehmen stehen. Darunter fallen beispielsweise die Kostenträger (Krankenkassen) und politische Träger (Städte, Landkreise, Bundesländer). Als Beispiel für einen positiven ROI lässt sich die betriebliche Darmkrebsvorsorge des BASF-Konzerns anführen. Dort ist die Rede von einem ROI welcher 1:10 (vgl. Webendörfer/Messerer/Eberle/Zober 2004, S. 882) beträgt. Dies bedeutet, dass aus 1 € Investition in das Darmkrebsvorsorgeprogramm 10 € Ersparnis resultieren.

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betriebliches Gesundheitsmanagement entlastet die Krankenkassen, Staat und Steuerzahler

Wäre die volkswirtschaftliche Komponente mit eingerechnet, müsste der ROI höher ausfallen, da die Gesamtausgaben für Medikamente, Behandlungen und Krankentagegeld ebenfalls geringer wären. Spezifische Zahlen aus Krankenhäusern oder stationären Pflegeeinrichtungen waren nicht zu finden. Diese fallen oftmals unter das Betriebsgeheimnis und wurden daher zur Erstellung dieser Arbeit nicht zur Verfügung gestellt. Alternativ muss der Blick auf allgemeinere Zahlen, welche die komplette Volkswirtschaft in Deutschland ablichten, entfallen. Booz & Company haben in Ihrer Studie für die Felix Burda Stiftung im Jahr 2011 errechnet, dass pro Arbeitnehmer alleine durch die Fehlzeiten pro Jahr Kosten in Höhe von 1.199 Euro entstehen. Legt man auch den Fokus auf den oben erwähnten Präsentismus, so belaufen sich die Kosten auf 2.399 Euro pro Arbeitnehmer in einem Zeitraum von einem Jahr.

Neben den Unternehmen, leidet auch die deutsche Volkswirtschaft unter Absentismus und Präsentismus. Der ebenfalls von Booz & Company errechnete Bruttowertschöpfungsausfall betrug im Jahr 2009 225 Mrd. Euro.

Interessant ist die Verschiebung von körperlichen Beschwerden hin zu psychischen Erkrankungen, welche auf die Arbeit zurückzuführen sind. Wenn man die Daten der Deutschen Rentenversicherung Bund auswertet wird diese Verschiebung klar. Im Jahr 1996 waren 27,5 % der Fälle für eine Erwerbsminderungsrente auf Skelett, Muskel oder Bindegewebeerkrankungen verantwortlich. Dieser Wert ist bis zu Jahre 2016 stetig auf 12,1 % gefallen. Im Vergleich sind psychische Störungen im selben Zeitraum vom 20,1 % auf 42,8 % gestiegen (vgl. Erwerbsminderungsrenten im Zeitablauf 2017, S. 2). Das gängige Drei-Schicht-Modell in der Pflege trägt dazu bei. Durch Wechselschichten wird der menschliche Biorhythmus ausgehebelt. Die „innere Uhr“ ist genetisch programmiert und kann nicht mal durch Training gänzlich um erzogen werden. Folgen daraus sind „Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsabfall, kognitive Defizite und vegetative Symptome wie Nervosität und innere Unruhe“ (Albrod 2014, S. 164). Nicht nur die innere Uhr leidet unter der Schichtarbeit, auch die soziale Uhr hat mit komplexen Probleme zu kämpfen. Im Setting Wechselschicht ist ein intaktes soziales Umfeld schwierig zu implementieren. Durch unregelmäßige Arbeitszeiten und für das soziale Umfeld nicht adaptierte Schlafzeiten, kann es zur sozialen Isolation kommen. Auch regelmäßige Trainings bei Mannschaftssportarten oder Interaktionen zum Ausgleich zur Arbeit lassen sich nur schwer organisieren. Körperliche Schmerzen oder Erkrankungen gepaart mit psychischen Beschwerden und teilweiser sozialer Isolation sind eine Spirale, welche es zu durchbrechen gilt, da diese drei Faktoren in gegenseitiger Wechselwirkung zu einer weiteren Verschlimmerung der Zustände führen. Durch diese wissenschaftlichen Erkenntnisse ist eine Verbindung von den „harten Fakten“ zu den „weichen“ Faktoren, wie die Fluktuationsrate, Mitarbeiterzufriedenheit gelegt.

Folgen für Führungskräfte in Gesundheitsbetrieben

Vergleichszahlen aus Betrieben mit betrieblichen Gesundheitsmanagement und ohne, waren trotz intensiver Recherche, zu den oben aufgeführten Themen, leider nicht verwertbar. Da Gesundheitsbetriebe in der polyzentrischen Umgebung starke Flexibilität abverlangt wird, sollten diese Grundsätze, gerade beim Spannungsfeld „Personalmangel“ große Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden. Nachkommende Generationen von Pflegekräften sind Begriffe wie Gesundheitsprävention und Work-Life-Balance durchaus geläufig. Sie werden in Zukunft, unter Berücksichtigung des größer werdenden Personalmangels und fast freier Arbeitsplatzwahl, sicherlich vermehrt ihren Fokus auf eine lebens- und gesundheitsfördernde Arbeitsumgebung legen. Aktuell Angestellte aus dem Pflegesektor denken sehr häufig über einen Berufsausstieg oder Wechsel nach. Höhmann et al. (2016) sprechen zwei verschieden Ursachen für einen Berufswechsel in ihrer Veröffentlichung an. Ein Weg führt zum belastungsbedingte Berufsausstieg. Ausgelöst durch eine Berufsunfähigkeit, welche aus dem ständigen hohen psychischen und physischem Druck resultiert. Diese Argumentation lässt sich auch mit den Werten der Deutsche Rentenversicherung vereinbaren.

Der andere zeichnet sich durch individuelle Ausstiegsentscheidungen aus, die vor dem Hintergrund sinkender Berufsattraktivität, zunehmender persönlicher Motivationsprobleme oder potenzieller beruflicher Alternativen getroffen werden.(Höhmann /Lautenschläger/Schwarz 2016, S. 76)

Nach Bringsén et al., ist es daher wichtig die Motivation von Mitarbeitern zu fördern. „It is reasonable to make the reward theme the core of a health-promoting workplace“ (Bringsén, Andersson, Ejlertsson, Troein 2012, S. 410).

Bringt betriebliches Gesundheitsmanagement der Pflege einen Mehrwert?

Die vorangegangenen Ergebnisse dieses Artikels zeigen keine wissenschaftlichen Neuerungen auf. Die Thematik von betrieblichem Gesundheitsmanagement ist seit der Jahrtausendwende gründlich untersucht worden. Dies ist hier an der Auswahl der Literatur abzulesen. Zusammenfassend lässt sich aber feststellen, dass die Notwendigkeit und der Nutzen aktuell wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind. Ein schwerwiegender Grund dafür ist sicherlich die Generation von Arbeitnehmerinnen, welche die persönlichen Schwerpunkte für eine erfülltes Arbeitsleben nicht ausschließlich auf den Verdienst, die Aufstiegschancen oder die wöchentliche Arbeitsstundenzahl legen. Viel mehr ist diese Generation aufgeklärt darüber, dass berufliche Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel eine betriebliche Förderung der Gesundheit auf lange Sicht persönliche Vorteile in sich birgt. Das Wissen und die Bereitschaft dazu Mitarbeiter eine „gesundes“ Arbeitsleben zu bieten, erhält immer größeren Zuspruch in den Führungsebenen deutscher Unternehmen. Die Bemühungen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen oder Ländern als schlecht zu bezeichnen. Es bleibt abzuwarten, ob der in der Öffentlichkeit oft genannte Pflegenotstand, eine Reaktion im Bereich der betrieblichen Gesundheitsprävention und -förderung verursacht. Planwirtschaftliche Einflüsse durch die Politik oder Änderungen, die durch Eigenregie der Gesundheitsunternehmen erfolgen, sind Möglichkeiten, die eine Verbesserung für Arbeitnehmer und die angespannte Personalsituation in der Pflege sorgen können. Außerdem kann festgehalten werden, dass der Blick aus dem Pflegesektor heraus, in benachbarte Wirtschaftszweige, die Einführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen erleichtern könnte und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit ausräumen würde.

Literaturverzeichnis

Albrod, Manfred (2014): Einführung in den betrieblichen Gesundheitsschutz – Eine Arbeits- und Orientierungshilfe für betriebliche Akteure. 2. Aufl. Münster, Rieder

Auth, Diana (2017): Pflegearbeit in Zeiten der Ökonomisierung – Wandel von Care-Regimen in Großbritannien, Schweden und Deutschland. Münster, Westfälisches Dampfboot

Badura, Bernhard (2017): Arbeit und Gesundheit im 21. Jahrhundert – Mitarbeiterbindung durch Kulturentwicklung. Berlin, Springer

Booz & Co. (2011): Vorteil Vorsorge. Die Rolle der betrieblichen Gesundheitsvorsorge für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschatftsstandortes Deutschland; i.A. der Felix Burda Stiftung

Bringsén, Asa; Andersson, Ingemar; Ejlertsson, Göran; Troein, Margareta (2012): Exploring workplace related health resources from a salutogenic perspective: Results froma focus group study among healthcare workers in Sweden. Work 42(3):403-414

DAK-Gesundheit (Hg.) (2017): Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band 16). Gesundheitsreport 2017. Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten.

Deutsche Rentenversicherung Bund (2017): Erwerbsminderungsrenten im Zeitablauf 2017.

Elsner, Ulrike; Pernack, Ulrike; Deipenbrock, Julia Anna (2016): Gesundheitsförderung und Primärprävention: Berichterstattung aus Deutschland. In: Rebscher, Herbert; Kaufmann, Stefan (Hg.):Präventionsmanagement in Gesundheitssystemen. Heidelberg, medhochzwei: 147-162

Gerich, Joachim (2015): Krankenstand und Präsentismus als betriebliche Gesundheitsindikatoren. Zeitschrift für Personalforschung 29(1):31-48

Höhmann, Ulrike; Lautenschläger, Manuela; Schwarz, Laura (2016): Belastungen im Pflegeberuf: Bedingungsfaktoren, Folgen und Desiderate. In: PflegeReport 2016 Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus. Stuttgart, Schauttauer GmbH

Hohnl, Jürgen; Wagner, Waltraud (2016): Betriebliche Gesundheitsförderung: Handlungsfelder der GKV im Spannungsfeld der beteiligten Sozialversichrungsträger. In: Rebscher, Herbert; Kaufmann, Stefan (Hg.): Präventionsmanagement in Gesundheitssystemen. Heidelberg, medhochzwei: 257-280

Jacobs, Klaus; Kuhlmey, Adelheid; Greß, Stefan; Klauber, Jürgen; Schwinger, Antje (2016): PflegeReport 2016 – Schwerpunkt: Die Pflegenden im Fokus. Stuttgart, Schattauer GmbH

Rimbach, Astrid (2013): Entwicklung und Realisierung eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements in Krankenhäusern. München, Rainer Hampp Verlag

Struhs-Wehr, Karin (2017): Betriebliches Gesundheitsmanagement und Führung,
Gesundheitsorientierte Führung als Erfolgsfaktor im BGM. Wiesbaden, Springer

Theobald, Hildegard; Szebehely, Marta; Preuß, Maren (2013): Arbeitsbedingungen in der Altenpflege – Die Kontinuität der Berufsverläufe – ein deutsch-schwedischer Vergleich. Berlin, edition sigma

Uhle, Thorsten; Treier, Michael (2015): Betriebliches Gesundheitsmanagement Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt – Mitarbeiter einbinden, Prozesse gestalten, Erfolge messen. 3. Aufl. Heidelberg, Springer

Webendörfer, Stefan; Messerer, Peter; Eberle, Friedhelm; Zober, Andreas (2005): Darmkrebsvorsorge im Betrieb. Deutsche medizinische Wochenschrift 130(14):871-889

Digitaler Stress: Frauen häufiger betroffen!

Digitaler Stress häufiger bei Frauen

In der Studie „Digitaler Stress in Deutschland“, des Augsburger Wissenschaftlers Professor Henner Gimpel, hat man untersucht, wie Arbeitnehmer heutzutage mit digitalen Technologien am Arbeitsplatz zurechtkommen. Professor Gimpel ist am Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG) der Universität Augsburg beschäftigt. Seine Studie gilt als bisher größte Befragung von Erwerbstätigen zur Belastung und Beanspruchung durch Arbeit mit digitalen Technologien. Neben einer Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Augsburg war auch eine Projektgruppe der Fraunhofer Wirtschaftsinformatik involviert. Die Studie wurde durch die Hans-Böckler-Stiftung subventioniert.

Zu folgenden Fragen, bzgl. seiner Studie „Digitaler Stress in Deutschland“, wurde Prof. Gimpel von der Augsburger Allgemeinen interviewt:

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Welcher Stress entsteht durch die Digitalisierung am Arbeitsplatz?

Prof. Gimpel: „Digitaler Stress ist ein Problem, das über alle Regionen, Branchen, Tätigkeitsarten und Bevölkerungsgruppen hinweg feststellbar ist. Unsere Studie zeigt auch, dass übermäßiger digitaler Stress mit einer deutlichen Zunahme gesundheitlicher Beschwerden einhergeht.

Welche konkreten Auswirkungen sind beobachtbar?

Prof. Gimpel: „Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich einem hohen digitalen Stress ausgesetzt sehen, leidet unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und allgemeiner Müdigkeit. Nachweislich verringert übermäßiger digitaler Stress die berufliche Leistung. Er geht zugleich mit einem starken Konflikt bei der „Work-Life-Balance“ einher.“

Welche Altersgruppe unter den Arbeitnehmern ist besonders betroffen?

Prof. Gimpel: „Die Gruppe der 25- bis 34-jährigen Arbeitnehmer ist nach unseren Erkenntnissen digital gestresster als andere Altersgruppen.“

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Warum genau diese Altersgruppe?

Prof. Gimpel: „Das hat uns auch sehr überrascht. Es kommt bei der Entstehung von digitalem Stress immer darauf an, welche Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer gestellt werden, aber auch, welche Kompetenzen er hat. Um Stress zu vermeiden, muss hier ein Gleichgewicht bestehen. Es ist schon so, dass die jüngeren Arbeitnehmer sich selbst als kompetenter einschätzen. Aber sie haben auch viel mehr mit digitalen Technologien zu tun und haben stärker digitalisierte Arbeitsplätze. Dadurch kommt es zu einem größeren Ungleichgewicht und somit zu einem größeren digitalen Stress als bei älteren Arbeitnehmern.“

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Umgang mit digitalem Stress?

Prof. Gimpel: „Bemerkenswert ist, dass Frauen, die an digitalisierteren Arbeitsplätzen arbeiten, sich als kompetenter empfinden als Männer. Zugleich leiden sie aber mehr unter digitalem Stress als Männer. Geschlechterübergreifend wird die Verunsicherung im Umgang mit digitalen Technologien als der größte Stressfaktor wahrgenommen. Aber auch die Unzuverlässigkeit der Technologien und die Überflutung mit digitalen Technologien in allen Bereichen des Lebens spielen neben weiteren Faktoren eine bedeutende Rolle.“

Wie lässt sich digital verursachter Stress reduzieren bzw. vorbeugen?

Prof. Gimpel: „Unsere Erkenntnisse aus der Befragung legen Maßnahmen nahe, die in erster Linie darauf abzielen, Fehlbeanspruchungen durch digitalen Stress zu vermeiden. Darunter fallen in erster Linie vorbeugende Maßnahmen, etwa die Vermittlung und der Erwerb von Kompetenzen sowohl im Umgang mit digitalen Technologien als auch in der Bewältigung von digitalem Stress. Unter präventiven Gesichtspunkten geht es aber auch darum, digitale Technologien maßvoll und individuell optimiert einzusetzen, Unterstützung für Arbeitnehmer sicherzustellen und beim Design der eingesetzten digitalen Technologien höchsten Wert auf deren Verlässlichkeit zu legen.“

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Rückenschmerzen aktiv selbst behandeln

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen – Jeder kennt sie und jeder hatte sie schon mindestens einmal. Doch warum leiden eigentlich so viel Menschen darunter? Je nach Befragung antworten 60-70 Prozent der Menschen, dass sie in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Rückenschmerzen hatten.

Die Entwicklung des Lebensstils in unserer Gesellschaft hat dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Rückengesundheit. Einseitige, ungesunde Lebensweisen wie beispielsweise überwiegend sitzende Tätigkeiten, mangelnde Bewegung und Fehlernährung wirken sich negativ auf die Körperhaltung aus und begünstigen somit die Entstehung von Beschwerden am Bewegungsapparat. Das positive dabei ist, dass ein durch die Muskulatur hervorgerufener Schmerz reversibel (umkehrbar) ist. In der Medizin verwendet man auch den Begriff „restitutio ad integrum“, der die Abheilung einer Erkrankung ohne bleibende Schäden beschreibt. Im Fall der Muskulatur ist es so, dass wenn sich ein Muskel durch (falsche) Bewegung verkürzen kann, lässt sich diese Verkürzung wieder aktiv beheben.

Wie kommt es zur Muskelverkürzung?

Viele Menschen nehmen über weite Strecken des Tages eine nach vorne gebeugte bzw. gekrümmte Haltung ein. Beispielsweise beim Sitzen, Autofahren, beim Radfahren oder auch während des Schlafens (Embryonalstellung). Die passiv dauerbeanspruchten vorderen Muskelketten verkürzen dabei systematisch. Die Balance der vorderen und rückwärtigen Muskelgruppen ist gestört und immer öfter führen diese einseitigen Alltagspositionen bzw. Fehlhaltungen zu Schmerzen. Die Stelle des lokalisierten Schmerzes ist jedoch leider nicht immer der Ort der Schmerzursache. So liegt die Ursache von Rückenschmerzen z.B. oft in verkürzten Bauchmuskeln oder im verkürzten Hüftbeuger.

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Training gegen Rückenschmerzen und Muskelverkürzung

Das herkömmliche Muskeldehnen reicht leider bei weitem nicht aus, um einen Muskel wieder in Länge zu bringen. Ein entsprechender Trainingsreiz auf den zu trainierenden Muskel ist notwendig, damit man eine Verlängerung der Muskulatur erreicht. Sobald dieser Reiz eine gewisse Schwelle überschreitet, ist eine langfristige Anpassung begünstigt und möglich. Anfangs kann ein solcher Trainingsreiz schmerzhaft sein, da der verkürzte Muskel die aktiven Muskelgruppen in der Bewegung behindert. Deshalb ist ein regelmäßiges Beweglichkeitstraining sinnvoll, um den Schmerzpunkt kontinuierlich zu verschieben. Ein Ganzkörpertraining, welches vor allem die großen Muskelgruppen beansprucht, kann sich positiv auf die Schmerzursache auswirken, allen voran Rückenschmerzen. So können sich Beschwerden langfristig minimieren oder sogar eliminieren lassen.

Gesunde Führung leichtgemacht – Führungskraft Teil 2

Fortsetzend zu unserem ersten Artikel „Führungskraft Teil 1 – was macht einen guten Chef aus?“  möchten wir in diesem Beitrag klären, warum eine gesunde Führung für jedes Unternehmen essentiell ist. Auch die AOK Bayern hat sich mit dem Handlungsfeld „Gesundheitsgerechte Führung“ intensiv auseinandergesetzt und versucht, Unternehmen im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zu unterstützen. Eines sei an dieser Stelle vorweggenommen: Eine intakte sowie gesunde Unternehmenskultur ist maßgeblich von einer guten Führungskultur auf allen Hierarchieebenen abhängig!

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Die AOK Bayern bietet dafür einen Basisworkshop an. Im Anschluss an das Basismodul kann man weitere fünf Aufbauworkshops belegen, die zentrale Elemente einer gesunden Führungskultur bearbeiten. Im Folgenden stellen wir Euch zwei Module vor.

  • Modul „Soziale Unterstützung und Gestaltung der Zusammenarbeit“

Wenn ein Team konstruktiv und kooperativ an einem gemeinsamen Ziel mit vereinten Kräften arbeitet, kann sich ein besonders produktiver und gesundheitsförderlicher Zustand für alle Beteiligten entwickeln, der zum Wohl der gesamten Organisation beiträgt. Eine gesundheitsgerechte Führung kann somit durch eine gut gestaltete Zusammenarbeit im Team begünstigt werden. Erfährt der Angestellte soziale Unterstützung durch den direkten Vorgesetzten und seine Mitarbeiter, werden geringere Belastungspotenziale nachgewiesen. Im Workshop werden neben den theoretischen Grundlagen der Teamentwicklungsphasen auch praktische Übungen durchgeführt, damit man die Werte guter Zusammenarbeit erleben und reflektieren können. Fragen wie „Was zeichnet ein gutes Team aus?“, „Wie gelingt gute Teamarbeit?“, „Welche Aufgaben hat dabei die Führungskraft?“ u.v.m. sollen so beantwortet werden.

  • Modul „Mitarbeiterorientierung“

Die Mitarbeiterorientierung ist ein essentieller Faktor für gesunde Führung. Zu den wichtigen Prinzipien zählen dabei Partizipation und Wertschätzung. Werden diese Elemente in der Praxis umgesetzt, steht einer gesunden Führung im Arbeitsalltag nichts im Wege. Die Führungsprinzipien sind so auszurichten, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter unterstützt werden. So steigert man die Motivation und fördert die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Der Workshop vermittelt wichtige Prinzipien der Mitarbeiterorientierung wie zum Beispiel die Bedeutung von Handlungs- und Entscheidungsspielräumen, Selbstwirksamkeit und Partizipation. Aber auch die Bedeutung von Wertschätzung in unterschiedlichen Facetten wird erarbeitet. In praktischen Lerneinheiten überprüfen die Teilnehmer dann die Prinzipien in Bezug auf ihre Anwendungsmöglichkeiten im Arbeitsalltag, um daraus Optimierungspotenziale abzuleiten.

Gesunde Führung – Online-Programm 

Neben den Workshops hat die AOK Bayern auch ein Online-Programm zum Thema GESUND FÜHREN entwickelt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes WebBasedTraining. Hier haben Führungskräfte die Möglichkeit, zusätzliche Anregungen und Tipps zu erfahren, um eine mitarbeiterorientierte und gesunde Führungskultur zu entwickeln. Das Online-Programm ist ebenfalls modulartig aufgebaut und zeigt anhand einer Checkliste das eigene Führungsverhalten. In sechs Modulen gibt das interaktive Programm Anregungen für die Weiterentwicklung der eigenen Führungskompetenzen. Das praktische ist, dass man die 20-minütigen Module sowohl am Arbeitsplatz als auch unterwegs auf dem Handy nutzen kann.

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Psychische Erkrankungen – vor allem ältere Krankenschwestern stark betroffen!

Psychische Erkrankungen bei Krankenschwestern

Nicht nur die Arbeit im Pflegeberuf nimmt stetig zu, sondern auch die Erkrankungsrate der Pflegenden. Speziell ältere Gesundheits- und Krankenpflegerinnen leiden überdurchschnittlich oft an psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen, erklärte das Arbeitsministerium. Neben den vielen Krankheitstagen beantragen auch immer mehr betroffene Schwestern eine vorzeitige Erwerbsminderungsrente. Männliche Pflegekräfte und jüngere Krankenschwestern sind im Vergleich deutlich weniger oft krankgeschrieben. Auch psychische Erkrankungen werden hier seltener diagnostiziert.

Rückblick

Im Jahr 2016 waren Krankenschwestern an insgesamt 59 Millionen Tagen aufgrund psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen krankgeschrieben. Bei den männlichen Kollegen waren es hingegen nur 39 Millionen. Demzufolge waren Frauen 50 Prozent häufiger psychisch krank. In der Altersgruppe der 55- bis 60-jährigen Krankenschwestern führten psychische Erkrankungen bzw. Belastungsstörungen an 367 Tagen pro 100 Versicherte zu Krankschreibungen. Im Gegensatz dazu waren die jüngeren Kolleginnen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren nur an 174 Tagen pro 100 Versicherte arbeitsunfähig. Die männlichen Pflegekräfte der Altersgruppe 55 und 60, bei denen man eine psychische Erkrankung diagnostizierte, wurden nur an insgesamt 213 Tagen pro 100 Versicherte krankgeschrieben.

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Auch die AOK Bayern hat sich die Branche genauer angeschaut und die Zahlen aus dem Jahr 2017 in einem „Report Pflege“ zusammengefasst. Dabei wurden die Daten von 49.000 AOK-versicherten Pflegekräften untersucht. Lag der Krankenstand der Pflegekräfte im Jahr 2008 noch bei 5,4 Prozent, ist er nun auf erschreckende 6,8 Prozent angestiegen. Im Vergleich dazu liegt der bayerische Krankenstand durchschnittlich bei 4,7 Prozent. Hinzu kommt, dass in der Pflegebranche ca. 40 Prozent der Beschäftigten älter als 50 Jahre und knapp 82 Prozent Frauen beschäftigt sind.

Psychische Erkrankungen-Die Pflegefachkräfte sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen!

Ein gewöhnlicher Arbeitstag ist neben der großen Verantwortung und den psychischen sowie physischen Anforderungen geprägt von personeller Unterbesetzung, dem zunehmenden Kostendruck des Gesundheitswesens und der Zunahme an multimorbiden Patienten. Auch im AOK-Report Pflege wurden typische Gesundheitsbelastungen des Pflegepersonals vorgestellt.

Typische Belastungen:

  • schweres Heben und Tragen sowie langes Stehen belasten den Muskel-Skelettapparat. Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage fallen auf Muskel-Skeletterkrankungen mit 23,5 Prozent.
  • psychische Erkrankungen sind für die zweithäufigste Erkrankungsursache bei Pflegekräften verantwortlich (16 Prozent)

Auch die Erkrankungsdauer in den beiden Diagnosegruppen ist länger als der bayerische Durchschnitt. Bei den psychischen Erkrankungen beträgt die Genesungszeit der Pflegekräfte durchschnittlich knapp 34 Kalendertage. Das sind 30 Prozent mehr als der Bayerndurchschnitt. Die Arbeitsunfähigkeit bei Muskel-Skeletterkrankungen liegt bei rund 23,1 Kalendertagen und somit um 31 Prozent über dem Bayernwert.

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Ausblick

Um dieser Entwicklung und den arbeitsbedingten Belastungen entgegen zu wirken, bietet die AOK Bayern speziell für Pflegeheime seit einigen Jahren ein branchenspezifisches betriebliches Gesundheitsmanagement an. Allein im vergangenen Jahr hat die AOK Bayern in über 280 bayerischen Pflegeheimen mehr als 700 Aktivitäten zur Förderung der Mitarbeitergesundheit durchgeführt. Rund 20.000 Angestellte nahmen dieses Angebot wahr. Ziel ist es arbeitsbedingte Gesundheitsbelastungen und Erkrankungen zu reduzieren. Inhalt des Schulungskonzepts sind beispielsweise der rückengerechte Einsatz von Pflegehilfsmitteln oder eine optimierte Dienstplangestaltung. Um langfristige Erfolge erzielen zu können, sind umfangreiche Analysen sowie die Integration eines individuellen und praxisnahen betrieblichen Gesundheitsmanagements erforderlich.

Kindesentwicklung abhängig von senso- und sportmotorischen Erfahrungen

„Früher war alles besser.“ – Ein Spruch den man heutzutage häufig zu Ohren bekommt. Aber abgesehen davon früher und heute wertend zu vergleichen, kann man beobachten, dass sich die Zeiten verändert haben. Die Gesellschaft ist immer neuen Herausforderungen ausgesetzt. Dies hat auch Konsequenzen für die senso- und psychomotorische Kindesentwicklung. Diese ist nämlich neben angeborenen Reaktionen auch von äußeren Faktoren abhängig. Um die Auswirkungen der externen Faktoren auf das Individuum zu verstehen, ist es notwendig die Entwicklung des Menschen zu kennen.

Sensomotorische Kindesentwicklung im 1. Lebensjahr

Die sensomotorische Entwicklung ist der Zusammenhang von Sinneswahrnehmung, also sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken, und den motorischen Systemen. Die Entwicklung vollzieht sich dabei im ersten Lebensjahr in 4 Stadien. Diese Stadien sind in zwei Beuge- und zwei Streckstadien eingeteilt. Die Bezeichnung Beuge- oder Streckstadium bedeutet dabei, dass die Funktion der Beuge- oder Streckmuskulatur im Vordergrund steht.

Im 1. -3. Monat, dem ersten Beugestadium, ist das Neugeborene damit beschäftigt sich in der Umwelt zurecht zu finden, sich um Atmung, Nahrungsaufnahme und Verdauung zu kümmern. Daher ist noch keine Kapazität vorhanden sich um den komplexen Einsatz der Muskulatur für den Lagewechsel zu widmen. Um die Reizdichte gering zu halten werden die Augen die ersten 4- 6 Wochen nur wenig geöffnet. Eine komplexe Gesichtserkennung ist durch den undifferenzierten Einsatz der Augenmuskulatur auch dann erst mal noch nicht möglich. Das Lächeln wird in dieser Phase als „soziales Lächeln“ bezeichnet und ist lediglich eine Schutzreaktion, eine Art „Tu mir nichts“ Reaktion auf bewegte Gegenstände und Personen, aber noch keine Kontaktaufnahme. Die Babys zeigen Massenbewegungen, das heißt noch keine isolierten , sondern grobe Bewegungsmuster. Dies sind angeborene Reaktionen. Dadurch wird die Rezeptorendichte, die anfangs kopfwärts liegt ,weiter zur Körpermitte gebracht.

Nach etwa drei Monaten sollte die Körpermitte gefunden sein, so dass die Extremitäten über der Mitte zusammengeführt werden können. Bereits hier liegt die Basis für das Gleichgewicht. Dies kann sich nur ausbilden, wenn die Körpermitte gefunden wurde. Ein entscheidender Schritt in der Kindesentwicklung

Nun erklärt sich auch die Bezeichnung Beugestadium, denn eine Kontraktion der Flexoren (also eine Anspannung der Beugemuskulatur) ermöglicht, dass sich die Extremitäten in der Körpermitte treffen können.

Dies ist auch der sportmotorische Ansatz bei Gleichgewichtsproblematiken im Kindesalter. Liegt eine Auffälligkeit vor, so könnte die Ursache darin liegen, dass der vorherige Entwicklungsschritt im Neugeborenenalter aus unterschiedlichsten Gründen nicht genügend vollzogen wurde,. So wurde beispielsweise die Körpermitte nicht vollständig gefunden. Übungsreihen, die nun das Zusammenführen von Händen und Füßen in der Körpermitte fördern können damit eine Möglichkeit zur Verbesserung des Gleichgewichtes sein.

Der Schritt zum sozialen Wesen in der Kindesentwicklung (im 1. Lebensjahr)

 

Bild: pixabay

 

Zudem bildet sich in diesem Alter das Urvertrauen aus. Wird das Unbehagen der Babys durch die Mutter gestillt, bekommt es genügend Zuneigung und Liebe bildet sich das Urvertrauen aus. Dies wird im Alter von sieben bis neun Monaten nochmals wiederholt. Hier ist es das Vertrauen darauf, dass eine mentale Verbindung vorhanden ist, auch wenn die physische Präsenz gerade nicht gegeben ist- „Mama und Papa kommen wieder“. Das fehlende Urvertrauen könnte dabei für einige Charakterzüge im Alter verantwortlich gemacht werden. Beispielsweise kann dies Ausdruck in einer Bindungsunfähigkeit oder generellem Misstrauen finden. Wiederum ein essentieller Schritt in der Kindesentwicklung um eine soziales Wesen werden zu können.

Ausbau der Beweglichkeit im ersten halben Lebensjahr

Im ersten Streckstadium, 4.- 6. Monat, haben die Babys nun mehr Kapazität um sich um die Motorik zu kümmern. Bewegungen werden koordiniert und die Extremitäten gegen die Schwerkraft angehoben, dies wird in Bauchlage als „schwimmen“ bezeichnet.

Drehen, also der erste Lagewechsel, geschieht durch Bewegungseinleitung über den Kopf. Es folgt die Schwerpunktverlagerung zur Seite und die Streckung der Extremitäten, welche in diesem Stadium im Vordergrund steht, sowie dem Einsatz der Rumpfmuskulatur.

Die Eigenwahrnehmung ist abgeschlossen, und die Körpergrenzen sind gefunden. Die Babys haben also nun schon eine Wahrnehmung dafür wo sie beginnen, und wo sie aufhören und wissen „ich bin jemand“. Eine Störung der Eigenwahrnehmung kann im Alter durch eine gestörte Selbstwahrnehmung zu Erkrankungen führen. Zudem können Verhaltensauffälligkeiten, wie körperliche Unruhe, Anecken und Stoßen an Gegenständen und Kameraden im Kindesalter auch an einer verminderten Wahrnehmung für die eigenen Körpergrenzen liegen. Die Folge ist, dass die Kinder durch physisches Anecken versuchen ihre eignen Grenzen durch äußere Faktoren zu spüren. Auch hier können gezielte Übungsreihen dafür genutzt werden, an der richtigen Stelle die fehlenden sensomotorischen Erfahrungen wieder zu geben, und womöglich dadurch eine Verhaltensänderung einzuleiten.

Bewusstes Lächeln dient nun auch der Kontaktaufnahme und Kommunikation.

Die Kindesentwicklung in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres

Im 2. Beugestadium, 7.-9. Monat, beginnen die Babys zu kreiseln, zu robben, und durch Wippbewegungen den Körperschwerpunkt zu finden. Es folgt die Aufrichtung gegen die Schwerkraft in den Sitz. Die Babys fremdeln in dieser Phase. Dies bedeutet eine große Skepsis gegenüber unbekannten Personen. Ein wichtiger Schritt, denn es zeigt die Auseinandersetzung mit der Umwelt, dies ist nur möglich wenn die Selbstwahrnehmung abgeschlossen ist.

Im 2. Beugestadium, 10.- 12. Monat, steht das koordinierte Krabbeln als Ziel. Zunächst wird der rückwärts erlernt, da „sich weg drücken“ leichter als „sich heranziehen“ ist. Dies führt häufig zum Unleid der Kinder, denn sie wollen einen Gegenstand erreichen und bewegen sich zunächst davon fort. Nach einiger Zeit und vielen Bewegungserfahrungen erlernen die Babys aber schließlich sich vorwärts fortzubewegen.

Allgemeine Prinzipien der Kindesentwicklung

Voraussetzungen für das Krabbeln sind generell: Beweglichkeit, Muskelkraft, Brückenaktivität, Koordination, Gleichgewichtsreaktionen, willkürliches Verschieben des Körperschwerpunktes, Raumorientierung, Überlagerung der Reaktionen, Einsatz der Stützpunkte, Aufrichtung gegen die Schwerkraft.

Die sensomotorische Entwicklung folgt den allgemeinen Prinzipien von großer zu kleiner Unterstützungsfläche, von Massenbewegungen hin zu Differenzierung. Erst wenn eine Ausgangsstellung sicher beherrscht wird, wird das Baby übermütig und fällt in die neue Ausgangsstellung. Nun wird zuerst der Rückweg in die beherrschte Lage geübt, bis die willkürliche Einnahme in die neue Ausgangsstellung erfolgt. Erlernt ein Kind nicht selbst die motorischen Schritte, wird es z.B. zu früh hingesetzt, passiv, fehlt es an der Abspeicherung im Cortex, also dem Lernprozess von Bewegungsmustern. Die Folge ist zudem eine Fehlbelastung, da die Muskulatur noch nicht kräftigt genug ist um sich gegen die Schwerkraft aufrecht zu halten. Auch das Überspringen von Entwicklungsstufen wie z.B. das Krabbeln führt dies zu mangelnden Bewegungserfahrungen.

Zudem ist krabbeln vom Bewegungsablauf her komplexer als Laufen. Ein Kind das krabbelt wird mit höchster Wahrscheinlichkeit Laufen lernen. Umgekehrt jedoch, kann ein Mensch der Laufen kann (und das Krabbeln übersprungen hat) womöglich nicht krabbeln können, da es koordinativ anspruchsvoller ist.

Gesellschaftliche Entwicklungen

Wie man in der sensomotorischen Entwicklung sehen kann, ist es das wichtigste, dass die Babys und Kinder selbst möglichst viele Bewegungserfahrungen machen. Jedes Kind wird hunderte von Male versuchen sich zu drehen, zu krabbeln, zu laufen, bevor es gelingt. Jeder gescheiterte Versuch ist notwendig, denn hier lernt der Körper, dass der Muskeleinsatz zu undifferenziert, zu schwach oder zu stark war, und kann es beim nächsten Versuch ändern. Jeder Versuch wird das Kind näher an den gewünschten Bewegungsablauf bringen. Dabei ist der angeborene Bewegungsdrang und der unbedingte Wille, die Motivation, notwendig. Das Gehirn lernt nur, wenn die Erfahrung aktiv selbst gemacht wurde, und hunderte von Malen durchgeführt wurde, bis es zur Routine für das Gehirn geworden ist und die Bewegungsmuster wie automatisch abgerufen werden können. So verhält sich im Training von Erwachsenen, wie auch in der Kindesentwicklung.

Hierbei ist die gesellschaftliche Entwicklung nun ein beeinflussender Faktor von außen.

Viele Kinder bekommen durch äußere soziale, gesellschaftliche, ökonomische Einflüsse nicht mehr die Möglichkeit Erfahrungen selbstständig zu sammeln. Stattdessen vermitteln die heutigen Medien ein passives Aufnehmen von Erfahrungen die durch zweite Hand vermittelt werden. Ohne sie auszuprobieren oder einordnen zu können haben die Kinder die Erfahrung angenommen, aber nicht selbst erlernt. Somit auch nicht auf dem Cortex abgespeichert. Zudem führen hohe Erwartungen und Perfektionismus dazu, dass ein Scheitern häufig negativ bewertet wird und nicht als notwendiger Schritt zum Ziel einer gesunden Kindesentwicklung gesehen wird. Dies führt dazu, dass immer weniger Kinder auf einem Bein stehen können, Seilspringen oder einen Purzelbaum machen können. Häufig wurden diese Bewegungserfahrungen verpasst, der angeborene Bewegungsdrang durch eine zu frühe Anpassung an das Leistungssystem genommen, und die Motivation durch negative Reaktionen auf Scheitern (häufig auch nur indirekt mitbekommen) genommen. Auch orthopädische Fußerkrankungen wie Knick- ,Senk- oder Spreizfüße können häufig auf eine zu wenig ausgeprägte Fußmuskulatur zurück geführt werden. Barfuß laufen, über Steine, über unebene Unterlagen stimulieren die Fußflächen, den Gleichgewichtssinn und die feine Fußmuskulatur. Zudem können sich auch die Beinachsen, das heißt ein Ungleichgewicht der Beinmuskulatur, oder eine schwache Rumpfmuskulatur auf die Füße auswirken. Muskulär einseitige Belastungen schon im Kindesalter durch zu viel sitzen und mangelnder Ausgleich in Form von Bewegung und motorisch fordernder Erfahrung können dabei Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Kindes haben.

Prävention und Sport bei der Kindesentwicklung

Um orthopädische Schädigungen vorzubeugen, aber vor allem auch um die gesunde psychische und physische Entwicklung der Kinder zu unterstützen gibt es präventive Möglichkeiten. Wenn es durch äußere Umstände nicht möglich ist den Kindern in der Natur, bei Spiel und Sport genügend Bewegungsmöglichkeiten zu geben, können auch Sportkurse besucht werden. Durch Physiotherapeuten oder ausgebildete Trainer geleitet, werden hier alle Entwicklungsschritte und sportmotorischen Basisfähigkeiten mit einbezogen und die Kinder dort adäquat abgeholt wo sie stehen und individuell gefördert werden können.

Auf lange Sicht würde es sich bereits im Kindergarten und in der Grundschule empfehlen solche Sporteinheiten zu integrieren, um die sensomotorische Entwicklung unterstützen. Zudem können beispielsweise Physio- oder Sporttherapeuten durch einen geschulten Blick für Bewegungsabläufe schnell den Entwicklungsstand der Kinder erkennen und spezifisch fördern.

Bis es jedoch soweit ist gibt es auch Sportangebote, die sich speziell mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben. Nämlich die Sensomotorik spielerisch zu schulen, welche im Alltag für Kinder nur noch eingeschränkt nutzbar und zugänglich ist.

Ausgewählte Übungsreihen, die durch speziell ausgebildetes Personal vermittelt werden, sollen den Kindern spielerisch wieder Spaß an Bewegung nahe bringen und präventiv ein großes Spektrum an Bewegungserfahrungen bieten. Dies steht beispielsweise bei den kids fit Kursen von black and white personal training in Augsburg an erster Stelle.

(Bei Interesse, genauere Infos: https://www.blackandwhite-augsburg.de/kindersport/kinderfitness/ )

i.A. Black and white personal training, Natascha Bartel, Physiotherapeutin, Ernährungstrainerin